Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Seite 4
2. Die Forschungsfrage
und das Ziel der Arbeit
Seite 4
3. Die Basis des theoretischen Rahmens
und die Begriffserklärung
Seite 5
3.1 Die Kultur:
Seite 5
3.2 Der Kulturwandel
Seite 5
3.2.1 Der Assimilationstyp Seite 6
3.2.2 Der Kontrasttyp Seite 6
3.2.3 Der Grenztyp Seite 7
3.2.4 Der Synthesetyp Seite 8
3.3 Der Zusammenhang
zwischen Kultur und Ökonomie
Seite 7
4. Die Kulturellen Aspekte
Seite 8
4.1 Die Religion
Seite 10
4.1.1 Die religiöse Verankerung
des Wirtschaftsgedankens Seite 11
4.1.1 Die religiöse Verankerung
des Wirtschaftsgedankens Seite 11
4.1.2 Widersprüche zwischen religiöser
und staatlicher Orientierung Seite 11
4.2 Die Geschichte
Seite 12
4.2.1 Die Anfänge des Judentums Seite 12
4.2.2 Die Wirtschaftskultur im Mittelalter Seite 13
4.2.3 Die Wirtschaft und die
Kultur der Neuzeit Seite 14
4.2.4 Die geschichtliche Prägung
der jüdischen Identität Seite 15
5. Die Ideologie des Zionismus
Seite 16
2
6. Die politischen Aspekte Seite 17 6.1 Die Vorstaatlichkeit und die Staatsgründung Seite 17
6.2 Die Parteien und die Wirtschaft Seite 18 6.3 Die sektorale Unterteilung der israelischen Wirtschaft Seite 20
6.4 Die Kibbuzim und die Moschawim Seite 21 6.5 Die Wirtschaftspolitik Seite 23 7. Heterogenität und Wandel der israelischen Gesellschaft Seite 23 7.1 Die Siedlung- und Wirtschaftsexpansion Seite 25 7.2 Die Bildungspolitik und wirtschaftliche Integration Seite 26 8. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Seite 27 9. Die Wirtschaftspolitische Entwicklung Israels ab 1977 Seite 29
10. Fazit Seite 33
11. Literaturverzeichnis Seite 35
12. Internetquellen Seite 35
3
1. Einleitung
Im Rahmen unseres soziologischen Seminars „Europäische Wirtschaftskulturen“ behandeln wir in dieser Hausarbeit das Beispielland Israel, wobei wir speziell den israelischen Wirtschaftsstil analysieren werden. Dazu stellt sich die Frage ob Israel überhaupt zu den europäischen Wirtschaftskulturen zählt? Obwohl das Land geografisch nicht zum europäischen Raum gehört, ist es gerade wegen der außergewöhnlichen Geschichte sehr stark mit dem europäischen kulturellen Erbe verbunden, so dass man im Falle Israels durchaus von einer europäischen Wirtschaftskultur sprechen kann. Politisch und geographisch liegt Israel an der Schnittstelle dreier Kontinente: Asien, Afrika und Europa. Diese Grenzlage sorgte in Israel für ein Aufeinanderprallen der verschiedenen Kulturen und Religionen.
2. Die Forschungsfrage und das Ziel der Arbeit
In der zweitausendjährigen Diaspora stand das jüdische Volk immer unter einem starken gesellschaftlichen Anpassungsdruck seitens der andersgläubigen Majoritätsbevölkerungen. Seinerseits wiederum hatte es einen bedeutenden Einfluss auf die Wirtschaftskultur der Gastländer ausgeübt. Deshalb stellen sich die Fragen:
• Wodurch ist die wirtschaftliche Transformation Israels gekennzeichnet?
• Gibt es den jüdischen Wirtschaftsstil?
Um diesen Fragen zu beantworten, werden wir in dieser Arbeit an die wirtschaftssoziologischen Erklärungsansätze von Max Weber, North und Berger anknüpfen. Anhand der ideologischen Orientierung einer Gesellschaft, die einem Kulturwandel unterliegt soll versucht werden die Entwicklung der israelischen Wirtschaftskultur zu erklären. Untersucht werden dabei die kulturellen Aspekte, die jüdische Religion und Geschichte, aus denen sich eine Ideologie entwickelt und zur Institutionalisierung eines politischen Systems und einer Wirtschaftspolitik führt.
