3
Termin des Referats: 16.07.99
,QKDOWVYHU HLFKQLV
,1 /769(5 (, 1,6
(,1/(,781
,1 /76 1 (('(55129(//((
KAPITEL 1 5
KAPITEL 2 5
KAPITEL 3 5
KAPITEL 4 6
KAPITEL 5
856 (1181' (11 (, (1192116(/ 67',6 ,3/,1 (,
867 999211 6 (1
8158 (,00/( (119211 867 999211 6 (1
URSACHEN UND KENNZEICHEN INNERER UNRUHE 8
ÄUßERE UNRUHE BEI ASCHENBACH UND IN SEINER UMWELT 9
( (1h (567(//81 9216(/ 67',6 ,3/,1181'8158 (
',((1(8((36 2/2 ,(9211 (50 11 5
AUSSAGEN DER NEUEN PSYCHOLOGIE 12
ÜBERTRAGUNG DER THEORIEN BAHRS AUF DEN „TOD IN VENEDIG“ 13
6 /866 (0(5.81
/,7(5 7859(5 (, 1,6
PRIM ÄRLITERATUR: 16
SEKUND ÄRLITERATUR: 16
4
(LQOHLWXQJJ
„Man denke sich den folgenden dichterischen Charakter. Ein Mann, edel und leidenschaftlich, aber auf irgendeine Weise gezeichnet und in seinem Gemüt eine dunkle Ausnahme unter den Regelrechten, [...] einsam, ausgeschlossen vom Glücke, von der Bummelei des Glücks und ganz und gar auf die Leistung gestellt. Gute Bedingungen, das alles, um die ‚Lieblinge‘ zu überflügeln, welche die Leistung nicht nötig haben; gute Bedingungen zur Größe. Und in einem harten, strengen und schweren Leben wird er groß, verrichtet öffentlich ruhmvolle Dinge, wird mit Ehren geschmückt für seine Vierdienste, - bleibt aber in seinem Gemüt eine dunkle Ausnahme, sehr stolz als ein Mann der Leistung, aber voller Mißtrauen in sein menschliches Teil und ohne Glauben daran, daß man ihn lieben könne. Da tritt ein junges Weib in sein Leben [...]“ 1
Hier gerät der aufmerksame Leser ins Stutzen. Erwartet er doch bei dieser scheinbar auf Gustav von Aschenbach aus Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ zutreffenden Beschreibung einen Hinweis auf den Jüngling Tadzio. Gemeint ist in diesem Fall jedoch Othello aus William Shakespeares gleichnamigem Drama.
Ich werde mich im Rahmen meiner Arbeit jedoch damit auseinandersetzen, wie „Gustav von Aschenbach zwischen Selbstdisziplin und Unruhe“ im „Tod in Venedig“ erscheint. Nach einer kurzen Inhaltsübersicht versuche ich grob die Entwicklung der beiden Charakteristikmerkmale im Laufe der Novelle herauszustellen, und zu belegen, inwiefern sich Unruhe und Selbstdisziplin bei Aschenbach selbst und in dessen Umwelt zeigen.
Da vor allem die Unruhe sich zuweilen als nervlich bedingtes Leiden äußert, und auch im Seminar das Thema „Nervosität und Literatur“ behandelt wurde, werde ich schließlich noch auf den Begriff der Nerven, behandelt in der neuen Psychologie bei Hermann Bahr, eingehen und Vergleiche zum „Tod in Venedig“ herstellen.
1 Mann, Thomas: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden. Frankfurt a. M.: S. Fischer 1974. Band 10.
S. 51.
5
,QKDOWVDQJDEHGHUU1RYHOOHH
.DSLWHO
Der 50jährige renommierte Schriftsteller Gustav von Aschenbach macht Anfang Mai von seiner Münchner Wohnung aus einen Spaziergang, weil ihn eine innere Unruhe daran hindert, seinen üblichen Mittagsschlaf abzuhalten. Auf seinem Rückweg vom Nördlichen Friedhof bemerkt er einen Mann, „dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab.“ 2 Das Äußere des Fremden mit den Wanderattributen wie Basthut, Rucksack und Stock weckt bei Aschenbach Fernweh, zumal er gegenwärtig eine Überreizung durch sein Schriftstellertum spürt. Ein Tagtraum läßt ihn in eine chaotische Urwaldlandschaft versinken und als er wieder aufwacht, ist der merkwürdige Fremde verschwunden.
.DSLWHO
Hier werden Informationen über Leben und Werk des Schriftstellers gegeben. Für den aus einer gut gestellten Familie kommenden Aschenbach war Leistung und Ruhm bereits in jungen Jahren oberste Priorität. „Er hat verschiedene literarische Strömungen mit seinem Werk durchlaufen, bis er zu einer Form des Klassizismus findet, die ihn sogar zum Schulbuchautor hat werden lassen.“ 3
.DSLWHO
Zwei Wochen nach der Begegnung mit dem Fremden tritt Aschenbach seine Reise an, die ihn zuerst nach Triest und Pola führt. Letzten Endes zieht es ihn aber nach Venedig, wo er früher bereits logierte. Auf seinem Weg dorthin begegnet er mehreren befremdlichen Gestalten, im Hotel zum ersten Mal dem polnischen Jungen Tadzio, von dessen makelloser Schönheit er begeistert ist. Erste Abreisegedanken, hervorgerufen durch fauligen Geruch der Lagune, werden beim Anblick des Jungen jedoch verworfen. Später kommt es aus gleichem Grund trotzdem zur Abfahrt, Aschenbach wird durch glückliche Umstände allerdings wieder ins Hotel zurückgeleitet. Dort gesteht er sich ein, wegen Tadzio so schweren Abschied habe nehmen zu müssen.
