Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Platons Ideenlehre
2.1. Der Idealstaat
2.2. Philosophenherrscher und Wächter
2.3. Gerechtigkeit im Staat
2.4. Gerechtigkeit beim Einzelnen
2.5. Der Lohn der Gerechtigkeit
2.6. Einige Kritiken zu Platon
3. John Rawls Theorie der Gerechtigkeit
3.1. Die Funktion der Gerechtigkeit
3.2. John Rawls Gerechtigkeitstheorie
3.3. Wann ist der Mensch gut
3.4. Der Aspekt des Neides
4. Schlussgedanken
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Steckbrief: Wer kennt diese Person? Gesucht wird eine junge Dame, bevorzugt soll sie sich in der Nähe von Gerichtsgebäuden aufhalten, unbeweglich und schweigsam dastehend, maskiert mit einer Augenbinde, hält sie in der einen Hand eine Waage und in der anderen ein Schwert. Angeblich solle sie die Gerechtigkeit symbolisieren. Wer hat sie gesehen? Für einen Existenzbeweis der zu ihrer Definition führt ist eine hohe Belohnung ausgesetzt! Meldungen aus der Bevölkerung nehmen Platon und seine Kollegen gerne entgegen.
Nicht jeder Kulturkreis stellt Gerechtigkeit als Justitia dar. Bei den Ägyptern zum Beispiel versuchte man die Gerechtigkeit ganz anders bildhaft darzustellen. Im Land der Pyramiden existieren Grabgemälde, deren Motiv Anubis ist, ein ägyptischer Todesgott. Er wiegt die guten Taten der Ver-storbenen, dabei befindet sich in einer Waagschale das Herz des Toten und in der anderen Waagschale eine Feder, die Feder steht für Gerechtigkeit. Dieser Szene wohnt ein Ungeheuer bei, der bereits gierig darauf wartet den Verstorbenen zu verschlingen, falls sein Herz mangels guter Taten weniger Gewicht hätte als eine Feder.
Ob als Justitia oder als Feder, immer bleibt die Gerechtigkeit ein abstrakter Begriff, welcher sich schwer definieren lässt. Im Alltag kommen uns öfters die Worte gerecht bzw. Gerechtigkeit über die Lippen. In vielen Situationen beklagen wir uns, dass dieses oder jenes nicht gerecht sei. Als Schüler regt man sich z. B. auf, wenn ein Mitschüler dank Spickzettel bessere Noten bekommt, als man selber mittels ehrlicher Lernarbeit. Der pflichtbewusste und fleißige Angestellte bekommt die ihm in Aussicht gestandene Beförderung nicht, weil die Freundschaft des Kollegen zum Vorgesetzten ausschlaggebender war als die eigene Leistung. Wenn der ohnehin schon wohlhabende Nachbar mit einer Limousine ange-
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fahren kommt und sich freudestrahlend damit rühmt, er hätte dieses tolle Auto bei einem Gewinnspiel gewonnen - in all diesen Situationen wird man sich fragen, ob es eine Gerechtigkeit auf Erden überhaupt gibt.
Mit dem Thema Gerechtigkeit haben sich bereits viele Menschen auseinandergesetzt. Aus dieser Vielzahl habe ich mich für zwei berühmte Vertreter entschieden, ihre entsprechenden Theorien werde ich hier vorstellen, ebenso einige Kritiker zu Worte kommen lassen. Bereits in der Antike hat sich der griechische Philosoph Platon dem abstrakten Begriff der Gerechtigkeit angenommen. Mit seinem Werk Politeia schuf er eine Ideenlehre. Dabei konstruierte er einen Idealstaat, dessen Regierung aus Philosophen bestehen sollte. Wie er sich diesen Idealstaat im Detail vorstellte, wieso dieser von Philosophen geleitet werden müsse und was für ihn Gerechtigkeit ist, all das betrachte ich im ersten Teil dieser Arbeit eingehender.
In der Neuzeit setzte sich John Rawls mit dem Gerechtigkeitsbegriff auseinander. Er schuf seine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness. Für ein gerechtes Miteinander müssten die Menschen – unter einem Schleier des Nichtwissens – gemeinsame Grundsätze festlegen. Nur unter dieser Voraussetzung könne Gerechtigkeit herrschen. Wie er dies genau begründet, auf all das gehe ich im zweiten Teil detaillierter ein.
