

Nico Müller Internationalisierung von F E
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1. EINLEITUNG 1
1.1. Problemstellung 3
1.2. Zielsetzung 4
1.3. Methode 4
1.4. Aufbau der Arbeit 4
2. DETERMINANTEN DER INTERNATIONALISIERUNG VON F E. 7
2.1. Definition der Internationalisierung von F E 7
2.2. Zentralisierung vs. Dezentralisierung 9
2.2.1. Zentrifugale Kräfte. 10
2.2.2. Zentripetale Kräfte 17
2.3. F E-Standortentscheidungen 19
2.4. Typen ausländischer F E-Standorte 20
2.5. Prozesse der Internationalisierung 22
2.6. Internationale F E-Netzwerke 23
3. LITERATURANALYSE. 26
3.1. Entwicklung des Analyserasters 26
3.2. Nähere Betrachtung ausgewählter Literatur. 32
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4. AUSWERTUNG DER LITERATUR. 92
4.1. Erkenntnisinteresse 93
4.2. Datenerhebungsmethode 95
4.3. Untersuchungsdesign 97
4.4. Untersuchungsebene 98
4.5. Dimension 100
4.6. Geografische Region. 117
4.7. Branche 120
4.8. Exkurs: Internationalisierung von F E in Deutschland 124
5. SCHLUSSBETRACHTUNG 127
Literaturverzeichnis LVI
Abk ürzungsverzeichnis
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Abb. Abbildung ABB Asea Bown Bovery A.d.V. Anmerkung des Verfassers BASF Badische Anilin und Soda Fabrik ca. circa EU Europäische Union FDI Foreign Direct Investment F&E (FuE) Forschung und Entwicklung GE General Electrics HBA Home base augmenting HBE Home base exploiting IBM International Business Machines IT Informationstechnologie ICT Information & Communication Technology k.A. Keine Angabe KMU Kleine und mittlere Unternehmen MNU Multinationale Unternehmen NAFTA North American Free Trade Agreement NUTS Nomenclature of Territorial Units for Statistics OECD Organisation for Economic Co-Operation and Development OEM Original Equipment Manufacturer o.g. oben genannte R&D Research and Development RTA Revealed Technology Advantage s.o. siehe oben Tab. Tabelle USA United States of America Vs. Versus WTO World Trade Organisation
Abbildungsverzeichnis
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Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Abb. 2: Der Zentrifugal-Zentripetal-Ansatz.
Abb. 3: Größendegressionseffekte
Abb. 4: Auswahl der F E-Einheit in Abhängigkeit des Informationsprozesses.
Abb. 5: Anzahl der betrachteten Publikationen im Jahr.
Abb. 6: Auswertung der Erkenntnisinteressen
Abb. 7: Trends der Erkenntnisinteressen
Abb. 8: Auswertung der Datenerhebungsmethoden.
Abb. 9: Trends der Datenerhebungsmethoden.
Abb. 10: Auswertung des Untersuchungsdesigns
Abb. 11: Trends der Untersuchungsdesigns
Abb. 12: Auswertung der Untersuchungsebene
Abb. 13: Auswertung der Dimensionen
Abb. 14: Trends der Motive
Abb. 15: Wichtigkeit der Motive
Abb. 16: Trends der F E-Netzwerke
Abb. 17: Anzahl der F E-Kooperationen
Abb. 18: Trends der Marktorientierung
Abb. 19: Trends des F E-Managements.
Abb. 20: Trends der F E-Prozesse
Abb. 21: Pockets of Innovation
Abb. 22: Trends der Wissensgenerierung.
Abb. 23: Erwerb und Verwertung technologischen Wissens.
Abb. 24: Auswertung der geografischen Regionen.
Abb. 25: Anteile des ausländischen F E-Budgets.
Abb. 26: Auswertung der Branchen.
Abb. 27: Trends ausgewählter Branchen.
Tabellenverzeichnis
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Tab. 1: Motive für eine Internationalisierung. 17
Tab. 2: Motive für Zentralisierung und gegen Internationalisierung von F E 19
Tab. 3: Zusammenfassung wichtiger Standortmerkmale 22
Tab. 4: Übersicht der Variablen 31
Tab. 6: Herausforderungen vs. Dilemmas 91
Tab. 7: Entwicklung der Wichtigkeit der Kooperationspartner. 107
Tab. 8: Internationalisierungsgrad der Sektoren. 122
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1. Einleitung
Der Prozess der Globalisierung ist in den letzten Jahrzehnten extrem vorangeschritten. Kein anderer Begriff kontrolliert die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Diskussionen in einem solchen Ausmaß, wie der der Globalisierung. 1
“All business today is global. Those individual businesses, firms, industries, and whole societies that clearly understand the new rules of doing business in a world economy will prosper, those that do not will perish.” 2
Der Terminus der Globalisierung dient der Hervorhebung einer neuen Qualität der Internationalisierung der Wirtschaft, die durch eine wachsende Integration vieler Länder in einer weltweiten Arbeitsteilung, den Abbau von Handelsbarrieren und nationalen Regulierungen sowie einer zunehmenden Mobilität der Produktionsfaktoren gekennzeichnet ist. Die Ausgestaltung von Produktion, des Bezugs von Vorleistungen, des Marketings sowie der finanzwirtschaftlichen Aktivitäten stellen die grenzüberschreitenden Operationen von Unternehmen dar, die die Globalisierung auf volkswirtschaftlicher Ebene umfasst. Die Aufteilung verschiedener
Unternehmensaktivitäten auf verschiedene Länder charakterisiert hierbei das wesentliche Kennzeichen der Globalisierung. 3
„Wir sprechen lieber über Internationalisierung. Ein Produkt auf
dieselbe Art weltweit einführen zu wollen, dürfte scheitern." 4
Aus diesem Grunde muss die Produktion der MNU nicht mehr nur durch die Anpassung an die regionalen Märkte unterstützt werden, sondern auch die jeweilige nationale Forschungsinfrastruktur zur Erhöhung der Effizienz ihrer konzerninternen Forschung und somit die spezifischen Vorteile nationaler Innovationssysteme zur Stärkung technologischer Wettbewerbsvorteile genutzt werden. Zu diesem Zweck führen MNU seit Mitte der 80er Jahre im Zuge der Globalisierung ihrer Aktivitäten
1 Vgl. LÖSER, B. (2000), S. 1.
2 DHINGRA, H. L. (1991), S. 47.
3 Vgl. REGER, G. (2002a), S. 174.
4 Unger, A. (2004).
A.d.V.: Andreas Unger ist Geschäftsführer der Hamburger Agentur Enteprise IG.
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auch zunehmend Forschung und Entwicklung (F&E) in ihren ausländischen Tochterunternehmen durch. 5
Diese Aussage unterstreicht die Notwendigkeit der Anpassung der Produkte an die Bedürfnisse lokaler Märkte, die nur durch F&E-Einrichtungen zu leisten ist. Um eine solche Anpassung jedoch realisieren zu können, ist es unabdingbar die dafür nötigen Institute in enger geografischer Nähe zu den jeweiligen Märkten zu errichten. Hintergrund hierfür ist der dadurch ermöglichte Zugang zu lokalen Kompetenzen und Wissensbasen, im o.g. Zitat durch die Kooperationspartner in Moskau beispielhaft symbolisiert.
