Inhalt
Einleitung 3 4
Ciceros de re publica 4 5
Rückgriff auf Sokrates und Platon 5 6
Die Romulusrezeption 6 11
Die Romulusrezeption als Reaktion auf den Niedergang der Republik 11 15
Verkennung der politischen Realität 15 18
Abschließende Stellungnahme 18 20
Bibliographie 21 24
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Einleitung
Bei Marcus Tullius Cicero handelt es sich wohl um eine der kontrastreichsten Persönlichkeiten der Geschichte. Auf der einen Seite gilt dieser als der Verteidiger der römischen Republik schlechthin, als ein wahres Sturmgeschütz der Freiheit und der römischen Verfassung, als begnadeter Rhetoriker und Lehrmeister. Auf der anderen Seite hingegen unterstellt man diesem erhebliche charakterliche Mängel wie Eigenlob, Stolz, Feigheit und Zögerlichkeit. Tatsächlich scheint das Leben und Wirken Ciceros von einer Vielzahl von Gegensätzen geprägt worden zu sein. Allein seine theoretisch-philosophischen Ansätze erscheinen gemessen an seinen politisch-praktischen Entscheidungen oftmals paradox und es erweckt den Anschein, als ob der Philosoph Cicero und der Politiker Cicero nicht allzu viel gemein hatten. Und trotzdem war es Cicero „wie nur ganz wenigen Persönlichkeiten des alten Rom beschieden, ungewöhnlich vielen Generationen, auch schöpferischen Epochen, als Helfer, Anreger, Lehrer zu dienen, manchen auch bloß als erbauendes Monument bedeutender Menschlichkeit oder als Sammellinse einer ganzen Kultur“ 1 . Um Ciceros Handeln und seine Absichten verstehen zu können, ist es unumgänglich, zuerst dessen Zeit, also den historischen Kontext seines Lebens, näher zu erläutern, zumal Cicero in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche lebte, in einer Zeit, in der alte Systeme und Normen ins Wanken gerieten und tradierte Vorstellungen neuen weichen mussten. Cicero war als historische Persönlichkeit diesem Zeitenwandel unterworfen, der sich nachhaltig auf sein Handeln wie auf seine Entscheidungen auswirkte. Diesen Ansatz gilt es vorrangig zu untersuchen, da sich aus diesem auch eine Bewertungsgrundlage für die Person Cicero ableiten lässt.
Die folgende Untersuchung beschäftigt sich mit Ciceros Romulusrezeption im zweiten Buch seines Werkes de re publica. Es sollen nicht nur die inhaltlichen wie formellen Charakteristika des Textes hervorgehoben werden, sondern auch konkrete Fragen zum historischen Kontext gestellt werden. Warum fiel Ciceros Beurteilung des mythischen Gründers Roms so positiv aus? Welche realpolitischen Beweggründe wirkten auf die Gestaltung dieser Rezeption? Auf
1 Richter W., Das Cicerobild der römischen Kaiserzeit, in: Cicero ein Mensch seiner Zeit, Acht Vorträge zu einem geistesgeschichtlichen Phänomen, hg. von Radke, G., Berlin 1968, S. 161
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welche Vorbilder und Philosophen griff Cicero beim Verfassen dieses Werkes zurück und warum? All diese Fragen sind abhängig vom historischen Kontext, der den Rahmen für diese Untersuchung bilden soll. An diesem konkreten Beispiel soll abschließend die Diskrepanz zwischen Ciceros theoretischen Konzepten und dessen politischen Handeln erläutert werden.
Ciceros De re publica
Zunächst ist der Aufbau des Werkes mit seinen Kerninhalten zu betrachten, die in aller Kürze dargestellt werden sollen. Die Basis des Werkes besteht aus einem Gespräch. Cicero legt seine Betrachtung in den Mund Scipios 2 , in dem er das Musterbild eines Staatsmannes sah. Das Gespräch findet an drei Tagen statt, wobei jeweils zwei der sechs Bücher einen Tag umfassen. Jeder Tag wiederum wird von einem Proömium eingeleitet, in dem der Autor in eigener Person spricht. Auf diese Weise werden drei Bücherpaare abgegrenzt, die in inhaltlichem Zusammenhang stehen.
Das erste Buch behandelt die Frage nach der besten Staatsform, während im zweiten Buch veranschaulicht werden soll, dass diese in der römischen Republik bereits verwirklicht war. Das dritte Buch beschäftigt sich mit der Frage, ob man Politik nicht ohne Ungerechtigkeit betreiben kann. Das vierte Buch behandelt die Auswirkungen des Geistes und der rechten Vernunft in der civitas. Im fünften Buch werden die Gestalt und die Aufgabe des führenden Mannes, also des idealen Herrschertypus näher erläutert, um im sechsten Buch dessen Wirken in einer Krise darzustellen.
Das Werk beinhaltet zudem noch eine generelle inhaltliche Teilung in zwei Hälften. Die eine Hälfte beschäftigt sich zunehmend mit politischen Systemen und der aus diesen resultierende Mischverfassung. So strebt Ciceros Gedankengang im dritten Buch seinem Höhepunkt entgegen, nämlich der prinzipiellen Frage nach der besten Staatsform, die in der Schlussrede Scipios ihre endgültige Antwort findet.
2 Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus Numantinus, um 185 bis 129 v. Chr.
