Die Unternehmen und damit auch Ausbildungsbetriebe agieren in einem wirtschaftlichen Umfeld, das sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Kennzeichen dieses Wandels sind vor allem die Internationalisierung bzw. Globalisierung der Märkte mit den bekannten Folgen: erhöhter Wettbewerbsdruck, was u.a. Innovationsdruck auf der einen Seite und Kostendruck auf der anderen Seite bedeutet. Angesichts der Forderung auf der Produkt- oder Angebotsseite möglichst hoch innovativ zu sein, geht es u.a. darum neues Wissen rasch aufzunehmen und für die Entwicklung von neuen Gütern und Dienstleistungen umzusetzen. Darüber hinaus sollte sich der Wissenserwerb nicht nur als effektiv, sondern auch als effizient erweisen. Schließlich sollte der Wissenserwerb und damit das Lernen von Mitarbeitern zunehmend aktiv, nach Bedarf und dazuhin selbstgesteuert erfolgen. Nimmt man die betriebliche Ausbildung in den Blick, so ist jedoch - auch im kaufmännischen Bereich weithin zu konstatieren, dass eher sehr traditionell verfahren wird: Über weite Strecken Ausbildung nach der Vier-Stufen-Methode. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage
ob die vermehrte Nutzung des E-Learning einen Beitrag zur Bewältigung der eingangs genannten Anforderungen leisten kann.
Um einen Überblick über das Themengebiet schaffen zu können, werden nach einer Erarbeitung einer Definition des Begriffs E-Learning die verschiedenen Formen des E-Learning vorgestellt sowie der Verbreitungsgrad des E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung anhand der Auswertung bestehender Studien ermittelt. Unter E-Learning ist - wenn man die bestehenden Formen des E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung abdecken möchte - die Unterstützung von Lernprozessen durch den Computer zu verstehen. Als wesentliche Eigenschaft für das E-Learning konnte ein verteiltes, asynchrones Lernen festgestellt werden. Da E-Learning ein Sammelbegriff ist, unterscheiden sich die einzelnen Formen hinsichtlich weiterer Kriterien deutlich voneinander. Die äußerst dürftigen Forschungsergebnisse bezüglich des Verbreitungsgrades von E-Learning im Rahmen der betrieblichen Ausbildung ergaben, dass zwei von drei Großunternehmen E-Learning im Rahmen der betrieblichen Ausbildung einsetzen.
Hinsichtlich der Effekte des E-Learnings konnte festgestellt werden, dass E-Learning unter bestimmten Voraussetzungen motivierend sein kann, die Lerneffizienz erhöht und zu einer verbesserten Speicherung des Wissens im kognitiven Apparat beiträgt. Ferner kann E-Learning zu Kosteneinsparungen führen, was auch empirisch belegt wurde. Analysiert man E-Learning-Applikationen ist ferner festzustellen, dass sie z.T. berufliche Handlungskompetenz herausbilden können, leichter aktualisiert werden, sowie selbstgesteuertes Lernen fördern. Empirische Belege fehlen jedoch, da zu diesen Effekten keine empirischen Studien veröffentlicht wurden.
