GLIEDERUNG
1. Aufbau des Kommunikationsprozesses
2. Extraverbale Behavioreme
2.1.Raum
2.2.Proxemik
2.3.Verhältnis zu Zeit Umgang mit der Zeit
2.4. Soziale Variable
3. Verbale Kommunikation
3.1.Gesprächsverlauf
3.2.Höflichkeit
4. Parasprachliche Behavioreme
5. Nonverbale Kommunikation
5.1.Nonverbale Behavioreme
5.1.1.Gestik und Körperbewegungen
5.1.2.Mimik
5.2. Kanäle auf denen nonverbale Signale gesendet werden
6. Wechselbeziehung zwischen Verbaler und Nonverbaler Kommunikation
7. Interkulturelle Kommunikation
7.1. Definitionsversuch interkulturelle Kommunikation
7.2. Definitionsversuch Kultur
8. Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
8.1. Wirtschaftsbeziehung zwischen Deutschland und Japan
8.2. Verhaltensregen für deutsche Manager
9. Resümee
10. Literaturverzeichnis
10.1. Monographien
10.2. Sammelbände
10.3. Internet Internet
3
„Die Weitergabe von Nachrichten oder Informationen vom Sender zum Empfänger wird Kommunikation genannt.“ 1 Dieser Prozess ist für jeden etwas absolut alltägliches und man
wird sich der Kompliziertheit erst bewusst, sobald Verständigungsschwierigkeiten auftreten. Um solche Probleme verstehen und lösen zu können, ist es zunächst wichtig, sich die einzelnen Elemente und Faktoren eines Kommunikationsprozesses bewusst zu machen.
Gehen wir von einer einfachen Gesprächssituation aus: Partner A kommuniziert mit Partner B, d.h. die Rolle des Empfängers und des Senders wechselt ständig ab. 2 Das Gespräch beginnt
mit der Intention des Sprechers dem Hörer etwas mitzuteilen. Die mitzuteilende Nachricht kodiert der Sender anhand des ihm zur Verfügung stehenden verbalen und nonverbalen Zeichenvorrats. Wichtig ist hierbei, dass Partner A und B über den gleichen Kode verfügen, damit Partner B nun die Nachricht dekodieren kann und im Idealfall die Botschaft des Senders identisch ankommt. Laut Pelz kann also nur auf der Grundlage der Schnittmenge von Sender- und Empfängerkode kommuniziert werden. Moles stellt dies in seinem Kommunikationsmodell (1963) dar:
Abb.1: Moles Kommunikationsmodell (1963) 3
Doch ist der Vorgang weitaus komplexer. Allein eine Überschneidung des verbalen Repertoires der Kommunizierenden reicht nicht aus, dass es zu einem einwandfreien Gesprächsablauf ohne Störungen kommt. Sprache und Denken kann nicht einfach gleichgesetzt werden, dies birgt die Gefahr des „sprachlichen Idealismus (Realität ist ein Produkt von Sprache)“ 4 . Zwar dient Japanern und Deutschen bei Geschäftskontakten Englisch
als Verkehrssprache bzw. gemeinsamer Kode. Trotzdem kommt es aufgrund unterschiedlicher kultureller Hintergründe zu erheblichen Verständigungsschwierigkeiten bzw.
Missverständnissen, da die langue Bedeutung nur einen Aspekt birgt, der zum Verstehen elementar ist. Sprache wird zwar für das wichtigste Instrument einer Kommunikation angesehen, doch werden in Wirklichkeit „aber bis zu 90 Prozent aller Informationen mit
1 Heringer, Hans Jürgen: Interkulturelle Kommunikation. Grundlagen und Konzepte. Tübingen/Basel 2004, S.12 2 vgl. hierzu und zum Folgenden: Pelz, Heidrun: Linguistik. Eine Einführung. Hamburg 2002 7 , S.50 ff. 3 ebd., S.52 4 Gross, Harro: Einführung in die germanistische Linguistik. Neu bearbeitet von Klaus Fischer. München 1998 3 , S.30
4
anderen Mitteln übertragen.“ 5 Dies macht evident, dass während eines Dialogs mehrere
Faktoren von Bedeutung sind, als nur der gemeinsame, sprachliche Kode über den die Teilnehmer verfügen: 6
7
Abb.2: Kommunikationsmodell
Jeder Kommunikationsakt ist in eine bestimmte Situation eingebettet, wird also von außersprachlicher Wirklichkeit beeinflusst (Wo? Wann? Mit wem?). Treffen sich zwei Geschäftsmänner zufällig in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit verläuft das Gespräch sicher anders als das Zusammenkommen im Büro einer dieser Männer. Auch die eigene Erfahrung (Wissen, soziale Normen) und die persönliche Konnotation einer Aussage spielen eine Rolle bei der Dekodierung von Mitteilungen. Vor allem da die Äußerungen der kommunizierenden Personen nie explizit sind, sondern meist über das Gesagte hinausgehen (laut Bühlers Organon - Modell die sog. apperzeptive Ergänzung) und zu deren Verständnis gemeinsames kulturelles Wissen vorausgesetzt wird. 8 Ist dies nicht vorhanden, kommt es meist durch
unterschiedliche Konnotationen, welche durch die Kulturkreise geprägt sind, zu Missverständnissen. Stellt sich z.B. ein Amerikaner seinem japanischen Geschäftspartner mit dem Vornamen vor, will er damit Vertrauen schaffen und meint dies als nette Geste. Der Japaner jedoch reagiert darauf eher gekränkt, da er es als einen ungewollten Eingriff in seine Privatsphäre sieht und es für ihn eine Beleidigung und ein rüpelhaftes Verhalten darstellt, weil es in seinem Kulturkreis nur unter engsten Freunden üblich ist, sich per Vorname anzureden.
