Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Biographie der Angela Merici im zeithistorischen Kontext. 5
2. Die Compagnia di Santa Orsola 10
Auswertung. 18
Literaturverzeichnis 19
2
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit, die im Rahmen des Seminars „Frauen in der Reformation“ entstanden ist, untersuche ich die Freiräume und Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen in der Frühen Neuzeit. Am Beispiel der Compagnia di Santa Orsola, die 1535 durch Angela Merici zur Zeit der katholischen Reform - gegründet wurde, werde ich exemplarisch die Aktionsräume von Frauen innerhalb der katholischen Kirche darstellen. Im Gegensatz zu Frauen wie Katharina Zell, die während der Reformation durch ihr öffentliches Engagement und ihre Kritik an der kirchlichen Obrigkeit die Tätigkeit ihrer Männer unterstützten, ist die Gründung der Gesellschaft der heiligen Ursula allein auf das Streben Angela Mericis nach einer neuen Lebensform für Frauen, die ihnen Möglichkeiten zur Umsetzung eigener religiöser Ideen und Vorstellungen ließ, zurückzuführen. „(E)iner religiösen und zugleich weltoffenen Frau, die mitten im Leben stand, sich mit den Fragen und Problemen ihrer Zeit auseinandersetzte und in Kirche und Welt einen Weg suchte, der an die christlich- katholische Tradition anknüpfte, zugleich aber die Impulse der neuen Zeit aufnahm und auf sie reagierte.“ 1 , wie Anne Conrad es ausdrückt.
Eingebettet in den zeithistorischen Kontext, spielen das Leben und die Persönlichkeit der Angela Merici eine bedeutsame Rolle nicht nur für die Ordensgründung, sondern auch für das Wirken der Ursulinen bis heute. Daher werde ich mich zunächst mit der Biographie Mericis befassen. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich die ursprüngliche Konzeption der Ursulagesellschaft und das Selbstverständnis Angela Mericis und der Ursulinen im Kontext zum Frauenbild der Frühen Neuzeit und der damit zusammenhängenden Unterstützung bzw. Gegenwehr für die Ursulagesellschaft darstellen, um die Frage nach weiblicher Selbstbestimmung und nach dem Bestehen der Gesellschaft bis zum heutigen Tag beantworten zu können.
1 Anne Conrad, Mit Klugheit, Mut und Zuversicht: Angela Merici und die Ursulinen, Matthias- Grünewald-Verlag, Mainz 1994, S. 11
3
In der allgemeinen Kirchengeschichte finden die weiblichen Reformorden bislang kaum Beachtung, da sie im Widerspruch zum offiziellen Bild, der von Männern dominierten katholischen Kirche stehen. „(H)istorisch- kritische“ Monographien und Quellensammlungen sind nur durch das Interesse von Mitgliedern einzelner Ursulinenkongregationen entstanden. 2
2 vgl. Anne Conrad, Zwischen Kloster und Welt: Ursulinen und Jesuitinnen in der katholischen Reformbewegung des 16./ 17.Jahrhunderts, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1991, S.2-18
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1. Biographie der Angela Merici im zeithistorischen Kontext
Ende des 16. Jahrhunderts bestand das Italien der ausgehenden Renaissance und des Humanismus aus einer Vielzahl von kleineren Staaten, von denen besonders die Stadtstaaten durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung zunehmend an Bedeutung gewannen. Bedeutende und finanzkräftige Bürgerfamilien nahmen Einfluss, nicht nur auf das politische Geschehen jener Zeit, sondern besetzten auch Machtpositionen innerhalb der katholischen Kirche bzw. sicherten ihren Einfluss innerhalb der Kirche durch finanzielle Unterstützung. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung in Oberitalien waren, bedingt durch häufige Kriege, von Not und Elend geprägt. Die Menschen waren auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und Lebensidealen bezüglich gesellschaftlicher, politischer und religiöser Werte. Im Gegensatz zu der, das Mittelalter prägenden Gebundenheit an weltliche und kirchliche Autoritäten, steht zu Beginn der Neuzeit ein „(…) neues Selbstverständnis, die neue Mündigkeit des Menschen (…)“ 3 in allen gesellschaftsrelevanten Fragen, also auch bezüglich des Glaubens, im Vordergrund. Kritisiert wurden im Zusammenhang mit der Religion in erster Linie die Missstände der Kirche - vor allem „(…) die Dekadenz des Papsttums und weiter Teile des Klerus, die Ausgelaugtheit der scholastischen Theologie, (…)“ und „die Erkenntnis, dass die traditionellen Formen von Kirche und Theologie den Herausforderungen der Zeit nicht mehr gewachsen waren.“ 4 Es bestand ein „Widerspruch zwischen der sich zunehmend fiskalisierenden Kirche und den Glaubensbekenntnissen der Menschen.“ 5 Innerhalb der Bevölkerung wuchs, bedingt durch das neu entstehende Selbst- und Weltverständnis und die Kritik an den bestehenden Strukturen, der Druck auf die katholische Kirche sich zu reformieren. Man war nicht mehr „nur“ katholisch, sondern bekannte sich bewusst zu seiner Konfession.