2 Mann, T. (1913), S. 11.
3 Große, W. (1996), S. 46.
6
.DSLWHO
Davon überzeugt, noch längere Zeit in Venedig zu verleben, verbringt Aschenbach einen Großteil seiner Zeit damit, sich in der Nähe des Jungen Tadzio aufzuhalten. Dieser ist auch Anlaß für den Dichter, „jene anderthalb Seiten erlesener Prosa“ 4 niederzuschreiben. Schlüsselerlebnis im vierten Kapitel ist ein gegenseitiges Anlächeln, für Aschenbach ein Anlaß zur Äußerung „Ich liebe dich!“ 5
.DSLWHO
Die Hinweise auf eine Epidemie in Venedig verdichten sich. Aschenbach stellt Tadzio mittlerweile schon nach und beläßt es nicht mehr bei Zufallsbegegnungen. Ein Traum vom Gott Dionysos veranlaßt Aschenbach, sich einer Verjüngungskur zu unterziehen. Als er eines Tages Tadzio am Strand beobachtet, ist Aschenbach nicht wohl und er stirbt.
8UVDFKHQQXQGG.HQQ]HLFKHQQYRQ6HOEVWGLV]LSOLQEHLLLLLLLL *XVWDYYRQQ$VFKHQEDFKK
„Schon als Jüngling von allen Seiten auf die Leistung - und zwar die außerordentliche - verpflichtet, hatte er niemals den Müßiggang, niemals die sorglose Fahrlässigkeit der Jugend gekannt.“ 6 Gleich zu Anfang des zweiten Kapitels - eigentlich die Merkmale der Exposition beinhaltend - wird auf den wesentlichen Charakterzug Aschenbachs, die Selbstdisziplin, eingegangen, der sich die ganze Novelle durchzieht, wenn auch ein Verfall jener zu beobachten ist. Doch dazu später mehr.
Gehrke und Thunich bestätigen oben genanntes Zitat, indem sie feststellen, „Aschenbach ist es nicht vergönnt gewesen, ein ‚richtiger Schulbub‘ mit Klassenkameraden, lustigen Streichen und auch einmal einer handfesten Prügelei zu sein.“ 7 Die Erklärung für diese Isolation Aschenbachs liefert Mann in seiner Novelle: „Ärztliche Fürsorge hatte den Knaben vom Schulbesuch ausgeschlossen und auf
4 Mann, T. (1913), S. 91.
5 Ebd., S. 101.
6 Ebd., S. 21.
7 Gehrke, H.; Thunich, M.(1985), S.53.
Arbeit zitieren:
Florian Schaffelhofer, 1999, Gustav von Aschenbach zwischen Unruhe und Selbstdisziplin in Thomas Manns "Tod in Venedig", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Entwicklung Gustav von Aschenbachs und seines Künstlertums in Thom...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 31 Seiten
Existentielle künstlerische Problematik in Thomas Manns -Der Tod in Ve...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 26 Seiten
Die Unvereinbarkeit des Bürgertums mit der Künstlerexistenz dargestell...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Roland Schimmelpfenning - "Die Frau von früher"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Rezension / Literaturbericht, 8 Seiten
Vergleichende Analyse von Roland Schimmelpfennigs Dramen "Vorher/...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Thomas Manns: "Der Tod in Venedig" - Schauplätze und Motive ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Das Leitmotiv Tod im 'Tod in Venedig' von Thomas Mann
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 20 Seiten
Das Motiv des Todes in Thomas Manns Novelle 'Der Tod in Venedig...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Leserirritationen im Zeichennetzwerk - Literaturwissenschaftliche Über...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 26 Seiten
Der Künstler als Lebensform im Frühwerk Thomas Manns am Beispiel "...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Leitmotive 'Krankheit und Tod' in Thomas Manns 'Tod in...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur: Gustav von Aschenbach zwischen Unruhe und Selbstdisziplin in Thomas Manns "Tod in Venedig" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Schaffelhofer hat den Text Gustav von Aschenbach zwischen Unruhe und Selbstdisziplin in Thomas Manns "Tod in Venedig" veröffentlicht
Florian Schaffelhofer hat einen neuen Text hochgeladen
Thomas Mann Doktor Faustus das fehlgeleitete deutsche Genie
Eine politische Analyse der Ha...
Friedrich Wambsganz
"... und vor allem: die Widmung!" Gedruckte Widmungen von und für Tho...
Eine bibliographische Studie
Dirk Heißerer
Psychotherapie mit Männern
Wolfgang Neumann, Björn Süfke, Luitbert von Haebler
0 Kommentare