INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. 3
2. THOMAS SZASZ - SCHIZOPHRENIE ALS PRODUKT SOZIALER
PROZESSE 5
2.1 BIOGRAPHISCHER HINWEIS ZU THOMAS SZASZ 5
2.2 ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER MODERNEN PSYCHIATRIE. 6
2.3 DER SOZIALE ASPEKT DER SCHIZOPHRENIE 6
2.4 DER KOMMUNIKATIVE ASPEKT DER PSYCHIATRIE. 7
2.5 DER THEOLOGISCHE ASPEKT DER SCHIZOPHRENIE 8
2.6 DIE „SÜNDENBOCK“ - THEORIE. 9
2.7 DAS KRANKHEITSSPIEL. 10
2.8 ZUSAMMENFASSUNG 11
3. THEORETISCHE MODELLE ZUR ERKLÄRUNG VON
SCHIZOPHRENIE 12
3.1 DAS MEDIZINISCHE GRUNDMODELL DER SCHIZOPHRENIE 12
3.1.1 Die Ursachen der Schizophrenie aus medizinischer Sicht. 13
3.1.2 Die Behandlung der Schizophrenie aus medizinischer Sicht 13
3.1.2.1 Die medikamentöse Behandlung der Schizophrenie 13
3.1.2.2 Kritik an der medikamentösen Behandlung 14
3.2 SCHIZOPHRENIE DURCH ETIKETTIERUNG - 15
DER LABELING-ANSATZ 15
3.2.1 Problemstellungen des Labeling-Ansatzes 15
3.2.2 Der empirische Wirklichkeitsgehalt des Labeling-Ansatzes 16
3.3 ZUSAMMENFASSUNG 18
4. KRITISCHE WÜRDIGUNGUNG DES SOZIALEN
KONSTRUKTIVISMUS NACH THOMAS SZASZ 19
5. SCHLUSSGEDANKE UND AUSBLICK 21
6. LITERATURVERZEICHNIS 23
2
1. EINLEITUNG
Mehr als jedes andere medizinische Fachgebiet steht die Psychiatrie im Kontext zu den großen Problemen ihrer Zeit.
Insbesondere über die Entstehung und die mögliche Behandlung psychischer Störungen werden völlig unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Ausgehend von dieser nie enden wollenden Debatte um Ursachen und den umstrittenen Krankheitsbegriff möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit mit Ansätzen und Erklärungen bzgl. der Entstehung von Schizophrenie beschäftigen.
Das Wort „Schizophrenie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gespaltenes Gemüt“. Der Begriff wurde 1911 von Eugen Bleuler eingeführt, um verschiedene bis dahin unter dem Ausdruck „Dementia praecox“ zusammengefasste psychische Ausnahmeerscheinung zu bezeichnen. Ich werde im Folgenden „Schizophrenie“ als Oberbegriff für alle schizophrenen und schizoiden Störungen verwenden, da eine Abgrenzung z.B. gegen das „Borderline-Syndrom“ oft schwierig ist. Laien verwechseln Schizophrenie wegen des irreführenden Begriffs „Bewusstseinsspaltung“ oft mit dem Ausdruck „Multiple Persönlichkeit“. Unter „Bewusstseinsspaltung“ verstand Bleuler jedoch vielmehr das Auseinanderfallen gedanklicher Verbindungen in Form von inkongruentem erleben. 1
Während vor allem die klinische Psychiatrie die Schizophrenie als Ergebnis eines organischen, erblich bedingten Krankheitsprozess versteht, sieht der amerikanische Psychiater Thomas Szasz in ihr eine Äußerung menschlicher Lebensprobleme als Resultat von gesellschaftlicher Etikettierung und Kontrolle.
Dieser Gegensatz spiegelt die beiden Auffassungen, die in der Psychiatrie miteinander konkurrieren.
Da psychische Störungen immer als Abweichung von einer Norm definiert werden, stellt sich die Frage: Wer bestimmt was normal ist?
Aktuell spielt die Debatte, wer eigentlich krank ist, bei der Definition der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wieder eine große Rolle.
1 Vgl. Häfner 2000: S.16 f
3
Die vorliegende Arbeit soll einen kritischen Überblick über die medizinische Theorie der Schizophrenie geben und deutlich machen, welche Rolle die Gesellschaft bei der Entstehung oder Vermeidung schizophrener „Erkrankungen“ spielt.
Im ersten Abschnitt möchte ich die Hauptthesen des Psychiaters Thomas Szasz vorstellen, welcher Schizophrenie konsequenterweise zu einem Mythos und die klinische Psychiatrie zu einer überflüssigen, durchweg schädlichen Disziplin erklärt. Sein Werk „Wahnsinn - ein moderner Mythos?“ dient als Arbeitsgrundlage für diese Hausarbeit, anhand dessen ich weitere Überlegungen zum sozialkonstruktivistischen Ansatz anstellen möchte.
Als Ausgangslage für eine kritische Auseinandersetzung mit Szasz Thesen werde ich im folgenden Kapitel das medizinische Grundmodell kurz darstellen, welches im Konflikt zu seinen Annahmen steht und in der klinischen Psychiatrie praktiziert wird. Im Anschluss daran möchte ich die von Szasz vertretene „Labeling-Theorie“ aufführen, die der Annahme zugrunde liegt, dass Schizophrenie als abweichendes Verhalten darauf zurückgeführt werden kann, dass die betroffenen Individuen von ihrer Umwelt stigmatisiert werden.
Die grundsätzliche Frage ist hierbei, ob die Gesellschaft als Macht- und Kontrollinstanz dafür verantwortlich ist, dass wir Verhalten als abweichend, gestört oder krank ansehen bzw. uns durch sie zum „Sündenbock“ oder „Opfer“ degradieren lassen.