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I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis 3 II. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 5 1. Einleitung 6
1.1. Problemstellung
1.2. Zum Aufbau der Arbeit 2. Zur Funktion des Lernorts „Betrieb“ 11
3. Zur Definition des Begriffs E-Learning 12
4. Zu den Formen des E-Learning 14
4.1.Kriterien zur Charakterisierung der E-Learning-Formen 14 4.2.Computer-Based-Training 17
4.2.1. Drill & Practice-Programme 19 4.2.2. Tutorielle Programme 21
4.2.3. Intelligente tutorielle Systeme
4.2.4. Hypertext- und Hypermedia-Informationssysteme 4.2.5. Simulationen 25
4.2.6. Elektronische Lernspiele 27 4.3.Web-Based-Training 27
4.3.1. Aus dem Inter-/Intranet ausführbare Computer Based Trainings 29 4.3.2. Webquests 29 4.3.3. Wikis 30 4.3.4. Weblogs 32 4.3.5. Fernplanspiele 33
4.4.Lernplattformen (E-Training) 34
4.5.Die Mischform „Blended Learning“ 36
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5. Zur Verbreitung von E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung 37
6. Zu den Effekten des E-Learning-Einsatzes in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung 40
6.1. Zur Konsistenz und Aktualität der Lehrinhalte
6.2. Zur Speicherung des Wissens im kognitiven Apparat 6.3. Zur Effizienz des Lernens 45
6.4. Zur Motivation des Lernenden 47
6.5. Zur Förderung der beruflichen Handlungskompetenz 50
6.6. Zu den ökonomischen Potentialen
6.7. Zum selbstgesteuertem Lernen 7. Zusammenfassung und Forschungsdesiderate 55 III. Literaturverzeichnis 59 IV. Anlage 64
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II. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Abbildungen:
Abb. 1 - Screenshot des Programms „Zehn Finger Test“ 21
Abb. 2 - Screenshot der Webseite „Versicherungslexikon.info“ 23
Abb. 3 - Screenshot der Simulation „Factory“ 25
Abb. 4 - Screenshot der Webseite „Pflegewiki.de“ 31
Abb. 5 - Screenshot der Webseite „Bildungsblog“ 32
Tabellen:
Tabelle 1: Vergleich der Formen des Computer Based Trainings nach ausgewählten Kriterien 19
Tabelle 2: Vergleich der Formen des Web Based Trainings nach ausgewählten Kriterien 28
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1. Einleitung
1.1. Problemstellung
In der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft ist gegenüber der früheren Industriegesellschaft festzustellen, dass sich das Wissen nicht nur ständig erweitert, sondern dass Informationen im Allgemeinen einer geringeren Halbwertszeit unterliegen. 1 Ständig werden Informationen durch neue Hinweise, die mittels der Neuen Medien innerhalb weniger Sekunden von allen Nutzern in der gesamten Welt gelesen werden können, aktualisiert. Im Hinblick auf betriebswirtschaftliches Wissen ist zu konstatieren, dass sich auch hier Wissen durch neue Forschungsergebnisse ständig verändert. Bei traditionellen Lehrmedien, wie zum Beispiel dem Lehrbuch, liegt jedoch eine erhebliche Zeitspanne zwischen dem Redaktionsschluss und der eigentlichen Publikation. Angesichts der rasanten Entwicklung, in der die Wissenschaft immer neue betriebswirtschaftliche Konzepte entwickelt, muss man sich fragen, ob traditionelle Lehrmedien, wie zum Beispiel Lehrbücher, dieser gebotenen Aktualität Rechnung tragen können. So kommt es oft vor, dass Lehrbücher kurze Zeit nach der Veröffentlichung bereits veraltet scheinen. Ausbilder stehen vor der Frage, mit welchen Alternativen zum traditionellen Lehrbuch Lehrinhalte leichter aktualisiert werden können.
Ferner agieren Unternehmen, und damit auch Ausbildungsbetriebe, in einem wirtschaftlichen Umfeld, welches sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Kennzeichen dieses Wandels sind vor allem Internationalisierung bzw. Globalisierung der Märkte mit den bekannten Folgen: ein erhöhter Wettbewerbsdruck, der u. a. Innovationsdruck auf der einen Seite und Kostendruck auf der anderen Seite bedeutet. Dieser Kostendruck wird auch in der Aus- und Weiterbildung deutlich: „Die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter 2 “, so Köllinger, „ist zwar gewünscht, soll jedoch möglichst wenig Zeit und Geld kosten.“ (vgl. Köllinger 2002, S.14) Im Raum steht daher die Frage, mit welchen Lernumgebungen Ausbildungsunternehmen die Kosten der Aus- und Weiterbildung senken können, ohne einen Qualitätsverlust erleiden zu müssen. Darüber hinaus sollte sich der Wissenserwerb selbstverständlich nicht nur als effizient, sondern auch als effektiv erweisen. Ein Lehr-/Lern-Setting ist dann erfolgreich, wenn die zu Beginn festgelegten Lernziele tatsächlich durch die Lernenden erreicht wurden und die Lerninhalte langfristig im kognitiven Apparat gespeichert sind. Zu fragen ist jedoch, welche Lehr-/Lern-Settings eine optimale Speicherung des Wissens im kognitiven Apparat evozieren.
