"Everybody does cost/benefit analysis on projects. Most of them are fictional.” Was in der letzten Dekade schon als Problem gängiger Bewertungsrealität, nämlich der Aussagegehalt praktizierter Wirtschaftlichkeitsanalysen (WA), aufgezeigt wurde, hat im Zuge der schnell fortschreitenden Entwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnologie keinesfalls an Aktualität eingebüßt. Heute sind es Themen wie Business Intelligence (BI) bzw. Data Warehousing aus dem Bereich der analytischen Informationssysteme (AIS), die verstärkt in den Vordergrund der Diskussion gerückt sind. Als umfassende, organisationsweit integrierte Systeme zur Unterstützung einer gezielten Unternehmenslenkung, können die Gesamtprojektkosten dieser mehrere Mio. Euro betragen und stellen somit ein wichtiges und sehr komplexes Bewertungsobjekt für eine WA dar. Die Begründung der Investitionskosten umfassender AIS ist dabei ein bedeutendes Problem. Denn während die Kosten gut abgeschätzt werden können, gestaltet sich die Ermittlung des monetären Beitrags zum Unternehmensgewinn um ein Vielfaches schwieriger. Die Kosteneinsparungen bspw. durch Automatisierung des Berichtswesens sind verhältnismäßig greifbar, doch wie lässt sich der langfristige Wert der verbesserten Informationsbasis, welcher letztlich zu „besseren“ Entscheidungen führen soll, erfassen, monetär bewerten und den Kosten gegenüberstellen?4
In der Praxis werden nicht selten „Bauchentscheidungen“ getroffen. Einer Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting zufolge haben 24% der Unternehmen keine Transparenz hinsichtlich der Kosten und 29% keine hinsichtlich des Nutzens der eingesetzten Lösung. Aus diesem Grund wird auf diesem Problemgebiet laut einer empirischen Erhebung des Instituts für Wirtschaftsinformatik aus St. Gallen Forschungsbedarf konstatiert. In der wissenschaftlichen Literatur wird eine große Zahl an Verfahren zur WA von Informationssystemen (IS) angeboten, wobei jedoch AIS als ein relativ moderner Teilbereich als Bewertungsobjekt kaum Berücksichtigung finden. Damit stellt sich die Frage, inwieweit die in der Literatur bereits beschriebenen und in der Praxis zum Teil eingesetzten Methoden für AIS geeignet sind.
Das erste Ziel der Arbeit ist deshalb die Untersuchung der theoretischen Eignung der vorhandenen Verfahren zur Analyse von Investitionsentscheidungen in AIS.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Begriffe
2.1 Analytische Informationssysteme (AIS)
2.1.1 Historische Entwicklung
2.1.2 Aktuelles Begriffsverständnis
2.1.3 Wesentliche Komponenten moderner AIS
2.1.3.1 Data Warehouse
2.1.3.2 On-Line Analytical Processing
2.1.3.3 Data Mining
2.1.3.4 Text Mining
2.1.3.5 Weitere typische Komponenten
2.2 Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf AIS
2.2.1 Traditioneller Wirtschaftlichkeitsbegriff
2.2.2 Erweiterter Wirtschaftlichkeitsbegriff
3 Kosten- und Nutzenbetrachtungen von AIS
3.1 Kosten von AIS
3.1.1 Abgrenzung des Kostenbegriffs
3.1.2 Kostenaspekte von AIS
3.1.2.1 Hardware
3.1.2.2 Software
3.1.2.3 Personal
3.1.2.4 Sonstige Kosten
3.2 Nutzen von AIS
3.2.1 Abgrenzung des Nutzenbegriffs
3.2.2 Nutzenaspekte von AIS
3.2.2.1 Nutzen durch Kostensenkungen
3.2.2.2 Nutzen durch Produktivitätserhöhungen
3.2.2.3 Nutzen durch Wettbewerbsvorteile
