Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Sprache im Nationalsozialismus 4
2.1. Auffälligkeiten 4
2.2. Rhetorische Mittel 7
2.3. Propaganda 8
2.4. Wirkung 9
3. Die Rhetorik Adolf Hitlers- ein Abriss 11
4. Eine Rede Adolf Hitlers des Jahres 1933 13
4.1. Äußere Gegebenheiten 14
4.2. Allgemein inhaltliche Zusammenfassung 15
4.3. Inhaltlich-Rhetorische Analyse im Besonderen 15
5. Schlussbetrachtung 18
6. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einführung
„Die Sprache ist nicht nur ein Werkzeug. Sie kann ebenso wie ein Medikament missbraucht oder falsch angewendet werden.“ 1
Diese These von Wolfgang J. Reus möchte ich nutzen, um in die Problematik und Thematik der Sprache im Nationalsozialismus einzuführen. Ich möchte in meiner Hausarbeit aufzeigen, wodurch die Sprache des Dritten Reichs gekennzeichnet ist. Wesentliches Element dieser Betrachtung soll die Untersuchung der Rhetorik im Nationalsozialismus sein, d.h., ich werde mich im Besonderen auf eine Rede Hitlers konzentrieren, um meine theoretischen Ausführungen mit meiner Analyse zu vergleichen. Die Spezifik der Rhetorik Hitlers, die für seine Ideologie beschreibend war, soll im Folgenden skizziert werden. Wie ich schon durch das Zitat von Reus versucht habe deutlich zu machen, ist es Ziel meiner Ausarbeitung, zu verstehen, wie Sprache es möglich werden lässt, ein ganzes Volk zu manipulieren, und somit als „Medikament missbraucht“ zu werden. Wie muss Sprache demnach „beschaffen“ sein, um dieses Ziel zu erreichen? Zunächst werden in dieser Arbeit also theoretische Bezüge der Sprache im Nationalsozialismus zu klären sein, um anschließend ein umfassendes Bild über den Gebrauch und Missbrauch der Sprache im Nationalsozialismus zu bekommen. In diesem Rahmen ist es mir jedoch nur möglich, einen jeweiligen Abriss über die Themen zu geben. Dieser soll jedoch in der detailgetreueren Analyse der Rede Hitlers münden, um die theoretisch kurz eingeführten Betrachtungen zu beweisen.
Diese Arbeit soll einmal mehr verdeutlichen, wie leicht es anscheinend ist, eine große Masse von Menschen, durch eine perfekt inszenierte und durchdachte Propaganda zu beeinflussen. Diejenigen Menschen, die sich nach Veränderung und einer besseren Zukunft gesehnt haben und durch ihre Blindheit und Unwissenheit zu einem der schrecklichsten Verbrechen der Geschichte beigetragen haben.
1 http://www.aphorismen.de (19.03.2004)
3
2. Die Sprache im Nationalsozialismus
2.1. Auffälligkeiten der Sprache im Nationalsozialismus
Der NS-Wortschatz wird als ein „System von Wortneuschöpfungen und Umdeutungen früher vorhandener Worte“ 2 bezeichnet. Folgende Einteilung wurde zum Wortschatz des Nationalsozialismus erstellt:
a) neugebildete Wörter,
b) Wörter, die eine Umwertung erfahren haben,
c) Wörter, die besonders häufig gebraucht werden und daher als charakteristisch für den Nationalsozialismus anzusehen sind.
Im Folgenden werden die eben aufgelisteten Unterteilungen näher beschrieben:
a) Neubildungen (Neologismen) 3
Die meisten der Neuprägungen im Nationalsozialismus sind durch die Präfixe NS- oder Reich- gekennzeichnet.
Beispiele: NS-Frauenschaft, NS-Studentenbund, Reichsgeschäftsstelle oder Reichstag. Eine andere Gruppe der Wortneubildungen stellt die der Neubildung von Hüllwörtern oder Euphemismen dar. Dies ist eine Bezeichnung für Wortneubildungen, die propagandistische Qualitäten haben oder als Tarnwörter funktionieren. Beispiele: Wehrsport für Wehrdienst oder Kriegsvorbereitung
Die zwei Gruppen bilden untereinander auch Mischformen. Entscheidend ist die Perspektive, unter der ein Wort betrachtet wird.
