I
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis IV
1 Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung 1
2 Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung 4
2.1 Begriffsbestimmung und Definition 4
2.2 Zinsrisikoarten 4
2.2.1 Variables Zinsrisiko 4
2.2.2 Festzinsrisiko 5
2.2.3 Kalkulationsrisiko bei zukünftigen Finanzierungen 5
2.3 Erkennen von Zinsrisiken 6
2.3.1 Rolle der Zinserwartungen 6
2.3.2 Betrachtung der Zinsstrukturkurve 7
2.4 Erfassung und Quantifizierung der Zinsrisiken 9
3 Grundlagen eines aktiven Zinsmanagements 10
3.1 Motive 11
3.2 Strategien zur Absicherung von Zinsrisiken 12
3.2.1 Hedging-Strategien im Einzelnen 12
3.2.2 Beurteilung der Strategien für die Anwendung in KMU 13
4 Zinsinstrumente für ein aktives Zinsmanagement 15
4.1 Einteilungsmöglichkeiten der Zinsinstrumente 15
4.1.1 Einteilung in Kassa , Termin und Optionsgeschäfte 15
4.1.2 Einteilung in maßgeschneiderte (nicht börsengehandelte) und standardisierte
(börsengehandelte) Zinsinstrumente 18
4.1.3 Einteilung in symmetrische und asymmetrische Zinsinstrumente 19
4.1.4 Einteilung nach den Einsatzmöglichkeiten 20
4.2 Erklärung und Einsatzmöglichkeiten der Zinsinstrumente im Einzelnen 21
4.2.1 Zinsswaps 21
4.2.1.1 Grundprinzip................................................................................. - 21 -
II
4.2.1.2 Anwendung in der Praxis 22
4.2.1.3 Swap-Produktvarianten 26
4.2.1.4 Preisquotierung 31
4.2.1.5 Technische Abwicklung 32
4.2.1.6 Abrechnung 33
4.2.1.7 Auflösung 34
4.2.2 Zinswährungsswaps 35
4.2.2.1 Grundprinzip 35
4.2.2.2 Anwendung in der Praxis 38
4.2.2.3 Preisquotierung 40
4.2.2.4 Technische Abwicklung, Abrechnung und Auflösung 40
4.2.3 Forward-Swaps und Forward-Darlehen 41
4.2.4 Forward-Rate Agreements (FRAs) 43
4.2.5 Swaptions, Ungebundene-Forward Darlehen und XL-Kredite 46
4.2.6 Zinsbegrenzungsvereinbarungen (Caps/Floors/Collars) 49
4.2.6.1 Caps 49
4.2.6.2 Floors und Collars 52
4.2.7 Zinsfutures 55
4.3 Bilanzielle Aspekte der Zinsinstrumente 56
4.3.1 Einführung 56
4.3.2 Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Zinsinstrumente 57
4.3.2.1 Zinsswaps und Forward-Swaps 57
4.3.2.2 Forward-Rate Agreements 59
4.3.2.3 Zinsbegrenzungsvereinbarungen (Caps/Floors/Collars) 59
4.3.3 Schlussbemerkung und Ausblick zur Bilanzierung von Zinsinstrumenten 62
5 Fazit, Ausblick und Schlussbemerkung 63
Quellen- und Literaturverzeichnis...................................................................................- 65 -
IV
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 1 : Formen der Zinsstrukturkurve 8
Abb. 2 : Einteilung der Finanzmärkte 16
Abb. 3 : Beispiel Zinsswap zur Absicherung einer variablen Verzinsung 23
Abb. 4 : Zinsstrukturkurve und Zinslaufzeitverkürzung 24
Abb. 5 : Beispiel Zinsswap zur Reduzierung der Finanzierungskosten 25
Abb. 6 : Step-Down Swap 28
Abb. 7 : Annuitäten-Swap 29
Abb. 8 : Step-up Swap 29
Abb. 9 : Roller-Coaster Swap 30
Abb. 10 : Callable/Puttable-Swap 31
Abb. 11 : Extendable-Swap 31
Abb. 12 : Kapitalaustausch bei Zinswährungsswaps am Laufzeitbeginn 35
Abb. 13 : Kapitalaustausch bei Zinswährungsswaps am Laufzeitende 35
Abb. 14 : Zinsaustausch bei Zinswährungsswaps während der Laufzeit 36
Abb. 15 : Beispiel Fix-fixer Zinswährungsswap 36
Abb. 16 : Beispiel Variabel-variabler Zinswährungsswap 37
