Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tiere als Träger menschlicher Eigenschaften am Bsp. der Fabel
3. Die Tiere Franz Kafkas
3.1 Tier und Mensch innerhalb einer Erzählung
3.1.1 „Die Verwandlung“
3.1.2 „Schakale und Araber“
3.2 Die reinen Tiererzählungen
3.2.1 “Josefine, die Sängerin, oder das Volk der Mäuse“
3.2.2 “Der Bau
4. Der Hintergrund in Kafkas Leben
5. Schlussbetrachtung
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1. Einleitung
Tiere haben nicht nur in unserem alltäglichen Leben, sondern auch in der Literatur einen festen Platz. Sie tauchen häufig in Erzählungen und Werken auf, doch in den seltensten Fällen haben sie tatsächlich eine Wirkung oder einen Einfluss auf den Verlauf des Geschehens. Meist sind sie nur „Beiwerk“, um die Geschichte realistischer zu gestalten.
Im Gegensatz dazu stehen Kafkas Tierfiguren in vielen seiner Erzählungen im Mittelpunkt. Ohne sie wäre die Aussage, die er treffen möchte, nicht möglich. Dabei sind seine tierischen Darstellungen allerdings nicht immer direkt zu verstehen und einfach einer Funktion zuzuordnen. Der Autor vereint in seinen Erzählungen Elemente der Fabel mit denen der Parabel und schafft eine mysteriöse Gegenwelt zum rein Menschlichen, mit der er die Leser in seinen Bann zieht. Den geistigen Hintergrund bildet meiner Meinung nach vor allem die Industrialisierung, bei der die Arbeit, die Produktivität und die damit einhergehende Entindividualisierung des Menschen das neue Zentrum der Gesellschaft bilden. Auf diesen Gegensatz und die daraus resultierende Spannung bauen Kafkas Werke. Die Tiere helfen ihm dabei, die gewünschte Wirkung zu erzielen. Besser wahrscheinlich, als Menschenfiguren dies jemals könnten.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich nun zunächst die allgemeine Rolle der Tierfiguren in der Literatur am Beispiel der Fabel und Parabel analysieren und ihre Funktion herausfinden. Im Anschluss sollen einzelne Erzählungen Kafkas, die tierische Elemente enthalten, eben auf die Funktion ihrer Hauptfiguren untersucht und eine mögliche Deutung aufgezeigt werden. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf die im Seminar behandelten Texte mit tierischem Inhalt konzentrieren, um diese möglichst umfassend behandeln zu können.
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Hinzu nehmen werde ich lediglich noch die thematisch wichtige Erzählung „Die Verwandlung“, die als eines der bekanntesten Werke Kafkas besonders viel Angriffsfläche für das zu behandelnde Thema bietet.
2. Tiere als Träger menschlicher Eigenschaften
am Bsp. der Fabel
Eigentlich sollten menschliche Eigenschaften doch am Besten an Menschen selbst exemplarisch aufgezeigt werden können - denkt man für gewöhnlich. Warum dies jedoch anhand von Tierfiguren noch besser gelingen kann, beweist die Fabel.
In einer reinen Tiererzählung (lat. fabula: das Erdichtete 1 ) ist der Mensch völlig von der Bildfläche verschwunden. Lediglich die menschliche Sprache wird den Tieren verliehen, um sie uns verständlich zu machen. Die Aufgabe der Fabel ist es, zu belehren und denjenigen überzeugen, der nicht verstehen will. Allein durch tierische Charaktere werden so alltägliche, menschliche Eigenschaften problematisiert und
hervorgehoben, wobei die gewünschte Wirkung aus der Kürze und Pointiertheit resultiert. Je länger die Erzählung, umso mehr verblasst die eigentliche Intention. Erst durch das Überraschungsmoment am Ende wird der Leser zum Umdenken gebracht.
Doch warum schlüpfen überhaupt Tiere in die Rolle der Hauptakteure, um gerade menschliche Eigenschaften zu verkörpern? Das klingt zunächst paradox. Ein Grund dafür ist, dass das Tier seinen Charakter offen nach außen trägt. Es ist nicht durch Mimik und Gestiken in der Lage sich zu verstellen und somit eine andere Rolle als die seine zu spielen. So steht beispielsweise die Elster im Allgemeinen für das Diebische, der Hund für Treue gegenüber seinem Herren.
1 Dithmar, Reinhard: Die Fabel. Geschichte ⋅ Struktur ⋅ Didaktik. UTB für Wissenschaft. Ferdinand Schöningh.
Paderborn. 1997. S. 163
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Sie repräsentieren also durch ihr instinkthaftes Verhalten bestimmte Eigenschaften und führen uns diese deutlich vor Augen. Eben dadurch, dass die Tiere ausschließlich ihrem Instinkt gemäß handeln, ist ihr (reflektionsloses) Tun keiner Moral unterworfen. Bei Tieren gibt es daher kein „gutes“ und „böses“ Verhalten. Sie haben nicht die Wahl, sondern handeln nur wie die Natur es für sie vorsieht. Somit ist ihre Entscheidungsfreiheit sehr eingeschränkt. Genau dies ist es, was dem Leser seine eigene Freiheit vor Augen führen und so zum Umdenken veranlassen soll.
Mithilfe der Tierfiguren kann also das Tierische im Menschen dargestellt werden (Habsucht, Geiz, List etc.). Es gibt mehrere Vorteile, die sich durch diese Darstellung offenbaren: zum einen betrachtet der Mensch das Tier mit einem größeren Abstand, als er es bei einer reinen Menschen-Erzählung tun würde. Er entwickelt so eine objektivere Sichtweise auf das Geschehen und kann es besser und in gewissem Grade objektiver beurteilen. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird durch das „Wunderbare“, den Reiz der tierischen Akteure, hervorgerufen, so Dithmar, der nach Johann Jacob Breitinger zitiert 2 . Zum anderen wird das Dargestellte auf eine fiktive Ebene gehoben, wodurch der aufgezeigte Einzelfall einen exemplarischen Charakter erhält. Der Reiz der Tiere einer Fabel liegt eben darin, dass ihre Hauptakteure Zwischenwesen sindnicht ganz Mensch und nicht ganz Tier.
3. Die Tiere Frank Kafkas
Wilhelm Emrich sieht die tierischen Figuren Kafkas als Erzeuger einer gewissen Sphäre und Stimmung. Sie vertreten das verdrängte, ursprüngliche „Ich“ des Menschen, dessen er sich nicht (mehr) bewusst ist.
2 Dithmar, Reinhard: Die Fabel. Geschichte ⋅ Struktur ⋅ Didaktik. UTB für Wissenschaft. Ferdinand Schöningh.
Paderborn. 1997. S. 198
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Arbeit zitieren:
2006, Darstellung und Funktion von Tierfiguren im Werke Franz Kafkas - exemplarisch aufgezeigt an ausgewählten Erzählungen, München, GRIN Verlag GmbH
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