Inhalt
1. Einleitung (S 1 - 2)
1.1 Was ist der Akzent
2. Generalisierungen (S 2 3)
3. Darstellungsformen (S 4 5)
3.1 Der metrische Baum
3.1.1 Silben
3.1.2 Füße Füße
3.1.3 Prosodische Hierarchie
3.2 Das metrische Gitter
4
Wortakzentregeln (S 6 10)
4.1 Freier vs fester Wortakzent
4.2 Parameter nach Hayes
4.3 Anwendung auf konkrete Beispiele
4.3.1 Australisches Maranungku
4.3.2 Südamerikanisches Weri
4.3.3 Latein
5. Lexikalische Betonung im Deutschen (Féry) (S 10 12)
5.1 Generalisierungen
6. Analyse der regelmäßigen Betonung in der OT (S 12 17)
6.1 Beispiele
7. Abschluss (S 17)
1. Einleitung
Meine Arbeit beschäftigt sich mit einem Teil der metrischen Phonologie, dem Wortakzent. Zunächst gilt es zu klären, was man unter einem Akzent versteht. Anschließend gehe ich auf Generalisierungen ein, die im Zuge der Forschung bezüglich des Wortakzents festgelegt wurden. Ferner werde ich zwei verschiedene Darstellungsformen präsentieren, den metrischen Baum und das metrische Gitter. Um das Thema „Wortakzentregeln“ zu verdeutlichen, beziehe ich mich auf drei Sprachen: das australische Maranungku, das südamerikanische Weri und Latein. Des Weitern stelle ich Forschungsergebnisse bezüglich der lexikalischen Betonung des Deutschen vor und werde schließlich eine optimalitätstheoretische Analyse durchführen. Dem ersten Teil meiner Arbeit lege ich dem Text „Phonologie des Akzents“ von Tracy Allan Hall zu Grunde, die Untersuchungen zum Wortakzent des Deutschen entnehme ich den Ausführungen von C. Féry in „Phonologie des Deutschen“. Weitere Literatur werde ich im Text angeben.
1.1 Was ist „der Akzent“?
Der Akzent ist für den Hörer die auditive Wahrnehmung der Hervorgehobenheit (Prominenz) eines Vokals gegenüber anderen Vokalen in der Äußerung (vgl. Meibauer 2002:114).
Diese auditive Hervorhebung ergibt sich daraus, dass der Vokal lauter, intensiver und länger ausgesprochen wird. Wie bereits in der Definition angedeutet, kann der Akzent nicht isoliert betrachtet, sondern immer nur im Vergleich festgestellt werden. Eine stärkere, betonte Silbe ist „prominenter“ als eine schwächere. Dieses Verhältnis zwischen den Silben bezeichnet man als „Prominenzrelation“.
Eine wichtige Eigenschaft des Akzents ist seine Relativität. Er trägt keine inhärenten Eigenschaften, die ihn auszeichnen.
Vergleicht man beispielsweise die Wörter „Opa“ und „Mantel“ (vgl. Hall [2000]:276), so kann man feststellen, dass /a/ phonologisch gesehen stets dieselben Eigenschaften hat (ungerundeter, offener Vorderzungenvokal), die Betonung jedoch in den beiden Worten unterschiedlich ist.
[opa] unbetontes a
[mantl] betontes a
D.h. man kann nicht nur anhand des Vokals auf seine Betonung schließen.
Generalisierungen (vgl. Hall 2000 : 273-175)
2
Im Zuge der Forschung zur metrischen Phonologie sind einige Generalisierungen getroffen worden, die sich auf die Phonologie des Wortakzentes in Akzentsprachen beziehen. Im Folgenden möchte ich vier Ergebnisse erläutern.
1) Wörter in Akzentsprachen verfügen über einen einzigen Hauptakzent.