Abb. 17 : Beispiel Fix-variabler Zinswährungsswap 37
Abb. 18 : Beispiel für den Kapitalaustausch bei einem Zinswährungsswap 38
Abb. 19 : Beispiel für Zinszahlungsströme bei einem Zinswährungsswap 39
Abb. 20 : Beispiel Kapitalrücktausch bei einem Zinswährungsswap 40
Abb. 21 : Forward-Swap 41
Abb. 22 : Grundstruktur eines Forward-Darlehens 42
Abb. 23 : Chancen/Risiken bei Forward-Swaps und Forward-Darlehen 43
Abb. 24 : Grundstruktur eines Forward-Rate Agreements 45
Abb. 25 : Grundstruktur einer Payer-Swaption 47
Abb. 26 : Verlauf einer variablen Verzinsung mit Cap 52
Tab. 1 : Mittelstandsdefinition des IfM Bonn 2
Tab. 2 : Bedeutung von Bankkrediten für Investitionen 3
Tab. 3 : Gewinn- bzw. Verlustpotential bestehender und geplanter Kredite 6
Tab. 4: Handlungsalternativen für den Inhaber einer Swaption.......................... - 48 -
- 1 - 1 Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung
Mitte des Jahres 2000 führte das Platzen der spekulativen Blase in der so genannten „new economy“ zu einem dramatischen Crash an den weltweiten Aktienmärkten, mit erheblichen gesamtwirtschaftlichen Folgen. Die Notenbanken, vor allem die Federal Reserve Bank in den Vereinigten Staaten und die Europäische Zentralbank, senkten als Reaktion mehrfach die Leitzinsen. Hohe Schwankungsbreiten an den Zinsmärkten waren die Folge. Sowohl die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt, als auch die langfristigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt sanken stetig, und befinden sich bis heute auf dauerhaft niedrigem Niveau. 1
Das Management von Zinsrisiken ist daher ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements in Unternehmen geworden. 2 Aber auch die Optimierung von Finanzierungszinsen ist immer wichtiger geworden, da in Zeiten knapper Margen und verstärktem Wettbewerb die Kosten gering gehalten werden müssen. 3 Laut einer Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn steht für mittelständische Unternehmen als Maßnahme zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit die Kostenreduzierung an oberster Stelle. 4
Der Bedarf an Zinsinstrumenten ist aufgrund dieser Motive stetig gestiegen 5 und Zinsderivate haben im Rahmen des Zinsmanagements stark an Bedeutung gewonnen 6 . Die deutsche Bundesbank spricht in ihrem Monatsbericht Januar 2003 sogar von „…unentbehrlichen Instrumenten der Risikosteuerung an den Finanzmärkten…“ 7 . Durch den sich stetig verbreiternden Markt für Zinsderivate findet sich für die meisten Interessentengruppen eine optimale Lösung für ein individuelles Zinsmanagement. 8 Zinsderivate gehören schon seit vielen Jahren zum Standardrepertoire bei Finanzierungsentscheidungen von Banken, Versicherungen und Großunternehmen.
1 Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 5.
2 Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 1.
3 Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 6.
4 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Mittelstandsfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Bankkredit und öffentlichen Finanzierungshilfen; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).
5 Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 1.
6 Vgl. Deutsche Bank AG 2001, S. 1.
7 Deutsche Bundesbank 2003, S. 31.
8 Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 6.
