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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Übersetzungsvergleich Fried bzw. Schlegel-Übersetzung von
Shakespeares Romeo and Juliet 4
2.1 Formale Aspekte 4
2.1.1 Lautliche Nachbildung 4
2.1.2 Treue der Form und des Stils 5
2.2 Semantische Aspekte 7
2.2.1 Wortspiele / das Anstößige 7
2.2.2 Semantische Abweichungen 9
2.2.3 Verständnishilfen im Text 11
3. Übersetzungskonzepte Schlegels und Frieds 13
3.1.1 Luthers übersetzungstheoretische Ansätze 13
3.1.2 Schlegels Übersetzungskonzept 14
3.2.1 Schleiermachers Übersetzungskonzept 15
3.2.2 Frieds Übersetzungskonzept 16
4. Fazit 19
5. Literaturverzeichnis 20
5.1 Primärliteratur 20
5.2 Sekundärliteratur 20
3
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit sollen die Übersetzungen von Shakespeares Romeo and Juliet 1 Erich Frieds 2 und August Wilhelm von Schlegels 3 anhand ausgesuchter Textstellen untersucht werden. Das Stück wurde vermutlich erstmals 1596 aufgeführt. Die Auswahl der Übersetzungen ist willkürlich und darf nicht zu dem Fehlschluss führen, in der Zwischenzeit von Schlegels bis Frieds Übersetzung seien keine, oder nur wenige unbedeutende Versuche unternommen worden, seine Stücke ins Deutsche zu übertragen. Zu den berühmtesten Shakespeare-Übersetzern zählen Bodmer, Lessing, Wieland und Eschenburg. Selbst Goethe, weniger als Übersetzer als als Dichter und Dramenschreiber bekannt, versuchte sich an einer Bearbeitung von Romeo und Julia.
Bei den exemplarisch untersuchten Textstellen handelt es sich um eine prosaische Stelle (1.1.1-69) 4 , zwei Textstellen im Blankvers sowie eine Textstelle mit festem Reimschema (1.5.93-110). Hierzu sollen verglichen werden: zum einen formale Aspekte der Übersetzungen wie Versmaß und Reim, lautliche Übereinstimmungen, Syntax als auch formal bedingte Auslassungen und Zusätze; zum anderen semantische Aspekte der Übersetzungen wie z.B. Wortspiele, Anstößiges, sowie deutende bzw. erklärende Veränderungen der Übersetzer. Folgend aus den beobachteten Unterschieden und Gemeinsamkeiten soll auf den übersetzungstheoretischen Hintergrund des jeweiligen Übersetzers rückgeschlossen werden. Die Poetik der beiden Übersetzer ist weitestgehend aus den Übersetzungen, also immanent, zu erarbeiten.
Als letzter Schritt soll die Bezugnahme auf die im Seminar „Übersetzungstheorie und - geschichte“ besprochenen übersetzungstheoretischen Positionen erfolgen.
1 Shakespeare, William: Romeo and Juliet. Hrsg.: Flower, Celeste, Essex 1992
2 Alle Zitate und Zeilenangaben der Fried-Übersetzung beziehen sich auf: Shakespeare, William: Romeo und Julia. Hrsg.: Apel, Friedmar, Nördlingen 1995 (im Folgenden Fried 1995 genannt)
3 Alle Zitate und Zeilenangaben der Schlegel-Übersetzung beziehen sich auf: Shakespeare, William: Romeo und Julia. Übersetzt von August Wilhelm Schlegel. Hrsg.: Klose, Dietrich. Stuttgart 1999 (im Folgenden Schlegel 1999 genannt)
4 sofern nicht anders angegeben, bezieht sich die Akt- und Zeilenzählung immer auf den englischen Originaltext in o.g. Textversion.
4
Hierzu lohnt ein Blick auf die Reflexionen zum Übersetzen von Luther und Schleiermacher.
2. Übersetzungsvergleich Fried bzw. Schlegel-Übersetzung von Shakespeares Romeo and Juliet
Dem Übersetzungsvergleich möchte ich die Überlegung voranstellen, ob die zugrundeliegenden Konzepte Schlegels und Frieds sowie die nahestehenden Betrachtungen Luthers und Schleiermachers im direkten Vergleich oder separat vorgestellt werden sollten. Ich habe mich dazu entschlossen, sie separat abzuhandeln, um den detaillierten Vergleich nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, auch auf die Gefahr hin, dass sich so Erklärungen wiederholen. Da es sich hier um die Betrachtung von zwei Übersetzungen handelt, erscheint es sinnvoll, diese nicht hintereinander getrennt abzuhandeln, sondern an den untersuchten Textstellen gleich beide Varianten zu vergleichen.