Seitdem bekannt ist, dass die Wissensverteilung geografisch gebunden ist, einschließlich der verschiedenen Innovationscharakteristiken in jedem Land, akquirieren MNU wichtige Quellen für Wettbewerbsvorteile durch die Errichtung geografisch verteilter Forschungseinrichtungen. Dadurch sichern sie sich den Zugang zu verschiedenen, aber komplementären Strömen neuer Wissensschaffung und integrieren diese unternehmensweit. 7
Dies ist der Grund, weswegen immer mehr Unternehmen zunehmend in die Errichtung grenzüberschreitender F&E-Labors investieren oder ausländische Unternehmen übernehmen. Namhafte Konzerne wie Philips, Alcatel oder IBM führen mittlerweile
5 Vgl. BEISE, M.; BELITZ, H. (1995), S. 221.
6 UNGER, A. (2004).
7 Vgl. CANTWELL, J.; GLAC, K.; HARDING, R. (2004), S. 58f.
8 MACHARZINA, K., OESTERLE, M.-J. HOFMAN, D. (1999), S. 138.
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mehr als 50 % ihrer F&E-Aktivitäten im Ausland durch, knapp 30 % sind es bei Siemens, Schindler oder Bayer. 9
1.1. Problemstellung
Die beschriebene Entwicklung wird auch auf der wissenschaftlichen Seite registriert und bereits seit Beginn durch Publikationen zu diesem Thema begleitet. Das stetig wachsende Interesse an der Internationalisierung von F&E vor dem Hintergrund technologischer und politischer Veränderungen der letzten Jahre hat ein kaum noch zu überschauendes Literaturangebot hervorgebracht. Es handelt sich dabei um eine Vielzahl von Themen und Schwerpunkten, die mehr oder weniger Relevanz für den Themenbereich besitzen und durch Forschungsarbeiten und empirische Untersuchungen unterschiedlicher Art behandelt wurden. Auffällig hierbei ist unter anderem die Trennung des Forschungsbereiches in die Untersuchungen zum Verhalten multinationaler Unternehmen und von kleineren und mittleren Unternehmen. Eine erste mögliche Hypothese in diesem Bereich könnte lauten, dass multinationale Unternehmen als die treibende Kraft zur Internationalisierung der F&E verstanden werden. Oftmals stehen zudem Nordamerika, Europa und Japan - als Triade bezeichnet - im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Nur vereinzelt werden auch einzelne Staaten wie die Schweiz oder Schweden gesondert betrachtet. China scheint dabei eines der wenigen Länder außerhalb der Triade zu sein, welches in den letzten Jahren ebenfalls mehr in den Mittelpunkt des Interesses getreten ist.
Zusammenfassend lässt sich aufgrund der Heterogenität der Thematik ein sehr weites, allerdings kaum noch überschaubares Forschungsfeld im Bereich der Internationalisierung von F&E feststellen.
9 Vgl. REGER, G. (2001), S. 97.
10 REGER, G. (2002), S. 164.
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1.2. Zielsetzung
Ziel der geplanten Arbeit ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand und den Fortschritt des Internationalisierungsprozesses in der F&E durch eine systematische Bestandsaufnahme der Forschungslage zu geben. Es soll festgestellt werden, worin die Unterschiede einzelner Betrachtungsweisen liegen, ob und wie Ergebnisse von einander abweichen und ob nicht trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweisen gemeinsame Resultate ermittelt werden können. Weiterhin soll geprüft werden, ob die facettenreiche Thematik der Internationalisierung von F&E eventuelle Forschungsschwerpunkte der Autoren erkennen lässt. Ferner soll die Bestandsaufnahme der Literatur zur Herleitung eventueller Trends in der Zukunft genutzt werden.
1.3. Methode
Um den Stand der Forschung auf internationaler Ebene abbilden zu können, ist eine umfangreiche Auswertung der einschlägigen Literatur erforderlich. Als methodisches Instrument soll hierzu eine explorative Literaturanalyse dienen. In dieser Arbeit werden Artikel ausgewählter Quellen der einschlägigen F&E-Literatur aus dem Zeitraum von 1993 bis 2005 verwendet. Die Grundlage der Datengewinnung entsteht durch die Untersuchung der einzelnen Artikel anhand mehrerer festzulegender Variablen.
1.4. Aufbau der Arbeit
Nach dem einleitenden Teil soll in einem zweiten Abschnitt zunächst eine terminologische Grundlage geschaffen werden, um einen einheitlichen Ausgangspunkt für die folgenden Kapitel zu setzen. Hierbei sollen die Arbeit betreffende wichtige Begriffe definiert und nötigenfalls differenziert werden. Insbesondere wird hier auf Motive sowie den Vor- und Nachteilen einer Internationalisierung eingegangen werden. Im folgenden dritten Abschnitt wird auf das vorher gefestigte Wissen aufgebaut und ein Analyseraster zur Selektion der vorliegenden Literatur entwickelt. Hierzu ist es nötig Variablen festzulegen, anhand derer eine Einsortierung der Publikationen ermöglicht wird. Den zentralen Teil dieses Abschnitts stellt dann die nähere Betrachtung der vorliegenden Literatur dar, bei der die Inhalte sowie die wesentlichen
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Aussagen der Autoren auf jeweils ca. eine Seite zusammengefasst werden. Dies soll dem Leser als Möglichkeit und Unterstützung der eigenen Urteilsbildung sowie zur Festigung des Hintergrundwissens dienen.
Der vierte Abschnitt dient der Auswertung der Literatur, die mit Hilfe des Analyserasters selektiert wurde. Dabei orientiert sich die Auswertung selbst an den vorher unter Abschnitt 3 festgelegten Variablen. Beurteilt wird die Literatur zum einen nach wissenschaftlich/empirischen Aspekten und zum anderen nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Hierbei soll festgestellt werden, wo die Forschungsschwerpunkte der Autoren liegen, ob die bisher vorliegende Literatur inhaltliche Lücken aufweist, sich Feststellungen der Autoren widersprechen und ob sich aus den
Forschungsschwerpunkten eventuelle Trends für die Zukunft ableiten lassen. Weiterhin sollen die Variablen Aufschluss darüber geben, welche Datenerhebungs- und Untersuchungsmethoden von den Wissenschaftlern präferiert wurden. Gleichzeitig soll zu jeder Variablen, die sich inhaltlich mit der Thematik der Internationalisierung der F&E befasst, der aktuelle Stand der Literatur widergespiegelt werden. Ziel dieses Abschnitts ist die Vermittlung eines umfassenden Bildes des Standes der Literatur bezüglich der Internationalisierung der F&E. Ferner soll in diesem vierten Abschnitt ein Exkurs den aktuellen Stand des Fortschritts der grenzüberschreitenden F&E-Aktivitäten des Forschungsstandortes Deutschland skizziert werden. Hierbei müssen sowohl die Aktivitäten deutscher MNU im Ausland als auch die Aktivitäten ausländischer MNU in Deutschland näher betrachtet werden.