1 So stellt Arnold fest, dass sich das Wissen der Menschen alle fünf Jahre verdoppelt, während sich die Halbwertszeit des Wissens ständig verringert (vgl. Arnold 2003, S. 40).
2 Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wurde im Rahmen dieser Arbeit überwiegend die männliche Form gewählt. Es sind aber jeweils sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Einleitung
Eng mit der optimalen Speicherung des Wissens im kognitiven Apparat verbunden ist die Lernmotivation. Sind die Auszubildenden motiviert, Wissen aufzunehmen, ist die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Speicherung des Wissens größer. Ausbilder stellen sich daher die Frage, ob es ein Lehr-/Lern-Setting gibt, das die Motivation der Lernenden deutlich erhöht. Ziel jeglicher beruflicher Aus- und Weiterbildung muss es sein, Lernende in die Lage zu versetzen, ihre zukünftigen betrieblichen Aufgaben effektiv und effizient lösen zu können. Nach Ebner müssen die Auszubildenden hierzu berufliche Handlungskompetenz erwerben, um später betriebliche Aufgaben lösen zu können. Unter der beruflichen Handlungskompetenz versteht Ebner „ein aufgabenbezogenes aktivierbares Wissenssystem zur situativen Generierung effektiver Handlungen in beruflichen Kontexten bestehend aus den Systemkomponenten Interaktions-, Professions- und Folgenwissen.“ (vgl. Ebner 2001, S. 7) Ausbildungsunternehmen müssen sich daher mit der Frage beschäftigen, mit welchem Lehr-/Lern-Setting Auszubildende am ehesten berufliche Handlungskompetenz erwerben können.
Durch Internationalisierung entstehen regelrechte „Branchenriesen“, in denen die Zuständigkeiten im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung auf einer Vielzahl von Köpfen verteilt sind, die an unterschiedlichen Standorten bzw. sogar in unterschiedlichen Ländern beschäftigt sind,. Dadurch besteht die Gefahr, dass Lerninhalte über die Standorte hinweg nicht konsistent sind. So ist es durchaus denkbar, dass trotz eines einheitlichen Unternehmenscurriculums 3 die einzelnen Ausbilder, zum Beispiel im Rahmen des innerbetrieblichen Unterrichts, eigene Schwerpunkte setzen und bestimmte Themen nicht behandeln. Wechselt ein Mitarbeiter später die Niederlassung, entstehen für das Unternehmen durch Lerninhalte, die nicht über die Standorte hinweg konsistent sind, höhere Einarbeitungskosten. Ausbildungsunternehmen stehen vor der Frage, mit welchen Mechanismen sie über Standorte hinweg konsistente Lehrinhalte gewährleisten können.
Der durch die Globalisierung bedingte Druck auf der Produkt- oder Angebotsseite, möglichst innovativ zu sein, verändert die Anforderungen an die Mitarbeiter ernorm. Um Veränderungen nicht nur hinterherzulaufen, sondern diese aktiv mitgestalten zu können, ist eine extrem schnelle Anpassungsfähigkeit der Mitarbeiter gefragt. So müssen sich Mitarbeiter auf neue Situationen einstellen, was vor allem bedeutet, dass sie in der Lage sein müssen, sich neue Themengebiete selbstständig zu erschließen. Voraussetzung hierfür ist, dass sie in der Lage sind selbst gesteuert 4 zu lernen. Dies wird im späteren Berufsleben erleichtert, wenn der Mitarbeiter bereits über entsprechende Kenntnisse des selbst gesteuerten Lernens verfügt. Das kann erreicht werden, indem bereits im Rahmen
3 Unter einem Unternehmenscurriculum soll im Rahmen dieser Arbeit ein einheitlicher Lehrplan verstanden werden, welcher im gesamten Unternehmen Gültigkeit besitzt.
