Gliederung:
1. Einleitung 3
2. Widerstandsrecht im Mittelalter 5
3. Politische Situation Ungarns im 13. Jahrhundert 7
3.1 Ungarische Ständeentwicklungen im 14. Jahrhundert 9
3.2 Ungarische Ständeentwicklungen im 15. Jahrhundert 11
4. Schlussbetrachtung 16
5. Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung:
„Die Epoche der ständischen Verfassungen in Europa umfasst im weitesten Sinne das 13.- 18. Jahrhundert und geht über in den Konstitutionalismus des 19. Jahrhunderts, ihre dynamischste und prägendste Phase ist jedoch das Spätmittelalter.. .“ 1 Der so genannte „Frühparlamentarismus“ bildete sich in Osteuropa seit dem 13. Jahrhundert aus. Er ist das Ergebnis des Spannungsfeldes zwischen königlichem Machtanspruch und ständischen Emanzipationsbestrebungen. Exemplarisch für diese Entwicklung werde ich in dieser Arbeit versuchen, eben jene Emanzipation am Beispiel Ungarns nachzuvollziehen. Dieser Prozess ist eng mit dem sich ausbildenden Widerstandsrecht der Stände und wachsenden ökonomischen Erfordernissen verbunden.
Um die Zunahme des ständischen Ansprüche verstehen zu können, werde ich ausgehend vom 13. Jahrhundert chronologisch die Etablierung der ständischen Rechte und Privilegien bis zum frühen 16. Jahrhundert nachzeichnen. Dabei gilt es auch die Veränderungen der Stände in sich zu beleuchten, daß heißt welche gesellschaftlichen Kräfte galten zu welcher Zeit als Stand und wie haben sich die politisch aktiven Kräfte gewandelt? Im ersten Teil der Arbeit sollen die theoretischen Grundlagen des Widerstandsrechtes bearbeitet werden, auf deren Grundlage die Annahmen eines frühen Parlamentarismus erst möglich werden. Ausgehend von diesen theoretischen Annahmen werde ich bestimmte politische Grundvorrausetzungen für Ungarn im Mittelalter formulieren, die für das weitere Verständnis des ungarischen Konstruktes unabdingbar sind. In darstellenden Teil soll dann die rechtliche Entwicklung der Stände vom 13. bis zum 15. Jahrhundert skizzenhaft nachvollzogen werden. Ich werde versuchen den komplizierten Prozess der Ausbildung der Stände in seiner Struktur zu beleuchten und Wirkmechanismen von ständischer und königlicher Macht darzustellen.
Dementsprechend sollen drei Kernfragen als Bearbeitungsgrundlage der Arbeit dienen:
Führten Dynastiewechsel/Krisen zu einer Machtsteigerung des Adels?
Musste der König aufgrund der hohen Kosten von Kriegszügen auf die finanzielle Potenz des Hochadels zurückgreifen und ihnen zwangsläufig mehr Rechte zugestehen?
1 Eberhard Winfried: Herrscher und Stände, in: Fetscher, Iring; Münkler, Herfried(Hgs.): Pipers Handbuch der
politischen Ideen, Band 2. München - Zürich 1993. S. 467.
3
War für den König in Anbetracht der gewachsenen Machtfülle des Hochadels eine Zusammenarbeit mit dem niederen Adel unabdingbar?
Ich stütze mich in meinen Ausführungen im Wesentlichen auf die Monographien von Janos M. Bak, Thomas von Bogyay, András Kubinyi, Anton Radvánszky, sowie die Artikel von Winfried Eberhard.
4
2. Ständisches Widerstandsrecht im Mittelalter
Das Lehenssystem ist das zentrale Element der feudalistischen Rechts - und Gesellschaftsordnung im mittelalterlichen Europa. Es stellt einen Herrschaftsvertrag dar, der durch die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Lehnsherr und Vasall charakterisiert wird. Der Lehnsmann verpflichtet sich durch Eid, dem Lehnsherrn für Schutz und Unterhalt, Dienst und Gehorsam zu leisten. Da diese Treuepflicht für beide bindend war , hatten die Vasallen bei einer Verletzung ihrer Rechte sowohl ein individuelles, als auch kollektives Widerstandsrecht. 2
Bereits im Lehenswesen war also ein Dualismus zwischen Herrscher und Adligen, beziehungsweise zwischen Lehensherr und Vasallen, vorhanden. 3 Herrscher befehlten nicht einfach über das Land. sondern bildeten zusammen mit den Adligen, in Genossenschaft mit ihren unmittelbaren Untertanen das regnum. 4 Selbst dort, wo sich das Lehenswesen nicht entwickelt hatte, wie beispielsweise in Polen, Ungarn und Böhmen mussten sich die Könige der Zustimmung des Adels versichern. Herrschaft erforderte also die Zustimmung der Herrschaftsunterworfenen.
