Gliederung
0 Einleitung
Das Konzept „Europa
1
1.1 Das mythologische Europa
1.2 Das geographische Europa
1.3 Das kulturelle Europa
1.4 Das politische Europa
1.5 Fazit
Das Frankenreich vor Karl dem Großen
2
2.1 Die historische Entwicklung vom 4. bis zum 8. Jahrhundert
2.2 Die Rolle des Christentums und des Papstes
2.3 Das kulturelle Leben
2.4 Recht und Gesetz
2.5 Zusammenfassung
Das Frankenreich unter Karl dem Großen
3
3.1 Militärische Eroberungen
3.1.1 Das Reich der Langobarden
3.1.2 Sachsen
3.1.3 Die iberische Halbinsel
3.2 Der Erwerb der Kaiserkrone
3.3 Karl der Große als geistlicher Herrscher
3.4 Reformen
3.4.1 Das Bildungswesen
3.4.2 Die Kirchenreform
3.4.3 Die Verwaltung
3.4.4 Das Recht
3.4.5 Das Münzwesen
3.4.6 Architektur, Kunst und Literatur
3.5 Europa am Königshof
3.6 Zusammenfassende Betrachtung
2
Das Frankenreich und die Nachfolgestaaten nach Karl dem Großen 4
4.1 Die historische Entwicklung im 9. und 10. Jahrhundert
4.2 Der Karlsmythos
4.2.1 Karl der Große als Legitimationsfigur
4.2.2 Karl als Heiliger und Märtyrer
4.2.3 Karl als literarische Figur
4.2.4 Karl als Gründungsfigur
4.3 Zusammenfassung
Karl der Große als Vater Europas 5
Bibliographie
3
0. Einleitung
Die europäische Integration ist heute ein wichtiges politisches Thema. Bei der Suche nach einer Identifikations- und Gründungsfigur bietet sich Karl der Große an. In zeitgenössischen Lobgedichten und Epen zu Beginn des 9. Jahr-hunderts wird der Begriff „Europa” häufig mit dem karolingischen Reich in Verbindung gebracht. Sein Herrscher Karl der Große wird mit dem Titel Pater Europae - Vater Europas geschmückt.
Dieses Bild eines fürsorglichen Vaters, der sich um die Belange ganz Europas kümmert, hat sich über die Jahrhunderte hinweg erhalten. In der europäischen Geschichtsbetrachtung ist es üblich, die Karolinger als prägende Herrscherfamilie und ihren berühmtesten Vertreter, Karl den Großen, als Vater Europas zu bezeichnen. Doch kann man den Anfang Europas, den Beginn eines europäischen Gedankens und eines Gemeinschaftsgefühls tatsächlich in ein so fernes Jahrhundert legen?
Innerhalb weniger Generationen hatten sich die Karolinger zur bestimmenden Macht Europas hochgearbeitet und dem Frankenreich zu glänzendem Ruhm verholfen. Dieses Reich, das Karl der Große über den Pyrenäenkamm, nach Mittelitalien und Sachsen ausdehnte, war für damalige Verhältnisse zweifellos ein riesiges Gebiet. Nicht jeder Herrscher war in der Lage, ein solches Reich längere Zeit zusammenzuhalten. Seinen Nachfolgern fehlte die nötige Autorität, so dass die Einheit nach dem Tod Karls des Großen recht schnell zerfiel. Doch trotz der Lage mitten in Europa und der beeindruckenden Größe des Frankenreiches ist es nicht mit dem identisch, was man heute unter Europa verstehen würde. Es stellt sich also die Frage, was der Europäer des Mittelalters unter „Europa” verstand. War es nur eine geographische Bezeichnung oder auch Ausdruck einer gemeinsamen Identität?
Genau wie das Bild Europas hat sich auch das Bild, das sich die Menschen von Karl dem Großen machen und gemacht haben, innerhalb von mehr als tausend Jahren verändert. Der Karolinger ging in die Literatur ein, regte die Fantasie der Menschen an und wurde zu einem Mythos. Immer wieder diente er als Vorbild und Legitimation für nachfolgende Herrscher.
