1. Einleitung:
Eine Analyse der Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf das Englische Empire beinhaltet zunächst eine Betrachtung der allgemeinen Zustände in Großbritannien direkt am Kriegsende.
Gleichzeitig ist es wichtig, besonders die wirtschaftlichen Folgen zu berücksichtigen, und darzustellen inwiefern die wirtschaftliche Krise mit der Umstellung von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft zusammenhängt. Welche Rolle spielt dabei die USA und inwiefern kann man von einer finanziellen Abhängigkeit Großbritanniens von den USA sprechen? Außerdem müssen die innenpolitischen Folgen betrachtet und in Bezug zu der kriegsablehnenden Haltung des englischen Volkes gebracht werden. Inwiefern ist die Stimmung im britischen Volk für den radikalen Umschwung in der Politik verantwortlich, der der Labour-Regierung den bisher größten Wahlerfolg bescherte? Und zeichnete sich in dieser Wandlung der Kurs für die folgenden Jahre ab oder verblieb auch die Politik der neuen Regierung lediglich bei einem Fortführen der Politik Churchills? Im Besonderen muss auch die außenpolitische Entwicklung in den britischen Kolonien berücksichtigt werden, um erklären zu können, inwiefern der Zweite Weltkrieg den Beginn der „Dekolonialisierung“ Großbritanniens darstellte. Welche Rolle spielte die Besetzung der Kolonien während des Krieges für die Entwicklungsprozesse der Selbständigkeit der Kolonien? Welchen politischen Kurs verfolgte die britische Regierung in Bezug auf die Kolonialpolitik, und welche Reaktion zeigte sie auf die Befreiungskriege der Kolonien von der britischen Herrschaft?
Abschließend ist es wichtig, herauszuarbeiten, in welchem Maß das Englische Empire durch die politischen und wirtschaftlichen Folgen des zweiten Weltkrieges beeinträchtigt wurde, und welche Auswirkungen diese auf das weltpolitisch bedeutende Englische Königreich und seinen Einfluss in der Welt hatten.
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2. Hauptteil:
2.1 Die Ausgangslage am Ende des Zweiten Weltkriegs in Großbritannien Großbritannien war als dritte Siegermacht aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen. Jedoch wurden die vor 1938/39 befürchteten starken Verschlechterungen der Finanzkraft und Wirtschaftsmacht in Wirklichkeit stark übertroffen. 1 Die Siegermacht stand 1945 aufgrund des schnellen Ende des Krieges kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, was die britische Regierung wirtschaftspolitisch vor zwei wichtige Aufgaben stellte. Einerseits sollte die Exportwirtschaft erneut in Gang gebracht werden, damit Großbritannien zahlungsfähig blieb. Außerdem musste der Wiederaufbau des Landesinnern begonnen werden, um die internen Bedürfnisse zufrieden zu stellen und die britische Bevölkerung für die langen Jahre des Krieges zu entschädigen und für die Anstrengungen zu belohnen. 2 2.2 Innenpolitische Folgen und der Regierungswechsel 1945
In der Nachkriegszeit sollte es vordringlich darum gehen, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Großbritannien zu „rekonstruieren“. Dabei gewannen die Linken, insbesondere die Kommunisten, an Einfluss, und der größte Teil der Bevölkerung sah den Krieg mehr und mehr als einen „antifaschistischen Volkskrieg“. Daher wurde auch den Konservativen bewusst, dass man nicht einfach zu den Vorkriegszuständen zurückkehren konnte, sondern dass eine Zusammenarbeit mit den Labour-Führern unerlässlich war, um den Rückhalt im Volk zu bewahren.
Am 5. Juli 1945 sollte nach zehn Jahren eine neue Regierung gewählt werden. Die Koalitionsregierung unter Winston Churchill, die seit Mai 1940 das Land gelenkt hatte, war am 23. Mai 1945 zurückgetreten, und bis zu den Neuwahlen regierte Churchill nur mit einem „Übergangskabinett“.
1 Schmidt, Gustav, Großbritannien und Europa - Großbritannien in Europa (Bochum: Studienverlag Dr. N.
Brockmeyer, 1989) 7.
2 Johannes Paulmann, Staat und Arbeitsmarkt in Großbritannien - Krise, Weltkrieg, Wiederaufbau
(Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1993) 333.
3
Dennoch rechneten die Konservativen mit einem erneuten Wahlsieg und richteten ihren Wahlkampf gänzlich auf Churchill aus. Churchill selbst konzentrierte sich darauf, die gegnerische Labour-Partei zu diskreditieren, anstatt den Wählern ein positives, zukunftsorientiertes Programm zu präsentieren. 3
Die Konservativen hatten die Stimmung im Volk allerdings als völlig falsch eingeschätzt, da die wachsende Gemeinde der gewerkschaftlich organisierten Arbeitern in Großbritannien die „arbeiterfeindliche Innenpolitik“ Churchills missbilligte und den kommunistischen und linken Kräften im Land Aufwind gab.
