Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 03
2. Das Absurde bei Albert Camus 04
2.1 Der Mythos von Sisyphos 04
2.2 Die Pest 06
2.3 Der Mensch in der Revolte 08
3. Das Absurde bei Thomas Nagel 09
4. Literaturliste 12
2
1. Einleitung:
Die zentralste Rolle in Albert Camus’ Denken spielt ohne Zweifel die Erfahrung des Absurden. Camus versteht darunter den unaufhebbaren Zwiespalt zwischen der Welt und dem Ich.
„Es [das Absurde] ist jener Zwiespalt zwischen dem sehnsüchtigen Geist und der enttäuschenden Welt, es ist mein Heimweh nach der Einheit, dieses zersplitterte Universum und der Widerspruch, der beide verbindet.“ 1
Der Mensch ist sich seines absurden Lebens dann bewusst, wenn er nach dem ‚Warum’ fragt. Aus Überdruss und der ständigen Gewissheit des Todes beginnt der Mensch sein Leben und vor allem den Sinn seines Lebens zu hinterfragen. Dabei muss der Mensch laut Camus automatisch die Absurdität seines Seins erkennen.
Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass das Absurde nicht das Ergebnis, sondern vielmehr den Ausgangspunkt von Camus’ Überlegungen darstellt. Es kommt ihm weniger auf die Entdeckung des Absurden an, als vielmehr auf die Konsequenzen, die sich durch diese Erkenntnis für den Menschen ergeben. Obwohl Camus’ Philosophie zu Recht meist als eine Philosophie des Absurden oder der Revolte charakterisiert wird, darf jedoch ein weiterer wichtiger Aspekt nicht vernachlässigt werden, der diese beiden Aspekte miteinander verbindet: die Definition des Menschen als ein nach Einheit strebendes Wesen auf der beständigen Suche nach seiner eigenen Identität. Diese Suche des Menschen nach einer Einheit entstammt einem tief empfundenen Gefühl mit der Welt gebrochen zu haben. „Das Absurde entsteht aus dieser Gegenüberstellung des Menschen, der fragt, und der Welt, die vernunftwidrig schweigt.“ 2 Besonders das Bewusstsein seiner Endlichkeit führt den Menschen dazu beständig nach einem übergeordneten Sinn zu streben, der ihm jedoch aufgrund der Sinnlosigkeit des Todes verwehrt bleibt.
Erst durch die Anerkennung des Menschen als ein nach Einheit strebendes Wesen wird Camus’ Philosophie des Absurden und der Revolte verständlich, da beide aus diesem Streben resultieren.
1 Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Rowohlt Taschenbuch Verlag,
Hamburg 1959. S. 56 (im Folgenden mit MS bezeichnet)
2 MS, S. 35
3
2. Das Absurde bei Albert Camus
2.1 Der Mythos von Sisyphos
Ein eindrucksvolles Symbol für das Absurde findet Camus im antiken Mythos des Sisyphos, den er für seine erste große philosophische Schrift „Der Mythos von Sisyphos“ verwendet.
„Die Götter hatten Sisyphos dazu verurteilt, unablässig einen Felsblock einen Berg hinaufzuwälzen, von dessen Gipfel der Stein von selbst wieder hinunterrollte. Sie hatten mit einiger Berechtigung bedacht, dass es keine fürchterliche Strafe gibt als eine unnütze und aussichtslose Arbeit.“ 3
Camus sieht in diesem Mythos eine Metapher für die ausweglose Situation des modernen Menschen. Die sich ständig wiederholende Aufwärtsbewegung zum Gipfel hin symbolisiert dabei das Streben des Menschen nach einer Einheit mit der Welt. Der immer wieder herabrollende Stein hingegen stellt das Scheitern des Menschen in diesem Streben dar, das Scheitern seiner beständigen Suche nach dieser Einheit. Aus diesem Schicksal schließt Camus: „Sisyphos ist der Held des Absurden.“ 4
Die Frage, die sich Camus nun stellt, beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Sisyphos mit diesem Schicksal umgeht. Mehr noch: Er fragt sich, wie der moderne Mensch, dessen Dasein dem des Sisyphos so sehr ähnelt, sich zu seinem absurden Dasein verhalten soll.
In diesem Zusammenhang widmet sich Camus in seinen Ausführungen dem Selbstmord und der daraus resultierenden Frage, in welchem Maße dieser überhaupt eine mögliche Lösung für das Absurde darstellen kann, denn, so stellt er fest: „[…] außerhalb eines menschlichen Geistes kann es nichts Absurdes geben. So endet das Absurde wie alle Dinge mit dem Tod.“ 5 Dabei unterscheidet Camus zwischen dem logischen (leiblichen) und dem philosophischen (geistigen) Selbstmord. Ein geistiger Selbstmord liegt laut Camus dann vor, wenn ein denkender Mensch der Absurdität nicht mehr standhalten kann und sich in eine Transzendenz, in eine fiktive Vorstellung von Sicherheit rettet, wie dies beispielsweise für Camus bei der Religiosität der Fall ist.
3 ebd. S. 124
4 ebd. S. 125
5 ebd. S. 38
4
Arbeit zitieren:
Jana Marquardt, 2004, Das Absurde bei Albert Camus und Thomas Nagel, München, GRIN Verlag GmbH
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