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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Hauptteil 2
1. Farben Materialien Gegenstande und Zeichen 2
2. Weltkarte 4
3. Hommage an die Sonne 5
4. Le Dieux de Babylon 6
5. Die Zeichnungen 8
6. Schluß 11
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
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Einleitung
„Wenn ich reise, tue ich das ja nicht, um
Michael Buthe verbrachte zwischen 1970 und 1972 mehrere Monate in Marrakesch und Essaouira, bis er schließlich 1973 in der Altstadt von Marrakesch ein Haus erwarb um dort zu leben und zu arbeiten. Von nun an pendelte er beständig zwischen Köln und Marokko, unternahm von dort aus weitere Reisen, unter anderem in den Maghreb, den Nahen Osten und nach Persien. So wurden nach und nach die Fetische der afrikanischen Stammeskultur, der zoroastische Feuerkult Persiens und die Mystik der islamischen Dichtung Elemente seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Dabei interessierten ihn archaische Gesellschaftsformen ebenso wie verschüttete Ausdrucksformen, die empfangenen Anregungen trug er zurück in die westlich zivilisierte Welt. Der größte Teil seines Schaffens war der intensiven Auseinandersetzung mit der westlichen und der östlichen Mystik gewidmet und verband diese beiden unterschiedlichen Vorstellungen von der Welt in seiner Kunst.
Das interkulturelle Leben des Künstlers schlug sich in einer Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten nieder. So schuf er Bilder, Objekte, Installationen, Environments, Performances und Texte. Dabei fanden sowohl die Architektur, das Handwerk und die Buchmalerei der islamischen Welt, als auch europäische Kulturvorstellungen Eingang in sein Werk.
War er Ende der sechziger Jahre eher der puristischen und farbarmen Konzeptkunst und der Arte povera zugewandt, entwickelte er nach seinen Reisen in das nördliche Afrika eine Kunst, die sich durch opulente Farbigkeit, ornamentale Muster, bizarre Gegenstände, enigmatische Zeichen auszeichnet. Fremdartigkeit und Exotik wurden von nun an die unverwechselbare Handschrift Buthes.
Dabei hat er sich nie in die Grenzen der kunstimmanenten Dialoge eingefügt. Daraus ist etwas entstanden, was Stephan von Wiese 1 „neue Welthaftigkeit“ und „Spiritualität“ in der Kunst genannt hat. Buthe transportierte durch seine Bilder- und Gedankenwelt den Kultus der Kunst in eine „heilige Kunst“, einer Kunst, die mit
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Symbolik, magischen Zeichen, Spuren, Relikten und Aktionsformen archaischer Gesellschaftsformen operiert. Diese „individuellen Mythologien“ sind als Gegenbilder zu einer immer mehr ökonomisch und durchrationalisierten Gesellschaft zu verstehen und verweisen so auf die Defizite des modernen Lebens.
Im folgenden werde ich versuchen, dies an einigen exemplarischen Werken Buthes zu verdeutlichen. Zunächst aber möchte ich mich wesentlichen Gestaltungsmittel zuwenden, mit denen er seine künstlerische Welt geschaffen hat.
Hauptteil
1. Farben, Materialien, Gegenstände und Zeichen
Buthe verwendete in seinen Arbeiten oft die Farben Rot und Blau, ähnlich wie Klee und Macke, die diesen Kontrast auf einer Tunisreise in dem Jahr 1914 für sich entdeckt hatten. Buthe bemerkte zu der Farbe Blau: „Das Blau ist aus Marrakesch, sehr dunkel und sehr konzentriert. Das gilt dort zu Ehren von Fatima, als Abwehrmittel gegen den bösen Blick.“ 2 Diese Aussage war typisch für ihn, denn er zog immer wieder Bedeutungsebenen heran, die dem westlichen Menschen meist verschlossen sind.
Buthes Farbskala umfasst alle Buntfarben sowie deren unterschiedlichste Tonabstufungen vom Hellen und zum Dunkelen. Klee, der eine ähnliche Farbpalette nutzte, ist hinsichtlich der poetisch- märchenhaft anmutenden Wirkung seiner Werke sicherlich mit Buthe vergleichbar. Silber und Gold kommen ebenfalls häufig vor. Gold war für ihn auch keine Farbe im eigentlichen Sinne, sondern beschreibt einen Glückszustand. Das zentrale Motiv in seinem Werk, die Sonne, ist meist golden und wird so zu einem positiv besetzten Symbol. 3 Der Eindruck des Orientalischen wird durch die Verwendung von Ornamenten unterstützt, die im arabischen Kunsthandwerk vor allem in der Keramik und der Textilkunst verwendet werden. Häufig überdecken die ornamenthaften Partikel die gesamte Bildfläche. So entsteht die Vorstellung einer Räumlichkeit hinter dem Schleiermuster, wie in dem Bild „Sterne“ (Abb.1) von 1988/89. Diese 200 x 200 cm große Collage besticht zunächst durch seine akzentuierte Farbigkeit. Die Farbschichten wurden lasierend aufgetragen, dabei verzichtete der Künstler in
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einigen Bildpartien darauf, die Leinwand erneut mit Farbe zu benetzen. So wechseln die Farben beständig zwischen kräftigem Rot und zartem Rosa, hellsten Spuren von violett und sparsam eingesetztem Gelb. Buthe scheint hier nicht mit Kalkül gearbeitet zu haben, der „flecken- und schleierhafte“ Charakter des Bildes lassen eher die Vermutung zu, dass der Zufall wesentlich die Wirkung des Bildes beeinflusst hat. Die schon erwähnte Räumlichkeit entsteht durch drei Gestaltungselemente: Buthe hat nicht direkt auf die Leinwand gemalt, sondern hat zunächst ein Raster aus quadratischen Papierstücken geschaffen, das durch die diffuse Bildstruktur so eben wahrnehmbar ist. Dieses geometrische Bildelement wird durch die schleierhafte Farbigkeit der Malerei aufgehoben. Obwohl hier kein Raum vorhanden ist hat man das Gefühl von Nähe und Ferne. Das kräftige Rot steht im Vordergrund, die eher blassen Farbschichten im Hintergrund. Der Betrachter kann aber dennoch nicht in diesen Tiefenraum „eintauchen“ da über das ganze Werk kleine violettfarbene Sterne verteilt sind, die sich wie eine Wand vor die Räumlichkeit schieben.