- 2 - Durchimmer geringer werdende erforderliche Mindestvolumina haben nun auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Möglichkeit ein aktives Zinsmanagement zu betreiben und Zinsderivate gezielt einzusetzen. 9 Als KMU gelten Unternehmen, die eine bestimmte Beschäftigungszahl und/oder einen bestimmten Jahresumsatz nicht überschreiten. Eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Einteilung dazu zeigt die folgende Tabelle des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn.
Tab. 1: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn 10
Für KMU ist die Entwicklung zu geringer werdenden Mindestvolumina für Zinsderivate besonders interessant, da sie ihren Kapitalbedarf für Investitionen und Betriebsmittel primär durch klassische Bankkredite decken, die 91% des Fremdkapitals ausmachen. Gerade kleine Unternehmen haben nicht wie Großunternehmen den Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen, wie z.B. Börsengang, Private Equity oder Emission von Unternehmensanleihen. 11 Von daher ist, wie die folgende Tabelle zeigt, die Bedeutung von Bankkrediten als Hauptfinanzierungsquelle für KMU weiter gestiegen. Die Tabelle zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter Unternehmen zur Wichtigkeit von Bankkrediten bei der Unternehmensfinanzierung.
9 Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 3.
10 Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Ergebnisse: Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn: Forschungsergebnisse des Jahres 2003: Unternehmensgrößenstatistik 2001/2002 - Daten und Fakten; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).
11 Institut für Mittelstandforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Geld für morgen: wie die Mittelstandfinanzierung der Zukunft aussieht; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2001; (08.12.2005).
Tab. 2: Bedeutung von Bankkrediten für Investitionen 12
Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass die Sensibilität von Unternehmen gegenüber Marktzinsänderungen in der Regel durch die Höhe des Verschuldungsgrades beeinflusst wird. 13
Aufgrund dieser großen Bedeutung von Bankkrediten soll diese Arbeit speziell für KMU Grundlagen und Möglichkeiten des Zinsmanagements und der Absicherung von Zinsrisiken bei ihrer Finanzierung aufzeigen.
Zunächst findet eine Begriffsbestimmung und eine Definition von Zinsrisiken statt. Außerdem erfolgen ein Überblick und die Erklärung der verschiedenen Arten von Zinsrisiken. Das Erkennen von Zinsrisiken mit Hilfe der Zinsstrukturkurve spielt im weiteren Verlauf ebenfalls eine Rolle. Darauf folgend werden Begriff, Motive und Möglichkeiten des Zinsmanagements erklärt, sowie verschiedene Hedging-Strategien vorgestellt und für die Anwendung in KMU bewertet. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Überblick, Beschreibung und Anwendungsmöglichkeiten der verfügbaren Zinsderivate, sowie deren mögliche Risiken. Außerdem erfolgt eine bilanzielle Betrachtung einzelner Zinsinstrumente. Den Abschluss bilden Fazit, Ausblick und Schlussbemerkung.
12 Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Mittelstandsfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Bankkredit und öffentlichen Finanzierungshilfen; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).
13 Vgl. Arnoldi 1993, S. 27.
- 4 - 2 Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung
Zinsänderungsrisiko 16 und Zinsänderungsrisiken 17 . In dieser Arbeit wird von Zinsrisiken oder synonym von Zinsänderungsrisiken gesprochen, da gezeigt wird, dass es bei der Unternehmensfinanzierung nicht nur ein Zinsrisiko, sondern verschiedene Zinsrisiken zu beachten gibt.
Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung sind Marktpreisrisiken, d.h. wenn sich der Marktpreis, also bei Fremdkapitalaufnahmen der Marktzins, zu ungunsten des Kreditnehmers entwickelt. 18 Die Zinsrisiken des Unternehmens lassen sich also definieren als die Unsicherheit der Nettozinszahlungen einer Periode, welche aus Marktzinsänderungen resultieren. 19 Allerdings können Sie nur dann entstehen, wenn Unternehmen Fristentransformation betreiben, d.h. sich die Zinsbindungsdauern der Passivseite von den Kapitalbindungsdauern auf der Aktivseite unterscheiden. 20 Kapitalbindung und Zinsbindung können gleich sein, müssen aber wie die Praxis es zeigt nicht gleich sein. 21
2.2 Zinsrisikoarten
Wenn ein Unternehmen Fristentransformation betreibt, ergeben sich aus Sicht des Kreditnehmers Zinsrisiken aus folgenden Finanzierungssituationen.
2.2.1 Variables Zinsrisiko
14 Vgl. z.B. Bessler 1989, S. 2f; Stocker 1997, S. 45; Wiedemann 1998, S. 7.
15 Vgl. z.B. Arnoldi 1993, S. 23; Bessler 1989, S. 1.
16 Vgl. z.B. Bangert 1987 S.1; Büschgen 1988, S.15; Hanker 1998, S. 25.
17 Vgl. z.B. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 6; Wiedemann 2005, S. 141ff.
18 Vgl. Wiedemann 1998, S. 7.
19 Vgl. Wittleder 1988, S. 23.
20 Vgl. Schierenbeck 1997, S. 213.
21 Vgl. Wiedemann 1998, S. 7.
- 5 - Kreditkosten. 22 Kennzeichender variablen Verzinsung ist die (regelmäßige) Anpassung des Zinssatzes an die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen des Geldmarktes, unter Einrechnung eines Referenzzinssatzes, z.B. EURIBOR 23 . Zu meist viertel- oder halbjährigen Terminen findet die Anpassung statt. 24 Fremdkapitalaufnahmen mit variabler Verzinsung geben dem Finanzmanagement daher keine genaue Kalkulationsgrundlage. Investitionen können unter Umständen aufgrund unerwartet hoher Kapitalkosten unrentabel werden und damit zu einer geringeren Finanzierungskraft des Unternehmens führen. 25
2.2.2 Festzinsrisiko
Zukunft, und zwar wenn der noch nicht zurück gezahlte Kredit zu neuen Konditionen verlängert werden muss, und der dann gültige Zinssatz zu einer Mehrbelastung führen würde. 27 Auf der anderen Seite ergibt sich ein Nachteil für das Unternehmen, wenn während der Laufzeit der Festzinsvereinbarung die Marktzinsen fallen. Es würde so nicht in den Genuss der Zinssenkung kommen, wie es bei einer variablen Verzinsung der Fall wäre. 28
2.2.3 Kalkulationsrisiko bei zukünftigen Finanzierungen
Eine in der Zukunft geplante Kreditaufnahme birgt das Risiko einer unsicheren Kalkulationsbasis, da der Kreditnehmer nicht die zukünftigen Finanzierungskosten kennt. 29 Beispielsweise können sich bei der Bewerbung an einer Ausschreibung dann Zinsrisiken ergeben, wenn die Rentabilität des Angebots auf Grundlage bestehender Finanzierungskosten kalkuliert worden ist. Bis zur Entscheidung des
22 Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 6.
23 Der Referenzzinssatz EURIBOR (European Interbank Offered Rate) ist der täglich festgestellte Zinssatz für kurzfristige Kredite zwischen Banken; vgl. z.B. Bickers/Henning 2004, S. 11; Wurm/Wolff/Ettmann 2002, S. 174.
24 Vgl. Büschgen 1997, S. 1303.
25 Vgl. Demuth 1988, S. 120.
26 Festzins: Zinssatz, der für eine bestimmte Laufzeit nicht veränderlich ist; vgl. Büschgen 1997, S. 451.
27 Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 13.
28 Vgl. Wimpffen 1989, S. 194.
29 Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 20.
