Alternative Antriebstechniken für Erdöl 1
1. Einleitung
Mobilität ist ein Schlagwort der heutigen Zeit. Getrieben durch die Forderung nach Flexibilität und der Sehnsucht nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit hetzten die Menschen in unserer Gesellschaft von einem Standort zum Nächsten. Mobil sein ist Kult 1 , „wer Mobil sein will, sollte sich ein Auto mieten“ 2 , das wird selbst vom Bedeutungswörterbuch der Duden vorsorglich hinzugefügt. Eine der richtungweisenden Erfindungen des letzten
Jahrhunderts war daher zweifelsohne der Verbrennungsmotor. Aus dem Streben nach Ortsunabhängigkeit, wurde eine Technik erfunden, die es ermöglicht sich ohne Einsatz eigener Körperkraft und unabhängig von anderen Lebewesen fortzubewegen. Pate für diese Entwicklung war die Dampfmaschine. Mit ihrer Erfindung begann die
Industrialisierung. Die Dampfmaschine, auf Rädern gesetzt und auf Schienen gestellt, war die Eisenbahn, ein unerlässliches Hilfsmittel zur Erschließung der Märkte. Um den Verkehr im größeren Maßstab zu individualisieren, bedurfte es der Erfindung des Otto-Motors. Das Prinzip dieses Motors basiert auf der Kompression eines Kraftstoff-Luft-Gemisches und dessen anschließende Entzündung. Der durch die folgende Expansion freigesetzte Druck wirkt dann auf den Antrieb des Kraftfahrzeugs. 3
Die Anforderungen unserer Gesellschaft sowie der Wettbewerb unter den Automobilherstellern führen zu stetigen technischen Verbesserungen der angebotenen Motoren. Das betrifft sowohl die allgemeine Ausstattung, den Komfort der Automobile, als auch die Motorenleistung.
Auch wirtschaftspolitisch ist es aufgrund der Globalisierung zu einer Zunahme der weltweiten Güterströme gekommen. Einer Volkswirtschaft ist es mittlerweile unmöglich, autark zu handeln. Die eigenen Ressourcen einerseits und die Nachfrage
1 Vgl. Politische Ökologie 05/2003, S. 10
2 Duden 2002
3 Meyer 2001
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nach dem Neuen und Besonderen andererseits bedingen einen verstärkten internationalen Handel. Das globale Transportvolumen und der persönliche Bedarf an Mobilität wachsen kontinuierlich an. Ein Ende dieses Wachstums scheint nicht in Sicht. Die Zahl der Kraftfahrzeuge erhöht sich und folglich steigt auch der Bedarf an Kraftstoffen.
2. Notwendigkeit der Entwicklung alternativer Kraftstoffe
Erdöl - das „schwarze Gold“, ein Rohstoff, der den Menschen Wärme, Licht und Energie bietet. Seit Jahrzehnten wird darauf hingewiesen, dass die knappe Ressource bald vollständig aufgebraucht sein wird. So erklärte schon 1914 das US-Bergbauamt, die Erdölvorräte würden nur noch für die nächsten zehn Jahre ausreichen, um die Weltbevölkerung mit Energie zu versorgen. 1939 wurde die Prognose vom US-Innenministerium auf 13 Jahre aufgestockt.
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In den Medien wird heute
noch von dem Entdecken neuer Erdölfelder berichtet, die jetzigen Erdölvorräte reichen zunächst bis circa 2050. Zudem ermöglichen es neue immer mehr Öl aus den bekannten Ölfeldern zu fördern und das gewonnene Öl effizienter zu nutzen. 5 Warum hat sich Eröl als Energiequelle durchgesetzt? Das Erdöl weist Eigenschaften auf, die gerade im Verkehrswesen von entscheidendem Vorteil sind. Neben dem hohen Energiegehalt, ist es aufgrund seines flüssigen Aggregatzustandes leicht transportabel 6 . Die Ölströme fließen und flossen mit Ausnahme einiger kurzer Unterbrechungen (z.B. die Ölkrise in den siebziger Jahren) reichlich. So scheint
4 Vgl. Simon 2002, S. 150
5 Vgl. SZ Wissen 01/2005
6 Vgl. Simon 2002, S. 149 ff
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die dringende Notwendigkeit der Umstellung auf andere Energien nicht gegeben.