Durch die Emanzipation der katholischen Kirche wurden die Herrschaftsansprüche der Herrscher zunehmend eingeschränkt. Kirchliche Rechtsgelehrte entwickelten im 12. und 13. Jahrhundert Maßstäbe für einen gerechten/ungerechten Herrscher und somit auch Kriterien für erlaubten, beziehungsweise gebotenen Widerstand. 5
Politische Entscheidungen mussten also nach dem Konsensprinzip getroffen werden. Meist ging es bei Zustimmungsbegehren des Königs um die Finanzierung von Kriegen oder die Landesverteidigung. Entscheidend für die Zustimmung einer königlichen Proposition war das Gemeinwohl des Landes, was gleichsam bedeutete, dass man sich ihm widersetzen konnte, wenn er wider des gemeinen Nutzens handeln wollte. Aus diesem Recht, die Zustimmung zu verweigern, dem König zu widerstehen, zogen die Stände ihre rechtlichen Vorteile, da sie Bedingungen an ihre Zustimmung knüpfen konnten. 6 Zunächst waren überall in Europa die mächtigen Feudalherren zur Avantgarde der Herrschaftsbeteiligung geworden. Die Könige in Europa reagierten auf diese Entwicklung,
2 Eberhard Winfried: Herrscher und Stände, in: Fetscher, Iring; Münkler, Herfried(Hgs.): Pipers Handbuch der
politischen Ideen, Band 2. München - Zürich 1993. S. 483.
3 Ebenda.
4 Eberhard, Winfried: Herrschaft braucht Zustimmung - der europäische Frühparlamentarismus entsteht, in:
Kühnhardt, Ludger; Rutz Michael: Die Wiederentdeckung Europas. Stuttgart 1999. S. 123.
5 Ebenda. S. 122.
6 Ebenda. S. 123.
5
indem sie versuchten, durch den Aufbau einer königlichen Verwaltung, der Förderung des Städtewesens und dem Einsetzen von Beamten eine Herrschaftsintensivierung zu betreiben. 7 Da die Kriegskosten im 14. und 15. Jahrhundert beträchtlich anstiegen, mussten die Belastungen auf eine breitere Gesellschaftsbasis verteilt werden, wodurch auch der niedere Adels und die Städte, teilweise auch Klöster, die im unmittelbaren Verhältnis zum König standen, in die Entscheidungen miteinbezogen wurden. Durch die Involvierung dieser Stände in politische Entscheidungen entstanden Reichtage, Landtage, Generalstände, die wiederum die erste Form von Parlamenten darstellen. Aus diesem Machtgefüge heraus entwickelte sich das ständisch - parlamentarische Zweikammersystem. 8
Durch das Konsensrecht wurden die Reiche und Länder Europas zu Monarchien mit Ständeverfassungen umgeformt und ein Dualismus entstand, der sich durch das Verhältnis zwischen Herrscher und Ständen auf der einen Seite, und König und Reich auf der anderen Seite auszeichnete. Das Konsensprinzip und die Vorstellung eines Reiches als Gemeinschaft erlebten im 13. und 14. Jahrhundert eine Konjunktur. 9 Es bot sowohl den Ständen, als auch dem König Vorteile, denn die Stände konnten regulierend auf Gesetzesinitiativen eingehen und der König sein Abschiede, als durch die Allgemeinheit legitimiert und somit als bindend ansehen. 10 Gleichsam entwickelte sich die Korporationstheorie, die die Krone entpersonalisiert und den Herrscher quasi als Gegenpol zu den Ständen erscheinen lässt, die wiederum den Staat als Gemeinwesen repräsentieren.
Die europäischen Monarchien hatten sich im Spätmittelalter zu ständischen Konsenssystemen entwickelt.
7 Ebenda. S. 123.
8 Ebenda. S. 133.
9 Ebenda. S. 125.
10 Ebenda. S. 125.
6
Arbeit zitieren:
Tillman Wormuth, 2006, Frühparlamentarismus in Ungarn, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Tillman Wormuth hat den Text Frühparlamentarismus in Ungarn veröffentlicht
Tillman Wormuth hat einen neuen Text hochgeladen
Ostmitteleuropa zwischen Verwestlichung und Nationalisierung
Die Neuorientierung polnischer...
Julian Pänke
Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa
Erfahrungen der Vergangenheit ...
Burkhard Olschowsky, Ivan Petranský, Attila Pók, Andrzej Przewoznik, Matthias Weber
Die Integration Ungarns in den europäischen Wirtschaftsraum
Eine Analyse der außenwirtscha...
Peter Matthias Trick
0 Kommentare