3.3 Probleme bei der Ermittlung und Bewertung der Kosten und Nutzen
4 Theoretische Konzepte zur Wirtschaftlichkeitsanalyse von AIS
4.1 Systematisierung vorhandener Wirtschaftlichkeitsanalyseverfahren
4.1.1 Beschreibungsverfahren
4.1.1.1 Beschreibungsverfahren für spezielle Aspekte
4.1.1.1.1 Prozessorientierte Verfahren
4.1.1.1.2 Ebenenverfahren
4.1.1.1.3 Unternehmenszielorientierte Verfahren
4.1.1.1.4 Verfahren mit dem Fokus auf das Change Management
4.1.1.1.5 Kundenorientierte Verfahren
4.1.1.2 Beschreibungsverfahren für allgemeine Aspekte
4.1.2 Berechnungsverfahren
4.1.2.1 Monetäre Verfahren
4.1.2.1.1 Klassische Investitionsrechnungsverfahren
4.1.2.1.2 Spezielle monetäre Verfahren
4.1.2.2 Indikatorverfahren
4.1.2.3 Multikriterielle Verfahren
4.1.3 Methoden und Techniken zur Berücksichtigung von Unsicherheit
4.1.4 Meta-Verfahren
4.2 Beurteilung der grundsätzlichen Eignung für AIS
4.3 Analyse ausgewählter Methoden im Hinblick auf AIS
4.3.1 Einzelverfahren
4.3.1.1 Hedonic Wage-Modell
4.3.1.2 Nutzwertanalyse
4.3.1.3 Wirkungskettenanalyse
4.3.1.4 Modell des hierarchischen Beziehungsnetzwerks nach Schwarz
4.3.2 Ganzheitliche Verfahren
4.3.2.1 Der Ansatz von Buxmann
4.3.2.2 Netzeffekttheoretisches Nutzenmodell nach Müller
4.3.2.3 Multiperspektiven-Ansatz
4.4 Zusammenfassende Beurteilung der theoretischen Ergebnisse
5 Die Praxis der Wirtschaftlichkeitsanalyse von AIS
5.1 Aktueller Stand der empirischen Forschung
5.2 Empirische Untersuchung zum Einsatz von Wirtschaftlichkeitsanalyseverfahren in der Praxis
5.2.1 Methodik der Untersuchung
5.2.2 Teilergebnisse der Untersuchung
5.2.2.1 Allgemeiner Teil
5.2.2.2 Wirtschaftlichkeitsanalyse und Methodeneinsatz
5.2.2.3 Problembereiche
5.2.2.4 Potenzielle Verfahren
5.2.3 Fazit der Untersuchung
6 Abschließende Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die theoretische Eignung existierender Wirtschaftlichkeitsanalyseverfahren für analytische Informationssysteme (AIS) zu untersuchen und deren tatsächliche Anwendung in der Praxis zu erforschen, um Defizite aufzudecken und Potenziale für eine ganzheitliche Bewertung aufzuzeigen.
- Definition und begriffliche Abgrenzung von analytischen Informationssystemen (AIS).
- Systematische Analyse von Kosten- und Nutzenaspekten bei Investitionen in AIS.
- Theoretische Untersuchung und Bewertung gängiger Wirtschaftlichkeitsanalyseverfahren.
- Empirische Erhebung zur Bewertungspraxis in Unternehmen durch Experteninterviews.
- Ableitung von Anforderungen an ein ganzheitliches Bewertungskonzept.
Auszug aus dem Buch
2.1.3.1 Data Warehouse
Ein DW ist eine von den OIS isolierte physische Datenbank, die als integrierte und unternehmensweite Datenbasis für sämtliche entscheidungsunterstützenden IS dient. Nach Inmon, der den Begriff DW in den 90er Jahren propagiert und geprägt hat, wird ein DW definiert als „[…] subject-oriented, integrated, nonvolatile and time-variant collection of data in support of management’s decisions.“
Themenorientiert (subject-oriented) bedeutet dabei, dass eine rein datenorientierte Vorgehensweise im Vordergrund steht, die nur Sachverhalte berücksichtigt, welche das Handeln und den Erfolg eines Unternehmens entscheidend beeinflussen. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass innerbetriebliche Abläufe und Funktionen von nachrangiger Bedeutung sind.
