Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographischer Abriss: Herbert Marshall McLuhan
3. McLuhans Medientheorie
3.1. „Das Medium ist die Botschaft“
3.2. Anthropologische Erklärungsansätze zur Medienwirkung
3.3. Sprache und Schrift „Die Gutenberg Galaxis“
4. Ansichten McLuhans im Vergleich
4.1. Sprachkrise: Hofmannsthal und Schiller
4.2. Sinneswahrnehmung: Walter Benjamin
4.3. Buchdruck und Film: Béla Balász
5. Kritik und Schlussbemerkungen
6. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Seine Thesen wie die vom „globalen Dorf“ oder „Das Medium ist die Botschaft“ sind zwar allgemein geläufig und werden häufig phrasenartig verwendet, deren theoretischer Unterbau ist jedoch weitgehend unbekannt und auch mit dem Namen Marshall McLuhan kann, außerhalb der USA und Kanada, kaum jemand etwas verbinden. Und das, obwohl sich auch heute noch ein Großteil der Medientheoretiker wenigstens teilweise auf seine Thesen bezieht.
Der geringe Bekanntheitsgrad des Inhalts seiner Thesen liegt sicher zum einen daran, dass McLuhan seine Theorien, die er in seinen Werken vorstellt, nicht kausal beschreibt, sondern „die Form der Linearität durch die Figur eines Mosaiks“ 1 ersetzt, was es einigermaßen schwierig macht, seine Werke und Thesen linear darzustellen und zu veranschaulichen. Denn seine Bücher sind „absichtlich unlogisch: Sie bewegen sich im Kreise, enthalten häufige Wiederholungen, sind unqualifiziert, gnomisch, zügellos.“ 2 Einerseits finden sich dadurch Ausschnitte aus seinen Werken bruchstückartig in vielen Medientheorien 3 , andererseits wurde er durch diese Darstellungsweise oft als „Wirrkopf“ angesehen und abgelehnt.
Seine Anfang der 60er Jahre erschienen Werke „The Gutenberg Galaxy“ und „Understanding Media“ trafen in den USA und Kanada den Nerv der Zeit und seine These der Entstehung einer neuen Ära der Elektronik wurden von den Vertretern der Pop-Art und der Protest-Jugendkultur begrüßend aufgenommen, sowie auch in akademischen Kreisen heftig diskutiert; wohingegen seine Ideen in der BRD keine Akzeptanz fanden. Dies lag zum größten Teil an der Tatsache, dass die politische Linke ihn als ideologischen Gegner einstufte. 4
So beurteilt ihn Hans Magnus Enzensberger in seinem Werk „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ (1970) als „unfähig zu jeder Theoriebildung“ und sieht seine Thesen generell
1 Kloock/Spahr: „Medientheorien“, 1997. S. 41.
2 Stearn: “McLuhan Für & Wider, 1969. S. 69.
3 In Kloock/Spahr, S. 40 zu diesem Phänomen: „Auffällig verbreitet ist dabei das Verfahren, seine Schriften nicht als einheitliche Theorie zu behandeln, sondern als Steinbruch, aus dem bestimmte Ideen genutzt werden können und andere nicht. So beruft sich eine Vielzahl, teilweise konträrer Positionen auf ihn.“
4 Vgl. Kloock/Spahr, S. 39f.
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als indiskutabel an, da er sich „aufgrund mangelnden politischen Bewusstseins“ vom Kapitalismus vereinnahmt haben lasse. 5
Während seine Thesen damals provozierten und die Öffentlichkeit spalteten, werden sie heute eher auf sachlicher Ebene diskutiert, wobei jedoch eine breite Für-und-Wider-Fraktion immer noch existent ist. 6
Die Tatsache aber, dass sich immer noch mit ihnen auseinander gesetzt wird und sie also an Aktualität auch nach 50 Jahren nicht verloren haben, liegt wohl daran, dass die großflächige und in alle Lebensbereiche hineinragende Medialisierung der (zumindest westlichen) Welt, mit derem Wesen McLuhan sich zentral beschäftigt, erst heute (bzw. die letzten 10 Jahre) wirklich so eingetroffen und präsent ist. Dadurch können seine Werke heute fast eher als zum Zeitpunkt ihres Erscheinens Denkanstöße zur Macht der Medien liefern und zu einem gewissen Grad erläutern, warum und wodurch ein Medium bzw. die Medialisierung in unsere Gesellschaft eingreift und diese eventuell grundlegend verändert.
Ich möchte hierbei so vorgehen, dass ich nach einem kurzen Überblick über das Leben Marshall McLuhans, einige seiner Hauptthesen vorstelle und zu erläutern versuche, um diese danach auf Parallelen zu unserem Seminar bzw. zu anderen Theoretikern zu untersuchen. Schließlich soll abschließend der Frage nach der Nutz- und Anwendbarkeit seiner Theorie nachgegangen, sowie Kritikpunkte angesprochen werden.