Das Handhaben von Naturmaterialien, die ebenfalls Verwendung fanden, erlernte er bei den Berbern, die vorwiegend in der Gebirgszone Marokkos leben. So auch den Umgang mit Wachs. Anders als Beuys, der dem Wachs innerhalb seiner „Sozialen Plastik“ einen wesentlichen Symbolwert zugedachte, benutzte Buthe dieses Naturprodukt lediglich als Klebemittel.
Das Fremdländische in seinen Arbeiten wird durch Postkarten, Billets, Etiketten, Flaschendeckel, Dosen, Nippes, Fotos oder auch alte Graphiken mit orientalischen Motiven erzeugt. Indem Buthe diese Gegenstände in einen künstlerischen Zusammenhang brachte, folgte er damit dem dadaistischen Prinzip des „Objekt trouve“.
Eine zeitlose Gültigkeit dagegen scheinen die Zeichen zu besitzen die er nutzte. Aus Formen von Sonnen, Sternen, Masken, Schlangen, Krokodilen, Palmen und Kamelen begründete er eine Typologie, in der jedes Element in abstrakter Form den orientalischen Lebensraum vertritt. Buthe erarbeitete sich auf diese Weise ein Zeichensystem, dessen Elemente er variabel kombinierte. 4
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2. „Weltkarte“
Der Begriff „Globalität“ wird heutzutage meist aus einer ökonomischen Perspektive betrachtet, als liberale Verfügungsgewalt des Kapitals über die Welt. Buthe hatte mit seinem, als „künstlerische Globalität“ zu bezeichnenden Werk, eher das Sichtbarmachen von gleichberechtigt nebeneinanderstehender Kulturen im Visier und verwirklichte dieses Ideal auf seine, höchst individuelle Weise. Dies lässt sich sehr schön an der Collage „Weltkarte“ (Abb.2) von 1970/71 verdeutlichen. Auf dieser Weltkugel (Durchmesser 182 cm) sind Abbildungen von Menschen und kulturellen Zeugnissen aus verschiedenen Ländern zu erkennen. Es ist eine Ansammlung von Objekten des täglichen Konsums wie Tortendeckchen, die gezackten Kreise von Tassenuntersetzern, Etiketten orientalischer Dattelbüchsen und einiges mehr. Die verwendeten Fotos erscheinen wie wahllos aneinander gefügt. Afrikanische Masken, exotische Tiere, fremdländische Symbole, orientalischer Kitsch, alltägliche Szenen aus einem fremden Kulturkreis stehen neben Kulturgütern der westlichen Zivilisation: Klassizistisch anmutende Bauten, ein Hinweis auf die Vertreibung aus dem Paradies, ein Bild von Picasso, eine römische Steinbüste und, ein wohl eher ironisch zu verstehendes „Verbindungselement“ zwischen Orient und Okzident: Das Emblem der Zigarettenmarke „Camel“. Dieses Sammelsurium von Gegenständen und Menschen erscheint fast wie eine Aufforderung an den Betrachter, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen, so wie Buthe sich mit Neugierde die Welt Afrikas, des Nahen Ostens und des Orients erschlossen hat. Er verzichtete bei der Zusammensetzung der Bildfragmente auf den exakten geographischen Wiedererkennungswert. Vielmehr wird der Betrachter mit einer Welt der individuellen Menschen und kommunizierender Kulturen konfrontiert. Wie um den Zusammenhang der Völker zusätzlich zu betonen hat der Künstler über die gesamte Collage unzählige Goldbronzepunkte getupft. Von Wiese dazu: „Spuren menschlicher Kulturen aller Orte und Zeiten versammeln sich kombinatorisch zu einem modernen Mythos Erde. In der Summe des gelebten Lebens findet der Globus seine Einheit.“ 5 Dabei hat die Weltkarte bezeichnenderweise zwei Seiten. Die Vorderseite erscheint uns als farbenfrohes Fest des Lebens, die Rückseite legt offen, was der schöne Schein der Vorderseite verbirgt: Die für die „Weltkarte“ verwendeten Fotos stammen aus Illustrierten, auf der Rückseite sind dementsprechend die Nachrichten aus dem
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Axel Limpert, 2005, Die "Individuellen Mythologien" des Michael Buthe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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