II
Inhaltsverzeichnis
1. Entdeckendes Lernen eine Definition 1
2. Entdeckendes Lernen als Methode von BRUNER 3
3. Aspekte entdeckenden Lernens 8
4. Der Beginn eines entdeckenden Lernprozesses: Eine Frage finden 9
5. Der Lernprozess: Lernen etwas herauszufinden das Sinn macht 11
6. Anforderungen an die Schüler 12
7. Anforderungen an den Lehrer 13
8. Begründungen für entdeckendes Lernen 15
9. Umsetzung in die Praxis Organisation 17
10. Literaturverzeichnis 20
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1. Entdeckendes Lernen – eine Definition?
In der einschlägigen Literatur finden sich viele, auch von einander abweichende Definitio- nen zum Begriff entdeckendes Lernen. Eine Erklärung sieht HARTINGER darin, „dass ent- deckendes Lernen, verstanden als Lernprozess von Schülern, in verschiedenen Lehr- Lern- formen realisiert wird.“ (HARTINGER 2001, S. 133).
In seinem Resümee schreibt HARTINGER schließlich: „Auf der einen Seite gibt es nur sehr wenige aktuelle Studien und neue systematische Beträge zum entdeckenden Lernen. Auf der anderen Seite existieren sehr viele Unterrichtsvorschläge, die mit dem Schlagwort ent- deckendes Lernen versehen werden. [...]. Diese Beiträge beziehen sich auf nahezu sämtli- che Fächer der Grundschule“ (HARTINGER 2001, S. 134). Bei diesen Unterrichtsvorschlä- gen liege, genau wie in einigen Büchern zum Thema entdeckendes Lernen, selten eine kla- re und differenzierte Verwendung des Begriffes der Entdeckung zugrunde. (vgl. HARTIN-
GER 2001, S. 134). Trotzdem bezeichnet Hartinger diese Beiträge als „fast durchwegs [..].
innovativ“ (HARTINGER 2001, S. 134).
Auch mir ist aufgefallen, dass in einigen Unterrichtsbeispielen der Entdeckungsakt, so wie ihn COPEI als erster beschrieb, nur schwer oder auch überhaupt nicht auszumachen ist.
COPEI (1927) ist zufällig bei einem Klassenausflug auf das Prinzip des Entdeckens gesto-
ßen. Einige Kinder seiner Klasse machten bei dem Versuch eine Milchdose zu öffnen in diese ein Loch und bemerkten, dass keine Milch heraus floss. Hier liegt für die Schüler eine problemhaltige Situation vor. In meinem Referat habe ich diesen Moment auch als Moment des Entdeckens bezeichnet. Wagenschein beschreibt in diesem Zusammenhang die „Produktive Verwirrung“ (Wagenschein 1986) um Selbstverständliches und verfestigte Alltagsvorstellungen in Frage zu stellen als wertvolle Motivation (vgl. WEIDMANN, Hand- out, 2001).
Ich denke eine problemhaltige Situation dieser Art führt auch zu Verwunderung und Neu- gier. Genau dies bemerkte ich selbst, als ich einer Freundin von Copei und der Sache mit der Milchdose erzählte. Sie zeigte sich überrascht und verwundert darüber, dass aus einer Milchdose mit nur einem kleinen Loch keine Milch heraus fließt. Sofort wollte sie wissen, wieso dies so ist.
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Ähnlich erging es wohl auch Copeis Schülern. Bei den Kindern wurden Fragen aufgewor- fen. Sie entwickelten eigene Lösungstheorien und schlugen Methoden vor, wie man dem Problem auf dem Grund gehen könnte.
Heute glaube ich, dass es noch einen zweiten Moment des Entdeckens bei dieser Sache gibt, nämlich den Moment, indem die Schüler merken, dass Milch herausfließt, wenn ein zweites Loch in die Milchdose gestochen wird.
An dieser Stelle möchte ich nun eine erste einfache Definition für entdeckendes Lernen in der Grundschule nennen, die Herr WEIDMANN in einem Seminar diktierte:
„Kinder sollen durch die Bearbeitung einer problemhaltigen Situation selbständig Metho- den und Fakten entdecken. Danach werden die Fakten gemeinsam zusammengetragen“ (WEIDMANN, 2001). Natürlich ist es auch von Bedeutung, im gemeinsamen Gespräch die Methoden, also den Weg der Erkenntnis, zu diskutieren.
Eine Definition für entdeckendes Lernen von HARTINGER lautet: „Als entdeckendes Lernen wird ein Lernen bezeichnet, bei dem sich Schüler/Innen weitgehend selbständig mit Sach- verhalten des Unterrichts beschäftigen, eigenständig Probleme lösen, damit Lösungen und Lerninhalte selbst ergründen und so neue kognitive Strukturen aufbauen“ (HARTINGER 2001, S. 330).
Schon in der Reformpädagogik wurde die Selbsttätigkeit des Kindes betont, die eine Grundvoraussetzung für entdeckendes Lernen ist (vgl. TERHART 1989).