2. Platons Ideenlehre
Als junger Mann adliger Herkunft begann Platon sich schon recht früh für Politik zu interessieren. Gerne wollte er im politischen Bereich Karriere machen, doch bald stellte er fest, dass er sich mit der Staatsverwaltung und den Gesetzen nicht identifizieren konnte. Da er der Meinung war, dass bei der damaligen Ausübung von Staatsgeschäften vieles drunter
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und drüber ging, wollte er sich an der Regierung eines so schlecht geführten Staates in der Praxis nicht beteiligen. Deshalb setzte er sich in der Theorie mit dieser Problematik auseinander und versuchte herauszufinden, in welcher Form sich diese politischen Zustände verbessern ließen und unter welchen Umständen Gerechtigkeit in einem Gemeinwesen verwirklicht werden könnte. So wurde aus Platon kein Politiker, sondern ein Philosoph (vgl. HÜLSER; 2005, S. 12-16).
2.1. Der Idealstaat
Da Gerechtigkeit nicht nur die Sache eines einzelnen Menschen sei, sondern auch die eines Gemeinwesens, lässt diese sich laut Platon auch am besten am Beispiel eines Staates untersuchen, an ihm könne man am effektivsten erkennen wie Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit entstehe. Deshalb lässt Platon in seinem Werk Politeia einen Idealstaat entstehen. So schließt sich der Mensch mit anderen zu einem Sozialver-band zusammen, weil er einzeln nicht autark ist und zum Überleben stets die Hilfe seiner Mitmenschen benötige. Auf-grund unterschiedlicher Talente komme es ganz von selbst zu einer Arbeitsteilung, d. h. jeder tut das, was er am besten kann und dies nicht nur aus Eigennutz, sondern auch zum Nutzen anderer. So können Berufe und ein Tausch von Waren und Dienstleistungen entstehen. Mit der Zeit entwickelt sich neben einem Binnenhandel auch ein Außenhandel.
In dieser von Platon erschaffenen Ur-Polis würden die Menschen dabei zwar auf einem bescheidenen, niedrigen materiellen Niveau leben, trotzdem würde in diesem Stadium eine völlige Zufriedenheit herrschen. Doch schon bald würden sich die Menschen auf Dauer nicht mit dem Lebensnotwendigen begnügen, sondern über das Notwendige hinausgehen und unbegrenzt Güter erwerben, um ihre gestiegenen Bedürfnisse zu befriedigen. Auch würden viele Menschen in die Stadt strö-
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men, sodass irgendwann der vorhandene Boden nicht mehr ausreichen würde, um die gestiegenen Bedürfnisse befriedigen zu können. Man würde mehr Land benötigen, Kriege wären so vorprogrammiert. Die Pleonexie, das immer mehr an Gütern haben wollen, sei laut Platon der Ursprung aller Kriege. Um sich im Falle eines Krieges verteidigen zu können und um den Idealstaat davor zu bewahren üppig zu werden, benötige man Wächter.
2.2. Philosophenherrscher und Wächter
Diese Wächter müssen einen philosophischen (weisheitliebenden) Charakter besitzen, sanftmütig zu den Mitbürgern, aber gleichzeitig bösartig gegenüber den Feinden. Dank ihres philosophischen Charakters seien nur sie in der Lage den Staat zu stabilisieren, ihn vor dem Überschreiten des Notwendigen, d. h. vor dem Üppigwerden zu bewahren (vgl. PLATON; 1980, S. 132-143).
Damit die Bewohner der Ur-Polis nicht Gefahr laufen, selbst Opfer dieser Wächter zu werden, müssen diese Wächter erzogen bzw. gebildet werden. Denn, wir erinnern uns, Wächter haben gegenüber den eigenen Bewohnern freundlich, gegenüber Fremden feindlich zu sein. Dieses gewünschte Verhalten müssten sie aber erst lernen, d. h. ihre Seelen müssten erst einmal geprägt werden.
Diese Erziehung zur Gerechtigkeit sollte mittels Gymnastik und Musik passieren. Ideale wie Tapferkeit, Besonnenheit, Weisheit und Gerechtigkeit sollten so auf diesem Wege verinnerlicht werden (vgl. PFANNKUCHE; 1988, S. 104-110). Während die körperliche Ertüchtigung den Mut stärken solle, erziele Musik eine Liebe zum Geistigen. Durch diese Art von Erziehung werde der Zögling mild, aber gleichzeitig auch hart, tapfer und besonnen (vgl. ZEHNPFENNIG; 1997, S. 98).
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Arbeit zitieren:
Daliborka Horvat, 2006, Gerechtigkeit - was ist das?, München, GRIN Verlag GmbH
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