4 Unter selbstgesteuertem Lernen soll im Rahmen dieser Arbeit das Verarbeiten von Informationen, Eindrücken und Erfahrungen verstanden werden, bei dem der Lernende diese Verstehens- und Deutungsprozesse im Hinblick auf ihre Zielausrichtung, Schwerpunkte und Wege im Wesentlichen selbst lenkt. (vgl. Schiersmann & Remele 2002, S. 59).
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Einleitung
der betrieblichen kaufmännischen Erstausbildung Lernumgebungen geschaffen werden, die ein zunehmend aktives selbstgesteuertes Lernen evozieren. Eine Beschränkung der (Erst)ausbildung auf das alleinige Erlernen von Faktenwissen innerhalb eines bestimmten Fachbereiches reicht daher - insbesondere vor dem Hintergrund der stetigen Weiterentwicklung betrieblicher Abläufe - nicht aus. Betrachtet man die betriebliche Ausbildung, so ist jedoch - auch im kaufmännischen Bereich - weithin festzustellen, dass eher sehr traditionell verfahren wird. So findet die Vermittlung des Wissens weiterhin ausbilderzentriert, zum Beispiel im Rahmen eines Vortrages innerhalb des innerbetrieblichen Unterrichts oder im Rahmen der Drei-Stufen-Methode, statt. Selbst gesteuertes Lernen nimmt nach traditionellen Lehrmethoden keinen großen Stellenwert innerhalb der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung ein. Es stellt sich daher die Frage, mit welchen Lehr-/Lern-Settings selbst gesteuertes Lernen evoziert werden kann.
Eine mögliche Antwort auf die in diesem Abschnitt gestellten Fragen könnte „E-Learning“ 5 sein, welches Ende der 1990er Jahre in der Literatur regelrecht als Allheilmittel propagiert wurde.
Schließlich wird über E-Learning gesagt, dass Lerninhalte gegenüber herkömmlichen Printmedien schneller aktualisiert werden können und konsistente Lehrinhalte dank zentraler Speicherung über Niederlassungen hinweg gewährleistet werden können. Ferner ist oft in Aufsätzen zu lesen, dass man mittels E-Learning die Kosten der betrieblichen kaufmännischen Aus- und Weiterbildung deutlich senken kann und durch die multimediale Aufbereitung der Lerninhalte die Speicherung des Wissens im kognitiven Apparat wesentlich effektiver zu sein scheint. Auch wird die Behauptung aufgestellt, dass Auszubildende durch E-Learning lernen, selbst gesteuert zu arbeiten und durch die multimediale Aufbereitung von E-Learning-Applikationen eine Steigerung der Lernmotivation festzustellen ist. Ferner soll
E-Learning die berufliche Handlungskompetenz erhöhen. Ziel dieser Diplomarbeit ist es herauszufinden, ob E-Learning tatsächlich eine adäquate Antwort auf die eingangs gestellten Fragen ist. Es soll untersucht werden, ob die oben genannten Probleme, die in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung bestehen, durch den (vermehrten) Einsatz von E-Learning gelöst bzw. zumindest gemindert werden können. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage,
5 Unter E-Learning soll im Rahmen dieser Diplomarbeit das „Unterstützung von Lernprozessen durch den Computer“ verstanden werden. Aus welchen Gründen genau diese Definition gewählt wurde, wird im dritten Abschnitt dieser Arbeit erläutert.