Das wichtigste Kriterium ist die Datenintegration (integrated), mit der eine unternehmensweit homogene und konsistente Datenbasis mit „… a single physical corporate image …“ geschaffen werden soll, um das Problem der redundanten und oft widersprüchlichen Daten innerhalb derselben Unternehmung zu beheben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Wirtschaftlichkeitsanalyse bei Investitionen in analytische Informationssysteme und definiert die Zielsetzung der Arbeit hinsichtlich theoretischer Eignung und praktischer Anwendung.
2 Grundlegende Begriffe: Dieses Kapitel definiert analytische Informationssysteme (AIS), ordnet sie in eine Systemhierarchie ein und erläutert wesentliche Komponenten wie Data Warehouse, OLAP und Data Mining.
3 Kosten- und Nutzenbetrachtungen von AIS: Hier werden die Kosten- und Nutzenaspekte von AIS detailliert aufgeschlüsselt, wobei eine Kategorisierung in Hard-, Soft- und Personalkosten sowie verschiedene Nutzenarten erfolgt.
4 Theoretische Konzepte zur Wirtschaftlichkeitsanalyse von AIS: Dieses Kapitel systematisiert bestehende Analyseverfahren in Beschreibungs- und Berechnungsmodelle und bewertet deren Eignung für AIS.
5 Die Praxis der Wirtschaftlichkeitsanalyse von AIS: Aufbauend auf einem Literaturüberblick präsentiert dieses Kapitel eine eigene empirische Untersuchung zur Bewertungspraxis in Unternehmen basierend auf Tiefeninterviews.
6 Abschließende Bewertung und Ausblick: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen einer ganzheitlichen Bewertung von AIS in einem dynamischen Unternehmensumfeld.
Schlüsselwörter
Wirtschaftlichkeitsanalyse, Analytische Informationssysteme, Business Intelligence, Data Warehouse, Investitionsrechnung, Kosten-Nutzen-Analyse, Entscheidungsunterstützung, Nutzwertanalyse, Total Cost of Ownership, IT-Controlling, Prozessanalyse, Unternehmensstrategie, Innovationsrisiko, Systemintegration, Wirkungskettenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit von analytischen Informationssystemen (AIS), wie beispielsweise Data-Warehouse-Lösungen, und untersucht, welche Verfahren zur Analyse geeignet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen von AIS, die Identifikation von Kosten- und Nutzenfaktoren, die Systematisierung von Bewertungsverfahren sowie eine empirische Bestandsaufnahme der Bewertungspraxis in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das erste Ziel ist die theoretische Eignungsprüfung vorhandener Verfahren für AIS. Das zweite Ziel ist die Untersuchung der tatsächlichen Durchführung von Wirtschaftlichkeitsbeurteilungen in der Praxis, um Defizite aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse zur Systematisierung bestehender Verfahren führt der Autor eine eigene empirische Untersuchung durch, die auf halbstrukturierten Experteninterviews mit Vertretern aus der Praxis basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Grundlagen, die Herleitung von Kosten- und Nutzenaspekten, die theoretische Analyse verschiedener Bewertungsverfahren sowie die Präsentation der Ergebnisse aus der empirischen Erhebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Wirtschaftlichkeitsanalyse, Analytische Informationssysteme, Business Intelligence, Data Warehouse, IT-Controlling und Nutzenbewertung charakterisieren.
Warum ist die Wirtschaftlichkeitsanalyse von AIS laut dem Autor so schwierig?
Das Hauptproblem besteht darin, dass der Nutzen von AIS oft schwer zu quantifizieren ist, da er häufig indirekt über bessere Entscheidungsgrundlagen entsteht und komplexe Wirkungsketten in sozio-technischen Systemen umfasst.
Was ist das Ergebnis der empirischen Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass in der Praxis oft keine formalen, ganzheitlichen Wirtschaftlichkeitsanalysen durchgeführt werden. Oft dominieren einfache Kostenschätzungen oder „Bauchentscheidungen“, da der Nutzen als offensichtlich wahrgenommen wird oder eine quantitative Bewertung als zu aufwendig gilt.
- Arbeit zitieren
- Waldemar Pauls (Autor:in), 2006, Wirtschaftlichkeitsanalyse von analytischen Informationssystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56355