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3. Die Basis des theoretischen Rahmens und die Begriffserklärung
3.1 Die Kultur:
Der Begriff Kultur wird in dieser Arbeit nach der Definition von E. B. Tyler und White verwendet, da diese auf die israelische Kultur am besten zutreffen. E. B. Tyler definierte 1871 Kultur folgendermaßen: "Kultur - im weiten ethnographischen Sinne des Wortes - (...) Ist jenes komplexe Ganze, das Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, Sitte, Brauch und alle anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten umfasst, die der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft erworben hat. Die Art der Kultur verschiedener menschlicher Gesellschaften ist, wenn sie nach allgemeinen Prinzipien untersucht wird, ein Gegenstand, der die Erforschung der Gesetze menschlichen Denkens und Handelns ermöglicht“ 1
White beschreibt Kultur als Kontinuum: "Culture is a vast stream of tools, utensils, beliefs that are constantly interacting with each other, creating new combinations and syntheses. New elements are added constantly to the stream; obsolete traits drop out. The culture of today is but the cross section of this stream at the present moment, the resultant of the age-old process of interaction, selection, rejection, and accumulation that has preceded us". 2
3.2 Der Kulturwandel
Kultur versteht man nicht bloß als ein System, sondern als einen Prozess. So ist Kulturwandel ein kulturimmanentes Phänomen, welches durch Hinzufügen, Ersetzen oder Verlust von Kulturgütern charakterisiert wird. Dabei betrifft der Wandel nicht bloß materielle Kulturbereiche, sondern auch geistige Haltungen. Eine lebendige Kultur ist demnach durch einen ständigen Wandel gekennzeichnet, der aus sich selbst heraus oder von außen ausgelöst werden kann. In dem Sinne ist der Kulturwandel der jüdischen Gesellschaft durch drei ideologischen Einstellungen, den Traditionalismus, die Emanzipation und die Assimilation geprägt.
1 Tylor, E. B.: Primitive Culture. London 1871. (2 Bde.)
2 White, L. A.: Man´s Control over Civilization. An Anthropocentric Illusion. In: Brady, I. und Isaac, B. (Hg.): A Reader in Culture Change Vol I, Theories, Cambridge Mass. 1975, S. 30f.
5
Bei einer Begegnung zweier verschiedener Kulturen, indem ein Individuum mit einer Majoritätskultur konfrontiert wird, unterscheidet Bochner vier verschiedene Reaktionstypen 3 :
3.2.1 Der Assimilationstyp
Er sympathisiert stark mit den Werten und Normen der Fremdkultur. Er bewertet jene im Vergleich zur Heimatkultur über und lehnt die eigene Kultur ab. Bei der Reintegration können deshalb erhebliche Probleme auftreten. Die jüdische Assimilation mit der Majoritätsbevölkerung beschreibt ein Prozess, der nicht nur eine Angleichung der Bewusstseininhalte darstellte, sondern auch einen kontinuierlichen Verzicht auf die jüdische Kultur beinhaltet. 4
3.2.2 Der Kontrasttyp
Er lehnt die fremde Kultur radikal ab. Daraus ergeben sich Integrationsprobleme, weil der Kontrasttyp seine eigene Kultur als überlegen ansieht. Eine Anpassung ist dadurch kaum möglich.
Ein Beispiel für den Kontrasttypen der jüdischen Kultur sind die religiösen Traditionalisten. Sie halten an den Vorschriften der Talmudlehre 5 und Halacha 6 fest und regeln alle Lebensbereiche über die absolute Geltung orthodoxer Religion und Rabbinerlehre.