4
Inzwischen wird die Karlstradition nur noch an wenigen Orten gepflegt. Im Alltag ist das Karlsbild verblasst und fast vergessen. Auch in der Politik spielt es kaum noch eine Rolle. Niemand mehr scheint sich am Vorbild Karls des Großen zu orientieren, obwohl es einst wichtiges Argument und Stütze für verschiedene Ziele sein konnte.
Bei Festreden von europäischem Format wandelt sich jedoch die Einstellung zu Karl, dem Kaiser des christlichen Abendlandes. Dann nutzt man den Karolinger als Identifikationsfigur und preist sein Europa, das man mit dem heutigen Europa gleichsetzt. Dann erinnert man sich wieder an Karl den Großen, den Vater Europas.
Doch was macht einen Vater Europas aus? Welche Leistungen berechtigen zu einem solchen Titel? Oder handelt es sich damals wie heute nur um eine wohl klingende Metapher, um ein übertriebenes Herrscherlob, dem der Bezug zur Realität fehlt?
1. Das Konzept „Europa”
Der Begriff „Europa” erscheint in verschiedenen Dimensionen. Er bezeichnet nicht nur einen Kontinent oder eine Personengruppe mit gemeinsamer politischer und kultureller Basis. Auch in Mythologie und Religion hat „Europa” seit Jahrhunderten einen festen Platz. Die Inhalte der einzelnen Dimensionen verändern sich im Laufe der Zeit und bedingen sich gegenseitig. Für das Verständnis der mittelalterlichen Vorstellungen und für eine Einschätzung der Bedeutung Europas im 9. Jahrhundert ist es deshalb wichtig, zunächst auf all diese Dimensionen mit ihren wandelbaren Inhalten einzugehen und sie in Bezug zu den modernen Vorstellungen von „Europa” zu setzen.
1.1 Das mythologische Europa
Zum ersten Mal begegnet uns „Europa” im 8. Jahrhundert in der griechischen Mythologie. Es ist der Name einer phönizischen Prinzessin, die von Götter-
5
vater Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführt wurde 1 , um nicht nur der Insel, sondern einem nach und nach immer größer werdenden Gebiet den Namen zu geben. Dieser Mythos der Königstochter Europe war ursprünglich Gegenstand religiöser Verehrung, wurde aber bereits in der Antike schwächer,
2 so dass er von den Christen als Bildungsgut überliefert werden konnte. Die Griechen verwendeten den Begriff Europa auch im Zusammenhang mit
3 Im der harmonischen Aufteilung der Erde zwischen Meer und Kontinenten. Mittelalter wurde auf diesen Entwurf zurückgegriffen, um ihn in die christliche Heilsgeschichte einzufügen. Demnach ist Europa genauso groß wie Afrika, aber nur halb so groß wie Asien. Das Zentrum der Welt bildet Jerusalem, während Mittelmeer, Don und Nil die Grenzen zwischen den
4 Dass diese Aufteilung der Erde theologisch Kontinenten markieren.
ausgerichtet war und keinen Wert auf geographische Exaktheit legte, muss nicht betont werden.
Seit dem 7. Jahrhundert wurden schließlich die drei Söhne Noahs auf die drei Erdteile bezogen: Sem erhielt Asien, Ham Afrika und Japhet Europa. Die göttliche Weltordnung und der Verlauf der Heilsgeschichte konnten nun auch biblisch begründet werden. 5
So existierten bereits im Mittelalter vielfältige Vorstellungen von Europa, die jedoch alle „einem die göttliche Ordnung von Welt und Geschichte auf-
6 waren. spürenden und von Autoritäten geformten Denken verpflichtet”
1.2 Das geographische Europa
1 Vgl. Le Goff 2004:21; Mordek 1992:23f. und Girault 1995:55f.
2 Vgl. Fischer 1957:8.
3 Vgl. Febvre 1999:119.
4 Vgl. Schneidmüller 1997:6 und Mordek 1992:24.
5 Vgl. Schneidmüller 1997:7 und Fischer 1957:10ff.
6 Schneidmüller 1997:8.
6
Das aus dem Semitischen abgeleitete Wort „Europa” trug ursprünglich die Bedeutung der Sonnenuntergang, das Dunkle und bezeichnete das Land, hinter dem die Sonne unterging. Für die Griechen, die den Begriff von phönikischen Seeleuten übernahmen, war es das Land, in dem die von ihnen so genannten Barbaren lebten. Nach und nach erfuhr die Bezeichnung Europa eine Ausweitung und umfasste schließlich das Gebiet zwischen dem Schwarzen