2.1 Ökologische Auswirkungen
Der Bedarf nach anderen Energieformen lässt sich also, obwohl der Energiebedarf steigt, nicht in erster Linie auf das Problem der knappen Ressource Erdöl zurückführen. Greenpeace beschreibt die aktuelle Problematik wie folgt: „Wir befinden uns in einer zweiten weltweiten Ölkrise. In den siebziger Jahren war das Problem allerdings die Knappheit. Jetzt haben wir das Problem, dass es zu viel Öl gibt.“ 7 Vielmehr liegt die Notwendigkeit einer Umbesinnung darin, dass durch die Nutzung, Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe Schadstoffe freigesetzt werden, die erhebliche Folgen für Mensch und Umwelt bedeuten. 8 Die Hälfte des durch Erdöl erzeugten Kohlendioxid (CO 2 )-Ausstoßes ist in Deutschland dem Straßenverkehr
zuzuschreiben. In Amerika liegt der Anteil mit 2/3 signifikant höher. 9 Durch die Verbrennung von Erdöl werden jährlich rund 10 Mrd. Tonnen Kohlendioxid 10 freigesetzt, die den
Treibhauseffekt verstärken. Durch die Veränderung der sich in der Atmosphäre befindenden Gase wird ein Treibhauseffekt erzeugt. Das hat eine globale Erwärmung zur Folge, die sich bereits jetzt durch das Schmelzen der Pole und Gletscher, extreme Niederschlagsmengen und Hitzerekorde zeigt.
Neben der Emission von Kohlendioxid werden bei der Verbrennung von Erdöl zusätzlich andere Schadstoffe freigesetzt, die die Luftqualität mindern. Im Wesentlichen handelt es sich hier um Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide, Schwefeloxide und Rußpartikel. 11 Vor allem von den durch die Luft übertragenen Schadstoffpartikeln geht eine Gesundheitsgefährdung aus, die bisher unterschätzt wurde.
7 Vgl. Simon 2002, S. 301
8 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung 2003, S. 13
9 Vgl. Zeit 08/2003
10 entspricht 42 Prozent des Gesamten Ausstoßes an CO2
11 Vgl. Grobecker 2003, S.57
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Neben Husten und Atembeschwerden wurden in Untersuchungen zusätzlich langfristige Auswirkungen
festgestellt. Heute geht man davon aus, dass Partikel über die Atemwege in die Lunge gelangen und sich dort festsetzen. Eine Veränderung der Lungenfunktion, die unter Umständen zum Tode führt, kann die Folge sein. 12 Mit dem immer weiter steigenden Verkehrsaufkommen sind neben der Emission von Luftschadstoffen auch andere Umweltbelastungen verbunden. Die Zerstörung ganzer
Landstriche durch den Straßenbau, der mit der Verpestung der Luft einhergehende saure Regen und Lärmbelastungen sind nur einige Beispiele für Auswirkungen, die Mensch und Umwelt belasten.
Die Zeichen der Zeit wurden mittlerweile auch von der Politik erkannt. Im Kyoto-Protokoll legte man 1997 eine globale Reduktion der Treibhausgasemission fest. Demnach hat sich z.B. die Europäische Union verpflichtet, ihre Emission gemessen an den Werten von 1990 um 8 Prozent zu verringern. 13
Abschließend soll angemerkt werden, dass es sich bei der Luftverschmutzung nicht lediglich um ein gesundheitsgefährdendes Umweltproblem neben vielen
anderen handelt. Vielmehr handelt es sich hier, obwohl die Luft in der westlichen Welt heute sauberer denn je ist, um das gesundheitlich relevanteste Umweltrisiko. 14 Luft kennt weder Landes- noch Staatsgrenzen. Sie ist wahrscheinlich der größte Transporteur von Schadstoffen und dringt durch die kleinsten Nischen. Das sollte uns allen seit Tschernobyl bewusst sein.
