Inhaltsverzeichnis
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I Einleitung 3
II Frankophonie im Wandel 4
II 1 Das neue Zauberwort: Diversität 4
II 2 Perspektivwechsel in der OIF 5
III Frankophonie und Osteuropa 7
III 1 Geschichte und Mythos 7
III 2 Frankreichs Mythos im Sozialismus 9
IV Frankophonie heute 11
IV 1 Wirtschaft und Politik 11
IV 2 Bildung 12
IV 3 Kultur und Medien 14
V Ausblick 15
VI Literaturverzeichnis 17
I. Einleitung
Jedes Jahr Ende Mai vollzieht sich in Europa seit mittlerweile 50 Jahren die gleiche Tradition: die Fernsehnationen sitzen vor dem Bildschirm und verfolgen gespannt den internationalen Gesangswettbewerb, den „Grand Prix d’Eurovision de la chanson“. Dass das bunte Treiben nicht nur einen hohen Unterhaltungsfaktor hat, sondern auch sprachpolitische Veränderungen innerhalb der europäischen Gemeinschaft reflektiert, wird jedoch nur sehr Wenigen bewusst. Dennoch gerade bei dem so beliebten Ritual der Punktevergabe wird es deutlich. Auf einmal ertönt es aus Bukarest „La France, 12 points“ oder aus Tirana „L’ex-république yougoslave de la Macédoine, 8
points“. Obwohl die Mehrheit der Gesangsbeiträge heute in englischer Sprache dargeboten werden, wird es hier deutlich: man spricht wieder Französisch, zumindest bei der offiziellen Punktevergabe. Dabei sind vor allem die ehemaligen sozialistischen Balkanrepubliken die Hauptakteure dieser Tendenz. Doch warum ist dies so? Wäre es nicht viel praktischer für diese Nationen, sich auf Grund wirtschafts- und machtpolitischer Entwicklungen auf die anglophone Seite zu schlagen? Bringt es denn nicht mehr Vorteile mit sich, wenn auch die Rundfunk- und Fernsehanstalten der jeweiligen Länder als positives Beispiel vorangingen, sich modern präsentierten und bei der Übertragung eines internationalen Ereignisses Englisch sprächen?
Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Frankophonie in Osteuropa beschäftigen. Wir wollen untersuchen, welchen Stellenwert die französische Sprache heute in Ländern wie Polen, Rumänien und der Republik Moldova hat? Bietet sie eine echte Alternative zum Englischen? Des Weiteren wollen wir der Frage nachgehen, welche Ziele diese Staaten mit dem Bekenntnis zur Frankophonie verfolgen? Dabei wollen wir uns nicht nur auf einen historischen Blickwinkel konzentrieren, sondern uns auch die Frage stellen, inwieweit Französisch in der heutigen Zeit in diesen Ländern präsent ist
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II. Frankophonie im Wandel
II.1 Das neue Zauberwort: Diversität
Mit den weltweiten politischen Veränderungen zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts veränderte sich auch die Struktur innerhalb der Frankophonie. War die Frankophonie in ihrer ursprünglichen Form, als Summe der frankophonen Sprecher und Länder, von einer eher demo- und geolinguistischen Sichtweise, d.h. sprachlich-kulturellen Sichtweise geprägt, mutierte sie nun immer mehr vom sprachlichen hin zum politischen Netzwerk. Daher kann die Organisation Internationale de la Francophonie (OIF) nicht mehr nur als kulturelle Institution gesehen werden. Während sie ihren Ursprüngen vornehmlich der sprachlich-kulturellen Expansion Frankreichs mit all seinen Wertvorstellungen diente, prägten nun Begriffe wie Interkulturalität, Diversität und Pluralität die Frankophonie entscheidend. Der anfängliche polyzentristische Frankophoniediskurs wich zu Gunsten eines mehr und mehr internationalen Charakters, der trotz allem immer noch auf der Solidarität der frankophonen Länder aufbaute. 1 Diese radikalen Veränderungen spiegelten sich auch auf dem fünften Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten der OIF 1993 in Mauritius wider. Man forderte „L’unité dans la diversité“ und machte dies zum eigentlichen Motto der Konferenz.
Diese radikalen Veränderungen des Selbstbildnisses der Frankophonie resultieren jedoch nicht allein nur aus dem Wegfall des Eisernen Vorhanges und der darauf neu entstehenden politischen Weltlage. Bereits 1986 hatte der damalige französische Präsident François Mitterand die Frankophonie als offizielle Stütze der französischen Außenpolitik bezeichnet. Er sprach von einer „vision mondiale“, die vor allem auf „volonté organisée“ aufbauen sollte (zitiert in: Kolboom (2004): 17). Ein Resultat dieses Umschwunges in der außenpolitischen Haltung Frankreichs war die Gründung ein eigenes Ministerium für Kultur und Frankophonie. Somit wurde die nationale, französische Souveränität Frankreichs innerhalb der Frankophonieorganisation immer mehr zurückgebaut und zu Gunsten einer Vernetzung der
1
Vgl. hierzu auch Kolboom (2004): 16.
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Interessensgebiete der einzelnen frankophonen Mitgliedsstaaten aufgegeben. Man repräsentierte nun quasi eine Kulturregion mit wirtschaftlichen, technologischen Interessen, die sich zwar noch im Ansatz der Pflege der französischen Sprache und der frankophonen Kultur verschrieb, sich jedoch mehr und mehr als „global player“ - als globalpolitischer Akteur - und gleichrangig mit anderen internationalen Organisationen 2 sah. Die Sprache, die ursprünglich als identitätsstiftendes Band fungierte, wurde mehr und mehr zur Nebensache.
II.2 Perspektivwechsel in der OIF
Wie wir bereits dargestellt haben, entwickelte sich die Frankophonie von einer anfänglichen kulturellen Idee, d.h. den frankophonen Raum zu repräsentieren, mehr und mehr zu einem internationalen Gefüge mit politischem Charakter. Diese Tendenz wird auch im inneren Aufbau der Organisation Internationale de la Francophonie mit Beginn der 1990er Jahre immer deutlicher. Mit dem Ende des Kalten Krieges beginnt gewissermaßen die Neusortierung der bis dahin in militärischen Blöcken fest gefügten Welt. Internationale Beziehungen müssen nun völlig neu definiert und initiiert werden. Die ehemaligen Ostblockstaaten wie Polen, Ungarn, Rumänien oder Bulgarien durchlaufen einen Demokratisierungsprozess und müssen sich an die veränderte weltpolitische Lage anpassen und nach neuen Verbündeten suchen. Mit dem Wegfall des Warschauer Paktes wuchs gleichzeitig der angloamerikanische Einfluss in der Welt. Diese Entwicklung wurde nicht nur in politischer, sondern auch in kultureller und sprachlicher Hinsicht deutlich. Frankreich verlor nicht nur mehr und mehr politischen Einfluss vor allem in Europa, sondern auch das Französische wurde als internationale Kommunikations- und Handelssprache durch das Englische immer mehr verdrängt.
Die Frankophonie sah sich folglich zum Handeln gezwungen. Wie bereits dargestellt, erkannte man schon frühzeitig, dass ein Perspektivwechsel von Nöten war. Durch die Aufnahme von ehemaligen sozialistischen Ländern,
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Hier sind beispielsweise vor allem das Commonwealth of Nations, die G8-Staaten oder auch die Arabische Liga zu nennen.
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Arbeit zitieren:
Constanze Ackermann, 2006, Francophonie in Osteuropa, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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