2 Müller, Sprachwörterbücher im NS, Stuttgart 1994, S. 30.
3 Vgl. Müller, Sprachwörterbücher im NS, Stuttgart 1994, S. 30ff.
4
So können sich Begriffe, die als reine Namen für Neues fungieren, unter bestimmten Gesichtpunkten als werbeträchtig oder als Tarnwörter herausstellen. Außer den Funktionswörtern gibt es noch eine Vielzahl von Neuprägungen, die sich meist auf den „Blut- und Boden“-Gedanken sowie die Rassenideologie beziehen. Komposita mit Rasse-, Volk- oder Blut- finden sich besonders häufig.
Angesichts der Vielzahl von Wörtern, scheint es so, als würden Neubildungen den Großteil der Sprache des Nationalsozialismus ausmachen.
Als Grund für Neubildungen gibt Dieckmann folgende Erklärung: „Wortneubildungen in der Sprache der Politik werden immer dann notwendig, wenn Veränderungen in der Wirklichkeit eine neue Benennung oder Umbenennung erforderlich machen“ 4 .
b) Umdeutungen und Umwertungen 5
Auch wenn die Neubildungen den überwiegenden Teil der Wörter der Sprache im Nationalsozialismus darstellen, so sind es dennoch die Umdeutungen, die die NS-Sprache geprägt haben.
Bei der semantischen Veränderung bereits bestehender Begriffe lassen sich wiederum drei Gruppen unterscheiden:
1. Umwertung
Bei dieser Art handelt es sich um Begriffe, die vorher eine positive Konnotation hatten und dann überwiegend abwertend gebraucht wurden. Begriffe, die eine negative Wertung erhielten, waren u.a. Demokratie, Gesellschaft, Liberalismus oder Internationalismus.
2. Umdeutung
Hier wurden Begriffe des Gegners für die eigenen Zwecke gebraucht und im Hinblick auf die NS-Ideologie umgedeutet.
Der Nationalsozialismus stellte vielen Begriffen, die er für sich okkupierte, einen entgegengesetzten Begriff gegenüber. Gegensatzpaare solcher Art gab es für die verschiedensten Bereiche. Für die Rassenideologie würden sich Paare wie jüdischarisch oder Volksgenosse - Judengenosse finden.
4 Dieckmann, Information oder Überredung, Marburg 1964, S. 31.
5 Vgl. Müller, Sprachwörterbücher im NS, Stuttgart 1994, S. 33.
5
3. Bedeutungserweiterung
Bei der Bedeutungserweiterung erhalten Wörter eine Zusatzbedeutung. Viele Zusatzbedeutungen können so prägnant werden, dass die ursprüngliche Bedeutung verblasst.
Beispiele für die Erweiterung der Bedeutung sind: Konzentrationslager (Verwaltung- und Erziehungslager) Blutvergiftung (Verfallserscheinungen in Völkern und Rassen) Blutschande (intime Beziehung zu einem Nichtarier)
c) Häufige Verwendung von Begriffen 6
Ein weiteres Kriterium, warum bestimmte Wörter der Sprache des Nationalsozialismus zugeordnet werden, ist ihre relative Benutzungshäufigkeit während dieser Zeit. Merkmal der NS-Sprache war es, Schlagwörter und Redewendungen so häufig wie möglich zu wiederholen. Bei vielen dieser Wörter handelt es sich um „ganz normale“ Wörter der deutschen Sprache, die jedoch durch ihre Benutzungshäufigkeit in der NS-Zeit mit dem Sprachvokabular des Nationalsozialismus in Zusammenhang gebracht werden und schließlich als charakteristisch für diese Zeit gelten. Zu diesen Schlagwörtern gehören Volk, Rasse, Reich, Jude, Arier, Blut oder Kampf. Rein, heldenhaft, deutsch und arisch gehören zu einer Gruppe von Adjektiven, die als positive Beiwörter vieler Substantive gebraucht wurden. Neben den „positiven“ Beiwörtern gab es auch Adjektive wie jüdisch, bolschewistisch, ausländisch oder feige, die in negativen Kontexten verwendet wurden.
Durch ständige Wiederholungen ginge, nach Klemperer, „der Nazismus bei den Menschen in Fleisch und Blut über“ 7 . Äußerungen wie „Die Juden sind Schuld“ wurden z.T. mechanisch und unbewusst übernommen. 8
6 Vgl. Müller, Sprachwörterbücher im NS, Stuttgart 1994, S. 38.
7 Klemperer, LTI, S. 27.
8 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Monique Schwertfeger, 2004, Gebrauch oder Missbrauch der Rhetorik im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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