hatte eine Vorliebe für verbotene naturalistische Autoren wie Hauptmann, Ibsen, Strindberg und Wedekind.
Ab 1914: Studium an der Ausländeruniversität im französischen Grenoble, vermutlich der Rechts- und Staatswissenschaften. Während dieser Zeit ist T. patriotisch eingestellt und ist z.B. Mitglied im völkisch orientierten Verein deutscher Studenten.
9. Aug. 1914: Meldung als Kriegsfreiwilliger in München
1915: Freiwillige Meldung an die Front. T. liegt dreizehn Monate vor Verdun und lernt in dieser Zeit die Schrecken des Krieges kennen. Er erfährt infolge dessen eine Wandlung vom Patrioten zum Pazifisten.
1917: Immatrikulation an der juristischen und philosophischen Fakultät München. Dort schließt er sich dem Theaterseminar Arthur Kutschers an. Anschließend folgt er dem Soziologen Max Weber nach Heidelberg und nimmt dort Kontakt mit Gustav Landauer auf.
Nov. 1917: Gründungsversuch eines „Kulturpolitischen Bundes der Jugend in Deutschland“, nach dessen Verbot „Flucht“ nach Berlin. Begegnung mit Kurt Eisner, dem er im Januar 1918 nach München folgt. Dort Verhaftung während eines Arbeiterstreiks.
Nov.1918: T. wird Mitglied des „Provisorischen Nationalrates des Volksstaates Bayern“ unter dem neuen Ministerpräsidenten K. Eisner.
April 1919: Übernahme des Amtes des Vorsitzenden des Zentralrates der Münchner Räterepublik. Nach der Unterwerfung der Räteregierung taucht T. unter. Am 4. Juni 1919 wird er aufgrund einer Denunziation entdeckt und verhaftet.
16.Juli 1919: Verurteilung zu 5 Jahren Festungshaft unter Anklage des Hochverrats, die er bis zu seiner Entlassung 1924 im Festungsgefängnis Niederschönenfeld verbüßt.
Mitte 1921: T. wird Landtagsabgeordneter der USP, kann jedoch mangels Beurlaubung sein Mandat nicht ausüben. Seine parteipolitische Arbeit endet 1922 mit der Auflösung der USP. 15.Juli 1924: Entlassung aus der Haft, Ausweisung aus dem Freistaat Bayern In der Haftzeit entstehen u.a. die Stücke „Masse Mensch“, „Die Maschinenstürmer“ und „Der deutsche Hinkemann“, deren Aufführung er erstmals nach dem Gefängnisaufenthalt beiwohnen konnte. Er befindet sich in den folgenden Jahren ständig auf Reisen (Palästina, England, Sowjetunion, Frankreich, Skandinavien).
1926: Beitritt zur Gruppe Revolutionärer Pazifisten um C.v.Ossietzky und Tucholsky Feb. 1927: Teilnahme am Brüsseler Kongreß der Liga gegen koloniale Unterdrückung Frühjahr/Sommer 1927: Es entsteht „Hoppla, wir leben!“ in Zusammenarbeit mit Erwin Piscator
II. Politisches und literarisches Selbstverständnis des Autors
T. bezeichnet sich Zeit seines Lebens als „revolutionären“ bzw. „radikalen“ Sozialisten, wobei er den Sozialismus v.a. im Sinne Landauers, d.h. im Sinne eines ethischen Sozialismus versteht. Hinzu kommt seine stark ausgeprägte pazifistische Haltung, die er nach der Teilnahme am Weltkrieg entwickelte. Die für ihn ideale Gesellschaftsform basiert auf einem auf Mitmenschlichkeit und sozialem Verantwortungsgefühl ausgerichteten Zusammenleben. Die Klassenunterschiede des Kaiserreichs, die er in die Weimarer Republik übertragen sieht, möchte er aufgehoben wissen. T. als Aktivist hatte das Ziel, diese Ideale in der Literatur zu vermitteln. Er schreibt der Kunst persönlichkeitsverändernde und als Folge gesellschaftsverändernde Kräfte zu. Seiner Ansicht nach ist das ästhetische Ideal identisch mit dem humanen Ideal; dem Dichter fällt hierbei die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die „Idee der Menschlichkeit“ zu gestalten und immer wieder Wege zu ihrer Verwirklichung zu ebnen.