Im fünften und letzten Abschnitt werden die wesentlichen Aussagen der erzielten Ergebnisse diskutiert und zusammengefasst. Weiterhin sollen in diesem Abschnitt mögliche Forschungsgebiete dieser Thematik aufgedeckt und empfohlen werden.
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Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Quelle: Eigene Darstellung
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2. Determinanten der Internationalisierung von F&E
Ziel dieses Abschnitts ist es, wichtige einzelne Aspekte der Thematik als Grundlage eines besseren Verständnisses der Zusammenhänge zu präsentieren. Um den Überblick so allgemein wie möglich zu gestalten, wurde Wert darauf gelegt, dass die Informationen aus Quellen stammen, die in der Fachliteratur auffällig häufig erwähnt und somit als gefestigt bewertet werden dürfen.
2.1. Definition der Internationalisierung von F&E
Unter dem Begriff der Forschung und Entwicklung werden alle Prozesse und Tätigkeiten verstanden, die entweder zu einem neuen materiellen und/oder immateriellen Gegenstand führen oder führen sollen. In Anlehnung an die OECD kann eine weitere Differenzierung der Definition von F&E in Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Entwicklung vorgenommen werden. Die
Anpassungsentwicklung stellt dabei die für die Internationalisierung von F&E wichtigste Sonderform der Entwicklung dar. Hierbei werden bestehende Produktkonzepte situativ abweichenden Anforderungen angepasst, ohne die prinzipielle Lösung zu verändern. Eine weitere Sonderform ist die Anwendungsentwicklung, bei der nach neuen Anwendungsmöglichkeiten bereits bestehender Produkte und Prozesse gesucht wird. 11
Eine Internationalisierung der F&E kann grundsätzlich durch zwei Merkmale charakterisiert werden. Zum einen findet sie durch den Aufbau von F&E-Potentialen bei der Errichtung von Standorten in anderen Ländern statt und zum anderen durch die gezielte Integration von Mitarbeitern und Entwicklern aus dem Ausland in nationale Einrichtungen. Standorte in anderen Ländern der Europäischen Union (EU) werden ebenfalls als ausländische Standorte eingestuft, da innerhalb der EU trotz fortschreitender Integration die Merkmale dislozierter Standorte, wie abweichende Sprache, Ausbildung und Kultur, erfüllt sind. Der Terminus der Internationalisierung ist dabei von dem in der Literatur häufig verwendeten Begriff der Globalisierung abzugrenzen. Globalisierung beschreibt einen gesonderten Fall der Internationalisierung
11 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 633.
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von Branchen, Märkten oder Unternehmen und den Prozess zunehmender Integration und der damit verbundenen Interdependenz. Die in der Literatur häufig als Triade bezeichneten Standorte Japan, Nordamerika und Westeuropa genießen den größten Teil der F&E-Investitionen, aufgrund dessen der Begriff global nicht im Sinne von weltweit zu verstehen ist. 12 Eine F&E wird dann als international bezeichnet, wenn sie von einem Unternehmen unter eigener Regie in mehreren Ländern durchgeführt wird. 13 Vorwiegend findet eine Ausdehnung der F&E im Ausland im Zuge von Unternehmensbeteiligungen, Akquisitionen und Fusionen statt. Neben der Möglichkeit der Direktinvestitionen (FDI) in eigene Tochterunternehmen können auch Joint Ventures, Konsortien oder andere Kooperationsformen sowie die Vergabe von Forschungsaufträgen an ausländische F&E-Einheiten, wie zum Beispiel Universitäten, in Betracht gezogen werden. 14
In den 60er und 70er Jahren wurden durch große Firmen in einer ersten Phase der Internationalisierung zunächst Vertriebs- und Produktionsstrukturen in verschiedenen Ländern aufgebaut. Die darauf folgende zweite Phase ist durch die Unterstützung der ausländischen Tochterunternehmen bei der Marktdurchdringung durch eine entsprechende lokale Anpassungsentwicklung geprägt. Während anfänglich die ausländischen Entwicklungsabteilungen darauf beschränkt waren, Produkt- und Prozesstechnologien aus dem Stammland an lokale Produktions- und Absatzbedürfnisse anzupassen, ist seit Mitte der 80er Jahre ein deutlicher Trend zur Kompetenzerweiterung und Stärkung der ausländischen F&E zu beobachten. 15 Der Grad einer internationalisierten F&E wird regelmäßig durch die personal- oder budgetbezogene Auslandsintensität beschrieben und ist somit eine leicht zu operationalisierende quantitative Messgröße. 16
Im Folgenden soll der Begriff der Internationalisierung immer im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung verstanden werden.
12 Vgl. REGER, G. (2001), S. 98; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1998), S. 150; GERYBADZE, A. (2004),
S. 105.
13 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 633f.
14 Vgl. BELITZ, H. (2002), S. 245; NARULA, R.; DUYSTERS, G. (2004), S. 208.
15 Vgl. REGER, G.; BEISE, M.; BELITZ, H. (1999), S. 2.
16 Vgl. BECKMANN, C. (1997), S. 47.
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2.2. Zentralisierung vs. Dezentralisierung
Der Ansatz zur Erklärung der Internationalisierung von Unternehmen nach Dunning 1977 dient als Ausgangspunkt zur Betrachtung von drei Motivgruppen im Segment grenzüberschreitender F&E-Aktivitäten. Als erstes steht die Frage nach dem Vorhandensein ausreichender firmenspezifischer Assets innerhalb eines Unternehmens, um eine Erfolg versprechende Internationalisierung zu realisieren. Weiterhin gilt es zu klären, welche Vorteile ausländische Forschungsstandorte bieten. Die dritte und letzte Frage bezieht sich darauf, ob es sinnvoll ist durch eigene F&E-Aktivitäten an ausländischem Wissen zu partizipieren oder es durch Kauf von Lizenzen zu erwerben. 17 Wenn es um die konkrete Ausgestaltung der Motive für eine Internationalisierung von F&E geht, so haben sich in der Literatur die Begriffe der zentrifugalen und zentripetalen Kräfte etabliert, welche in den folgenden Abschnitten diskutiert werden sollen. Als zentrifugale Kräfte werden solche verstanden, die einem Unternehmen Anlass geben ihre F&E zu internationalisieren. Zentripetale Kräfte hingegen sind solche, die einer Internationalisierung der F&E-Aktivitäten entgegenstehen. 18
Abb. 2: Der Zentrifugal-Zentripetal-Ansatz
Quelle: BECKMANN, C. (1997), S. 47.
17 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 10.
18 Vgl. CRISCUOLO, P., NARULA, R., VERSPAGEN, B. (2005), S. 421; EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG,
M. (2003), S. 11; BECKMANN, C. (1997), S. 46; BENITO, G.R.G.; LARIMO, J.; NARULA, R.;
PEDERSEN, T. (2002), S. 3; GRANSTRAND, O. (1999), S. 289; GRANSTRAND, O.; HÅKANSON, L.;
SJÖLÄNDER, S. (1999), S. 414ff.