3 Anne Conrad, Zwischen Kloster und Welt: Ursulinen und Jesuitinnen in der katholischen Reformbewegung des 16./ 17.Jahrhunderts, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1991, S.4
4 Anne Conrad, Mit Klugheit, Mut und Zuversicht: Angela Merici und die Ursulinen, Matthias- Grünewald-Verlag, Mainz 1994, S.20
5 s.ebd., S.21
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Zugleich drückte sich eine allgemein gesteigerte Frömmigkeit - besonders in Oberitalieneinem Zentrum der katholischen Reformbewegung, unter anderem in der Entstehung von Laienbewegungen und Bruderschaften aus. Diese von Laien getragene religiöse Bewegung setzte sich für eine „(…) Erneuerung der Spiritualität und für eine innere Reform der Kirche (…)“ 6 ein. Die Rückbesinnung auf die Ideen der antiken Autoren und das geistige Vorbild der Antike verband sich mit der Kritik an der bestehenden, von kirchlichen Traditionen geprägten Kultur und ließ die Möglichkeit erkennen, die der Einzelne durch seine schöpferische Tätigkeit besaß. Das wichtigste Ziel der Reformgemeinschaften, die teilweise die Anerkennung als Orden erhielten, war eine umfassende Glaubensverkündung durch Mission und Katechese, sowie die religiöse und theologische Unterweisung einer breiten Bevölkerungsschicht durch die Einrichtung von Schulen. 7
Unabhängig vom Geschlecht war die Ehre „(…) ein Schlüsselbegriff der frühneuzeitlichen Gesellschaft (…)“. 8 Für die italienischen Frauen bedeutete das, dass sie sich, um ihre Ehre und somit ihre soziale Anerkennung zu wahren, stets zurückhaltend zu verhalten hatten. Soziales Prestige konnten die Frauen im ausgehenden Mittelalter in der Rolle als Ehe-, Hausfrau und Mutter oder durch das Leben im Kloster erlangen.
In den neu entstehenden religiösen Laienbewegungen bot sich den Frauen eine weitere Möglichkeit für die eigene Lebensgestaltung. Hier konnten sie sich aktiv beteiligen, „(…) ohne dass ihre Ehre berührt worden wäre (…)“ 9 .
Zwischen 1470 und 1475 („Das vielfach nachlesbare Geburtsdatum 21. März 1474 ist historisch nicht belegt.“ 10 ) in Desenzano del Garda am Gardasee, als Tochter des Landedelmannes Giovanni Merici und seiner Frau, die aus der vornehmen Familie Biancosi stammte, geboren, war Angela Merici eine Tochter Ihrer Zeit.
6 Schlaglichter der Weltgeschichte für die Bundeszentrale für politische Bildung, hrsg. von Meyers Lexikonredaktion, Bonn 1996, S. 192
7 Vgl. Anne Conrad, Zwischen Kloster und Welt: Ursulinen und Jesuitinnen in der katholischen Reformbewegung des 16./ 17.Jahrhunderts, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1991, S.6f
8 Anne Conrad, Mit Klugheit, Mut und Zuversicht: Angela Merici und die Ursulinen, Matthias- Grünewald-Verlag, Mainz 1994, S.18
9 s.ebd., S.23
10 Ernst Probst, Superfrauen 2 - Religion, Verlag Ernst Probst, Mainz-Kostheim 2001 (online Version)
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Arbeit zitieren:
Christine Balko, 2006, Angela Merici und die Ursula-Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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