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Inhalt
A. Einleitung
B. Der Sieg Theoderichs des Großen über Odoaker
1. Zenons Auftrag an Theoderich
1.1 Zenons Misstrauen
1.2 Theoderichs Auftrag
2. Von der ersten Schlacht zu Odoakers Ermordung
2.1 Rabenschlacht
2.2 Verhandlungen und Ermordung
3. Sagengeschichte
C. Schluss
Quellen - und Literaturverzeichnis
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A. Einleitung
Im Jahre 476 riss der Skire Odoaker gewaltsam die Herrschaft über das weströmische Reich an sich. Diese Usurpation duldete der oströmische Kaiser Zenon zwölf Jahre lang, ehe er dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen seine Bitte gewährte, nach Italien zu ziehen und den Skiren abzusetzen. Warum griff Zenon nicht früher ein? Was hatte er an Odoaker auszusetzen? Und welche Motive hatte Theoderich für seinen Feldzug? Diesen Fragen soll in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden.
Zu allererst ist die Stellung Odoakers aus seiner eigenen Sicht und aus der Konstantinopels zu klären. Hierfür möchte ich auf Laszlo Varadys Arbeit „Epochenwechsel um 476“ 1 zurückgreifen, die sich u.a. auf Schriften von Prokop und Johannes Antiochenus stützt und aufschlussreiche Ergebnisse liefert. Anschließend möchte ich chronologisch darlegen, wie die Absetzung des Skiren ablief. Beginnen werde ich bei Theoderichs Unterredung mit Zenon. Die wesentlichsten historischen Quellen dafür lieferte Jordanes 2 .
Um den Feldzug des Ostgotenkönigs nachzuzeichnen, stütze ich mich im Wesentlichen auf die bisher aktuellsten Biografien Theoderichs von Aulo Engler 3 und Frank M. Ausbüttel 4 . Daraufhin werde ich die Friedensverhandlungen zwischen dem Goten und Odoaker beschreiben, wie sie von gotischer und römischer Seite unterschiedlich dargestellt werden. Schließlich komme ich zu Theoderichs Mordanschlag auf Odoaker sowie seine Anhänger und seine Familie.
Abschließend möchte ich noch einen Blick darauf werfen, in welcher Ausgestaltung der Konflikt zwischen dem Goten und dem Skiren in der Sagengeschichte aufgegriffen wurde.
1 Varady, Laszlo: Epochenwechsel um 476. Odoaker, Theoderich d. Gr. und die Umwandlungen. Budapest 1984.
2 Jordanes: Iordanis Romana et Getica recensuit Theodorus Mommsen. Unveränderter Nachdruck der 1882 bei der Weidmannschen Verlagsbuchhandlung erschienenen Ausgabe. München 1982.
3 Engler, Aulo: Theoderich der Große. Der Gotenkönig und seine Zeit. Berg am Starnberger See 1998.
4 Ausbüttel, Frank M.: Theoderich der Große. Darmstadt 2003.
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1. Zenons Auftrag an Theoderich
1.1 Zenons Misstrauen
Odoakers Herrschaft hatte für das Reich eine Zeit der Stabilität und des Friedens bedeutet. Der Skire ging geschickt mit den Adeligen um, indem er einige von ihnen nicht nur in seine Verwaltung berief, sondern auch als seine persönlichen Berater heranzog. Durch einen Pachtvertrag mit den Vandalen, der ihm die landwirtschaftliche Produktion Siziliens zugänglich machte, sicherte er auch die Lebensmittelversorgung, die einen dauernden Anlass für Unruhen dargestellt hatte. In Konstantinopel hätte man also mit der Herrschaft Odoakers zufrieden sein können. 5 Warum wollte man ihn nun loswerden?
Zenon zweifelte an der Loyalität des Skiren. Dieser hatte das Misstrauen des Kaisers vermutlich dadurch auf sich gezogen, dass der rebellische Heermeister Illus ihn im Jahre 484 für ein Bündnis gegen Zenon gewinnen wollte. Odoaker hatte damals abgelehnt, den Kontakt zu Illus aber nicht abgebrochen. Deshalb schien er in Zenons Augen nun untragbar. Dabei hatte der Skire mit der Absetzung des Romulus Augustulus nicht im Geringsten das Ziel verfolgt, in einem kaiserlosen Italien mit uneingeschränkter Macht zu regieren, sondern sich von Beginn seiner Herrschaft an der Oberhoheit Zenons unterstellt.
Um diese Haltung zu verdeutlichen, hatte er noch im Namen von Romulus Augustulus Senatoren nach Konstantinopel gesandt, die Zenon die Herrschaftsabzeichen des weströmischen Kaisers überbrachten und erklärten, dass man nur einen Kaiser für beide Reichsteile brauche. Zenon solle Odoaker den Ehrentitel ‚Patricius’ verleihen und ihn zum Herrscher Italiens machen. 6
Der oströmische Kaiser hatte die Anerkennung des Kaisers Nepos nie widerrufen, weshalb es sich schon bei Romulus Augustulus um einen Usurpator gehandelt hatte und Odoaker demnach keinen Kaiser, sondern einen Usurpatoren abgesetzt hatte. 7
5 Engler: Theoderich 115
6 Ausbüttel: Theoderich 50-51
7 Wolfram: Das Reich 266
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Deshalb verwies Zenon den Skiren in seinem Antwortschreiben an den Westkaiser, den er zurückholen solle.
Dadurch war Zenon zum einen in formeller Hinsicht Nepos’ Forderung nachgekommen, seine Macht über Italien nach Möglichkeit wiederherzustellen, zum anderen jedoch Odoaker zum tatsächlichen Herrscher erklärt. 8 In den Augen des Skiren blieb Julius Nepos bis zu seinem Tod im Jahr 480 rechtmäßiger römischer Kaiser, was er u.a. in seiner Münzprägung deutlich machte. 9 Zudem trug er auch nach Nepos` Ermordung trug den Titel rex 10 .
Zenon sprach Odoaker seine Anerkennung nie aus. 11 Wenn er ihn auch in seinem Ant-wortbrief im Jahre 476 als Patricius angeredet hatte, ließ er ihm dennoch weder einen offiziellen Titel noch Herrschaftsabzeichen zukommen. 12 Ein Klientelkönigtum wurde für den Skiren offenbar nie in Erwägung gezogen. Seine Macht über Italien war also als „Tyrannei“ gebrandmarkt.
Dies wäre für Konstantinopel eigentlich eine nahe liegende Veranlassung gewesen, seine Herrschaft auf militärischem Wege zu beenden. Seit der Reichsspaltung um 395 bekämpfte das oströmische Reich Usurpatoren aber erst, wenn diese wirtschaftliche Interessen gefährdeten oder mit einem Angriff auf Konstantinopel drohten. Da beides in Odoakers Fall nicht vorlag, wurde seine Herrschaft über Italien geduldet. Außerdem wurde ein militärisches Vorgehen gegen ihn durch innenpolitische Probleme Zenons behindert. 13
8 Ausbüttel: Theoderich 50
9 Wolfram: Das Reich 266
10 Ausbüttel: Theoderich 51
11 Wolfram: Das Reich 267
12 Ausbüttel: Theoderich 51
13 Varady: Epochenwechsel 29-30
Arbeit zitieren:
Felix Brenner, 2006, Der Sieg Theoderichs des Großen über Odoaker, München, GRIN Verlag GmbH
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