Abschließend möchte ich im vierten Punkt die gewonnenen Erkenntnisse einer kritischen Überprüfung unterziehen und Fehlerquellen, sowie Widersprüche in Szasz Annahmen aufzeigen, um im fünften Kapitel einen kurzen Ausblick auf mögliche Entwicklungen in der Diagnose und der Behandlung der Schizophrenie zu geben.
4
2. THOMAS SZASZ - SCHIZOPHRENIE ALS PRODUKT
SOZIALER PROZESSE
Die negative Bewertung der Psychiatrie ist zumindest teilweise auf eine Bewegung zurückzuführen, die ihre Anfänge um 1960 hatte. 2
Die sog. „Antipsychiatrie“ sah die Psychiatrie als eine gesellschaftlich verursachte Verhaltensabweichung und ging in Opposition zu einem medizinisch-naturwissenschaftlich geprägten Schizophrenieverständnis. Sie kritisiert vehement den Gebrauch des Krankheitsbegriffes und weist auf die Gefahr des Missbrauchs von psychiatrischer Definitionsmacht hin, insbesondere in Bezug auf den Zustand psychischer Institutionen und medizinischen Behandlungsmethoden.
Mit der Studentenbewegung erlangten die Thesen der Antipsychiater eine erhebliche Popularität und machten Deutschland zu einem wichtigen Schauplatz ihrer Ideologie. Als wichtigste Vertreter dieser Szene gelten Cooper, Laing, Basaglia und Szasz, wobei Letzterer sich energisch gegen eine Einordnung in diese Bewegung wehrt, da er ein positivistisches Krankheitsverständnis habe, dass sich stark von dem der Antipsychiater unterscheide. 3
2.1 BIOGRAPHISCHER HINWEIS ZU THOMAS SZASZ
Thomas Szasz (*20. 04.1920 in Budapest) studierte von 1938-1944 in Cineinnati Physik und Medizin. Nach seiner Promotion und einer Ausbildung zum Psychoanalytiker war er von 1956-1990 als Professor für Psychiatrie an der State University of New York in Syracuse beschäftigt.
Seinen Ruf als radikale Vertreter der Antipsychiatrie erlangte er insbesondere aufgrund seiner Kritik am psychiatrischen Krankheitsbegriff und der Bekämpfung der staatlich sanktionierten Psychiatrieeinweisung.
Schon Szasz frühere Arbeiten zeigen eine entschiedene Frontstellung gegen die medizinische Zunft. Niemand dürfe Gewalt ausüben. Das gelte für „psychisch Kranke“ und Psychiater gleichermaßen.
Zu seinen wichtigsten Werken zählen u.a. „Geisteskrankheit - ein moderner Mythos? Grundzüge einer Theorie des persönlichen Verhaltens“ (1972), „Recht, Freiheit und
2 Vgl. Rechlin, Vliegen 1995: S.11
3 Vgl. Braun, Hergrüter 1980: S. 9 ff
5
Psychiatrie“ (1978), „Schizophrenie. Das heilige Symbol der Psychiatrie“ (1979) und „Grausames Mitleid. Über die Aussonderung unerwünschter Menschen“ (1997). 4 Insbesondere in seinem Werk „ Geisteskrankheit - ein moderner Mythos?“ erteilt Szasz der psychopathologischen Konzeption der Schizophrenie eine pauschale Absage und bezeichnet sie als „Mythos“, da es sich hierbei um moralische und keine medizinischen Probleme handele. 5
Diese moralischen und politischen Probleme würden lediglich als Persönliche getarnt und seien somit ein brauchbares Konzept im 19. Jahrhundert gewesen, das heute wissenschaftlich wertlos sei. 6
2.2 ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DER MODERNEN PSYCHIATRIE
Mit den Anfängen der modernen Psychiatrie wurde der Absonderung und Entmenschlichung von Hysterikern entgegen gewirkt, indem sie nicht mehr als Simulanten, sondern als „Kranke“ diagnostiziert wurden.
Die ursprüngliche Klasse der körperlichen Krankheiten wurde erweitert auf alles was von der Norm abweicht und „psychische Störungen“ somit zu einem Teilgebiet der Medizin. 7 Diese soziale Reform habe den Ärzten Prestige gebracht, den viele von ihnen gegen Wahrheitsliebe eintauschten. 8
2.3 DER SOZIALE ASPEKT DER SCHIZOPHRENIE
Szasz sieht den Menschen in erster Linie als ein Produkt seiner sozialen Umwelt. Erst die Hilflosigkeit des Kindes im Kontrast zur Hilfeleistung des Erwachsenen trieben den Menschen in Unfähigkeit. 9
Menschengemachte Gebote gäben vor allem den Ärzten vor Schwachen und Unfähigen zu helfen, während selbstsichere Menschen weitgehend sich selbst überlassen blieben. Szasz erstellt somit eine Theorie der Belohnung für Unfähigkeit, aus der das Konstrukt Schizophrenie entstanden sei. 10
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Szasz
5 Vgl. Szasz 1972: S.15
6 Vgl. Ebd. S.9 f
7 Vgl. Ebd. S.58 f
8 Vgl. Ebd. S.40 ff
9 Vgl. Ebd. S.28 f
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Arbeit zitieren:
Sabrina Dahlheimer, 2005, Schizophrenie ein soziologisches Konstrukt? Kritische Anmerkungen zu Thomas Szasz, München, GRIN Verlag GmbH
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Tolle Arbeit.
Tolle Ausarbeitung zu Szasz. Viele eigene Gedanken dargestellt und auf weitere Bereiche ausgedehnt. Gut, wie hier Transferwissen eingebaut wurde. Sehr gut geschrieben. Kann ich nur empfehlen
am Monday, September 11, 2006-