7 Meer und der Straße von Gibraltar.
Bereits in der Vorstellung der antiken Geographen zeigten sich die heute noch immer vorhandenen Schwierigkeiten, die Grenzen Europas eindeutig zu klären, da der Kontinent „im Osten deutlich der maritimen Umschließung
8 . Eine unstrittige natürliche Trennlinie fehlt, und so einigten sich die entbehrt”
Gelehrten auf den Don, später auf die Wolga als Grenzfluss. „La fausse limite
9 ist eine Verlegenheitslösung seit dem 18. Jahrhundert. So des monts Oural”
wurde die Grenze zwischen Europa und Asien im Laufe der Zeit immer weiter nach Osten verschoben. Diese Festlegungen waren keine geographischen, sondern stets politische Entscheidungen, und auch heute ist die Gestalt
10 Europas keine Frage der Geographie.
1.3 Das kulturelle Europa
Kontakte mit fremden Kulturen fördern das Bewusstsein für die eigene Identität. Für die Griechen der Antike kam das Fremde und Feindliche aus Asien, das ihnen näher und vertrauter, gleichzeitig aber auch bedrohlicher erschien als Europa. So bezeichnete Europa „die höhere Einheit einer Vielzahl kleinerer, freiheitlich organisierter Staatswesen in Griechenland, die sich bei allem Unterschied im einzelnen doch wieder in einem höheren Sinne zusammengehörig fühlten und dabei vor allem von dem despotisch regierten
7 Vgl. Schulze 1995:19.
8 Mordek 1992:24.
9 Febvre 1999:127.
10 Vgl. Schulze 1995:17; Le Goff 2004:23 und Febvre 1999:132.
7
11 . Während die Europäer als mutig, Großreich der Perser abgrenzten”
kriegerisch, angriffslustig und freiheitsliebend charakterisiert wurden, zeigten
12 sich die Asiaten als weise, kultiviert, träge und friedfertig. Dieser grundsätzliche Gegensatz von Europa und Asien wurde in späteren Jahrhunderten immer wieder aufgegriffen, um das verbindende Eigene zu unterstreichen. 13 Das Charakteristische Europas war dann „eine gemeinsame Kultur, die aus der griechisch-römischen Vergangenheit stammte und die durch ein anderes wichtiges Phänomen, die Christianisierung, umgestaltet
14 . Diese lateinische Christenheit grenzte sich von der byzan-worden war”
tinischen Christenheit einerseits und vom Islam andererseits ab und war in der Lage, sich in bedrohlichen Situationen gegen eine Gefahr zusammenzuballen. Berühmtes Beispiel dafür ist der Zusammenschluss von mehreren gallischromanischen und germanischen Stämmen unter Karl Martell gegen die muslimischen Eindringlinge aus dem Süden im Jahre 732. Der Chronist fand für sie den Begriff Europenses, doch diese Europäer gingen nicht in einem Europa auf, und nach der Schlacht löste sich die Gruppe schnell wieder auf. Es handelte sich lediglich um „eine zeitweilige kriegerische Schicksalsgemeinschaft gegenüber den Arabern” 15 .
Für die Bevölkerung blieb Europa ein weit entfernter Mythos. Trotz des gemeinsamen Glaubens, der das Alltagsleben der Menschen prägte und einen Faktor für die Einheit der Gemeinschaft bildete, konnte aus dem europäischen Ideal keine Realität werden: „le résultat fut finalement une civilisation
11 Erkens 1999:3.
12 1Vgl. Le Goff 2004:21f.; Schulze 1995:19 und Febvre 1999:119f.
13 Vgl. Schneidmüller 1997:14f.
14 Girault 1995:58.
15 Fischer 1957:51; vgl. dazu Schulze 1995:21; Le Goff 2004:44f.; Feuerstein-
Praßer 1993:149ff. und Schneidmüller 1997:1.