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Nur wenn beide Kräfte im Gleichgewicht sind, gelten die geografische Verteilung und der Umfang der F&E-Ressourcen als effizient und effektiv. Die beiden Kräfte sind maßgeblich für den Grad der Internationalisierung (Siehe Abb. 1). 19
Im Voraus sei erwähnt, dass es nach Meinung der einschlägigen Literatur kein zentrales, leitendes Motiv für eine Internationalisierung gibt, sondern der Prozess als solcher von einer Vielfalt von Motiven begleitet wird. Weiterhin ist die einschlägige Literatur der Auffassung, dass sich die Gründe für eine Internationalisierung der F&E-Aktivitäten von den Motiven zur Internationalisierung anderer Unternehmensaktivitäten unterscheiden, da erstere der Stärkung langfristiger Wettbewerbsvorteile dienen und in der Regel nicht unmittelbar erfolgswirksam werden. 20
2.2.1. Zentrifugale Kräfte
Als einer der häufigsten Gründe für eine Internationalisierung der F&E-Aktivitäten wird die geografische Nähe zu den lokalen Verbrauchern erwähnt. Dieser Anlass wird in der Literatur häufig als Marktmotiv oder als home-base-exploiting R&D diskutiert. 21 Charakterisiert ist das Marktmotiv durch den Wissensaufbau und die Umsetzung in Innovationen hauptsächlich im Heimatstandort mit dem Ziel, den lokalen Markt im Ausland lediglich durch spezifische Anpassungsentwicklungen optimal zu bedienen. Gekennzeichnet ist dieses Motiv vor allem durch den einseitigen Wissenstransfer, der zwangsläufig von der Zentrale im Stammland zu den F&E-Einheiten im Ausland läuft. Folglich interagieren die Labors im Ausland wenig mit der zentralen Forschung im Heimatland und fokussieren sich stark auf die Produktions- und Marketingaktivitäten im Ausland. 22
Ein weiterer häufig angeführter Grund ist die Generierung neuen Wissens. Im so genannten Wissensmotiv oder home-base-augmenting R&D stellt die globale Optimierung der Wissensgewinnung das Leitbild für den Gesamtkonzern dar. Der multinationale Konzern ist hier als integrierte Organisation zur Wissensgenerierung und zum Wissenstransfer zu verstehen und betreibt die weltweite Forschung und
19 Vgl. BECKMANN, C. (1997), S. 46ff.
20 Vgl. REGER, G. (2002), S. 179; EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 11; BOUTELLIER, R.;
GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 39.
21 Vgl. ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 43f.; GERYBADZE, A. (2005), S. 319, CRISCUOLO, P., NARULA, R.,
VERSPAGEN, B. (2002), S. 2; KUEMMERLE, (1997), S. 170f.
22 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 12.
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Entwicklung an den Standorten, die dafür die besten Bedingungen bieten. Durch die organisatorische Integration in ein konzernweites Wissensnetz, ist, anders als im Marktmotiv, ein zweiseitiger Wissens- und Technologieaustausch innerhalb der multinationalen Unternehmung möglich. Ergebnis eines solchen zweiseitigen Wissensaustauschs ist nicht nur die Optimierung der F&E im engeren Sinne, sondern auch der innovativen Aktivitäten des Gesamtkonzerns. 23
Häufig findet man in der einschlägigen Literatur eine Differenzierung der Motive nach input- und outputorientierten Einflussfaktoren, sowie nach effizienzorientierten, politischen und soziokulturellen Aspekten, 24 die im Folgenden näher betrachtet werden.
• Personal, Know-how und Infrastruktur als inputorientierte Einflussfaktoren
Da der Erfolg im F&E-Bereich vor allem von der Leistungsfähigkeit der beteiligten Mitarbeiter abhängt, kommt der Rekrutierung und Förderung geeigneten Personals grundlegende Bedeutung zu. Dieser Prozess kann sich jedoch als sehr schwierig erweisen, denn zum einen sind die auf ihrem Arbeitsgebiet international führenden Spezialisten häufig nicht bereit einen im Ausland liegenden Arbeitsplatz anzunehmen, und zum anderen besteht die Möglichkeit, dass das mengenmäßige Angebot an qualifizierten Ingenieuren einer Fachrichtung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. 25
Eine moderne Infrastruktur ist ein ebenso notwendiges Argument, da neuartige Telekommunikationsnetzwerke, effiziente Transportsysteme und die Nähe zu internationalen Flughäfen genauso wichtig sind, wie Schulen für die Kinder der Wissenschaftler und Freizeit- und Kulturangebote. Durch diese infrastrukturellen Bedingungen entstehen Zentren, bei denen Wissenschaftler in enger geografischer Nähe zueinander leben. Der damit ermöglichte informelle Austausch von Ideen und Erfahrungen sowie die Weitergabe des Know-hows unternehmensinterner wie -externer Wissenschaftler ist einer der wichtigsten Nebeneffekte und dient unter anderem der
23 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 12.
24 Vgl. BROCKHOFF, K. (1998), S. 12ff.; BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 640 ff.; ZEDTWITZ, M. V.
(1999), S. 44 ff.; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1998), S. 151.
25 Vgl. BELITZ, H. (2002), S. 245; BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 640f.; BROCKHOFF, K. (1998),
S. 13.
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Entwicklung konzernweiter Netzwerke. 26 Unternehmen und Firmen mit besonders hohem Know-how-Potential siedeln oftmals in geografisch eng begrenzten Regionen an (siehe 2.3.) und bilden den Kern eines informellen Netzwerkes, welches es ermöglicht, wichtige Informationen schon im frühen Stadium weiterzuleiten und innerhalb informeller Kooperationen auszutauschen. Verfügen Unternehmen über einen Zugang zu solch informellen Netzwerken, kann eine technologische Führer- oder Frühe-Folger-Strategie besser umgesetzt werden. Durch den Aufbau so genannter Horchposten kann ebenfalls ein Zugang zum lokal vorhanden Know-how erreicht werden. Hierbei beschränkt man sich darauf, mit minimaler personeller Ausstattung die an einem Ort gesammelten Informationen an eine an anderer Stelle konzentrierten F&E-Abteilung weiterzuleiten. Problematisch stellt sich hierbei der Zugang zum informellen Netzwerk dar, da ein informeller Austausch auf einem Geben und Nehmen basiert, wobei der Horchposten auf der Gebenseite vergleichsweise wenig zu bieten hat. Erschwerend kommt hinzu, dass bei den beteiligten Mitarbeitern ein hohes Maß an Fachkompetenz zur Bewertung und Selektierung der gesammelten Informationen vorausgesetzt wird. Ohne ein lokales Engagement größeren Ausmaßes wäre ein Zugang zum informellen Netzwerk also kaum möglich. 27
Eine Erhöhung des lokalen Wissenspotentials wird zum einen durch externe lokale Effekte im Zuge der Einbindung des Konzernunternehmens in die regionale Forschungs- und Innovationsinfrastruktur und zum anderen durch den verbundsinternen Wissensaustausch erreicht. 28
• Marktzugang, Image und Kooperation als outputorientierte Einflussfaktoren
Kürzere Produktentwicklungszyklen, globaler Wettbewerb, gestiegene Ansprüche der Verbraucher und technologische Risiken sind die Hauptgründe für eine Internationalisierung der F&E. Insbesondere der wachsende Wettbewerbsdruck bei neuen und innovativen Produkten, die auf den lokalen Verbrauchermarkt zugeschnitten sind, führt zu einer Dezentralisierung der F&E-Aktivitäten. Der vor allem bei der Neueinführung eines Produktes entstehende marktspezifische Anpassungsbedarf ist von den lokal abweichenden Kundenbedürfnissen und Fertigungsmöglichkeiten abhängig. Seitdem jedoch der Großteil der ausländischen F&E-Einheiten das operative Geschäft