- 6 - Ausschreibungsgewinnersbesteht für das Finanzmanagement ein Zinsrisiko, da sich durch zwischenzeitliche Zinssteigerungen die Kalkulationsbasis für die Rentabilität ändern würde. 30
Gewinn- bzw. Verlustpotentiale (auch unter Opportunitätsüberlegungen) bestehender oder geplanter Kredite, aufgrund von Zinsrisiken, lassen sich in Abhängigkeit unterschiedlicher Zinsbindungsfristen wie folgt zusammenfassend darstellen.
Tab. 3: Gewinn- bzw. Verlustpotential bestehender und geplanter Kredite 31
2.3 Erkennen von Zinsrisiken
Die beschriebenen Zinsrisiken ergeben sich aus einer Veränderung des Zinsniveaus. Daher ist die Erwartung des zukünftigen Zinsniveaus ein entscheidender Faktor für das Zinsmanagement. Für die Meinungsbildung zur Zinsentwicklung, ist die Betrachtung der Zinsstrukturkurve wichtig. Die Rolle der Zinserwartungen und die Betrachtung der Zinsstrukturkurve werden im Folgenden behandelt.
2.3.1 Rolle der Zinserwartungen
Es lässt sich festhalten, dass Zinsänderungen Risiken und Chancen beinhalten können. Die Gefahr für den Kreditnehmer besteht immer dann, wenn die Zinsentwicklung entgegen seiner Zinserwartungen und der eingegangenen Finanzierung läuft. D.h. wenn Zinserwartungen und Finanzierung mit der tatsächlichen Zinsentwicklung übereinstimmen, ergibt sich für den Kreditnehmer ein Zinsvorteil. Die Unterscheidung zwischen Risiko und Chance bedarf der Festlegung eines Referenzwertes bzw. eines Nullpunkts seitens des Entscheidungsträgers, von dem seine Erwartungen ausgehen.
30 Vgl. Arnoldi 1993, S. 25.
31 Arnoldi 1993, S. 26.
- 7 - Risikobezieht sich somit auf die negative Entwicklung, Chance auf die positive Entwicklung seiner Erwartungen. 32
Beispiel:
Ein Unternehmer hat in der heutigen Zeit die Erwartung, dass die zurzeit historisch tiefen Zinsen 33 in Zukunft steigen werden, und nimmt einen langfristigen Festzinskredit auf. Bestätigen sich seine Erwartungen während der Laufzeit, hat er auf der einen Seite eine Zins-Chance gegenüber einer variablen Verzinsung genutzt, bei der die Zinsen angestiegen wären. Auf der anderen Seite hat er das Risiko, dass die Zinsen bei Verlängerung seines Kredits höher sind, und er somit eine höhere Belastung zu tragen hätte.
2.3.2 Betrachtung der Zinsstrukturkurve
Es hat sich gezeigt, dass Unsicherheit und Erwartungen eine große Rolle bei Finanzierungsentscheidungen spielen. Damit ein Unternehmen Aussagen zu den Zinserwartungen treffen kann, muss es zunächst Zinsrisiken erkennen und bewerten. Die Quantifizierung von Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung setzt genaue Kenntnisse über die Höhe und Volatilität der momentanen Zinssätze für verschiedene Zinsbindungsfristen, sowie Einschätzungen über die zukünftig erwarteten Zinssätze verschiedener Fristigkeiten und deren Volatilität voraus. Erst dann können daraus die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. 34
Im Folgenden werden die sich verändernden Situationen des Zinsniveaus beschrieben. Die Veränderung des Zinsniveaus kommt in der Verschiebung der Zinsstrukturkurve zum Ausdruck. Die Zinsstrukturkurve besteht aus einer Vielzahl von aneinander gereihten Zinssätzen für eine Laufzeit bis zehn Jahre. Jeder Punkt der Kurve gibt einen bestimmten Zinssatz zu einer bestimmten Laufzeit an. Die Verbindung der Punkte ergibt die Kurve. Der Verlauf der Zinsstrukturkurve hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine entscheidende Rolle unter anderem spielen das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Erwartungen der Marktteilnehmer. Es werden drei bekannte
32 Vgl. Wittleder 1988, S. 20f.
33 Vgl. Europäische Zentralbank, EZB-Zinssätze: Mindestbietungssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 2,25 % , gültig seit 06.12.2005; in: http://www.bundesbank.de/ezb/ezb.php; (08.12.2005).
