Inhalt
1. Vorwort 3
2. Einleitung 3
3. Traditionelle Ansätze zur Unterscheidung von Polysemie und
Homonymie aus der wissenschaftlichen Literatur 5
3.1. Die Polysemie (nach Schippan 1984) 5
3.1.1. Entstehung der Polysemie 6
3.1.2 Metaphorische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit 6
3.1.3. Metonymische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit 7
3.1.4. Hyperonymische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit 8
3.2. Homonymie 8
3.2.1. Zwei Arten der Homonymie 9
3.2.2. Voraussetzungen für die Homonymie 10
3.3. Vorschläge zur Abgrenzung von Polysemie und Homonymie nach Sigurd Wichter
(1988) 11
3.3.1. Das Etymologiekriterium 12
3.3.2. Das Verwandtschaftskriterium 12
3.3.3. Varianten des Verwandtschaftskriteriums 13
4. Quantitative Ansätze zur Bestimmung von Polysemie und Homonymie
nach Schierholz (1991) 15
4.1 Kritische Einwände der traditionellen Ansätze zur Polysemie von Schierholz 15
4.1.1. Polysemie oder Homonymie 15
4.1.2. Die Definition der Polysemie 16
4.1.3. Die lexikographische Polysemiedarstellung 16
4.2. Die qualitative Vorgehensweise von Schierholz zur Ermittlung der Polysemie 17
5. Polysemie oder Homonymie - ein Resümee 18
6. Literaturverzeichnis 20
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1. Vorwort Die vorliegende Seminararbeit basiert auf dem von Svetlana Malner und mir am 05. Dezem- ber 2005 gehaltenen Referat innerhalb des Proseminars „Einführung in die Lexikologie“ und trägt den Titel „Polysemie und Homonymie - zwei Phänomene“. Die vorliegende Seminarar- beit ist von mir verfasst.
2. Einleitung
Zu Beginn soll zuerst eine Erklärung des Begriffs „Wort" folgen, bevor zu einer Definition von Polysemie und Homonymie aus der wissenschaftlichen Literatur 1 übergegangen wird. Ein Wort wird auch als Lexem bezeichnet und ist definiert als eine zusammengesetzte Einheit aus materialen Formen und den ihnen zugeordneten Bedeutungen. Nach Ferdinand de Saussure bestehen sprachliche Zeichen aus einem Inhalt und einem Ausdruck, wobei diese Verbindung arbiträr (beliebig) und konventionell ist. Viele sprachliche Zeichen sind prinzipiell arbiträr, so dass es keinen ursächlichen, vorbestimmten Zusammenhang zwischen dem Bezeichneten und der Form des Zeichens gibt. Sprachliche Zeichen sind außerdem prinzipiell konventionell, was bedeutet, dass sich die Angehörigen einer Kommunikationsgemeinschaft darüber einigen (meist stillschweigend, nur selten bewusst), mit welchem Ausdruck (oder Zeichen) eine be- stimmte Sache bezeichnet wird.
Im Folgenden wird eine Definition für Polysemie und Homonymie dargestellt. Edgar Schneider definiert das Phänomen der Polysemie als „Mehrdeutigkeit oder Vieldeu- tigkeit von Wörtern. Die Tatsache, dass ein Wort mehrere miteinander verbundene/zusammenhängende Bedeutungen hat (Lewandowski ,1979b: 575), wird als eine zentrale Eigenschaft lexikalischer Einheiten bezeichnet (Schippan, 1975: 94). Bedeutsam und zugleich auch problematisch ist die Tatsache insbesondere dadurch, dass durch sie die Einheit des Zeichenbegriffs im Saussure'schen Sinne gesprengt zu werden droht. Somit ist fraglich, ob die Polysemie anhand der wissenschaftlichen Literatur überhaupt zu definieren ist und ob eine Unterscheidung zwischen Polysemie und Homonymie möglich ist.
Köhler (1986: 57) schlägt daher vor, diese beiden Phänomene unter dem Begriff Polylexie zu vereinen. Es stellt sich die Frage, ob das Phänomen der Polysemie überhaupt existiert? In Anbetracht der Unklarheiten bezüglich dieser beiden Phänomene, soll der quantitative Ansatz von Stefan Schierholz miteinbezogen werden.