26 Vgl. ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 46f.
27 Vgl. DALTON, D.; SERAPIO, M.G. (1999), S. 315; BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 642.
28 Vgl. BEISE, M.; BELITZ, H. (1995) S. 221.
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des Mutterunternehmens bestimmt, profitiert man von dem Trend der verbraucherorientierten Produktentwicklung. 29
Ein häufig genannter Grund zur Internationalisierung der F&E sind die stetig kürzer werdenden Produktlebenszyklen 30 , die zugleich jedoch immer kostenintensiver werden und somit verlängerten Pay-off-Perioden gegenüberstehen. Nur durch eine permanente Verbesserung des gesamten Innovationsprozesses lassen sich hohe Entwicklungskosten rechtzeitig amortisieren. Ziel dieser Verbesserung muss es sein, das technologische Potential eines Unternehmens in möglichst kurzer Zeit auf breiter Basis zu nutzen. Die zeitliche Verkürzung der Gewinnperioden zwingt zudem zu einer nahezu parallelen Erschließung des Weltmarkts, wohingegen es früher üblich war, neue Produkte zuerst auf dem Heimatmarkt einzuführen und danach sequentiell einzelne Märkte im Ausland zu bedienen. 31
Durch eine Steigerung der internationalen Forschungsfähigkeiten gewinnen Unternehmen zunehmend an Attraktivität, was insbesondere sowohl für die Rekrutierung exzellenter Forscher als auch für die Interaktion mit der Scientific Community und der damit verbundenen Imagesteigerung von Bedeutung ist. 32 Für viele Unternehmen stellen Kooperationen den ersten Schritt für Überlegungen einer Internationalisierung ihrer F&E dar. 33 Internationale Kooperationen im F&E-Bereich bieten Gelegenheit, durch Erfahrungsaustausch mit den Kooperationspartnern das Know-how zu ergänzen und leisten somit einen Beitrag zur Effizienzsteigerung. Die wichtigsten Kooperationspartner im Markt stellen dabei die Kunden dar, da hierdurch spezifisches Wissen zielgenau angeeignet werden kann, welche eine individuelle Anpassungsentwicklung überhaupt erst ermöglicht. Die Kooperation mit Lieferanten sowie der Kontakt und die Nähe zu lead usern spielen hierbei eine nicht weniger wichtige Rolle. 34
29 Vgl. MEYER, A. D. (1993), S. 44; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 47.
30 Vgl. CHIESA, V. (1996), S. 7; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1998), S. 150f.; DALTON, D.; SERAPIO,
M.G. (1999), S. 304.
31 Vgl. SPECHT, G., BECKMANN, C., AMELINGMEYER, J. (2002), S. 418;
32 Vgl. PENNER-HAHN, J.; SHAVER, J.M. (2005), S. 124; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 48.
33 Vgl. BROCKHOFF, K. (1998), S. 37.
34 Vgl. FLEISCHER, F.; WURZEL, U. (2001), S. 137; FRANKE, N.; GLÜCK, O.; PAWLOWSKY, C. (1998),
S. 117; ROBERTS, E. B. (2001), S. 31; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 48.
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• Kosten, Standortgröße und Koordinationsaufwand als effizienzorientierte
Einflussfaktoren
Oftmals ist die Errichtung einer ausländischen F&E-Abteilung durch die Ausnutzung spezifischer Kostenvorteile motiviert. Dabei spielen die Reduzierung von Entwicklungszeiten und die Durchführung mehrerer gleichzeitiger Projekte eine genauso wichtige Rolle wie Kostenüberlegungen für Personal und Logistik. Direkte Kostenvorteile, wie beispielsweise niedrigere Lohnkosten, sind dabei im Gegensatz zu eher effizienzorientierten Faktoren, wie Transfer- oder Koordinationskosten oder eine kritische Laborgröße, von untergeordneter Bedeutung. 35
Nach nachweislichen Nutzen- und Effizienzgesichtspunkten richtet sich generell auch die internationale Standortentscheidung im Zuge der Effizienzorientierung aus. 36 Es wird ein Zusammenhang zwischen der Größe eines Standortes und dessen Wirtschaftlichkeit vermutet, weswegen Größendegressionseffekte unterstellt werden. Der aus einer suboptimalen Auslastung technischer und/oder organisatorischer Ressourcen resultierende hohe Fixkostenanteil pro Kopf kann bei geringen Mitarbeiterzahlen eine niedrige Wirtschaftlichkeit verursachen. Das relative Maximum kann durch Synergien zwischen verschiedenen Entwicklungsaufgaben, Lerneffekten durch höhere Wiederholungsfrequenzen oder durch Spezialisierungsvorteile infolge zunehmender Arbeitsteilung erzielt werden (siehe Abb. 3). Überproportional ansteigende Kommunikations- und Koordinationskosten sowie zu geringe Flexibilität können ebenfalls eine absinkende Wirtschaftlichkeit herbeiführen. Die wichtigsten Teilaspekte der Größendegression im Zusammenhang mit einer internationalen F&E sind somit die Überschreitung einer oberen und unteren kritischen Masse sowie die Frage nach den aus der Aufteilung einer Aufgabe auf mehrere Standorte resultierenden Effizienznachteilen 37
35 Vgl. ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 48f.
36 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 14.
37 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 651.
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Abb. 3: Größendegressionseffekte
Quelle: In Ahnlehnung an BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 651.
• Politische und soziokulturelle Einflussfaktoren
Die häufig als Pull-Faktoren bezeichneten Restriktionen eines Gastlandes wie Local-Content-Erfordernisse, Zölle, Importquoten sowie die Einhaltung von Standards können Unternehmen dazu verleiten, ihre F&E in ein Land mit einem Schlüsselmarkt auszudehnen. Um ihre eigenen technologischen Grundfertigkeiten zu verbessern, sind die Regierungen der Gastländer bestrebt, vom Technologietransfer ausländischer multinationaler Unternehmen zu profitieren. Durch lokale Anforderungen und technologische Akzeptanz kann zudem die Produktqualität verbessert werden. 38 Weniger restriktive Bedingungen, die mehr Freiräume für die Forschung bieten, sowie staatliche Subventionsprogramme im Ausland stellen nicht minder interessante Motive für eine Verlagerung der F&E-Aktivitäten eines Unternehmens dar. 39 Die so genannten Push-Faktoren sind durch erschwerende gesetzliche Auflagen und Restriktionen im Heimatland, welche ein Unternehmen dazu bewegen, seine F&E ins Ausland zu verlagern, charakterisiert. Hierzu zählen ebenso die mangelnde Akzeptanz einer Technologie in der Öffentlichkeit wie auch objektive Barrieren einer Betriebsgenehmigung. Akzeptanz eines Forschungsfeldes spielt insbesondere bei der Forschung an öffentlichen Hochschulen und Instituten eine wichtige Rolle, da diese hier stark von der öffentlichen Meinung beeinflusst wird. Die drei sich gegenseitig
38 Vgl. ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 50f.
39 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 14; BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 647.