2. Biographischer Abriss: Herbert Marshall McLuhan (1911-1980)
Zu McLuhans Biographie möchte ich nur stichwortartig anmerken, was, meiner Meinung nach, für seine Werke von Relevanz ist. Geboren und aufgewachsen in Alberta, Kanada, studiert McLuhan Anglistik in Manitoba und später in Cambridge, wo er beginnt, sich mit der modernen englischen Literatur (v.a. Edgar Allan Poe, Ezra Pound und James Joyce) und mit der Literaturtheorie des „New Criticism“ zu beschäftigen, was sein eigenes Werk später stark beeinflussen soll. 7 Nach seinem Examen 1936 in Cambridge lehrt er als Dozent an verschiedenen Universitäten der USA und Kanada.
5 Kloock/Spahr, S. 40.
6 Siehe hierzu v.a. Stearn.
7 Vgl. Kloock/Spahr, S. 46f.
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1949 lernt er den Ökonomen Harald Innis kennen, der sich ebenfalls mit dem Zusammenhang zwischen Kommunikationsmedien und Kultur beschäftigt und der einen bedeutenden Einfluss auf McLuhan ausübt. 8 So bezeichnet Marshall McLuhan selbst sein Werk „Die Gutenberg Galaxis“ als „“Fußnote“ zu Innis’ Arbeiten.“ 9 1951 erscheint sein erstes Buch „The mechanical bride/ Die mechanische Braut -Volkskultur des industriellen Menschen“, das jedoch weitgehend unbeachtet bleibt, erst mit der Veröffentlichung von „Die Gutenberg-Galaxis - Das Ende des Buchzeitalters“ und „Understanding media/ Die magischen Kanäle“ wird er in Amerika bekannt. Vor allem auf Künstlerkreise strahlen seine provokanten Theorien große Faszination aus, so reisen z.B. John Lennon und Andy Warhol an, um ihn zu treffen und er hat einen Gastauftritt in Woody Allens Film „Annie Hall“.
Dagegen sagt McLuhan selbst in einem Interview auf die Frage, wodurch sein Interesse an Medien und deren Wirkung auf die Kultur geweckt wurde: „Andere Leute haben mir diese Dinge allmählich bewusst gemacht - Künstler und die neuen anthropologischen Studien.“ 10
McLuhan stirbt am 31.12. 1980 an den Folgen eines Schlaganfalls.
3. McLuhans Medientheorie
3.1. „Das Medium ist die Botschaft“
Mit dieser, zunächst etwas verwirrend klingenden These, die sich im Kern auf die psychischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Medien auf den Menschen bezieht, beginnt McLuhans Buch „Understanding Media“. Den grundlegenden Ausgangspunkt dieser These bildet McLuhans Ansicht, dass der Inhalt eines Mediums, wenn man dessen Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft und ihre Kultur betrachten will, überhaupt nicht von Bedeutung ist.
8 Vgl. Kremer: „Literaturwissenschaft als Medientheorie“, 2004. S. 36.
9 Kloock/Spahr , S.48
10 Mc Luhan: „Das Medium ist die Botschaft“, S. 55.
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Denn dadurch, dass der Inhalt eines jeden Mediums wiederum ein anderes Medium ist (z.b. Buch → Schrift; Schrift → Sprache; Sprache → effektiver Denkvorgang), verschleiert diese Ineinanderverflechtung der verschiedenen Medien einen analytischen Blick auf das jeweilige untersuchte Medium selbst, in der Form, dass „der ‚Inhalt’ jedes Mediums der Wesensart des Mediums gegenüber blind macht.“ 11 Oder, wie es sehr bildlich formuliert wird, „der ‚Inhalt’ eines Mediums ist mit einem saftigen Stück Fleisch vergleichbar, das der Einbrecher mit sich führt, um die Aufmerksamkeit des Wachhundes abzulenken.“ 12 Aufgrund dieses Umstandes muss das Medium völlig von seinem Inhalt abgetrennt betrachtet werden, um sich seinem Wesen zu nähern und seine wirkliche Botschaft zu erkennen, die McLuhan in folgender Weise definiert:
„Die „Botschaft“ jedes Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt.“ 13
Diese These macht er zunächst am Beispiel des elektrischen Lichts deutlich, dass laut seiner Ansicht, von den meisten Menschen gar nicht als selbständiges Medium erkannt wird, solange es nicht dazu benutzt wird, z.B. Leuchtreklame anzustrahlen. Trotzdem stellt es für McLuhan ein Medium dar, dessen Verwendung für seine Analyse völlig irrelevant ist (als Verwendungsbeispiele werden etwa ein gehirnchirurgischer Eingriff oder ein nächtliches Baseballspiel genannt), da seine Bedeutung darin liegt, wie es „Form und Ausmaß des menschlichen Zusammenlebens gestaltet und steuert“ 14 , indem es also Dinge ermöglich, die zuvor nicht zu bewältigen waren (siehe Beispiele). Er geht hier sogar noch weiter und sagt: „Das elektrische Licht machte der Herrschaft von Tag und Nacht, von Unter-Dach-Sein und im Freien-Sein ein Ende. (...) Mit einem Wort, die Botschaft des Lichts ist die vollkommene Veränderung“ 15 .
11 McLuhan: „Understanding media“, S. 15.
12 ebd. S. 24f.
13 ebd. S. 14.
14 ebd. S. 14.
15 ebd. S. 62.
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Quote paper:
Sarah Trede, 2006, Marshall McLuhan: Das Medium ist die Botschaft - Diskussion einer grundlegenden These der Medientheorie im 20. Jh., Munich, GRIN Publishing GmbH
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