1 EINLEITUNG 3
2 BEGRIFFSDEFINITION 3
3 DAS GESELLSCHAFTLICHE UMFELD 4
3.1 INSTITUTION EHE 4
3.2 DIE FRAGE DER EHRE. 5
4 PROSTITUTION IM 14. UND 15. JAHRHUNDERT 7
4.1 PROSTITUIERTE ALS GESELLSCHAFTLICHE AUßENSEITER. 7
4.2 FORMEN DER PROSTITUTION 8
4.2.1 Fahrende Frauen. 8
4.2.2 Frauenhaus 9
4.2.3 Weitere Formen. 11
4.3 SOZIALER STATUS DER PROSTITUIERTEN 12
4.4 KLEIDERORDNUNG. 13
4.5 ALTER, GESUNDHEIT UND KINDER 13
4.6 WEGE AUS DER PROSTITUTION. 14
5 NEUE SITTLICHKEIT IM 16. JAHRHUNDERT 15
6 FAZIT 16
A LITERATURVERZEICHNIS 17
II
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit ist als Abschluss des Proseminars „Sex & Crime“ aus dem Wintersemester 2003/04 zu betrachten. Sie knüpft an mein Referatsthema, die Prostitution in der Frühen Neuzeit an und will einen Einblick in dieses Thema liefern. Nach einer kurzen Begriffsdefinition möchte ich zuerst die allgemeinen Lebensumstände einer Frau in der Frühen Neuzeit betrachten und in Verbindung mit dem Begriff der Ehre bringen, bevor ich mich den einzelnen Aspekten der Prostitution zuwende. Besonderes Interesse habe ich dabei auf die Betrachtung der Frauenhäuser verwendet, die stellvertretend für eine temporäre Phase des vergleichsweise liberalen Umgangs mit Prostituierten stehen. Dabei konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf die heterosexuelle Prostitution von Frauen mit ihren verschiedenen Ausprägungen.
2 Begriffsdefinition
Prostitution als Substantiv beschreibt heute die „gewerbsmäßige Ausübung sexueller Handlungen“ 1 . Verortet in den Zeitrahmen der Frühen Neuzeit ist seine Verwendung jedoch problematisch, denn der Begriff als solcher bildete sich im 16. Jahrhundert erst heraus. Die erste belegte Nennung stammt 1567 aus Nürnberg und bildet eine Anlehnung an die lateinischen Begriffe prostibilis (sich feil bietend), prostibulum (Dirne, Bordell) und prostituta (Dirne) 2 .
Auch innerhalb der Wissenschaft findet sich kein Konsens über eine einheitliche Definition: Beate Schuster datiert die Verwendung des Begriffes im sexuellen Zusammenhang erst auf das 18. Jahrhundert, eine exklusive Anwendung im sexuellen Kontext stellt sie sogar erst für die Mitte des 19. Jahrhunderts fest 3 . Nach ihrer Argumentation bezeichnet Prostitution „sexuelle Beziehungen von Frauen, die nicht auf einer von materiellen Erfordernissen befreiten bürgerlichen Fiktion von Liebe begründet waren und nicht auf einen Mann beschränkt blieben“ 4 . Gotthard Feustel stellt
1 Duden Bd. 5, S. 816.
2 Vgl. Angermann, Norbert 1995, S. 267.
3 Vgl. Schuster, Beate 1995, S. 10.
4 Ebd. S. 10.
3
die seit einem Jahrhundert vorherrschenden Definitionen anschaulich gegenüber, die sich von rein psychologischen Ansätzen (Prostitution als psychischer Defekt oder Faulheit) bis hin zu ökonomischen Theorien (der eigene Körper als Ware) erstrecken 5 .
Der Argumentation von Beate Schuster möchte ich mich im Folgenden anschließen und den Begriff der Prostitution für ein einfacheres Verständnis auch verwenden, obwohl in der Frühen Neuzeit andere Bezeichnungen für eine Prostituierte gebräuchlich waren 6 . Die zum damaligen Zeitpunkt typischen Begriff wie Geltochter, Gemeine oder Leichte Frau zeigen bereits bei oberflächlicher Betrachtung zwei Interpretationsdimensionen, aus denen die Tätigkeit einer Prostituieren betrachtet werden kann und im Folgenden auch besprochen wird: Zum einen aus wirtschaftlicher Perspektive, die Frau bietet ihren Körper zu Erwerbszwecken feil. Die beschreibenden Adjektive betonen hingegen den sozialen Status einer Prostituierten in der Frühen Neuzeit, der im öffentlich Ansehen gering war.