2.2 Ökonomische Bedeutungen
Durch das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum steigt auch die Nachfrage nach Energie. Dies gilt für Industrieländer, aber auch gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer, die den
12 Vgl. Simon 2002, S. 199
13 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung 2003, S. 39
14 Simon 2002, S. 195 ff
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Anschluss an die reichen, wirtschaftlich starken Staaten
suchen. Energie ist die Vorraussetzung für 2,4 Mrd. Menschen, um den wirtschaftlichen Entwicklungsstand und Wohlstand der erreichen. 15 reichen Industriestaaten zu Durch die
Globalisierung des Welthandels und die damit wachsenden Warenströme über die Ländergrenzen und Kontinente hinaus, bedarf es, um den Transport zu gewährleisten, einer riesigen Menge an energieliefernden Rohstoffen. Der steigende Wohlstand, besonders in den Schwellenländern wie China und Indien, löst einen Nachfrageboom nach „energiefressenden“ Konsumgütern aus. Abbildung 2 zeigt ein Szenario eines weltweit stark zunehmenden Erdölverbrauchs, wenn für die Schwellenländer ein zu Deutschland äquivalenter pro Kopfverbrauch zugrunde gelegt wird.
In den Industriestaaten ist man sich der Abhängigkeit, die gegenüber den wichtigsten Energielieferanten besteht bewusst. Gerade Deutschland weist, was den Bedarf an
Primärenergieträgern betrifft, einen großen Mangel an eigenen Ressourcen auf. Siebzig Prozent der in Deutschland
verbrauchten Primärenergie wird durch Importe abgedeckt. 16 Die Ressource Erdöl findet sich zum größten Teil im Nahen Osten. Rund vierfünftel der weltweit bekannten Reserven
15 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung 2003, S. 13
16 Vgl. Hartmann/Kaltschmitt 2002, S.5
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befinden sich dort. Elf der großen ölliefernden Staaten aus dieser Region haben sich zusammengeschlossen, um gegenüber den großen Mineralölkonzernen eine
Verhandlungsmacht aufzubauen. Ein Anteil von vierzig Prozent am weltweiten Rohölmarkt wurde 1998 von der Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) gefördert. So besteht die Auffassung, dass die steigenden Ölpreise nicht mit der allgemeinen Volkswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeit in Zusammenhang stehen, wonach bei sinkenden Angebot und steigender Nachfrage der Preis steigt. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine künstliche Verknappung, da ein Versiegen der Ressource nicht absehbar ist. Die ständig neue Endeckung von konventionellen Ressourcen deren bessere Ausbeutung und neuen Gewinnungsmöglichkeiten lassen keine endgültige Vorhersage zu. 17 Außerdem kommt hinzu, dass die Effizienz der heutigen Märkte dazu führt, dass der Preis zu einem großen Anteil von politischen Entwicklungen und Spekulationen verursacht wird. 18
3. Potentielle Alternativen für Erdöl
Etwa sechshundert Millionen Autos werden derzeit weltweit genutzt, davon mehr als dreiviertel in den Industriestaaten. Geht man davon aus, dass neunzig Prozent der
Weltbevölkerung heute gar kein Auto besitzt, ist hier noch ein großes Potential vorhanden, ungestillte Bedürfnisse zu befriedigen. Bis 2030 muss mit einem Anstieg auf eine Milliarde werden. 19 Fahrzeuge gerechnet Es gilt nachhaltige
Verkehrskonzepte zu entwickeln, die sowohl auf die sozialen und kulturellen Bedürfnisse aller Gesellschaftsgruppen
Rücksicht nehmen, aber auch die Umwelt und Gesundheit jetziger und zukünftiger Generationen sichern. 20 Dabei müssen
17 Vgl. SZ Wissen 01/2005
18 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung 2003, S. 34
19 Vgl. greenpeace
20 Vgl. Politische Ökologie 05/2003, S. 3
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kaufmann Fabian Walther, Andrea Lock, 2005, Alternative Antriebstechniken für Erdöl, München, GRIN Verlag GmbH
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