Inhaltsverzeichnis
1.1 Einleitung
2.1 Die sozialökologische Perspektive
2.2 7 Grundannahmen der sozialökologischen Perspektive
2.2.1 Die Wechselwirkung
2.2.2 Abstimmung Person:Umwelt
2.2.3 Lebensbelastungsfaktoren, Stress, Stressbewältigung
2.2.4 Beziehungsfähigkeit, Kompetenz, Selbstwertgefühl,
Selbststeuerung
2.2.5 Vulnerabilität, Unterdrückung, Machtmissbrauch
2.2.6 Habitat/ Nische
2.2.7 Der Lebenslauf
3.1 Das „ Life Model“
3.2.1 Integrierte Modalitäten
3.2.2 Die professionelle Funktion
3.2.3 Die Ethik der Praxis
3.2.4 Bedeutung sozialer und materieller Umwelt
3.3.1 Die Klient - Sozialarbeiter Beziehung
3.3.2 Einvernehmliche Übereinkünfte
3.3.3 Stärken der Person / des Kollektivs
3.3.4 Hervorhebung des Klienten und dessen
Entscheidungsbildung
3.3.5 Beachtung der Einmaligkeit der Biografie
3.4 Evaluation der Praxis
4.1 Schluß
5.1 Literaturangabe
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1.1 Einleitung
Zentrales Thema dieser Arbeit ist die Darstellung der sozialökologische Perspektive in der Sozialen Arbeit.
Carel B. Germain und Alex Gitterman haben 1983 ihr Werk „ The Life Model of Social Work Practice“ veröffentlicht; auf Basis der von Ihnen dort fixierten Grundgedanken werde ich die Darstellung der sozialökologischen Sichtweise vornehmen.
Literaturgrundlage hierfür ist die nunmehr dritte und völlig neu bearbeitete Auflage dieses Klassikers des Theoriegebäudes Sozialer Arbeit.
Bei der sozialökologischen Perspektive handelt es sich um eine Betrachtung, welche ihren Fokus auf die einzelne Person / Familie / Gruppe in seinen/ ihren gegebenen Lebensverhältnissen richtet.
Diese spezifische Betrachtung sucht den Anknüpfungspunkt für die sozialarbeiterische Intervention sowohl in den gesellschaftlich bestimmten Lebensverhältnissen als auch im Verhalten des / der Klienten.
Ziel ist es, ein Hilfeverständnis aus der subjektiven Situation des Klienten und dessen gegebenen Lebenszusammenhängen in Kooperation mit dem Klienten zu entwickeln; also die Ausrichtung des Hilfeprozesses auf das Leben und dessen Wachstums- und Entwicklungsprozesse.
Diese spezielle Betrachtungsweise fußt konzeptuell auf 7 Grundannahmen - diese werde ich in Kapitel 2 dieser Arbeit in verkürzender Weise darstellen und so den Verständnisrahmen für die von Germain und Gitterman vorgeschlagene sozialökologische Betrachtung skizzieren. Leitende Fragestellungen sind in diesem Zusammenhang, aus welchen theoretischen Elementen sich die sozialökologische Perspektive in der Sozialen Arbeit zusammensetzt; ob und inwiefern sich die komplexe und widersprüchliche Lebensrealität von Personen / Familien / Gruppen durch theoretische Grundannahmen nachzeichnen und verstehen lässt ? Wo liegen konzeptuelle Stärken und Schwachpunkte der sozialökologischen Perspektive ?
Das„ Life Model“ ist als Verständnis- und Handlungsmodell für die Soziale Arbeit in den frühen 1980er Jahren von Carel B. Germain und Alex Gitterman entwickelt worden.
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Es stellt eine Handlungspraxis im Rahmen der sozialökologischen Betrachtungsweise sozialer Problemlagen bereit - und ermöglicht somit den Transfer von strukturierender theoretischer Vorüberlegung in praktische Hilfeleistung.
Das „ Life Model“ findet als zweiter Interessensschwerpunkt in Kapitel 3 Berücksichtigung. Ich führe in den Kapiteln 3.2.1 bis 3.3.5 eine nähere Betrachtung der verschiedenen Elemente, die die Praxis des „ Life Model“ charakterisieren, durch.