III. Wirkungsabsicht
- Gesellschaftskritik: kritische Betrachtung der sozialen und politischen Struktur während der „Scheinblüte“ der Weimarer Republik. Hinter der Fassade von Wohlstand und Fröhlichkeit will T. eine Gesellschaft, die durch politischen Opportunismus, Amoral, aufkommenden Nationalsozialismus, düsteren Radikalismus unter den Intellektuellen sowie durch Armut und Resignation der Arbeiterklasse gekennzeichnet ist, darstellen.
T. ging es v.a. um das Aufzeigen des falschen Scheins einer Demokratie, die sich selbst verneinte.
- Kulturkritik/Kulturpessimismus: T. vermittelt den Befund, daß die Menschen aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Seine Botschaft ist, daß es trotz der technischen Weiterentwicklung nicht zu einer positiven Veränderung im Denkprozeß kam.
IV. Geschichte des Werkes
- Anfang 1927: Beginn der Arbeit an „Hoppla, wir leben!“
- Arbeitstitel des Stückes waren „Sturm über die Erde“ und „Barrikaden am Wedding“
- Juni 1927: Fertigstellung des Stückes Einigung mit Piscator darüber, daß das Stück als erste Inszenierung an der neuen Piscatorbühne uraufgeführt werden solle
- Juli 1927: Es kommt zu Unstimmigkeiten zwischen T. und Piscator bezüglich des fertigen Manuskripts Auf Anregung Piscators hin überarbeitet T. das Stück. Die ursprüngliche Fassung bestand aus einem Prolog und vier Akten und endete mit der Wiedereinweisung von Karl Thomas ins Irrenhaus. Der veröffentlichten Fassung fügte T. einen fünften Akt hinzu, der mit dem Selbstmord von Thomas schloß. Piscator kritisierte v.a., daß das „Dokumentarische mit dem Dichterisch-Lyrischen durcheinandergehe“ und plant, das Stück zu „entemotionalisieren und ihm den realistischen Unterbau zu geben“. Die Folgen sind z.B. Veränderungen am Protagonisten Karl Thomas, die Neugestaltung der von T. geplanten Filmeinlagen, Streichung einzelner Szenen und die Veränderung des Schlusses. T. mißbilligte Piscators Veränderungen und führte demzufolge bei der Leipziger Aufführung selbst Regie.
- Titelgebend war der Chanson von Walter Mehring „Hoppla, wir leben!“, der in der Berliner Aufführung vor der 2. Szene des 3. Aktes gesungen wurde.
- Uraufführung am 1. September 1927 in den Hamburger Kammerspielen. Es war ursprünglich vorgesehen, daß das Stück am 1. Sep. gleichzeitig in Hamburg und Berlin Premiere haben sollte. Die Berliner Premiere als Eröffnungsstück in Piscators Theater am Nollendorfplatz verzögerte sich aber um 2 Tage wegen des großen technischen Aufwandes.
- Piscators Inszenierung löste heftige Diskussionen in der Presse aus, von rechts wurde das Stück z.B. als „Konfession kranken Hirns“ bezeichnet. Weitgehend verblüffte aber die technische Virtuosität von Piscators Inszenierung Publikum und Kritiker gleichermaßen. Am Ende der ersten Aufführung, die vier Stunden dauerte, erhob sich ein Teil der Zuschauer und sang die Internationale.
- Bis Ende 1927 wurde das Stück, während es in Berlin noch lief, in Leipzig, Frankfurt und Wien inszeniert. Es wurde in über zehn Sprachen übersetzt und 1928/29 im Ausland vielfach aufgeführt, darunter in Moskau, Stockholm, Kopenhagen, Helsinki und London; in Großbritannien und Irland gab es 1929 sogar 3 Inszenierungen in einem Jahr.
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1997, Ernst Toller - Hoppla, wir leben, Munich, GRIN Publishing GmbH
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