2.1. Formale Aspekte
2.1.1 Lautliche Nachbildung
Gleich in den ersten vier Zeilen des Stückes lässt sich ein Unterschied in den beiden Übertragungen feststellen: sowohl Schlegel als auch Fried versuchen das folgende Wortspiel nachzubilden:
5 Shakespeare, S. 9, 1.1.1-4
6 Schlegel 1999, S. 5
7 Fried 1995, S. 375
5
Dies gelingt Fried um einiges besser als seinem Kollegen, da er es schafft, nicht nur das Wortspiel über mehrere Zeilen nachzubilden, sondern sogar eine lautliche Ähnlichkeit herzustellen. Schlegel übernimmt dies nur in den letzten beiden Zeilen des Wortspiels, bei ihm fehlt allerdings die lautliche Assoziationskette von „verkohlen“ bis „Koller“. Fried erreicht also für das erste Wortspiel eine nahezu wort- und klanggerechte Wiedergabe, sowie eine Verwandtschaft der Wörter (coals/colliers - verkohlen/Kohl...) die aus dem gleichen Wortfeld (Kohle) stammen. Frieds Verfahren entspricht der Forderung des Philosophen und Theologen Hieronymus (4./5. Jahrhundert n.Chr.) nach Euphonie und Etymologie. Der Übersetzer soll Worte in der Zielsprache suchen, die aus demselben Etymon entstanden sind, wie die im Ausgangstext. Kloepfer fasst Hieronymus‘ Stufentheorie folgendermaßen zusammen:
„Ziel der Übersetzung ist die Aufnahme des Fremden durch die Mittel der eigenen Sprache [...].
’Treue’ ist das dauernde Bemühen, alles, was im fremdsprachigen Text vorgefunden wurde, zu be-
wahren. Wenn dies nicht möglich ist, muß zumindest das Sinnganze bewahrt werden; diese unterste
Sufe ist die Voraussetzung für die nächste, in der auch die Worte erhalten werden, und diese wieder
für alle weiteren Stufen, welche die Wortstellung, Euphonie, Etymologie etc. bewahren [...].“ 8
Auf den Inhalt der Wortspiele wird noch näher in Abschnitt 2.2.1 eingegangen werden.
2.1.2 Treue der Form und des Stils
Fried legt besonderen Wert darauf, nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form möglichst genau wiederzugeben. Das bedeutet, Blankvers wird auch mit Blankvers, Reim mit Reim und Prosa mit Prosa wiedergegeben. Dies war zwar auch schon bei Schlegel festzustellen, allerdings hält er dies nicht so stringent durch wie sein Nachfolger. Dazu gehört auch die Treue bis hin zur gleichen Anzahl der Zeilen. Bei der Übertragung der poetischen Sprache ist zu beachten, dass das Englische sprachdichter ist, mehr einsilbige Worte hat und flexionsärmer ist als das Deutsche. So kommt es oft zu Schwierigkeiten, wenn es darum geht, den Rhythmus des Originals beizubehalten. Der deutsche Text muss verkürzt werden, oder es müssen, wie bei Schlegel häufiger geschehen, Zeilen eingefügt werden, um inhaltliche Einbußen zu vermeiden.
8 Kloepfer, Rolf. Die Theorie der literarischen Übersetzung. Romanisch-deutscher Sprachbereich. München 1967, S. 34
6
In dem Sonett (1.5.93 - 1.5.106), das als Dialog zwischen Romeo und Julia bei ihrer ersten Begegnung angelegt ist, fällt auf, dass Schlegel weit häufiger als Fried gezwungen ist, die Anzahl der Zeilen zu erhöhen.
Shakespeare: “O then, dear saint, let lips do what hands do:
they pray, "Grant thou, lest faith turn to despair." 9
Hieraus ergibt sich, dass Schlegel nicht die Gesamtform des shakespeareschen Sonetts einhält, wohingegen es Fried gelingt, sowohl eben diese Form des Sonetts nachzubilden, als auch eine inhaltliche Zeile- für Zeile-Kongruenz beizubehalten. Das shakespearesche oder englische Sonett besteht aus vierzehn Zeilen, aufgeteilt in drei Quartette und ein abschliessendes couplet. Typischerweise ist das Reimschema abab im ersten Quartett, cdcd im zweiten, efef im dritten und gg im couplet. Beim italienischen oder petrarkistischen Sonett handelt es sich um ein Oktett und ein Sextett, mit dem Reimschema abba abba im Oktett und cde cde (oder cd cd cd) im Sextett. 12 Fried bildet hier das o.g. und von Shakespeare verwendete Reimschema genau nach, wohingegen Schlegel ebenfalls die ersten zwei Quartette wie Shakespeare abab cdcd reimt, dann jedoch im Sextett die Form ee ff gg wählt.
Auch der Stil und die Atmosphäre werden von Fried möglichst exakt beibehalten, was bedeutet, dass auch die anzüglichen Bemerkungen und Wortspiele eines Simson oder Gregorio nicht etwa unterschlagen werden wie bei Schlegel, und ihre Sprache nicht überhöht wird wie bei Schlegel. Die Standesunterschiede zwischen den dramatis personae werden so deutlicher, wie es von Shakespeare auch ursprünglich intendiert war.
Es handelt sich also bei Fried um das Konzept einer poetischen, formtreuen Übersetzung, jedoch ohne den überhöhenden und zum Teil glättenden Charakter
9 Shakespeare, S.73, 1.5.103f
10 Schlegel 1999, S. 25
11 Fried 1995, S.389
12 Wright, Eugene Patrick. The Structure of Shakespeare‘s Sonnets. New York 1993, S. 12-14
Arbeit zitieren:
M.A. Pia Witzel, 2001, Shakespeares "Romeo und Juliet" - Die Übersetzungen von A.W. Schlegel und Erich Fried im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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