8
commune, une civilisation qu’il faut bien appeler européenne, mais qui, si on
16 . lui demandait son nom, ne répondait pas Europe, elle répondait chrétienté”
1.4 Das politische Europa
Unter der Herrschaft Karls des Großen wurde die Einheit Europas vor allem von ausländischen Dichtern verstärkt beschrieben. Immer wieder findet sich der Begriff in Gedichten und Epen. Dieses Europa umfasste den karolingischen Herrschaftsraum, „une grande formation politique et administrative et religieuse commune” 17 .
Doch dieses Europa war bedeutend kleiner als das, was wir uns heute unter Europa vorstellen. Die britischen Inseln, Skandinavien, Teile Italiens und fast die gesamte iberische Halbinsel lagen außerhalb des karolingischen Reiches.
18 Aus der Sicht des Im Osten bildeten Elbe und Saale praktisch die Grenze.
21. Jahrhunderts handelte es sich nur um ein Rumpf-Europa, aber es entsprach dem Gebiet der katholischen Kirche und damit dem Kern, um den sich das heutige Europa geformt hat: „l’Europe carolingienne, c’est le cœur, c’est le levain qui a fait fermenter la pâte européenne. C’est autour de l’Europe carolingienne que s’est constituée notre Europe” 19 . 1Doch der Europa-Gedanke blieb auf einen kleinen Kreis von Intellektuellen bei Hofe beschränkt. Vor allem irische und angelsächsische Dichter nahmen ihn in ihren Werken auf. Eine einheitliche Idee konnte daraus aber nicht abgeleitet werden. „Europa” wurde nie zum Bestandteil des offiziellen Reichs-
16 Febvre1999:134; vgl. dazu Girault 1995:58f.
17 Febvre 1999:109; vgl. dazu Fischer 1957:78ff.; Schneidmüller 1997:9f. und
Erkens 1999:3.
18 Vgl. Mordek 1992:41; Febvre 1999:110f. und Erkens 1999:2. Jacques Le
Goff (2004:51f.) spricht dem Karolingerreich außerdem fast jeden Einfluss auf die Gebiete östlich des Rheines ab.
19 Febvre 1999:111.
9
und Herrschertitels und stellte auch „keine herrschaftliche, geistige oder
20 dar. konzeptionelle Größe im Denken Karls und seines Hofes” Die Einheit Europas konnte jedoch jederzeit bei drohenden Gefahren be-schworen werden. Auch in späteren Jahrhunderten, als der Begriff Europa angesichts des zerfallenen karolingischen Reiches längst an Aktualität verloren hatte, bediente man sich zu gegebener Zeit gern dieses Begriffs. Die jeweiligen Herrscher beschworen Europa im Kampf gegen die Ungarn, Türken oder Mongolen. Papst Urban II. rief im Namen Europas zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen auf. Auch bei vermeintlichen Gefahren innerhalb Europas, die durch Demokratie, Jakobinertum, Sozialismus oder Juden entstanden, wurde
21 die Einheit propagiert.
Europa erscheint in diesen Momenten als Gemeinschaft, ist aber eher ein „beliebiger Abrufbegriff für den je eigenen politischen Verband” 22 , mit dem ganz unterschiedliche Ziele verfolgt werden können. Während Napoleon sich selbst als Verteidiger der europäischen Zivilisation sieht, wird er gleichzeitig von seinen Feinden als Widersacher Europas bekämpft. 23 Die Verwendung des Begriffes gibt deshalb eher Aufschluss „über die Menschen oder Gesellschaften, die Europa so unterschiedlich verstanden oder ihr eigenes Europa propagierten, Aufschluß über Interessen und Absichten, nicht über Europa als
24 . objektive Größe”
1.5 Fazit
Nur auf den ersten Blick scheint „Europa” leicht zu definieren zu sein. „Mais beaucoup de choses s’appellent de ce nom, ou plutôt, beaucoup de choses se
20 Fried 2003:41; vgl. dazu Mordek 1992:41; Schneidmüller 1997:9; Le Goff 2004:13 und Erkens 1999:3.
21 Vgl. Schulze 1995:21f.; Erkens 1999:3 und Schneidmüller 1997:13ff.
22 Schneidmüller 1997:10.
23 Vgl. Schulze 1995:23ff.
24 Schneidmüller 1997:12.
10
sont appelées ainsi au cours des temps, au cours des temps qui continuent de
25 . Die Spannbreite reicht von der geraubten Königstochter über eine couler”
politisch, theologisch oder ideologisch motivierte Abgrenzung vom Rest der Welt bis zur christlichen Abwehrgemeinschaft des Spätmittelalters. Der Begriff „Europa” hat keine klare und allgemein gültige Definition und stellt sich je nach Perspektive höchst unterschiedlich dar. Deshalb wurde er sowohl von den griechischen Geographen als auch von den Intellektuellen am karolingischen Hof nur selten verwendet. Der Bevölkerung entzog sich Europa ganz.
