Johann Wolfgang Goethe Universität
FB 05 Psychologie und Sportwissenschaften
Seminar: „Das Über-Ich - eine gefährliche Krankheit?
Zur Problematik einer Instanz.“
10. Semester, Sommersemester 20006
Das Ich und das Es - Über-Ich
von: Matthias Gloser
INHALTSVERZEICHNIS
1. Das Ausgangsproblem 03
2. Ich-Bildung 03
3. Genese des Über-Ich 04
4. Wirkungen des Über-Ich 06
4.1. Gewissen 06
4.2. In der Analyse 07
4.3. Gewissensangst 07
5. Konklusion 07
6. Literatur 08
1. Das Ausgangsproblem
Am Beginn des Textes greift Freud auf sein frühes, topologisches Modell der Psyche auf, in welchem er die psychischen Phänomene in Bewusstes, Vorbewusstes und Unbewusstes einteilt. Er setzt sich zunächst mit der philosophischen Kritik an der Annahme des Unbewussten auseinander und wiederholt die Annahme, dass vor allem triebhafte, von Es stammende Regungen unbewusst sein können.
Freud stellt fest, dass in der Analyse beim Versuch seelische Strebungen ins Bewusstsein zu holen in Schwierigkeiten geraten. Ihre Assoziationen versagen, sobald man versucht sich dem Verdrängten anzunähern. Wir stellen also fest, dass man auf einen Widerstand gestoßen ist, der im Patienten wirkt. Die Patienten können diesen nicht angeben oder benennen. Ist also unbewusst und kann auch nicht Teil des Es sein, da er sich ja diesem entgegenstellt: „Wir haben im Ich selbst etwas gefunden, was auch unbewußt ist, sich gerade so benimmt wie das Verdrängte, das heißt starke Wirkungen äußert, ohne selbst bewusst zu werden, und zu dessen Bewusstmachung es einer besonderen Arbeit bedarf.“1
Neben diesem Widerstand in der Analyse, stellt Freud fest, dass es Personen gibt bei denen Selbstkritik und Gewissen unbewusst sind. Selbstkritik und Gewissen sind Funktionen des Über-Ichs. Dieses bezeichnet Freud als eine Differenzierung innerhalb des Ichs, mit einer weniger festen Beziehung zum Bewusstsein, als das eigentliche Ich. Wie kommt es dazu das so?
2. Ich-Bildung
Bevor wir uns der eigentlichen Genese des Über-Ich zuwenden können, müssen wir uns mit einem grundlegenden Mechanismus der Ich-Bildung vertraut machen, der dafür entscheidend ist. Freud hat bei der Melancholie festgestellt, das dort ein aufgegebenes Objekt im Ich wieder aufgerichtet wird. Also eine Objektbesetzung abgelöst wird durch eine Identifizierung. Seine Hypothese ist, dass diese Mechanismus nicht nur bei der Melancholie auftritt, sondern sehr basal ist und allgemein einer der wesentlichen, bei der Bildung des Ich. Zunächst wird ausgehend vom Es und dessen Bedürfnissen, also erotischen Strebungen ein Objekt besetzt. „Soll oder muss ein solches Sexualobjekt aufgegeben werden, so tritt dafür nicht selten eine Ichveränderung auf“2 D.h. das Ich nimmt die Züge des Objekts an und bietet sich dadurch selbst dem Es als Liebesobjekt an. Die Botschaft ist: „Sieh du kannst auch mich lieben, ich bin dem Objekt so ähnlich“3 Freud spricht in diesem Zusammenhang von einem „sekundäreren Nazismus“. Sekundär, weil die liebe zunächst dem Objekt galt und erst nach Aufgabe des Objekts dem Ich zugeführt wird.
Dieser Mechanismus hilft dem Ich das es zu bemeistern, denn durch die Identifizierung mit dem Objekt findet eine Desexualisierung des ursprünglichen Triebes statt und damit eine Form von Sublimierung. Freud ist sich unschlüssig, welche Bedeutung dieser Mechanismus einnimmt. Er spekuliert, dass es sich dabei um eine Regression handeln könnte. Evtl. stellt er überhaupt die Bedingung da, unter der das Ich seine Objekte aufgibt.4 Fest steht, dass beschriebener Vorgang in frühen Entwicklungsphasen sehr häufig auftritt. Der Charakter des Ichs ist demnach ein Niederschlag der Aufgegebenen Objektbesetzungen.
3.Genese des Über-Ich
[...]
1 Freud, Sigmund (1999): Das Ich und das Es: Gesammelte Werke. Bd. XIII. Frankfurt S. 244
2 Ebd. S. 257
3 Ebd. S. 258
4 Gegen diese Generalisierung spricht das Freud im gleichen Aufsatz eine Skala der Resistenzfähigkeit annimmt. D.h. die Möglichkeit durchaus in Betracht zieht, dass ein Objekt aufgegeben wird, ohne das eine Ichveränderung eintritt, bzw.. eher abgelehnt, anstatt angenommen wird. Ebenso sieht er die Möglichkeit das Objektbesetzung und Identifizierung gleichzeitig auftreten und damit nicht nach dem genannten Modell vor sich gehen.
Arbeit zitieren:
Matthias Gloser, 2006, Das Ich und das Es - Über-Ich, München, GRIN Verlag GmbH
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