1 Vgl. Bergmann 1973 und 1977, Schippan 2002, Ullmann 1973, Wichter 1988
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Homonymie ist ein Zusammenfall von Homographie und Homophonie. Homophonie bedeu- tet, dass ein Lexem gleich ausgesprochen wird bei unterschiedlicher Orthographie und Bedeu- tung, z.B. Saite vs. Seite.
Homographie bedeutet, dass ein Lexem gleiche Schreibweise hat jedoch in der Aussprache
und Bedeutung sich unterscheidet, z.B. Tenor, mask. [te∀no: 6⊥] vs. Tenor, mask. [∀te-
no:6⊥], Bedeutung: der Sänger vs. die gemeinsame Gruppenmeinung.
Man unterscheidet zwei Arten von Homonymie: die totale Homonymie liegt vor, wenn die Lexeme in allen Formenspektren übereinstimmen, außer in ihrer Bedeutung (z.B. die Weiche (Weichheit) vs. die Weiche (Eisenbahnschiene oder Körperflanke). Fest steht, dass solche Fälle äußerst selten sind. Eine partielle Homonymie liegt vor, wenn die Lexeme manche For- menaspekte gleich haben: z.B. Bank/Bänke, fem .vs. Bank/Banken, fem.
Homonyme sind also Ausdrücke gleicher Laut- und Schreibweise, die aber dennoch unter- schiedliche Bedeutungen haben. Deswegen sind Wörter mit solchen Eigenschaften auch als Lexeme getrennt in Wörterbüchern aufgeführt. Wenn man die Ursprünge dieser Wörter und deren Bedeutung zurückverfolgt, wird man auf unterschiedliche Quellen stoßen. Es wird eventuell eine Bedeutungsnähe erkennbar sein, Synonymie jedoch nie.
Im weiteren Verlauf der Seminararbeit soll die Entstehung der Polysemie sowie die Arten und Voraussetzungen der Homonymie beschrieben werden.
Schierholz unterstellt diesen Ansätzen, dass sie häufig von subjektiven Entscheidungen und Institutionen der Untersuchenden beeinflusst sind. Ferner bemängelt er, dass zu einer klaren Differenzierung von Polysemie und Homonymie weitgehende Uneinigkeit herrscht. (Schier- holz, 1991: 64) Der zweite Teil der Seminararbeit beschäftigt sich mit dem quantitativen Ansatz von Schier- holz. Es geht darum, die Existenz der Polysemie zu klären. Hierbei soll der quantitative For- schungsansatz aufgezeigt werden, da die bisherigen Methoden keine quantitativen Ergebnisse über die Existenz der Polysemie liefern. Außerdem soll aufgezeigt werden, dass empirische Methoden sowohl in der Lexikologie als auch in anderen Forschungsgebieten der Linguistik aufschlussreiche Resultate ergeben können (Schierholz, 1991 Vorwort).
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3. Traditionelle Ansätze zur Unterscheidung von Polysemie und Homony-
mie aus der wissenschaftlichen Literatur
3.1. Die Polysemie (nach Schippan, 1984)
Die Polysemie ist nach Edgar W. Schneider (1988) als „Mehrdeutigkeit oder Vieldeutigkeit von Wörtern" definiert. Nach Bußmann (2002: 524) bedeutet der Terminus Polysemie übersetzt « Mehrdeutigkeit » und zwar insofern, als ein einziges sprachliches Zeichen, also ein Ausdruck, zwei oder mehr Bedeutungen aufweist, welche etwas miteinander gemein haben und sich unter Umständen aus einer einzigen Grundbedeutung ableiten lassen. Die Bedeutungseigenschaft bezieht sich somit auf ein und dasselbe Lexem mit identischer Form, wobei sich unter dieser Form verschiedene Inhalte zusammenfassen lassen. Wenn man in einem Wörterbuch nachschlägt, wird man diese Inhalte unter einem Oberbegriff finden. Ein Lexem ist also polysem, wenn es mehrere miteinander verbundene Bedeutungen bezie- hungsweise Bedeutungsvarianten aufweist. Was unter mehrere miteinander verbundene Bedeutungen beziehungsweise Bedeutungsvarianten` zu verstehen ist, wird unter den Punk- ten 3.1.2 - 3.1.4 erläutert.
