Inhaltsverzeichnis:
1 Prolegomena 4
2 Momente der Krise
2.1 Der Untergang der römischen Republik aus antiker Sicht 5
2.2 Von der Geldwirtschaft zur Etablierung einer neuen Wirtschaftsordnung 6
2.3 Krise der Agrar- und Heeresverfassung 7
2.4 Überforderung des politischen Systems 8
2.5 Die Bundesgenossenfrage 9
3 Reformversuche und ihr Scheitern 9
3.1 Die Reformversuche der Gracchen 9
3.2 Sulla oder die verunglückte Restauration 11
3.3 Auf dem Weg zum „bellum civile“ oder Caesar gegen Pompeius 13
3.4 Caesar und die Diktatur auf Lebenszeit 14
4 Nachwort 16
5 Literaturverzeichnis 17
2
„ O t e m p o r a , o m o r e s . S e n a t u s h a e c i n t e l l e g i t ,
1 Zitiert nach: Walter Freinbichler: Lateinische Redekunst. In:
http://www.braumueller.at/files/latein_redekunst/kapitel1.pdf Abgerufen am: 13.6.2005. S. 12.
3
1 Prolegomena
Das der Arbeit vorangestellte Zitat des römischen Geschichtsschreibers Marcus Tullius Cicero verdeutlicht auf anschauliche Weise die Ambivalenz zwischen der offiziellen, römischen Wahrnehmung der Krise und der handfesten Tagespolitik des 1. Jh. v. Chr. Die zum Sprichwort avancierte Klage über den Verfall der Sitten stand ursprünglich im Zusammenhang mit einer Rede Ciceros gegen den von der späteren Geschichtsschreibung weitgehend zum Verschwörer gestempelten Catilina 2 - tatsächlich jedoch eher eine Nebenepisode der Geschichte - und zeigt jenen Horizont auf, der zwischen der bewussten Tradierung von restaurativen Werten und dem persönlichen Machtstreben einzelner Politiker liegt. Und obwohl in diesem Fall Cicero falsch diagnostiziert, treffen seine Worte doch den Kern der Krise. Zwar sind es die Vertreter der neuen Werte, die durch bewussten Rückgriff auf die Traditionen der römischen Republik, der „mos maiorum“ 3 , dem Untergang der res publica ihren Stempel aufdrücken. Dennoch ist gerade zu sagen, dass die konservativen Kräfte Roms, zu denen Cicero mit Abstrichen zu zählen ist und welche auch zugunsten ihrer sozialen und wirtschaftlichen Vorragstellung auf die Einhaltung der alten Werte pochten, aufgrund ihren Unbeweglichkeit die Auslöser der Krise provozierten und somit zumindest Anteil am Ende der Römischen Republik tragen.
Von der Position vieler Wissenschaftlicher, die über das Ende der Römischen Republik mit Verweis auf ihre persönliche Identifikation mit demokratischen Werten wehklagen, soll hier bewusst Abstand genommen werden. Eine Wertung der historischen Ereignisse wird von mir abgelehnt, den Kampf um die römische Republik als Kampf zwischen Demokratie und Diktatur zu stilisieren, ist als durchaus vermessen zu betrachten und historisch nicht haltbar. Die zwei grundlegenden politischen Strömungen der Späten Republik, die Optimaten und Popularen, strapazierten lediglich die Hülle der Römischen Republik, um damit ihre persönlichen Interessen (und hier besonders die Interessen der einzelnen Politiker) zu erweitern. Die Verklärung ihrer Reformen als Befreiung des römischen Volkes vom Joch unterschiedlicher Übel wurde zwar versucht, glückte aber letztlich nicht.
2 Vgl. dazu: Karl Christ: Krise und Untergang der Römischen Republik. 2. durchgeseh. u. erw. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1984. S. 262-268. Vgl. weiters Quellen des Sallust: Andreas Mehl / Wolfgang Christian Schneider: Die Krise der Römischen Republik. Von der res publica zum Prinzipat. 1. Aufl. Stuttgart: Ernst Klett 1988 (Tempora. Quellen zur Geschichte und Politik Sekundarstufe 2 / Kollegstufe hg. v. Peter Alter und Erhard Rumpf). S. 58f. 64f.
3 M. Tullius Cicero: De republica 5,2-3. Zitiert nach: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik (133-42 v. Chr.). Berlin: Akademie 2003 (Studienbücher Geschichte und Kultur der Alten Welt). S. 103f. Weiters: S. 19ff.
4
Das Ziel meiner Arbeit sollte vielmehr die Entwicklung jener langfristigen Prozesse und Strukturen sein, die das Ende der römischen Republik bewirkten und denen im Vergleich zum Auslöser, dem Bürgerkrieg, durchaus mehr Gewicht eingeräumt werden muss. Anschließend möchte ich meinen Blick noch auf jene unterschiedlichen Taktiken und Antworten werfen, welche die Menschen entwickelten, um den Problemen ihrer Zeit Herr zu werden.
2 Momente der Krise
2.1 Der Untergang der römischen Republik aus antiker Sicht
Bevor wir uns jedoch näher mit den tatsächlichen Problemen der römischen Herrschaft auseinandersetzen können, erweist es sich als notwendig die Krise der Republik aus antiker Sicht zu betrachten.
Klaus Bringmann schreibt in einem äußerst tiefschürfenden Werk zu dieser Problemstellung folgendes: „Zwischen den Jahren 133 und 42, die den offenen Ausbruch der Krise und das Ende der Republik markieren, schritt der Ausbau des mediterranen Provinzialreiches unaufhaltsam voran. Als selbstständige Großmacht trat Rom nur das Reich der iranischen Parther am Euphrat gegenüber. Alle übrigen Staaten der Mittelmeerwelt waren von Rom abhängig.“ 4
Welche Erkenntnisse können wir daraus ziehen: Erstens die Krise der Römischen Republik wird unmittelbar im Anschluss an die Punischen Kriege akut und endet mit der Errichtung des Prinzipats durch Augustus rund 100 Jahre später. 5 Zweitens die Republik hat in der Epoche ihrer inneren Krise die Phase existenzieller äußerer Bedrohung längst hinter sich lassen, umso schockierender war für die Römer die Erfahrung jetzt nach der Ausschaltung der außenpolitischen Rivalen mit ihren inneren Problemen nicht mehr fertig zu werden. Die Erklärungsversuche der Zeitgenossen beruhen auf 2 grundlegenden Vorstellungen. 6 Der Erste bezieht sich auf den Zustrom von Geld, Edelmetallen und Luxusgütern, die in Folge der siegreichen Kriege insbesondere gegen die hellenistischen Mächte nach Rom flossen und die Untergrabung der Werte und Verhaltensnormen bewirkten, die Rom groß gemacht hatten, die mos maiorum (Sitte der Vorfahren). 7 Der zweite Gesichtspunkt knüpft an die Vorstellung an,
4 Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 17.
5 Für den chronologisch interessierten Leser empfehle ich: Hermann Kinder / Werner Hilgemann: dtv-Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. 35. durchgeseh. Aufl. München: dtv 2002 (dtv-Atlas Weltgeschichte Bd 1). S. 88-93.
6 Vgl.: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik. a.a.O. S. 19f.
7 Vgl. dazu: Karl Christ: Die Römische Geschichte. Einführung, Quellenkunde, Bibliographie. 4. unv. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1990 (Die Altertumswissenschaft). S. 111f. 132f.
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Johannes Mattes, 2005, Krise und Untergang der Römischen Republik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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