Andererseits bietet der biegsame Begriff die Möglichkeit, sich das passende Europa selbst zu schaffen und es dem eigenen Konzept so anzupassen, dass die jeweiligen Ziele optimal unterstützt werden. Nicht selten wird Europa von zwei verfeindeten Parteien gleichzeitig propagiert. Europa entpuppt sich dabei eher als Mythos, nicht als Realität. „Die Wirklichkeit Europas wurzelt im Bewußtsein der Menschen, ein kollektiver imaginärer Entwurf, der sich wandelt, wie sich die Menschen wandeln.” 26
2. Das Frankenreich vor Karl dem Großen Im folgenden Abschnitt geht es um Entstehung und Etablierung des Frankenreiches. Zusammenfassend wird die Regierungszeit der Merowinger und der ersten Karolinger dargestellt, um die politische und gesellschaftliche Situation zu präsentieren, die beim Regierungsantritt Karls des Großen bestand. Besondere Berücksichtigung finden dabei die enge Verbindung zwischen Staat und Kurie sowie die kulturellen Gegebenheiten im Frankenreich.
2.1 Die historische Entwicklung vom 4. bis zum 8. Jahrhundert
25 Febvre 1999:119.
26 Schulze 1995:19.
11
Im 4. Jahrhundert ließen sich salische Franken nördlich der Schelde-, Maas-und Rheinmündung als römische Föderaten nieder. Wie alle anderen germanischen Stämme, die von den Römern Siedlungsgebiet erhielten und mit der Verteidigung des Reiches betraut wurden, durften sie ihr eigenes Recht behalten und sich im Rahmen ihrer traditionellen Rechtsordnung selbst ver-
27 walten.
Während Italien in dieser Zeit in einem politischen Konflikt zerrieben wurde, da das Byzantinische Reich seinen Einfluss auf dieses Gebiet geltend zu
28 , war Nordgallien von Byzanz weit genug entfernt und machen versuchte
bereits im 5. Jahrhundert für das Imperium verzichtbar. 29 So konnten in Nordgallien mehrere fränkische Königreiche aufgebaut werden, in denen sich trotz
30 die Herrder zahlenmäßigen Überlegenheit der romanischen Bevölkerung schaftsverhältnisse allmählich änderten. Unter den rivalisierenden Adelsfamilien waren es schließlich die Merowinger, die ab dem 5. Jahrhundert vor allem unter der Führung von Chlodwig ihren Machtbereich stark ausdehnten und die anderen herrschenden Adelsgeschlechter eliminierten. 31 Mit seiner eindrucksvoll inszenierten Taufe durch den Bischof Remigius von Reims begründete Chlodwig ein historisches Bündnis zwischen der Kirche und der Monarchie. Der Merowinger wurde allerdings nie ein Christ im mora-
27 Vgl.Feuerstein-Praßer 1993:53ff.; Boussard 1968:8; Dopsch 1968:56 und
Banniard 1993:71.
28 Vgl. Bowle 1993:179.
29 Vgl. Geary 2002:131.
30 Fernand Braudel (1990:93f.) schätzt die Anzahl der fränkischen Invasoren
auf 80.000. Da aber auch viele Germanen unabhängig von den Einfällen in das römische Gallien drangen, geht er insgesamt von etwa einer Million Franken aus, während Karin Feuerstein-Praßer (1993:54) von höchstens 150.000 bis 200.000 spricht. Michel Banniard (1993:72) nimmt an, dass die Franken etwa 10% der Gesamtbevölkerung ausmachten.
31 Vgl. Feuerstein-Praßer 1993:71ff. und Wahl 1955:5.
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Arbeit zitieren:
Jana Silvia Lippmann, 2005, Karl der Große - Vater Europas?, München, GRIN Verlag GmbH
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