3 Das gesellschaftliche Umfeld
3.1 Institution Ehe
Mann und Frau als verheiratetes Paar lebten in der Frühen Neuzeit in einem patriarchalischem Ordnungsgefüge zusammen. Der Mann war der Frau übergeordnet, kümmerte sich um Schutz und Versorgung der Familie, die in seiner „Huld und Gnad“ 7 stand. Diese Vormachtsstellung des Mannes wurde schöpfungstheologisch begründet, der er der Frau körperlich, geistig und moralisch überlegen war. Einzig beim Haushalten galten die Partner als gleichwertig, denn hier waren Mann und Frau aufeinander angewiesen, etwa wenn es um die christliche Erziehung der Kinder oder die gemeinsame Versorgung ging. Der Mann war in erster Linie für die fortlaufende
5 Vgl. Feustel, Gotthard 1993, S. 7ff.
6 Typische Begriffe für eine Prostituierte in der Frühen Neuzeit waren etwa Dirne, Gelttochter, Ge-
meine Frau oder Fröuwele, Halbfoz, Hure, Leichte Frau, Lichtfertiger Frowen, Meretrix Publica,
Metzen, Mulieres Vagas, Schone Frowen, Scorta, Varende Frowen und Tochtern, Varndez Frevelin,
Varenden Wive, Weitloch, etc. (vgl. Angermann, Norbert 1995, S. 267, Rath, Brigitte 1994, S. 353,
Schuster, Beate 1995, S. 37, 159).
7 Schmidt, Heinrich R. 1998, S. 215.
4
wirtschaftliche Absicherung zuständig. Frauen aus besseren sozialen Schichten trugen durch Aussteuer, Renteneinkünfte oder Erbe ebenfalls einen Teil des Haushaltes ab. Außerdem brachten sie ihre Arbeitskraft in die Ehe ein, organisierten den Haushalt und unterstützen ihren Mann insbesondere in niedrigen sozialen Schichten bei der Lohnarbeit. Aufgrund dieser Verflechtung spricht Heide Wunder beim ehelichen Zusammenleben in der Frühen Neuzeit vom Arbeitspaar 8 . Erst wenn der Mann ver-storben ist, bekommt seine Witwe größeren Handlungsspielraum, konnte etwa den Familienbetrieb weiterführen.
3.2 Die Frage der Ehre
Die Frau repräsentiert zudem das öffentliche Ansehen ihres Ehemannes. Sie übernahm nach außen die Funktion der „Hausehre“ 9 , eine Aufgabe, der durch Umwälzungen im politischen und gesellschaftlichen Umfeld immer stärkere Bedeutung zukam. Dagmar Freist sieht einen umfassenden Regulierungsanspruch des frühneuzeitlichen Staates in Bezug auf das moralische und sittliche Verhalten aller Bürger. Gründe dafür sind u.a. „der Verlust der christlichen Einheit durch die Re-formation, [...], der weit beklagte ‚Niedergang der Familie’ und schließlich tief greifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzungen“ 10 . Oblag viele Jahrhunderte lang die Definition von geschlechtlichen Delikten der Kirche, so kam es im Zuge der Reformation zum gemeinsamen Vorgehen von Kirche und Staat. Die Ehe wurde aufgewertet, nicht-ehelicher Geschlechtsverkehr sanktioniert. Keuschheit war nicht länger ein Gebot an einen einzelnen Stand, den Klerus, sondern wurde gesellschaftliche Norm.
Die Frauen wurden zusehens aus dem Arbeitsmarkt verdrängt oder schlechter bezahlt. Zünfte verschlossen sich den Frauen, Handwerker und Gesellen wollten sich von ihnen keine Anweisungen mehr geben lassen, an Universitäten und Akademien durften sie nicht mehr teilhaben. Es entstand ein spezifisches Bild einer ehrbaren weiblichen Person im sozialen Kontext, dem die Frau entsprechen musste.
8 Vgl. Wunder, Heide 1993, S. 23ff.
9 Wunder, Heide 1992, S. 267.
10 Freist, Dagmar 2000, S. 190.
5
Arbeit zitieren:
Michael Ludwig, 2005, Weibliche Prostitution in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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