Die Labour-Partei hingegen erkannte diese Chance und veröffentlichte ein Wahlprogramm, das genau diesen Stimmungen im Volk angemessen war und den Wählern eine gute Alternative zu der Politik der Konservativen bot. Im Gegensatz zu den Konservativen, die sich zunehmend gegen die Sowjetunion stellten und somit indirekt die faschistischen Kräfte bestärkten, versprach die Labour-Partei, das Bündnis mit den USA und der Sowjetunion aufrechtzuerhalten. Jedoch rechneten die Labour-Führer nicht mit einem Wahlsieg. 4 Am 17. Juli 1945 begann die Potsdamer Konferenz, bei der zunächst Churchill die Interessen Großbritanniens vertrat. Ziel der Konferenz war es, dass die Regierungschefs der UdSSR, der USA und Großbritanniens die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden in der Welt schaffen und über das weitere Vorgehen mit Deutschland beraten und abstimmen sollten. Churchill versuchte in Potsdam stets die „Anti-Hitler-Koalition“ zu „unterminieren“ und Druck auf die UdSSR auszuüben. 5
Zur Bekanntgabe der Wahlergebnisse reiste Churchill zurück nach London, ohne Zweifel, dass er erneut den Wahlsieg erringen würde. 6
3 Siegfried Bünger, and Hella Kaeselitz, eds. Geschichte Großbritanniens von 1918 bis zur Gegenwart
(Berlin: VEB, 1989) 149.
4 Henke, Klaus-Dietmar, „Westeuropa bis zu den Römischen Verträgen. Wiederaufbau und Integration -Großbritannien.“ Fischers Weltgeschichte. Eds. Wolfgang Benz und Herrmann Graml. (Frankfurt am Main:
Fischer, 2000) 82.
5 Hüttenberger, Peter. „Deutschland seit 1945 - Ereignisse und Entwicklungen.“ Ploetz - Deutsche
Geschichte Epochen und Daten. Eds. Werner Conze und Volker Hentschel. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 1996. 279.
6 Henke 82.
4
Doch die britischen Bürger brachten der Labour-Partei den größten Wahlsieg ihrer Geschichte ein und verdeutlichten damit vor allem, dass sie die Führung des Landes im Frieden nicht den Konservativen übertragen wollten. 7 Die Labour-Partei gewann mit etwa 48% der Stimmen die Wahl, während die Konservativen nur etwa 40% der Stimmen erhielten. Der Wahlsieg der Labour-Partei wurde im Volk sehr positiv aufgefasst, und viele glaubten daran, dass sich von da an grundlegende Dinge in Großbritannien zum Besseren wenden würden. Am 27. Juli 1945 trat die neue Regierung zusammen. Premierminister wurde Clement Attlee, der seit 1935 Vorsitzender der Labour Party war.
Die neue Regierung stand 1945 vor vier eng miteinander zusammenhängenden Aufgaben. Sie musste die wirtschaftliche und finanzielle Krise des Landes überwinden und zugleich ihr umfassendes Reformprogramm durchsetzen. Außerdem musste die „weltpolitische Rolle“ Großbritanniens in der neuen europäischen Mächtekonstellation gefestigt werden und schließlich musste versucht werden, die Emanzipation der Kolonialvölker nach britischen Interessen zu steuern. 8
Gleichzeitig war es wichtig, dass Attlee so schnell wie möglich die Verhandlungen der Potsdamer Konferenz wieder aufnahm. In Potsdam schien es dann aber so, als hätte in Großbritannien kein Regierungswechsel stattgefunden, da sich nach der Ablösung Churchills durch Attlee nichts an dem politischen Kurs geändert hatte. Allerdings scheiterten auch Attlees Versuche, den Einfluss der UdSSR zurückzudrängen, und so wurde das Potsdamer Abkommen am 2. August 1945 unterschrieben. 9
2.3 Wirtschaftliche Folgen
2.3.1 Der Weg in die finanzielle Abhängigkeit von den USA
Während des Krieges nahmen die wirtschaftlichen Ressourcen Englands umfassend ab. Das Land stellte nach dem Krieg keine wirtschaftliche Großmacht mehr dar und anstatt des Pfunds war nun der Dollar zur Leitwährung geworden.
7 Bünger 151.
8 Henke 83-84.
9 Bünger 153.
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Arbeit zitieren:
Alke Eilers, 2001, Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf das Britische Empire (ab Mai 1945), München, GRIN Verlag GmbH
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