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Einleitung
Methodisch basiert die vorliegende Arbeit im Wesentlichen auf einer Literatur-und Internetrecherche. Hinzufügen ist allerdings, dass aufgrund der Spezifität und Aktualität des Themas ein großer Teil der benutzten Quellen direkt aus dem Internet stammen. Wie die Arbeit im Einzelnen inhaltlich aufgebaut ist, wird im folgenden Abschnitt beschrieben.
1.2. Zum Aufbau der Arbeit
Um dem Leser den Einstieg in das Themengebiet zu erleichtern, soll nach der Problemstellung (1.1.) sowie den Erläuterungen zum inhaltlichen Aufbau dieser Arbeit (1.2.) im zweiten Kapitel zunächst die Funktion des Lernorts „Betrieb“ im Rahmen der kaufmännischen Ausbildung dargestellt werden. Im dritten Abschnitt dieser Arbeit wird der Begriff E-Learning definiert. Hierzu werden verschiedene, in der Literatur gebräuchliche Definitionen herangezogen und aus diesen eine Definition erarbeitet, die nach der Meinung des Autors am ehesten die bestehenden Formen des E-Learning im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung abdecken kann.
Aufgrund der im dritten Abschnitt erarbeiteten Feststellung, dass E-Learning als Sammelbegriff verschiedener Formen computerunterstützten Lernens interpretiert werden kann, bietet es sich an, im vierten Abschnitt der Diplomarbeit die unterschiedlichen Formen von E-Learning vorzustellen und diese möglichst anhand konkreter Beispiele zu illustrieren. Da E-Learning ein Sammelbegriff ist, muss eine Vielschichtigkeit erwartet werden. Um darstellen zu können, in welchen Merkmalen sich die einzelnen Ausprägungen von
E-Learning unterscheiden, werden einheitliche Kriterien benötigt, mit deren Hilfe diese näher charakterisiert werden können. Aus diesem Grund werden im Kapitel 4.1. zunächst Kriterien für eine spätere Charakterisierung aufgestellt. Im Anschluss daran erfolgt in den Unterkapiteln 4.2 bis 4.5 eine Darstellung der einzelnen E-Learning-Formen sowie jeweils eine kurze Charakterisierung anhand der im Abschnitt 4.1. vorgestellten Kriterien.
Damit soll das Ziel des Teilabschnittes, die Beantwortung folgender Frage, erreicht werden:
Aktuelle Befragungen von Unternehmen nach den E-Learning-Angeboten im eigenen Hause ergaben - je nach zitierter Studie -, dass etwa 46 % bis 88 % der Unternehmen E-Learning-Formen einsetzen (vgl. Dittler 2003, S. 11). Möchte man in der gängigen Literatur jedoch Näheres über konkrete Anwendungsgebiete des E-Learning in Erfahrung bringen, fällt einem die starke Betonung der
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Einleitung
betrieblichen Weiterbildung auf, während die betriebliche Ausbildung oft nur in einem Halbsatz durch die jeweiligen Autoren Erwähnung findet. Es stellt sich daher die Frage,
wie weit E-Learning überhaupt im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung in Deutschland derzeit verbreitet ist. Zur Beantwortung dieser Frage soll im fünften Kapitel der Diplomarbeit der Verbreitungsgrad von E-Learning im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung - anhand der Auswertung verschiedener, bereits vorliegender empirischer Studien - dargestellt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage, in welchen Branchen, Betriebsgrößen und Ausbildungsberufen E-Learning verstärkt zum Einsatz kommt. Durch die Untersuchung, wie weit E-Learning-Applikationen verbreitet sind, können Rückschlüsse auf die derzeitige Bedeutung von E-Learning zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit gezogen werden.