5 Hall, Edward T.; Hall, Mildred Reed: Verborgene Signale. Studien zur internationalen Kommunikation. Über den Umgang mit Japanern. Hamburg 1985, S.19
6 vgl. hierzu und zum Folgenden Gross, a.a.O., S.22ff.
7 vgl. hierzu: ebd., S.25 8 vgl. hierzu Pelz, a.a.O., S.46ff.
5
Dies verdeutlicht, dass Kommunikation ein höchst komplexer Vorgang ist, der nicht nur von mehreren gleichzeitig ablaufenden Faktoren beeinflusst wird, sondern auch mehrere Ausdrucksmöglichkeiten umfasst: 9
KULTUREM
Abb.3: Behavioreme, die den Kommunikationsprozess beeinflussen 10
Oksaar bezeichnet diese Impressionsvariabilitäten als „Behavioreme, kommunikative Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen des sozialen Kontaktes“ 11 , wobei die
nonverbalen, verbalen und parasprachlichen Mittel zu den ausführenden und die extraverbalen zu den sog. regulierenden Behavioremen zählen. 12
Kultureme stellen die kulturbedingten, individuellen Verhaltensweisen der Menschen dar, welche im kommunikativen Akt durch die Behavioreme realisiert werden. 13 Das Erkennen,
Erlernen, Akzeptieren bzw. Missachten, Nichtwissen solcher soziokulturellen Verhaltensmuster beeinflusst den Verlauf (interkultureller) Kommunikation erheblich.
9 vgl. hierzu und zum Folgenden: Oksaar, Els: Kulturemtheorie. Ein Beitrag zur Sprachverwendungsforschung. IN: Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften (Hrsg.): Berichte aus den Sitzungen. Hamburg 1987, S.26ff.
10 vgl. hierzu: ebd., S.28 und Oksaar, Els: Zweitspracherwerb. Wege zur Mehrsprachigkeit und zur interkulturellen Verständigung. Stuttgart 2003, S.39
11 Rhiel, Claudia Maria: Sprachkontaktforschung. Eine Einführung. Tübingen 2004, S.132 12 vgl. hierzu: Oksaar 1987, a.a.O., S. 27f.
13 vgl. hierzu: Oksaar 2003, a.a.O., S.39
6
Markante Unterschiede im interkulturellen Kommunikationsverhalten weisen gesellschaftliche Konventionen in Bezug auf Zeit, Raum, Proxemik und Kontextabhängigkeit auf. Während einer Unterhaltung setzt der Sprecher beim Hörer ein bestimmtes Verständnis diesbezüglich voraus, welches jedoch von Kultur zu Kultur verschieden ist und somit zu Missverständnissen führt.
2.1.RAUM
Wo man Informationen sendet oder empfängt entscheidet darüber, wie bzw. ob überhaupt gesprochen werden darf. 14 So gelten in den westlichen Kulturen besondere Bestimmungen,
was das Redeverhalten z.B. in öffentlichen Bibliotheken, sowie im Gericht oder in der Kirche angeht.
2.2.PROXEMIK (VERHALTEN IM RAUM)
Unter Proxemik versteht man „physische Distanz und Nähe von Kommunikationspartnern und […] die Ausrichtung der Kommunikation“. 15 Sie wird durch kulturelle Konventionen beeinflusst. 16 Jeder Mensch beansprucht einen zusätzlichen persönlichen Raum für sich
(Distanzbedürfnis). Welches Verständnis bezüglich der Ausmaße dieses eigenen Raumes ein Individuum hat, ist von zu Kulturkreis zu Kulturkreis sehr unterschiedlich.