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bedingenden und verstärkenden Hauptgründe für eine Verlagerung der Forschung in das Ausland sind somit Genehmigungen, Akzeptanz und Forschungsrückstand. 40
• Externe Faktoren
Schließlich sei erwähnt, dass die Internationalisierung der F&E durch weitere externe Faktoren angetrieben werden kann. Diese externen Effekte treten dabei weitgehend unmotiviert von den eigentlichen F&E-Erwägungen und daher eher als Begleiterscheinung folgender zweier Ursachen auf. Zum einen kann die Internationalisierung der F&E als Unterstützung von Prozessinnovationen im Rahmen zunehmender Produktionsaktivitäten im Ausland motiviert sein. Oftmals tritt eine Internationalisierung aber auch als Begleiterscheinung von Fusionen und Akquisitionen auf, die mittlerweile zu Strategien für einen schnellen Zugang zu neuen Technologien herangewachsen sind. Um von Synergieeffekten zu profitieren, stellt die Optimierung und die Anpassung der akquirierten F&E an die eigene zwar eine Herausforderung dar, aber kein vordergründiges Motiv für eine Internationalisierung der F&E. 41 Die Tabelle 1 stellt zusammenfassend noch einmal die wichtigsten Motivatoren für die Errichtung einer grenzüberschreitenden F&E dar.
40 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 647.
41 Vgl. ROBERTS, E. B. (2001), S. 31f.; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 52f.; EDLER, J.; DÖHRN, R.;
ROTHGANG, M. (2003), S. 15.
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Tab. 1: Motive für eine Internationalisierung
Quelle: In Ahnlehnung an BOUTELLIER, R.; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V., S. 41.
2.2.2. Zentripetale Kräfte
Wie bereits erwähnt, sind die zentripetalen Kräfte diejenigen, die einer Internationalisierung entgegenstehen. Gassmann und Zedtwitz differenzieren dabei explizit zum einen nach Argumenten, die gegen eine Internationalisierung sprechen und zum anderen nach Aspekten, die eine zentralisierte F&E begünstigen. Da beide Gründe sich nicht zwangsläufig gegeneinander ausschließen, kann ein Grund gegen Internationalisierung gleichzeitig ein Motiv für Zentralisierung sein. 42 Die anerkannte Notwenigkeit einer kritischen Masse an Forschern gepaart mit der Hoffnung auf Skaleneffekte, hohe Koordinations- und Kommunikationskosten geografisch verteilter F&E-Einheiten, sowie eine einfachere Kontrolle des F&E-Portfolios und die Geheimhaltung von Informationen sind Argumente, die deutlich für eine zentralisierte F&E sprechen. Weiterhin ist die Ausnutzung firmenspezifischer
42 Vgl. GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1998), S. 152.
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technologischer Vorteile, welche durch öffentliche Forschungseinrichtungen im Stammland geboten werden, sehr wichtig, da sich Produktlebenszyklen über einen Zeitraum erstrecken, der einen Transfer neuen Wissens solcher Institutionen durch die Anwerbung junger Forscher oder gelegentliche Teilnahmen an F&E-Kooperationen erlaubt. 43 Synergieeffekte, die Nutzung gemeinsamer Ressourcen sowie kürzere Reaktions- und Handlungszeiten sind ebenfalls Kriterien einer zentralisierten F&E. 44 Mit einer wachsenden internationalen Streuung steigt ebenfalls die Gefahr des ungewollten Nachaußendringens wichtiger und geheimer Informationen, was einen Verlust des Wettbewerbsvorteils zur Folge haben könnte. Die Tatsache, dass eine ausländische F&E schwieriger zu steuern und zu kontrollieren als eine im Stammland angesiedelte, führt zwangsläufig zu erhöhten Kommunikations-und Koordinationskosten. 45
Obwohl die Schließung einer bereits bestehenden F&E-Einheit aus Kosten- und Imagegründen eher unüblich ist, kann es im Zuge von Akquisitionen und Fusion dazu kommen, dass F&E-Labors als Resultat effizienz- und produktivitätsverbessernder Programme aufgegeben werden müssen. Aufgrund ihrer allgemein bescheidenen Größe und ihren spezialisierten technologischen Fähigkeiten sind ausländische F&E-Einheiten selten in der Lage, die kritische Masse an Mitarbeitern zur Bewältigung komplexer Probleme aufzubauen. Ursache hierfür ist unter anderem die häufige Immobilität erstklassigen Forschungspersonals. 46 Ein ebenfalls negativer Einfluss auf die Effizienz kann durch eine ins Ausland verlagerte F&E erreicht werden, da diese ceteris paribus eine Verkleinerung der F&E im Stammland bewirkt. 47 Zu den gewachsenen historische Strukturen zählen unter anderem die positiven Erfahrungen des Managements mit stabilen Arbeitsmärkten im Heimatland, welche zu einem umfangreichen impliziten und für die Unternehmen sehr wertvollen Erfahrungswissen führen. 48
Sprachliche und kulturelle Differenzen sind ein ebenfalls häufig genanntes Hemmnis einer internationalen F&E. 49
43 Vgl. BROCKHOFF, K. (1998), S. 1.
44 Vgl. FUCHS, M.; GIESE, M. (2003), S. 680; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 53.
45 Vgl. FISCH, J. H. (2001), S. 19; REGER, G. (2004), S. 83.
46 Vgl. ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 54f.
47 Vgl. FISCH, J. H. (2001), S. 19.
48 Vgl. FUCHS, M.; GIESE, M. (2003), S. 680.
49 Vgl. REGER, G. (2004), S. 82; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 54.
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Tab. 2: Motive für Zentralisierung und gegen Internationalisierung von F&E
Quelle: In Ahnlehnung an BOUTELLIER, R.; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V., S. 45.
2.3. F&E-Standortentscheidungen
Die führenden internationalen Unternehmen, die F&E im Ausland betreiben, verfolgen die Strategie mit ihrer F&E immer dort präsent zu sein, wo in ihrem Produktsegment bzw. Technologiefeld die weltweit besten Bedingungen für Innovationen und Wissensgenerierung vorzufinden sind. 50 Das Modell der so genannten pockets of innovation geht davon aus, dass es geografisch eng begrenzte Regionen sind, in denen eine Häufung von Innovationen auf einem bestimmten Sachgebiet vorzufinden ist. Anlass hierfür ist die Konzentration von Universitäten und Firmen, die auf diesem Sachgebiet über ein hohes Know-how-Potential verfügen und den Kern eines informellen Netzwerks bilden. 51 Unternehmen, die das Motiv einer home-baseaugmenting R&D anstreben, siedeln ihre F&E-Abteilungen in Regionen solcher wissenschaftlicher Exzellenz an, um Zugang zu neuen Wissensquellen zu erlangen. Im Gegensatz dazu sind die home-base-exploiting R&D verfolgenden Unternehmen eher in der Nähe großer Märkte und Produktionsstätten vorzufinden, um eine schnelle Markteinführung der neuen Produkte zu ermöglichen. Immer komplexer werdende Fertigungsprozesse verlangen nach einer engen geografischen Nähe zwischen
50 Vgl. REGER, G.; BEISE, M.; BELITZ, H. (1999), S. 2.
51 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 642.