Der Reformpädagoge GAUDIG (1860-1923) forderte bereits, der Lehrer müsse darauf hin- arbeiten, dass der Schüler selbst Methode hat. Diese Forderung wird beim entdeckenden Lernen erfüllt. So meint TERHART, neben neuem Wissen und neuen Fähigkeiten werde beim entdeckenden Lernen auch ein Wissen entwickelt, wie man in offenen, problemhalti- gen Situationen mit vorhandenem Wissen und Fähigkeiten umgehen kann (vgl. TERHART 1989). Das heißt doch, dass beim entdeckenden Lernen das entdeckende Lernen selbst ge- lernt wird. Es werden Methoden erlernt, die bei dieser Lernweise benötig werden.
Für TERHART geht es beim entdeckenden Lernen darum, „über das dargebotene Material hinaus eigenständige Erkenntnisse zu bilden“ (TERHART 1989).
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Diesen „Prozess-des-über-die-gegebene-Information-Hinausgehens“ bezeichnet TERHART als Problemlösungsprozess. Dieser Prozess stellt schon bei BRUNER, dem eigentlichen Be- gründer entdeckenden Lernens, ein zentrales Charakteristika des Lernprozesses dar. Er verwendet hierfür den Begriff der Transformation.
2. Entdeckendes Lernen als Methode von Bruner
Erst seit 1970 gewann der im vorigen Kapitel schon erwähnte Gedanke der selbständigen Schülertätigkeit unter der Bezeichnung „entdeckendes Lernen“ neue Aktualität, allerdings nicht als Wiederentdeckung reformpädagogischer Konzepte, sondern als Reaktion auf die Entwicklungen in der Lernpsychologie. In den 70er Jahren vollzog sich die kognitive Wende der Psychologie und mit ihr fand ein Paradigmenwechsel statt - weg vom Behavio- rismus und hin zur Kognitionstheorie.
„Lehrmethoden, die auf behavioristischen Überlegungen basieren, setzen den Schwerpunkt auf die möglichst optimale Gestaltung der Lernumgebung, da sie das Verhalten des Ler- ners als durch die Reize der Umwelt determiniert erachten“(HARTINGER 2001, S. 331). Da Lernen nach dieser Theorie nur eine Reaktion auf äußere Reize darstellt, liegt dem Be- haviorismus eine passive Vorstellung von Lernen zugrunde.
„Kognitionstheoretisch ausgerichtete Lernmodelle [..] sehen den Lernprozess als Aktivität, die durch die lernende Person selbst gesteuert wird “(HARTINGER 2001, S. 331).
„Bruner (der Begründer des Begriffs entdeckendes Lernen) grenzt sich vom mechanischen Lern- und Verhaltensbegriff des Behaviorismus ab. Ihm geht es darum, die Schüler zu selbständigem Denken und Handeln zu befähigen“ (TERHART 1989, S. 144).
Er vertritt die Position des entdeckenden Lernens, indem er Forschungsresultate anführt, die Vorteile entdeckenden Lernens belegen sollen. Nun zu den vier von Bruner postulier- ten Vorteilen entdeckenden Lernens:
„1. Der Zuwachs an intellektueller Potenz,
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2. der Übergang von extrinsischen zu intrinsischen Belohnungen,
3. das Erlernen der heuristischen Methode des Entdeckens und
4. die Hilfe für die Verarbeitung im Gedächtnis.“
(BRUNER 1931, S. 17)
Letzteres meint, dass entdeckendes Lernen das Behalten des Gelernten fördert.
HARTINGER ist jedoch, genau wie NUSSBAUMER und EINSIEDLER, der Ansicht, dass sich
diese vier Thesen in empirischen Studien nicht global belegen lassen. Da in verschiedenen Untersuchungen unterschiedliche Formen entdeckenden Lernens untersucht wurden, seien die Ergebnisse nicht immer vergleichbar (vgl. HARTINGER 2001, S. 333).
Trotzdem finden sich die einst von BRUNER postulierten Vorteile in der neueren Literatur immer wieder, auch ohne Verweis auf ihn. So schreibt WEIDMANN in einem Seminarhand- out dem entdeckenden Konzept die Förderung intrinsischer Motivation zu. In allen Texten, die ich bis jetzt über entdeckendes Lernen gelesen habe (siehe Literaturverzeichnis), wird die Ansicht vertreten, dass entdeckendes Lernen am besten durch entdeckendes Lernen selbst gelernt wird.
„Bruner hat keine systematische Theorie seines >discovery learning < entwickelt. Er hat vielmehr (...) die These des zentralen Stellenwerts selbständiger geistiger Aktivität für schulisches Lernen vertreten“ (EICKHORST 1998, S. 142).
So schreibt auch NEBER (1981, S. 13): “ Bruner selbst entwickelte [...] kein in Schulen rea- lisierbares Programm für die von ihm geforderten Lehr- und Lernprozesse.“
„Kann der innere Aufbau der kognitiven Struktur des Lernenden auf dem Wege des Entde- ckens vor sich gehen, so Bruners Postulat, gelingt es diesem eher eine allgemeine Prob- lemlösefähigkeit auszubilden“ (EICKHORST 1998, S. 142).
Die im Vorangehenden schon erwähnte intrinsische Motivation legt nach Bruner die Er- wartung nahe, dass der Lernende sich auch künftig geistigen Anforderungen gegenüber aufgeschlossen halten wird und seine Lernaktivitäten nicht primär von äußeren Bedingun- gen (wie Lob und Tadel) abhängig macht (vgl. EICKHORST 1998, S. 142).
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Jochen Bender, 2003, Entdeckendes Lernen - Entstehung, notwenige Voraussetzungen und Kompetenzen, Praxis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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