Aufbauend auf das Wissen über die Formen und den Verbreitungsgrad von E-Learning, welche in den deskriptiv gehaltenen Abschnitten 4 und 5 vermittelt wurden, soll im sechsten Abschnitt eine kritische Analyse des (vermehrten) Einsatzes von E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung erfolgen:
Welche Effekte sind für den Ausbilder, die Ausbildungsunternehmen sowie für die Lernprozesse der Auszubildenden theoretisch zu erwarten und welche Effekte wurden bislang empirisch belegt?
In den einzelnen Abschnitten des Kapitels erfolgt zunächst eine theoretische Herangehensweise an die jeweiligen Effekte mit der Fragestellung, warum aus theoretischer Sicht diese Effekte auftreten können. Im zweiten Teil des jeweiligen Abschnittes soll anhand vorhandener empirischer Studien analysiert werden, ob die theoretisch erwarteten Effekte in der Praxis bestätigt werden können. Der siebte Abschnitt der Diplomarbeit dient der Zusammenfassung und der abschließenden Beurteilung, ob durch die (vermehrte) Nutzung von Formen des E-Learning ein Beitrag zur Bewältigung der im Abschnitt 1.1. genannten Anforderungen geleistet werden kann. Ferner dient dieses Kapitel der Nennung weiterer Fragen, die sich während der Arbeit an der Diplomarbeit ergaben, jedoch nicht in diesem Rahmen (vollständig) gelöst werden konnten und daher dem Leser als Ansatzpunkte für eine weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Themengebiet dienen könnten.
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Zur Funktion des Lernorts „Betrieb“ im Rahmen der kaufmännischen Ausbildung 2. Zur Funktion des Lernorts „Betrieb“
im Rahmen der kaufmännischen Ausbildung
Rund 60 % der Jugendlichen in Deutschland qualifizieren sich im dualen System der Berufsausbildung. Dieses System ist dadurch gekennzeichnet, dass die Ausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule stattfindet (vgl. BMBF 2006). Wirft man jedoch einen Blick in das Berufsbildungsgesetz (BBiG), stellt man fest, dass als Lernorte der Berufsbildung neben Betrieben und berufsbildenden Schulen auch außerbetriebliche Einrichtungen der Berufsbildung genannt werden (§ 1 Abs. 1 BBiG). Dennoch hat der Lernort „Betrieb“ gegenüber außerbetrieblichen Einrichtungen der Berufsausbildung weiterhin die größere Bedeutung. Auch wenn überbetriebliche Bildungseinrichtungen gerade in strukturschwachen Regionen im Rahmen der Berufsausbildung die Aufgabe von Betrieben übernehmen, überwiegt in Deutschland die altbewährte Variante, nach der ein Auszubildender einen Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb abschließt (vgl. Frommberger 2005, S. 5). „Auch in den nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen, die überwiegend landesrechtlichen Rahmenbedingungen folgen, dominiert der Betrieb als Lernort. Nur in den diversen vollzeitschulischen Formen in den Berufsbildenden Schulen sowie in den diversen Ergänzungsangeboten im Rahmen von Sonderprogrammen“, so Frommberger, „besitzt der Betrieb als Lernort eine untergeordnete Rolle.“ (vgl. ebd., S. 5) Die Dominanz dieses Lernortes lässt sich auch hinsichtlich der Verteilung der Ausbildungszeit feststellen: So verbringt der Lernende die meiste Zeit am Lernort „Betrieb“ und deutlich weniger Zeit in der berufsbildenden Schule (vgl. ebd., S. 6).
