Inhaltsverzeichnis
Bearbeitungspunkte der Exegese Seite
0. Vorbesinnung 1
0.1. Sprachliche Analyse 1
1. Übersetzungsvergleich 1 3
2. Kontext und Abgrenzung 3 4
3. Gliederung 4
4. Literarkritik 4 5
5. Formkritik 5
6. Mündliche Überlieferungsgeschichte 5
7. Redaktionsgeschichte 6
8. Begriffserklärungen aus der Zeitgeschichte 6 7
9. Traditionsgeschichte 7 9
10. Religionsgeschichtlicher Vergleich 9 10
11. Einzelexegese 10 13
12. Skopus 13
13. Verkündigungsansatz 13 14
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0. Vorbesinnung
In meiner Exegese habe ich mich mit dem Bibeltext aus Genesis Kapitel 50, Verse 15-26 beschäftig. Der Text schildert die Situation Josefs und seiner Brüder in ei- ner sehr lebensnahen Weise. Die Ängste der Brüder und die damit verbundene Traurigkeit Josefs sind auch heute sehr gut nachzuvollziehen, was es leichter macht den Bibeltext auf mögliche heutige Situationen zu beziehen.
Die vorliegende Textstelle ist mir nur in Ansätzen bekannt. Für mich verbindet sich damit die gesamte Josefsgeschichte und somit auch die Vätergeschichten im Alten Testament. Der Text selbst warf beim ersten Lesen einige Fragen auf: Wie ist der Begriff „heimsuchen“ aus Vers 24f zu verstehen und warum rahmen die Verse 19 und 21 den Vers 20 mit dem Satz „fürchtet euch nicht“ ein? Wie ist der Satz „auf die Knie Josephs geboren“ (Vers 23) zu verstehen?
Sprachliche Analyse
Im Rahmen der sprachlichen Analyse fällt auf, dass der Text zu einem großen Teil aus wörtlicher Rede besteht. Von Vers 15 bis Vers 18 sprechen die Brüder und ab Vers 19 spricht nur noch Josef, wenn auch von erzählerischen Elementen unter- brochen.
Weiterhin fällt die Verwendung des Wortes „und“ in den Versen 18, 24 und 26 auf. In den Versen 24 und 26 wird „und Josef (…)“ als Parallelismus verwendet. In V.18 verhält es sich ähnlich, nur dass es dort heißt „und seine Brüder (…)“. Bei dieser Betrachtung ist auch die ursprüngliche Verwendung des Wortes „und“ im hebräischen Urtext zu berücksichtigen, wo es für den Leser ein Komma ersetzte.
Ebenso scheint die Wiederholung der Altersangabe Josefs in den V.22 und 26 ein Formmerkmal zu sein. Genauso in den V.24 und 25, in denen jeweils vom „heim- suchen“ 1 die Rede ist.
1. Übersetzungsvergleich
Beim Übersetzungsvergleich habe ich folgende Bibelausgaben miteinander ver- glichen: Revidierte Elberfelder Übersetzung, Luther Übersetzung von 1984 und
1 Rev. Elberfelder Übersetzung und Lutherübersetzung von 1984
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die Übersetzung des Alten Testaments Deutsch Band 2-4 von Gerhard von Rad. Die direkte Gegenüberstellung dieser drei Bibelübersetzungen ist unter dem Punkt „Ergänzende Materialien“ zu finden.
Sowohl die revidierte Elberfelder Übersetzung, als auch das ATD von Gerhard von Rad versuchen möglichst nahe am Urtext zu übersetzen. Die Lutherüberset- zung von 1984 hat das Ziel, den hebräischen Urtext möglichst in den heutigen Sprachgebrauch zu übersetzen, ohne dabei die ursprüngliche Bedeutung des heb- räischen Textes zu verlieren.
In V.20 verwendet das ATD als einzige Bibelübersetzung den Begriff „viele Men- schen“. Dem gegenüber heißt es sowohl in der revidierte Elberfelder Übersetzung, als auch in der Luther Übersetzung von 1984: „Volk“ Die urtextnahe Übersetzung des ATD lässt auf das gesamte Volk (Ägypter und Israeliten) schließen, die bei- den anderen Übersetzungen könnten den Leser ausschließlich auf das (Gottes-) Volk Israel schließen lassen. Der Unterschied läge darin, dass Gott nun die Ägyp- ter – welche die Israeliten unterdrücken – mit versorgt oder nicht.
