Inhaltsverzeichnis
1.Abkürzungsverzeichnis 3
2.Einleitung 4
3.Sexualität, Ehe und Geschlechterdiskurs im Mittelalter 5
4.Erotische Elemente in der Hohen Minne - Die besondere Stellung des
Tageliedes im Minnesang. 6
5.Erotische Momente in Wolfram von Eschenbachs Tagelied sîne klâwen 8
6.Schlussgedanke 12
7.Literaturverzeichnis 13
2
1 Abkürzungsverzeichnis
Anm. = Anmerkung
Tagelied IV = Wolfram von Eschenbach: Sine klawen. In: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mhd./Nhd. Ausgewählt, übersetzt und kommentiert von Martina Backes. Stuttgart 1992. S. 90 ff. Tagelied V = Wolfram von Eschenbach: Von der zinnen. In: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mhd./Nhd. Ausgewählt, übersetzt und kommentiert von Martina Backes. Stuttgart 1992. S. 94 ff. Tagelied VI = Wolfram von Eschenbach: Ez ist nu tac. In: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mhd./Nhd. Ausgewählt, übersetzt und kommentiert von Martina Backes. Stuttgart 1992. S. 98 ff.
3
2 Einleitung
„Abschied ist die innigste Weise menschlichen Zusammenseins“ 1
Dieser Darstellung inniger körperlicher Zuneigung beim Abschied von der heimlichen Liebe möchte ich mich in der folgenden Ausführung zuwenden. Anhand der Themen Erotik, dem Verhältnis zwischen Mann und Frau und dem Verständnis von Sexualität, Sinnlichkeit und Körperlichkeit im Mittelalter möchte ich in der vorliegenden Arbeit Wolfram von Eschenbachs Tagelied sîne klâwen 2 entlang der Entwicklung vom Morgengrauen bis hin zum Abschied analysieren.
Ziel der Seminararbeit soll es sein, die Darstellung erotischer Liebe unter Berücksichtigung des historischen Kontextes möglichst umfassend zu deuten.
Hierzu möchte ich zunächst einen kurzen Exkurs auf die Stellung der Sexualität im höfischen System des Mittelalters geben, da dies dem Verständnis der weiteren Ausarbeitung dient. Das darauffolgende Kapitel werde ich dann eingehend der Gattung Tagelied widmen und den Versuch unternehmen, diese unter erotischen Gesichtspunkten auf ihre besondere Stellung im Minnesang zu untersuchen und zum Ausgangspunkt der Interpretation des ausgewählten Tageliedes machen. Der vierte Abschnitt umfasst die inhaltliche Analyse von Wolfram von Eschenbachs sîne klâwen, welches aufgrund der zahlreichen Aspekte bezüglich Erotik und Sexualität exemplarisch ausgewählt wurde.
Der Inhalt muss dabei als bekannt vorausgesetzt werden, da im Rahmen dieser Hausarbeit kein Abdruck des Liedes oder einer vollständigen Übersetzung erfolgen kann. Lediglich die für die Analyse wichtigen Passagen werden im Verlauf der Ausführung wiedergegeben und übersetzt. Abschließend möchte ich im letzten Teil ein kurzes Resümee über die gewonnenen Erkenntnisse ziehen.
Da nur sehr vage Quellen über das Leben Wolfram von Eschenbachs existieren, möchte ich auf biographische Spekulationen verzichten und meine Ausarbeitung weitgehend textimmanent auf die erotischen Aspekte beschränken.
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle lediglich, dass Wolfram von Eschenbach vermutlich von ca. 1190 bis 1220 n. Chr. in Mittelfranken lebte. Herkunft und Stellung sind, bis auf die Tatsache, dass er ein relativ unvermögender Ritter war, nicht vollständig geklärt. Mit seinen Epen „Parzival“, „Willehalm“ und „Titurel“ sowie seinen neun überlieferten Liedern, von denen fünf der Gattung des Tageliedes zugeordnet werden können, zählt er zu den „zwölf alten Meistern“ des Minnesangs. 3
1 Hans Kudszus zit. n. Wapnewski, Peter 1972: S.90.
2 Seine Klauen
3 zu Leben und Werk Wolframs von Eschenbach vgl. Bumke, Joachim 2004.
4
3 Sexualität, Ehe und Geschlechterdiskurs im Mittelalter
Entgegen unserem heutigen Umgang mit Erotik war das Sexualleben bis zu Beginn des hohen Mittelalters vermutlich viel freizügiger.
Eine zunehmende Selbstkontrolle und Reduktion der Sexualität auf den Intimbereich entwickelte sich nach der Analyse von Norbert Elias zunächst in den höfischen Kreisen, welche sich durch diese Affekt-und Triebkontrolle gegenüber den unteren Schichten abgrenzen wollten. Anhand empirischen Untersuchungen belegt Elias diesen „Prozess der Zivilisation“, der äußere Verbote aufkommen lässt, die sich später durch eine umfassende Persönlichkeitsmodellierung zu einem inneren Zwang wandeln. 4 Die Geistlichen begannen damit, Sexualität, zu etwas Sündhaftem und Unnatürlichen abzuwerten, das lediglich innerhalb der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung und ohne jegliches Empfinden von Lust vollzogen werden sollte.
Nach kirchlichem und höfischem Verständnis sowie nach germanischem Recht galten vorehelicher Geschlechtsverkehr und Ehebruch, insbesondere von Seiten der Frau als schwere Vergehen. 5 (In der Bamberger Halsgerichtsordnung blieb die Tötung der Frau nach solchen Straftaten selbst im 16. Jh. noch ohne erhebliche Konsequenzen. 6 ) Inwieweit diese Normen jedoch befolgt wurden, ist unklar. So existieren z.B. sogenannte Bußbücher, in denen sexuelle Praktiken beschrieben sind. Über die Häufigkeit solcher Vorkommnisse erfahren wir jedoch nichts.
Die Ehe wurde entgegen unserem heutigen Verständnis selten aus Liebe geschlossen, sondern diente vielmehr der Erhaltung des Standes und der Zeugung von Nachwuchs, in einer Gesellschaft, die Frauen als labil, in Versuchung führend, von Natur aus minderwertig und widerspenstig ansah. Eine Bändigung sollte zunächst durch den Vater und später durch den Ehemann erfolgen. 7 Sowohl die Ehe als auch die Stellung der Frau sollten jedoch stets differenziert betrachtet werden, da sowohl Zeugnisse von Gewalt und Hass, als auch echter, liebevoller Zuneigung und Akzeptanz der Frau vorliegen.
4 Vgl. Elias, Norbert 1976: S. 65 ff.
5 Vgl. Duby, Georges 1989: S. 15 ff. 6 Vgl. Denzler, Georg 1988 S. 259. 7 Vgl. Huizinga, Johan 1975: S.194.
5
Arbeit zitieren:
Sabrina Dahlheimer, 2006, Erotik im Tagelied - Eine exemplarische Darstellung anhand Wolframs von Eschenbach sine klawen, München, GRIN Verlag GmbH
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