In meiner Darstellung unterscheide ich hierbei im Sinne der Sozialökologischen Perspektive zwischen Merkmalen des „ Life Model“, welche sich auf subjektbezogene Aspekte richten ( Kapitel 3.2.1 bis 3.2.4 ) und zwischen Merkmalen des „ Life Model“, welche sich auf gesellschaftliche, umweltbedingte Aspekte richten ( Kapitel 3.3.1 bis 3.3.5 ). Die Evaluation des Hilfeprozesses klammere ich aus dieser Unterscheidung aus und füge sie in Kapitel 3.4 ergänzend an.
Dabei beschränke ich mich bewußt auf eine knappe Vorstellung der wesentlichen Grundgedanken.
Zentrale Frage bezüglich des „ Life Model“ sind, inwiefern Germain / Gitterman mit ihrem Theorieentwurf ihren an die Handlungstheorie gerichteten Anspruch des sozialarbeiterischen Einwirkens auf die Person und die gesellschaftlichen Lebensbedingungen einlösen. Wie und in welchen Elementen der von Germain / Gitterman genannten Charakteristika der Praxis des „ Life Model“ drückt sich die Hinwendung Sozialer Arbeit zur Kritik und Veränderung gesellschaftlicher Lebensumstände und Existenzbedingungen Einzelner aus?
Abschließend werde ich die hier formulierten Fragen in einem Schlußteil beantworten.
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2.1 Die sozialökologische Perspektive
Germain / Gitterman beziehen sich mit ihrer Handlungstheorie des „ Life Model“ auf die sozialökologische Betrachtungsweise.
Ökologie wird in diesem Zusammenhang als Metapher benutzt; und zwar im doppelten Sinne: Zunächst wird die materielle Umwelt metaphorisch eingeschlossen: die natürliche Welt, die von Menschen gestalteten Lebensverhältnisse, infrastrukturelle Gegebenheiten, die Rhythmen der Umwelt und der menschlichen Biologie.
Des Weiteren beziehen Germain / Gitterman Ökologie auf das soziale Setting: Freundschaften, Zweierbeziehungen, Familie, soziale Netzwerke, Organisationen, Institutionen, Gemeinden sowie politische, ökonomische, juristische, soziale und kulturelle Strukturen von Gesellschaft.
Maßgeblich ist die ganzheitliche ( holistische ) Sichtweise: Demzufolge „ ..können Menschen ( und ihre biologischen, psychischen und sozialen Prozesse ) und ihre materielle und soziale Umwelt ( und die Charakteristika dieser Umwelt ) nur im Gesamtkontext aller Wechselbeziehungen zwischen ihnen voll verstanden werden, wobei Individuen, Familien und Gruppen sowie materielle / soziale Umweltbedingungen ununterbrochen die Wirkungen aller jeweils anderen beeinflussen.“ ( Carel B. Germain / Alex Gitterman, Praktische Sozialarbeit, S.6 ) Hier wird die systemtheoretische Fundierung des sozialökologischen Ansatzes deutlich. Vorauszuschicken ist ebenfalls, dass dem sozialökologischen Verständnis eine adaptive Sicht der Entwicklung des Menschen zugrunde liegt. Menschliches Verhalten im komplexen Spannungsfeld von Anlage und Umwelt zu verstehen wird von Germain / Gitterman als von zentraler Wichtigkeit für soziale Arbeit benannt.
Germain / Gitterman nennen 7 Grundannahmen der ökologische Perspektive der Sozialen Arbeit. Diese bilden die theoretische Grundlage der Praxis des Life Models. Ich werde im folgenden diese 7 Grundannahmen kurz vorstellen.