Gänzlich unterscheiden sich die verwendeten Übersetzungen in V.21. Hier heißt es „(…) zu ihrem Herzen (…)“ 2 , „(…) mit ihnen (…)“ 3 und „(…) redete ihnen freundlich zu (…)“ 4 . Indem die rev. Elberfelder Bibel „zu ihrem Herzen“ 5 schreibt, drückt sie viel mehr aus, als die beiden anderen Bibelübersetzungen. Hier tröstet Josef nicht nur oberflächlich, er geht auf das ein, was die Brüder in dieser Situation am meisten beschäftigt (ihre Angst) – ihr Herz ist wirklich ein „Ort persönlicher Geheimnisse“ 6 .
Eine weitere auffällige Unterscheidung gibt es im V.23, wo es heißt „(…) auf die Knie Josephs geboren.“ 7 und „(…) wurden dem Hause Josefs zugerechnet.“ 8 .
2 Rev. Elberfelder Übersetzung
3 Luther Übersetzung von 1984
4 ATD, Gerhard von Rad, Seite 375
5 Rev. Elberfelder Übersetzung
6 Kleines Bibellexikon, Aussaat Verlag Neukirchen Vluyn, Seite 127
7 Rev. Elberfelder Übersetzung und ATD, Gerhard von Rad, Seite 375
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Hierauf wird aber näher in Punkt 11 – Einzelexegese, V.23 eingegangen.
In V.24 unterscheidet sich das ATD in seiner Wortwahl von den anderen beiden Übersetzungen, in der es heißt „(…) wird euch heimsuchen (…)“ 9 . Hier stellt sich die Frage, wie das Wort heimsuchen im damaligen Sprachgebrauch verstanden wurde. Gerhard von Rad übersetzt den biblischen Urtext mit den Worten „(…) Gott wird sich eurer annehmen (…)“ 10 , was auf eine ursprünglich andere Bedeu- tung des Wortes heimsuchen hinweisen könnte, als es heute der Fall ist.
Eine weitere Unterscheidung findet sich in V.26, wo von salben und balsamieren die Rede ist. 11
Für die weitere exegetische Arbeit habe ich die Luther Übersetzung von 1984 zu Grunde gelegt.
2. Kontext und Abgrenzung
Der Sinn-Abschnitt Gen. 50, 15-26 kann als sinnvoll erachtet werden, da zwi- schen den Versen 1-14 und 15-26 ein Personenwechsel stattfindet. Im ersten Teil geht es im Wesentlichen um den Tod Jakobs und sein Begräbnis in Kanaan (Gen 50, 13). Der zweite Abschnitt handelt dagegen von der Versöhnung der Brüder und „(…) Josesphs Lebensabend (…)“ 12 . Die Trennung der Verse 15ff von den vorangegangen ist ebenfalls wichtig, da Josef neben Jakob eine zweite Zentralfi- gur in der Hinführung zur Exodusgeschichte ist. Da es in den Versen 15ff um die Wirkung des Todes Jakobs für das Vaterhaus geht, muss dieser Teil von der ho- hen Ehrung durch Ägypten getrennt werden (vgl. dazu auch Horst Seebass, Gene- sis, Seite 198).
Insgesamt stellt die Joseferzählung und damit auch die Verse 15-26 eine Hinfüh- rung und gleichzeitige Verbindung zum späteren Auszug des Volkes Israel dar,
8 Luther Übersetzung von 1984
9 Rev. Elberfelder Übersetzung und Lutherübersetzung von 1984
10 ATD, Gerhard von Rad, Seite 375
11 Vgl. Art.: Salben, Punkt 9 - Traditionsgeschichte
12 Biblischer Kommentar AT, Claus Westermann, Seite 235
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Christian Herzog, 2005, Exegese zu Genesis 50, 15-26, München, GRIN Verlag GmbH
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