Ein konkretes Beispiel von Polysemie zeigt, dass das Adjektiv „alt" mehrere Bedeutungsva- rianten hat (Löbner, 2003: 60):
• als Gegenteil von „neu" bezieht es sich auf die Dauer des bisherigen Gebrauchs oder des Bestehens eines Gegenstandes (z.B. altes Auto, altes Haus)
• als Gegenteil von „jung" gibt es die bisherige Lebenszeit von Dingen oder auch von Unbelebtem an, das eine innere Entwicklung durchläuft (z.B. alter Wein, alte Spra- che)
• „alt" kann auch etwas zeitlich Zurückliegendes bezeichnen (z.B. die alten Römer)
Polysemie kann ebenso als das Ergebnis einer natürlichen ökonomischen Tendenz von Sprache definiert werden. Anstatt neue Ausdrücke zu erfinden, wählen Sprachgemeinschaf- ten meistens den Weg, bei dem sie für die neuen Zwecke auf bereits verfügbare Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung zurückgreifen. Dieser Wandel bzw. diese Entwicklung ist vorwie- gend geeignet, um die terminologischen Bedürfnisse der Wissenschaft zu befriedigen. Neue Fachausdrücke werden erfunden, aber meistens bedient sich die Wissenschaft bereits vor- handener Ausdrücke, für die sie eine besondere zusätzliche Bedeutungsvariante festlegt.
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3.1.1. Entstehung der Polysemie Nach Schippan ist die Polysemie aufgrund einer Bedeutungsextension bzw. durch eine Be- deutungsdifferenzierung entstanden, wobei im Falle der Bedeutungsextension ein Lexem auf weitere Denotate 2 angewandt wird, wodurch die Erweiterung des Bedeutungsumfangs ermög- licht wird.
Mit der Bedeutungsdifferenzierung ist gemeint, dass mehrere Lexeme der gleichen Bedeutung entsprechen. Als Beispiel wird hier eine ältere Form der Bedeutungsdifferenzierung ange- führt. Die Formen Knabe und Knappe sind im Mittelhochdeutschen vollständig gleichbedeu- tend und vereinigen beide die verschiedenen neuhochdeutschen Bedeutungen in sich. Ebenso werden Raben (=nhd. Rabe) und Rappe beide zur Bezeichnung des Vogels verwendet, wäh- rend heutzutage in der Schriftsprache Rappe auf die metaphorische Verwendung für ein schwarzes Pferd beschränkt ist. Eine dritte Form, Rappen (durch den Kasus Nominativ mit einem n) hat sich für die Münze (ursprünglich mit einem schwarzen Vogelkopf) festgesetzt, die anfänglich auch Rappe, Rapp heißt und außerdem als Rabenheller, Rabenpfennig, Raben- batzen, Rabenvierer bezeichnet wird.
Die Polysemie verweist vor allem auch auf die metaphorischen und metonymischen Bezie- hungen zwischen Sememen 3 .
3.1.2 Metaphorische Beziehungen als Ausdruck der Mehrdeutigkeit
Eine metaphorische Beziehung 4 kommt zustande, wenn zwei Sememe Ähnlichkeitsbeziehun- gen aufweisen. Dadurch weisen metaphorisch verbundene Sememe ein oder mehrere Seme gemeinsam auf.
Von einem lexikalisch metaphorischen Semem kann aber erst gesprochen werden, wenn die metaphorische Verwendung fest geworden ist. Dies ist problematisch, da Metapher die Eigen- schaft haben im Laufe der Zeit zu verblassen, so dass im Bewusstsein des Sprachträgers allmählich die Vergleichsmerkmale und damit auch die Ähnlichkeitsbeziehungen verloren gehen. Dieser Prozess hat zur Folge, dass aus Polysemen Homonyme werden, da die Bedeu- tungsverschiedenheit nicht mehr auf ein Wort sondern auf mehrere zurückzuführen ist.
2 (lat. denotare = bezeichnen): Außersprachliches Phänomen, das von einem Sprecher mit einem bestimmten
sprachlichen Zeichen gemeint wird, w. B. das Wort Tisch bezieht sich auf einen physikalisch klar bestimmbaren
Gebrauchsgegenstand
3 Ein Semem ist eine (usuelle, lexikalisierte) Bedeutungsvariante eines Lexems. Viele Lexeme tragen nicht nur
eine Bedeutung, sondern gleich mehrere.
4 Metapher (griech. lat.): bildliche Übertragung, besonders eines konkreten Begriffs auf einen abstakten auf
Grund eines Bergreichs, Bild (z. B. das Haupt der Familie); nach : Duden - das große Fremdwörterbuch
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Quote paper:
Claudia Nickel, 2005, Die Nominalphrase/Determinationsphrase im Deutschen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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