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2.2 Die 7 Grundannahmen der sozialökologischen
Perspektive
Die 7 Grundannahmen des sozialökologischen Konzeptes sind 1. Die Wechselwirkung; 2. Das Aufeinander-Abgestimmtheit von Person:Umwelt, im speziellen Anpassungsfähigkeit und Anpassung; 3. Lebensbelastungsfaktoren, Streß und Stressbewältigung; 4. Bezogenheit, Kompetenz, Selbstkonzept, Selbstwertgefühl, Selbststeuerung; 5. Vulnerabilität, Unterdrückung, Machtmissbrauch sowie soziale/ technologische Verelendung; 6. Das Habitat / Die Nische; 7. Der Lebenslauf.
2.2.1 Die Wechselwirkung
Sozialökologisches Denken ist auf Ganzheitlichkeit und Reziprozität ausgerichtet. Dies impliziert, dass Wirkungen einer Handlung sowie Wechselwirkungen ausgehend von einer Handlung von Interesse sind - nicht so sehr ihre Ursache. Die beiden Autoren schlagen in diesem Sinne vor, die Konzentration auf die Veränderung maladaptiver ( also schlecht-/nichtpassender ) Beziehungen zwischen Person und Umwelt zu richten. Hier wird die transaktionale Betrachtung des Person:Umwelt Zusammenspiels als Ansatzpunkt des Verständnisses vorgeschlagen.
2.2.2 Abstimmung von Person:Umwelt
Dem zweiten Merkmal der sozialökologischen Betrachtung liegt die Idee des Anpassungspotentials zugrunde. Zentrale Annahme ist, dass eine optimale Abstimmung von persönlichen Bedürfnisse, Wünschen, Rechten und Fähigkeiten mit den Umweltgegebenheiten die bestmöglichen Chancen zur biologischen, kognitiven, sensorischen, psychischen und sozialen Entwicklung der Person bieten.
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Verbesserungen der Lebenslage können demzufolge durch Veränderungen der Abstimmungsqualität von Verhältnissen und Verhalten herbeigeführt werden. „ Adaptive Wechselwirkungen von Person und Umwelt wirken unterstützend und befreiend auf das Potential, die Gesundheit und Zufriedenheit der Menschen.“ ( Carel B. Germain / Alex Gitterman, Praktische Sozialarbeit, S.10 )
Anpassung wird in diesem Zusammenhang definiert als Handlung, welche auf Veränderung von Personen oder Umwelt ausgerichtet ist, um das Person:Umwelt - Abstimmungsniveau zu verbessern; nicht als simple Ausrichtung des eigenen Handelns an den vorgefundenen gesellschaftlichen Gegebenheiten im Sinne von Konformität.
2.2.3 Lebensbelastungsfaktoren, Stress,
Stressbewältigung
Theoretische Basis des dritten Merkmals sozialökologischer Perspektive ist das Lebensbelastungs - Stressbewältigungs - Paradigma nach R. H. Lazarus. Äußere Lebensbelastungen und interner Stress werden im sozialökologischen Sinn als Ausdruck negativer Beziehungen in der Person:Umwelt - Relation angesehen. Germain / Gitterman stützen sich auf Veröffentlichungen Lazarus` und übernehmen von ihm das Modell der Primär- und Sekundäreinschätzung einer schwierigen Lebenslage. Die Ersteinschätzung soll zunächst klären, ob diese schwierige Lebenslage als negativ, positiv oder irrelevant eingestuft werden muss. Weiterführend muss durch die Ersteinschätzung ermittelt werden, ob ein Verlust oder Schaden schon eingetreten oder erst absehbar ist. Wird eine Lebensbelastung als gegeben oder als zu erwarten eingeschätzt, ist zu klären, ob diese Lebensbelastung als Stressor auftritt oder ob sie als Herausforderung zu behandeln sein kann.
Dies ist abhängig von verschiedenen Faktoren und derem komplexem Zusammenwirken. Entscheidend sind beispielsweise Persönlichkeit des Klienten und dessen körperliche Verfassung, dessen vergangene Erfahrungen, die persönlichen und kulturellen Bedeutungsebenen der schwierigen Lebenslage, Zugang zu Bewältigungsressourcen und Schutz vor weiteren Belastungen und Überforderungen.
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Arbeit zitieren:
Christian Dreker, 2006, Das "Life Model" in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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