- 8 - Verlaufsformenunterschieden: Normal, Flach, und Invers. 35
Abb. 1: Formen der Zinsstrukturkurve 36
Bei normalem Verlauf der Zinsstruktur liegen die kurzfristigen Zinsen unter den langfristigen Zinsen, und der Markt befindet sich gewöhnlich in einer Niedrigzinsphase. Die Vergangenheit des Zinszyklus hat gezeigt, dass der Verlauf anschließend in eine flache Kurve übergeht, und dann oft inverse Strukturen in einer Hochzinsphase folgen. Eine Drehung, genau wie eine Verschiebung der Kurve, kann je nach Finanzierungswahl zu Chancen oder Risiken führen. 37
Ein Unternehmen sollte bei der Finanzierung die jeweilige Zinsstruktur beachten, und in seine Entscheidung mit einbeziehen. Im obigen Beispiel in Abschnitt 2.3.1 beeinflusst die Zinsstrukturkurve die Erwartungen und die Finanzierungsentscheidung. Der Kreditnehmer weiß, dass momentan eine Niedrigzinsphase mit flachem Verlauf der
34 Vgl. Arnoldi 1993, S.27.
35 Vgl. Hanker 1998, S. 26.
36 Hanker 1998, S. 26.
37 Vgl. Hanker 1998, S. 27.
- 9 - Zinsstrukturkurveherrscht, d.h. die Höhe der langfristigen Zinsen und die der kurzfristigen Zinsen liegen sehr nah aneinander. In einer solchen Phase fällt die Entscheidung zumeist auf einen langfristigen Festzinskredit, da allgemein davon ausgegangen wird, dass die Zinsen eher in Zukunft ansteigen als sinken. 38 Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass es keinen Nachteil geben kann. Auch wenn aus der Vergangenheit des Zinszyklus die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen gering ist, ist es dennoch möglich, dass die allgemeinen Erwartungen der Marktteilnehmer nicht erfüllt werden, und die Zinsen weiter zu neuen Tiefs fallen. Der Kreditnehmer hätte somit nicht die optimalen Finanzierungskosten erreicht.
2.4 Erfassung und Quantifizierung der Zinsrisiken
38 So auch Hanker 1994, S. 27.
39 Für eine genaue Erläuterung und Anwendung der Durationsanalyse vgl. Drosdzol 2005, S. 87ff.
40 Für eine genaue Erläuterung und Anwendung des Barwertkonzepts vgl. Drosdzol 2005, S. 111ff.
41 Für eine genaue Erläuterung und Anwendung der Zinsbindungsbilanz vgl. Hanker 1998, S. 31ff.
42 Vgl. Wittleder 1988, S. 23.
Soauch Wiedemann 1998, S. 324ff. 44 Vgl. Dresdner Bank: Produkte: Firmenkunden: Zinsmanagement; in: http://www.beraterbank.de/
produkte/firmenkunden/zinsmanagement/index.html; (08.12.2005).
45 Vgl. z. B. Nassauische Sparkasse: Zinsmanagement; in: http://www.naspa.de/firmenkunden/
produktefinanzierungen/zinsmanagement.html; (08.12.2005); Sparkasse Aachen: Firmenkunden: Finanzierung: Zinsmanagement; in: http//: http://www.sparkasse-aachen.de/frames.html?/pages/ firmenkunden/finanzierung/zinsmanagement/; (08.12.2005).
46 Vgl. Büschgen 1988, S. 115f.
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Diplom-Kaufmann (FH) Andreas Glahn, 2006, Aktives Zinsmanagement bei der Unternehmensfinanzierung von KMU, Munich, GRIN Publishing GmbH
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