Nach den Ausführungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) übernehmen Betriebe die Funktion der Gewährleistung der überwiegend praktischen Ausbildung, während die Berufsschule diese durch theoretische Grundlagen ergänzt (vgl. BMBF 2006). Dies geschieht seitens der Betriebe „neben der klassischen Beistelllehre am Arbeitsplatz im innerbetrieblichen Unterricht. Der klassischen Beistelllehre am Arbeitsplatz liegt das Konzept des Handlungs- und Erfahrungslernens zugrunde. Die Auszubildenden lernen im aktiven Vollzug des beruflichen Handelns.“ (vgl. Huther 1995, S. 12)Neben dem formellen Lernen ist insbesondere das informelle Lernen am Lernort „Betrieb“ eine wichtige Lernform. Unter dem informellen Lernen versteht man Formen des Erwerbs von Fertigkeiten und Fähigkeiten, in denen sozusagen beiläufig und nicht geplant gelernt wird (vgl. ebd, S. 12 f.).
Im Rahmen dieser Arbeit soll E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung untersucht werden. Unter der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung soll die Ausbildung in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen 6 im Berufsfeld „Wirtschaft und Verwaltung“ am Lernort „Betrieb“ verstanden werden.
6 Zum 1.10.2005 gab es 340 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland (vgl. BIBB 2005).
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Zur Definition des Begriffs E-Learning 3. Zur Definition des Begriffs E-Learning
E-Learning ist kein wissenschaftlicher Begriff. In der Literatur konnte sich bisher keine eindeutige Definition entwickeln. Stattdessen findet man hier mannigfaltige Definitionen Einen möglichen Ursprung des Begriffs könnte in der Werbeindustrie, insbesondere im engen Zusammenhang mit der weltweiten E-Business Marketingkampagne von IBM zu sehen sein (vgl. Georgieff u. a. 2005, S. 13).
Im Rahmen dieses Abschnittes sollen zunächst einige ausgewählte Definitionen vorgestellt werden, um daraus ein eigenes Verständnis für den Begriff „E-Learning“ entwickeln zu können, der als Grundlage für die weitere Abhandlung dienen soll.
Klaus Hahne betont, dass E-Learning keine eigenständige Lernform sei, d. h. dass künftig nicht nur elektronisch gelernt wird. Schließlich lernte man früher auch nicht „gedruckt“ oder „filmisch“. „E-Learning“, so Hahne, „ist deshalb keine Lernstrategie, kein Lernkonzept und auch keine Lernmethode, sondern meint zunächst die Unterstützung von Lernprozessen mit elektronischen Medien“ (vgl. Hahne 2003, S. 35). Das Europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) geht seit dem Jahr 2000 von einer analogen Definition aus: E-Learning ist demnach ein auf Informations- und Kommunikationstechnologien gestütztes Lernen. Es kann dabei in verschiedenen Formaten und hybriden Methoden zum Einsatz kommen. So ist der Einsatz von Software, Internet, CD-ROMs, Online-Lernformen sowie weiteren elektronischen und interaktiven Medien denkbar (vgl. Georgieff u. a. 2005, S. 13). Gerade durch das Einbeziehen aller elektronischen Medien in der Definition von Hahne sowie aller Informations-und Kommunikationstechnologien in der Definition der CEDEFOP sehen manche Autoren derartige Definitionen als zu weit gefasst.
So wehrt sich zum Beispiel Köllinger dagegen, dass „immer wieder [...] das ‚E‘ in ‚E-Learning‘ als Abkürzung für ‚elektronisch‘ missverstanden“ (vgl. Köllinger 2002, S. 15) wird. Er versteht unter E-Learning vielmehr „die Nutzung Internetbasierter Technologien zur Vermittlung von klar definierten Lerninhalten“ (vgl. ebd.). Nach dieser Definition würde unter dem Begriff
„E-Learning“ lediglich das im Abschnitt 4.2 vorzustellende Web Based Training fallen. Nach der Studie von Frank, die im Abschnitt 5 dieser Arbeit dargelegt wird, stellt die meistverbreitete E-Learning-Form innerhalb der betrieblichen Ausbildung das Computer Based Training dar. Daher muss diese Form auch im Rahmen dieser Arbeit eine entsprechende Berücksichtigung finden. Die von Köhlinger vorgestellte Definition kann daher nicht geeignet sein, um die Formen des heutigen E-Learning im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung umfassend zu beschreiben. Für die Zukunft könnte Köhlinger jedoch, wenn sich die positive Entwicklung des Intra-/Internets weiterhin fortsetzt, eine treffende Definition gelungen sein. Betrachtet man die historische Entwicklung des derzeitigen marktführenden Betriebssystems MS Windows fällt schließlich
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E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung
Zur Definition des Begriffs E-Learning
auf, dass die Grenzen zwischen Online- und Offlineinhalten zunehmend verschwinden.