Diese Auffassung äußert sich beispielsweise im Umgang mit Berührungen. Japaner vermeiden z.B. jeglichen Körperkontakt in der Öffentlichkeit. Ein Körperkontaktscheuer Mensch würde in der Regel beim Aufenthalt in einer arabischen Medina mit ständigem Gedränge, unangenehmen Gerüchen und Körperwärme anderer Menschen einen Kulturschock erleben, da sein eigenes Verständnis von Distanz extrem überschritten würde. Rhiel schlägt eine Einteilung in Kontakt- und Nichtkontaktgesellschaft vor, wobei sie Lateinamerikaner, Araber und Südeuropäer zu den kontaktreichen Völkern zählt und Nordeuropäer, Inder und Ostasiaten zu den kontaktscheuen Ländern.
Ein weiteres Beispiel, welches die inhomogenen Distanzbedürfnisse veranschaulicht, stellt das unterschiedliche Verhalten von Amerikanern und Europäern auf der einen Seite und Arabern und Lateinamerikanern auf der anderen Seite in Bezug auf Gesprächsabstand und die Ausrichtung bzw. räumliche Orientierung dar. 17 Letztere neigen eher zu einer sehr dichten
Gegenüberstellung und stehen sich somit während Unterhaltungen sehr nahe. Dies dagegen wirkt auf Amerikaner und Europäer, für die die „normale Gesprächsentfernung 45cm“ 18
beträgt, unangenehm und aufdringlich.
14 vgl. hierzu und zum Folgenden: Oksaar 2003, a.a.O., S.45
15 Rhiel, a.a.O., S.135 16 vgl. hierzu und zum Folgenden: Rhiel, a.a.O., S.135f.
17 vgl. hierzu und zum Folgenden: Argyle, Michael: Körpersprache & Kommunikation. Paderborn 1979, S.296ff. 18 Rhiel, a.a.O., S.136
7
Abb.4 u. 5: Räumliche Orientierung von Amerikanern, Arabern und Mexikanern 19
Die kulturelle Determiniertheit der räumlichen Orientierung zeigt sich auch an der Wahl des Sitzplatzes an einem Tisch. Während Deutsche und Japaner den Stuhl gegenüber dem Gesprächspartner preferieren würden („face-to-face“ 20 ) würden Afrikaner und Chinesen den Stuhl direkt neben dem besetzten Stuhl wählen. 21
2.3.VERHÄLTNIS ZU ZEIT/ UMGANG MIT DER ZEIT
Jede Kultur hat ihre eigene Zeitsprache. Ist der Lebensrhythmus zweier miteinander kommunizierender Nationen nicht synchron kommt es zu erheblichen Schwierigkeiten. Im Umgang mit der Zeit lassen sich zwei differente Strömungen erkennen: 22
a) ZEIT EINTEILENDE, „MONOCHRONE“ MENSCHEN
Darunter fallen Amerikaner, Deutsche und andere nordeuropäische Länder. Dieses Verhaltensmuster ist dadurch gekennzeichnet, dass die Menschen nur eine Tätigkeit nach der anderen verrichten und ein Zeitplan sowie Pünktlichkeit für sie eine große Rolle spielt. Die Dauer einer Aktivität hängt hier von der zur Verfügung stehenden Zeit ab und schließt somit ein, dass die individuelle Flexibilität begrenzt ist. Das Verhalten der Deutschen ist exemplarisch für das monochrone Verhaltensmuster. Sie haben einen ausgeprägten Hang zur Pünktlichkeit und ihr Leben wird von Planung und Ordnung dominiert. Außerdem legen sie Wert auf eine strikte Trennung zwischen Berufs- und Privatleben, erstellen für alles Zeitpläne und erledigen eins nach dem anderen.
19 Agryle, a.a.O., S.297f.
20 Rhiel, a.a.O., S.135 21 vgl. hierzu: Grein, Marion: Ziele von JaF. Lehrmaterialanalyse und Qualifizierung von Kenntnisstufen Interkulturelles in Japanisch-Lehrwerken. Heidelberg (Deutschland): 2003. revidiert 19.08.2005 [zitiert am 19.08.2005]. http://216.239.59.104/search?q=cache:xwc5vuM-U-AJ:www.uni-mainz.de/FB/Philologie-II/av-
22 vgl. hierzu und zum Folgenden: Hall, a.a.O., S.23ff.
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Arbeit zitieren:
Tina Ponater, 2005, Interkulturelle Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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