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Produktionsstätten und F&E-Einheiten, um dem stetig steigenden Tempo von der Entwicklung bis zur Produktion gerecht zu werden. 52
2.4. Typen ausländischer F&E-Standorte
Die Spanne der Aktivitäten im Ausland von kleinen Entwicklungseinheiten mit wenigen Mitarbeitern bis hin zu großen autonomen Forschungslabors mit Budgets in dreistelliger Millionenhöhe sind Beweis der großen Heterogenität international dislozierter Standorte. Diese Heterogenität dient als Ausgangspunkt einer Reihe von Ansätzen zur Unterscheidung von Standorten im Ausland, die jedoch alle auf die Typologisierung von Ronstadt aus dem Jahre 1978 zurückzuführen sind. 53 Im Folgenden soll die Typologie der Standorte, sowie deren Vor- und Nachteile, näher untersucht werden.
In den so genannten regionalen Entwicklungslabors (auch Transfer Technology Units) werden bereits bestehende Produkte an die besonderen Anforderungen des regionalen Teilmarkts des Gesamtunternehmens angepasst. 54 Als relativ kleine Einheiten verfügen sie nur über wenige Mitarbeiter und werden meist als Unterabteilung der Produktion oder des Vertriebs angesiedelt. Wichtige Einflussfaktoren zur Errichtung eines solchen Standortes sind der Anpassungsbedarf an lokale Bedingungen, ein hoher Kommunikationsbedarf mit lokalen Partnern sowie eine höhere
Reaktionsgeschwindigkeit bei Problemen. Allerdings besteht auch eine erhöhte Gefahr von Personal- und Motivationskonflikten, sowie von Doppelentwicklungen und steigenden F&E-Kosten infolge suboptimaler Betriebskosten. 55
Regionale Entwicklungszentren (auch Indigenous Technology Units, Market Oriented Units) hingegen entwickeln, weitestgehend selbständig und ohne die technologische Unterstützung des Konzerns, neue Produkte und Prozesse, die speziell für den Teilmarkt bestimmt sind. Obwohl der Schwerpunkt des Aufgabenfeldes solcher Zentren in den Entwicklungsarbeiten liegt, übernehmen sie auch die weltweite Betreuung bestimmter Produkte, sofern sie aus einer Innovation der regionalen F&E-Einheit
52 Vgl. KUEMMERLE, (1997), S. 175.
53 Vgl. BOEHMER, A. V. (1994), S. 17; FISCH, J. H. (2004), S. 148; BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994),
S. 634.
54 Vgl. GREB, R. (2000), S. 49; FISCH, J. H. (2004), S. 148.
55 Vgl. MACHARZINA, K., OESTERLE, M.-J. HOFMAN, D. (1999), S. 143; BECKMANN, C.; FISCHER J.
(1994), S. 654.
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entstanden sind (Global Technology Units). 56 Ergänzend zu den positiven Aspekten regionaler Entwicklungslabors wird durch die optimale Anpassung an die Situation vor Ort, die Nutzung des lokalen Innovationspotentials sowie den ausgezeichneten Kooperationsmöglichkeiten mit lokalen lead usern eine hohe Effektivität erzielt. Nachteilig wirken sich hierbei jedoch tendenziell höhere F&E-Kosten als Folge hoher intrafunktionaler Koordinationskosten, geringere Skaleneffekte sowie Doppelarbeit als auch aus geringeren Stückzahlen resultierende höhere Produktkosten aus, was eine Senkung der Effizienz des Gesamtsystems zur Folge haben kann. 57
Die gebündelte Kompetenz eines bestimmten Technologiegebiets wird auf konzernweiter Ebene in den so genannten Kompetenzzentren (auch centers of excellence, Corporate Technology Units) konzentriert. Diese Zentren tragen nicht nur für Produkte die weltweite Verantwortung, sondern für gesamte Technologiebereiche. Durch den Besitz einmaligen Know-hows übernehmen sie eine wichtige Funktion bei weltweit zentral koordinierten Innovationsprojekten. 58 Während die vorhergehend beschriebenen Typen eher als Nebenprodukt einer Verlagerung von Produktion und Vertrieb zu sehen sind, dominiert bei den Kompetenzzentren die Gründung in Unabhängigkeit von Produktionsstandorten als Art der Entstehung. Die Vorteile der centers of excellence liegen in der Rekrutierung international führender Wissenschaftler sowie der Kooperation mit international führenden Forschungseinrichtungen als auch in der Nutzung günstiger, rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen. Dagegen gestaltet sich das Erreichen einer unteren kritischen Masse genauso schwierig, wie die Ausrichtung der Entwicklungsziele und der Ergebnis- und Wissenstransfer in nachgelagerten Einheiten. 59
Die Entscheidung des Typs der ausländischen F&E-Einheit wird in Abhängigkeit vom lokalen Angebot technologischer Informationen und der Nachfrage nach einem lokalen F&E-Informationsprozess getroffen. 60
56 Vgl. GREB, R. (2000), S. 49; FISCH, J. H. (2004), S. 148.
57 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 654f.
58 Vgl. MACHARZINA, K., OESTERLE, M.-J. HOFMAN, D. (1999), S. 144; GREB, R. (2000), S. 49f.; FISCH, J.
H. (2004), S. 148.
59 Vgl. BECKMANN, C.; FISCHER J. (1994), S. 654f.
60 Vgl. FISCH, J. H. (2004), S. 150.
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Tab. 3: Zusammenfassung wichtiger Standortmerkmale
Quelle: In Ahnlehnung an GREB, R. (2000), S. 50.
2.5. Prozesse der Internationalisierung
In der Literatur findet man häufig eine Einteilung der Internationalisierung in drei verschiedene Kategorien von Prozessen. 61
Der erste Prozess bezieht sich auf die internationale Verwertung von Technologien, die auf nationaler Ebene entwickelt wurden. Hierbei versuchen Unternehmen durch Export innovativer Produkte, Auslandsproduktion oder Lizenzvergaben ihre Technologien international zu verwerten. Im Vordergrund steht die Diffusion neuer Technologien ins Ausland und nicht die dortige Neuentwicklung. 62
Ein zweiter Prozess beschreibt die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuen Wissens mit Partnern aus mehr als einem Land und stellt ein wesentliches Medium für internationale Spillover-Effekte der Wissensentstehung dar. Hierbei geht es um die Generierung von Know-how und Innovationen, bei der aber jeder der Partner seine institutionelle Identität behält. Formen dieser Zusammenarbeit sind sowohl zwischen verschiedenen Unternehmen möglich, aber auch zwischen Unternehmen und
61 Vgl. MEYER-KRAHMER, F.; JUNGMITTAG, A.; REGER, G. (1999), S. 38f.; EDLER, J.; DÖHRN, R.;
ROTHGANG, M. (2003), S. 22f.; REGER, G.; BEISE, M.; BELITZ, H. (1999), S. 1.