Kleimann und Wannemacher ist eine umfassende Definition des Begriffs E-Learning gelungen, die dem Autor dieser Diplomarbeit jedoch als Arbeitsdefinition nicht nur zu umfangreich erscheint, sondern vor allem auch einfache Drill & Practice-Anwendungen ausschließt: „Electronic Learning [ist] [...] eine Form des Lernens und Lehrens, die durch Informations- und Kommunikationstechnologien zur Aufzeichnung, Speicherung, Be- und Verarbeitung, Anwendung und Präsentation von Informationen unterstützt oder ermöglicht wird. In digitalen Lernumgebungen sind Lerninhalte interaktiv und multimedial gestaltet (Text, Grafik, Audio- und Videosequenzen, Animation und interaktive Komponenten). Die Lernprozesse werden durch netzbasierte Kommunikationsformen (zwischen Lerner, Mitlerner, Tutor und Dozent) und durch kollaborative Arbeitsumgebungen erweitert. Interaktive Tests dienen der Lernkontrolle bezüglich des behandelten Stoffs.“ (vgl. Kleimann/Wannemacher 2004, S. 3, zitiert in Georgieff u. a. 2005, S. 13). Die Autoren Bauer und Phillipi betonen insbesondere die Möglichkeit der persönlichen Betreuung: Sie verstehen unter E-Learning jeden Lernprozess, bei dem der Lernende mittels der Multimedia-Technologie autonom und interaktiv mit der Option der persönlichen Betreuung und unter Nutzung elektronischer Daten und Kommunikationsnetze lernt (vgl. Bauer/Phillipi 2001, S. 108). Auch wenn der Einwand der Möglichkeit der persönlichen Betreuung sinnvoll erscheint, kann mit dieser Definition der Verbreitungsgrad und die existierenden Formen des E-Learning im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung nicht umfassend dargestellt werden, da auch E-Learning durchaus ohne persönliche Betreuung einen Platz in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung haben kann.
Um den Verbreitungsgrad und die Formen des E-Learning im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung umfassend beschreiben zu können, greifen die oben genannten Definitionen entweder zu kurz oder zu weit. So stellen sie entweder lediglich bestimmte Teilaspekte der unter E-Learning verstandenen Formen in den Mittelpunkt oder beinhalten Formen, die es in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung derzeit nicht gibt.
Aus diesem Grund soll E-Learning im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit als die Unterstützung von Lernprozessen durch den Computer verstanden werden. Damit wird man einerseits der Definition Hahnes gerecht, der bewusst E-Learning nicht als eine Lernstrategie versteht. Andererseits sind nach dieser Definition die neueren Formen des E-Learning, wie M-Learning (Lernen mittels Mobiltelefonen), dem Lernen mittels Podcasts sowie das Business TV ausgeschlossen. Diese Formen sind derzeit lediglich zum Teil im Rahmen der betrieblichen kaufmännischen Weiterbildung anzutreffen und haben - nach den Einschätzungen des Autors - bisher keinen Platz in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung finden können. Aus diesem Grund werden diese Formen auch nicht im Abschnitt 4 dieser Arbeit erläutert.
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Arbeit zitieren:
E. Böttcher, 2006, E-Learning in der betrieblichen kaufmännischen Ausbildung: Formen, Verbreitungsgrad und Effekte des Einsatzes, München, GRIN Verlag GmbH
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