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Anschließend beschäftigt sich das Werk nicht mehr mit Formen, also mit Staatssystemen und Theorien, sondern mit dem Menschen an sich und seinem Verhalten innerhalb der Gemeinschaft und der Gestalt des Herrschertypus. Die Gestalt des Herrschertypus ist von großer Gewichtung innerhalb des Werkes, da sich an dieser theoretischen Konzeption der reale Herrschertypus in seiner Ausprägung zu Ciceros eigener Lebenszeit messen lässt und einen Rückschluss auf diesen ermöglicht. Außerdem ist Ciceros eher philosophisches Konzept eines idealen Herrschers in seiner Romulusdarstellung bereits enthalten. Hieraus wird ersichtlich, inwieweit Cicero den Mythos des Romulus instrumentalisierte, um seinen Entwurf eines Staatmannes in der Ursprungsgeschichte Roms zu verankern.
Rückgriff auf Sokrates und Platon
Es soll in diesem Zusammenhang noch kurz auf die philosophischen Einflüsse eingegangen werden, die Cicero in seinem Werk verarbeitete. Der stärkste Einfluss, dem Cicero beim Schreiben des Buches de re publica unterlag, war wohl der Platons. Dieser unternahm mit der Politea selbst den Versuch, nach der besten Staatsform zu suchen. Dass Cicero sich an diesem Werk grundlegend orientierte, unterliegt keinem Zweifel. Der wichtigste Aspekt liegt hier auf der Vernunft, die im Weiteren noch öfters erwähnt werden wird. Und hier tritt auch das platonische Verfahren in den Vordergrund, nämlich „dass Cicero alles auf die Vernunft bezieht“ 3 . Obwohl Ciceros grundlegende Gedanken ihren Ursprung in der griechischen Philosophie haben, „Platon, Aristoteles und die Stoa bilden den Hintergrund des Gedankens“ 4 , so stellt die Wissenschaft immer wieder fest, dass auch die Peripatetiker 5 entscheidenden Einfluss innerhalb des Werkes Ciceros hatten. Gerade in dem hier besprochenen Werk, „besteht das neue bei Cicero darin, dass er beides
3 Cicero, De re publica (Vom Gemeinwesen), Büchner (Hg. und Übers.), Stuttgart 1979, S. 29
4 Wassermann, H., Ciceros Widerstand gegen Caesars Tyrannis, Untersuchungen zur politischen Bedeutung der philosophischen Spätschriften, Bonn 1996, S. 282
5 Peripatos (griech. Wandelgang), die Schule des Aristoteles, deren Name sich vom Wandelgang des Gymnasiums Lyceum, in dem er lehrte, ableitet. Der Begriff bezieht sich in erster Linie auf dessen Schüler, die sich je nach Generation mit anderen fachwissenschaftlichen Themen auseinandersetzten. (Prechtl, Peter, Peripatos, Metzler-Philosophie-Lexikon (1999)
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verbindet, nämlich das Verfahren der Peripatetiker und Platons“ 6 . Welchen Teil nun das platonische Verfahren und welchen Teil das peripatetische Verfahren ausmacht, und wie genau diese Verbindung funktioniert, ist ein Thema für sich. Es soll an dieser Stelle nur in der Aufführung der Einflüsse Erwähnung finden.
Auch wenn Platons Politea und Ciceros de re publica im Wesentlichen der gleichen Frage nachgehen, so lassen sich doch erhebliche Unterschiede ausmachen. Platon siedelt seinen Idealstaat in einer Utopie an, während Cicero seine Vorstellung vom idealen Staat bereits in der römischen Republik verwirklicht glaubte. Des Weiteren bezieht sich Platon auf mehrere Staaten, Cicero jedoch nur auf einen, „nämlich den der Wirklichkeit, was Cicero von Platon unterscheidet, der sich selber ein Bild entwirft“ 7 . Zudem legt Cicero seine Erkenntnisse anderen unter, in diesem Fall wie schon erwähnt dem Scipio, und gestaltet es nicht selbst aus wie Sokrates bei Platon. Der wichtigste formale Unterschied besteht allerdings darin, dass Platon durchgehend das Verfahren der Mäeutik 8 anwendet, was Cicero vollkommen abgeht. Um die inhaltlichen wie strukturellen Gemeinsamkeiten wie Unterschiede genau auszumachen, bedürfte es allerdings einer detaillierten Auseinandersetzung und Analyse der beiden Werke. Zu diesem Zweck möchte ich auf Viktor Pröschl verweisen, der in seinem Buch Römischer Staat und griechisches Staatsdenken bei Cicero dieser Aufgabe nachgeht.
Die Romulusrezeption
Die Romulusrezeption bei Cicero ist als Konzept angelegt, Romulus als den idealen Staatsmann schlechthin darzustellen. In dieser Darstellung des mythischen Gründers Roms versieht Cicero diesen mit derlei Attributen, die der Erste im Staat seiner Meinung nach besitzen sollte, und die auf Ciceros
6 Cicero, De re publica (Vom Gemeinwesen), Büchner (Hg. und Übers.), Stuttgart 1979, S. 28
7 ebenda, S. 28
8 Mäeutik (griech. Hebammenkunst): Im sokratisch-platonischen Verständnis ist Erziehung Mäeutik, weil der Lernende das Wissen bereits in sich trägt und der Lehrer nur dabei hilft, es zu Tage zu fördern. Die Aufgabe des Lehrers besteht demnach nicht darin, dem Schüler bereits fertige Kenntnisse zu übermitteln, sondern ihn durch geeignete Fragen auf den Weg der eigenen Erkenntnis zu bringen. (Burkard, Franz-Peter, Mäeutik, Metzler-Philosophie-Lexikon (1999) 343)
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Arbeit zitieren:
Timo Maier, 2005, Romulus bei Cicero, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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