3 Klump, Reiner; Wirtschaftsstil, Wirtschaftskultur und Wirtschaftsordnung; Methoden und Ergebnisse der Wirtschaftsordnung, Hrsg. Reiner Klump, Erlangen 1995 S.32 ff
4 Schneider, Karlheinz; „Religion in Israel, Eine Studie zum Verhältnis Person- Religion- Gesellschaft“ -Meisenheim am Glan,Verlag Anton Hain, 1976, Seiten 39-41
5 Der Talmud besteht aus der Mischna und der Gemara.
Das hebräische Verb "shanah" bedeutet wörtlich "zu wiederholen" und wird mit der Bedeutung "zu lehren" benutzt. Der Begriff Mischna meint im Grunde das gesamte jüdische Gesetz, wie es sich bis zum Jahr 200 entwickelt hat. Mischna ist die mündliche Überlieferung, die angeblich auf Moses und die Propheten zurückgeht. Die Mischna ist Grundsatz für jüdisches Leben. In ihr werden einige verschiedene Lebensarten erklärt (z.B. Ehe / Familiengesetzgebung, Zivil / Strafrecht, Gesetze zur Landwirtschaft und Vorschriften zu Festtagen und Feiern). Sie ist Grundlage des Talmuds. Die Mischna ist in sechs Ordnungen (Sedarim) eingeteilt und umfasst 63 Traktate (religiöse FlugschriftenAbhandlungen). Die Traktate sind unterteilt in Kapitel und Lehrsätze
6 Halacha: Halakhah (hebräisch "Gehen", "Wandeln"), ein allgemeiner Begriff, der das gesamte gesetzliche System des Judentums umfasst. Die Halacha umfasst die Gebote und Verbote der mündlichen und schriftlichen Überlieferung. Im Laufe ihrer Geschichte war sie stetem Wandel unterworfen. Die Halacha beschreibt den Lebensinhalt u. die Lebensführung, eine Trennung zwischen Säkularem und Religiösem existiert nicht.
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3.2.3 Der Grenztyp
Er erkennt die bedeutungsvollen Werte und Normen beiden Kulturen an und versucht herauszufinden, welche Kultur die „bessere“ ist. Das Problem ist hier jedoch, dass er sich oftmals in Widersprüche verstrick, welche zu Identifikationskonflikten führen. Beim Emanzipationsprozess der Juden wurden gewisse Elemente der Moderne, wie etwa die individuelle Würde, Autonomie der Moral und Volkssouveränität angeeignet. Die starre Ideologie einer Religionsnation, die jegliche Selbstständigkeit unterdrückte, wurde aufgehoben, allerdings an der Eigenkultur der moralischen, sozialen und politischen Sonderstellung des jüdischen Volkes wurde festgehalten.
3.2.4 Der Synthesetyp
Er kann die für ihn bedeutsamen Elemente der Fremdkultur in seine Denk- und Handlungsweisen integrieren. Dies ermöglicht ihm beim Lösen von Problemen die alternativen kulturellen Ansätze zu verwenden.
Der Kulturwandel verlief bei der jüdischen Gesellschaft in verschiedene Richtungen was eine starke Heterogenität der ideologischen Einstellungen, Weltanschauungen und schließlich damit verbundenen unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Handeln verursacht hat. Es ist deshalb für das Verständnis der israelischen Wirtschaftskultur wichtig, den kulturellen Einfluss näher zu untersuchen.
3.3 Der Zusammenhang zwischen Kultur und Ökonomie
Kultur und Wirtschaft sind keinesfalls statische Begriffe, sie unterliegen einem ständigen Prozess der Entwicklung, verändern und beeinflussen sich gegenseitig. Kultur und Wirtschaft sind in ein sehr komplexes System von Einflussfaktoren eingebunden, die anhand der wirtschaftssoziologischen Erklärungsansätze zu analysieren sind. Als Bestimmungsfaktoren der Wirtschaftskultur kann man im Falle Israels verschiedene Ansätze zur Erklärung eines bestimmten Wirtschaftsstils anwenden.
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus von Max Weber finden seinen Ausdruck im rationalen Handeln der emanzipierten und assimilierten Juden. Doch auch den traditionalistischen Juden ist der Berufsethos aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem von Halacha fortgeschriebenen Arbeitsfleiß, nicht fremd.
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Arbeit zitieren:
Sascha Vilovic, Anne Semmerling, 2005, Wirtschaftskultur Israel, München, GRIN Verlag GmbH
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