62 Vgl. REGER, G.; BEISE, M.; BELITZ, H. (1999), S. 1.
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Universitäten oder Forschungseinrichtungen. Als Instrumente solcher F&E-Kooperationen dienen strategische Allianzen, Joint Ventures, der Austausch von Wissenschaftlern oder Studenten sowie technischer Informationen. Identifiziert wird dieser Prozess indirekt über gemeinsame wissenschaftliche Publikationen und Patenten mit ausländischen Kooperationspartnern. 63
Den Träger des dritten Prozesses, der internationalen Generierung von Innovationen, stellen insbesondere multinationale Unternehmen dar. Durch Neugründungen von F&E-Labors im Ausland (sog. Greenfield R&D), länderübergreifenden Personlaustausch innerhalb des Konzerns oder grenzüberschreitende F&E-Projekte im Ausland werden Innovationen über die nationalen Grenzen hinaus generiert. Als zentraler Indikator einer Zunahme dieser internationalen Wissensgenerierung dient die Internationalisierung der Forschungsaktivitäten der MNU, gemessen am Anteil ausländischer Niederlassungen an den Forschungsausgaben eines Landes und an den Auslandsforschungsausgaben einheimischer MNU. 64
2.6. Internationale F&E-Netzwerke
Der Begriff des Netzwerks beschreibt im Allgemeinen die Formen der Kooperationen zwischen wirtschaftlichen Akteuren, die auf dauerhafte und systematische Austauschbeziehungen angelegt sind. 65 Durch die immer größer werdende globale Verteilung der F&E-Einheiten stellen die Kontrollierbarkeit und der Wissenstransfer eine große Herausforderung an die MNU dar. Dieser Herausforderung stellt man sich durch die Errichtung globaler Netzwerke. Deren Aufgabe ist es, die Verantwortung der individuellen Einheiten in Bezug auf die Möglichkeiten und Ansprüche der lokalen Umwelt aufrecht zu erhalten, während sie gleichzeitig die latenten Unterstützungsleistungen, die ein großes globales Netzwerk bietet, ausnutzen müssen. 66 Netzwerke werden in Abhängigkeit der Funktion und Aktionspartner nach internen und externen Netzwerken differenziert, welche im folgenden Abschnitt näher betrachtet werden sollen.
63 Vgl. MEYER-KRAHMER, F.; JUNGMITTAG, A.; REGER, G. (1999), S. 38.
64 Vgl. EDLER, J.; DÖHRN, R.; ROTHGANG, M. (2003), S. 22.
65 Vgl. BECKER, W.; DIETZ, J. (2002), S. 239.
66 Vgl. TEIGLAND, R.; FEY, C. F.; BIRKINSHAW, J. (2000), S. 51.
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• Interne Netzwerke
Interne Netzwerke stellen organisatorische Mechanismen dar, die für die Koordination und Integration der verteilten F&E-Einheiten verantwortlich sind. 67 Wie bereits oben erwähnt, sind Schaffung und Transfer von Wissen zwei der zentralen Motive für die Internationalisierung der F&E. Bei einer globalen Zerstreuung der F&E-Einheiten ist eine solche Technologieaneignung oft nur durch eine Netzorganisation zwischen den einzelnen Einheiten zu realisieren. 68 Hierdurch wird eine volle Ausnutzung der global verteilten Kompetenzen durch die Unterstützung bilateraler Verträge zwischen dem dominanten Zentrum und den peripheren Einheiten ermöglicht. Die klassische dyadische Zentrum-Untergebenen-Beziehung wird im integrierten Netzwerkmodell neu interpretiert. Die heimische F&E-Zentrale stellt nicht mehr das Kontrollzentrum aller F&E-Aktivitäten dar, sondern agiert nur als eine unter vielen interdependenten F&E-Einheiten, die durch verschiedene flexible Koordinationsmechanismen verbunden werden. Das integrierte Netzwerk benötigt jedoch aus diesem Grunde einen Wechsel von einfachen Kontrollmechanismen hin zu komplexen Koordinationsstrukturen. Die Rolle der zentralen F&E-Einheit als Kontrollzentrum ändert sich deswegen zu einer F&E-Einheit mit gleichen Pflichten, die lediglich die Koordinationsführung übernimmt. Flexible Verbindungen und Beziehungen zwischen den Netzwerkpartnern erlauben einen besseren Gebrauch vorhandener Kompetenzen, realisieren Spezialisierungen genau wie Skaleneffekte und reduzieren die Gefahr der Parallelentwicklungen. Die wesentlichen Vorteile interner Netzwerke spiegeln sich neben den o.g. auch im dadurch ermöglichten organisatorischen Lernen an verschiedenen Orten und der Ausnutzung lokaler Stärken für das gesamte MNU wider. Als negativ hingegen werden hohe Koordinationskosten und die Komplexität der institutionalen Regeln und Entscheidungsprozesse bewertet. 69
67 Vgl. LAM, A. (2003), S. 675f.
68 Vgl. BEISE,M.; BELITZ, H. (1995), S. 225.
69 Vgl. BOUTELLIER, R.; GASSMANN, O.; ZEDTWITZ, M. V. (1999), S. 64ff.
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• Externe Netzwerke
Während interne Netzwerke als organisatorische Koordinationsmechanismen innerhalb eines Unternehmens dienen, beziehen sich externe Netzwerke auf die Beziehungen mit den Akteuren, die nicht zum Unternehmen gehören. 70 Als externe Partner sind Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen genauso denkbar wie Lieferanten und Kunden. Weitere wichtige Möglichkeiten externer Zusammenarbeit stellen neben der Bildung von Konsortien, Joint Ventures und Allianzen, auch die Vergabe von Lizenzen und die Durchführung von Akquisitionen dar. 71 Die Einbindung in ein externes Netzwerk von Lieferanten, Kunden, Wettbewerbern und Forschungsinstituten ist vor allem deswegen wichtig, weil sie nicht nur den Innovationserfolg eines Unternehmens steigern können, sondern auch durch die international allgemeine große Bedeutung von Netzwerken insbesondere Einfluss auf die Entscheidungen für Direktinvestitionen im Ausland genommen wird. Dieses spielt wiederum eine wichtige Rolle bei der internationalen Verteilung der F&E. 72 Die Vorteile externer Kooperationen liegen in der Möglichkeit, das Know-how zu vergrößern, Erfahrungsaustausch zu betreiben und die Effizienz eigener F&E-Kapazitäten zu erhöhen. Durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern können nicht nur Kosten reduziert und geteilt werden, sondern auch Unsicherheiten und Risiken sowie der zeitliche Zugang zum Markt. 73
Allerdings ist nur eine beschränkte Substituierung von unternehmensinternen F&E-Aktivitäten durch externe Kooperationen möglich. 74
70 Vgl. LAM, A. (2003), S. 675f.
71 Vgl. NARULA, R. (2004), S. 208.
72 Vgl. FISCH, J. H. (2001), S. 55.
73 Vgl. BROCKHOFF, K. (1998), S. 38.
74 Vgl. NARULA, R.; DUYSTERS, G. (2004), S. 200.
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Nico Müller, 2005, Internationalisierung von F&E - Eine Literaturanalyse zum aktuellen Stand im internationalen wissenschaftlichen Diskurs, München, GRIN Verlag GmbH
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