Diese Generalisierung geht mit der Aussage einher, dass es keine Wörter ohne
Hauptakzent gibt. Hier ist jedoch zwischen Funktionswörtern und lexikalischen Wörtern
zu unterscheiden. In vielen Sprachen werden häufig nur Letztere betont, wie dieses
Beispiel anschaulich darstellt:
Das englische Wort “can“ hat zwei Bedeutungen.
(a) “can“ im lexikalischen Sinne, kann im Deutschen mit „Kanne“ übersetzt werden.
Hierbei wird [æ] als Vollvokal realisiert [kæn].
(b) “can“ als Funktionswort (= dt. “können“) wird häufig unbetont realisiert. Hierbei wird
[æ] zum Schwalaut [] reduziert [kn].
Es sei jedoch angemerkt, dass es sich hierbei nicht um ein Minimalpaar handelt. Die
reduzierte Realisierung des Funktionswortes ist ein Ergebnis schneller mündlicher
Kommunikation (“fast speech“). Eine Vollrealisierung des Vokals [æ] hat nicht
zwangsläufig zur Folge, dass es sich um ein lexikalisches Wort mit anderer Bedeutung
handelt.
2) Der Wortakzent befindet sich in der Nähe des Wortrandes; gibt also Wortgrenzen
Bezüglich der Markiertheit der Position von Wortakzenten gilt die erste Silbe in
Akzentsprachen als am wenigsten markierte Position, danach folgen Sprachen mit
Pänultimabetonung und schließlich Sprachen mit Betonung der finalen Silbe. Diese
Abstufung wird im Englischen als “demarcative property“ bezeichnet (von „demarcation“
= Abgrenzung 1 ). Der Wortakzent kann folglich als Mittel zur Markierung von
Wortgrenzen benutzt werden.
3) Das Akzentmuster ist rhythmisch; Haupt- und Nebenakzent befinden sich in
Diese Akzentregel muss auf die so genannten “bounded languages“ beschränkt
werden. Dies sind Sprachen mit regelmäßig rhythmischem Muster.
Ein sehr deutliches Beispiel ist das australische Maranungku:
[we.le.pe.ne.man.ta] „Ente“.
Demgegenüber stehen “unbounded languages“, also Sprachen ohne Rhythmus, wie
beispielsweise das Lettische:
[atsvabinasimies] „wir werden uns befreien“. Hier findet keine Alternation in der
Akzentstruktur statt.
4) Der Wortakzent ist quantitätssensitiv, d.h. er bezieht sich auf das Silbengewicht.
In manchen Sprachen spielt bei der Betonung das Silbengewicht eine Rolle. Während
die Silbenschwere in einigen Sprachen keinen Einfluss auf die Betonung hat, werden in
anderen schwere Silben betont. Diese Sprachen sind quantitätssensitiv. Dass es sich
beim Deutschen auch um eine quantitätssensitive Sprache handelt, wird in einem
späteren Teil dieser Arbeit bewiesen.
Darstellungsformen (vgl. Hall 2000: 276-279) 3.
3.1 Metrische Bäume Eine Art der Darstellung ist das Aufstellen einer Baumstruktur, bei der die Silben auf der untersten Ebene stehen und in so genannte „Füße“ zusammengefasst werden. Im Folgenden sollen die verschiedenen Ebenen dargestellt werden.
3.1.1 Silben
In metrischen Bäumen wird die Prominenzrelation durch die Kennzeichnung starker und schwacher Silben aufgezeigt. Hierbei wird folgende Darstellung benutzt: für starke Silben („s“ für engl. „strong“)
σs
σw für schwache Silben
So würde sich beispielsweise für das Wort „Alabama“ folgende Relation ergeben:
σs σw σs σw
A la ba ma Es wird jedoch deutlich, dass diese Darstellung der Prominenzrelation unzureichend ist, da sie noch keine Informationen über Haupt- und Nebenakzente enthält.
3.1.2 Füße
Es bedarf folglich einer differenzierteren Darstellung als lediglich der Unterscheidung auf Silbenebene. Deshalb werden in der Baumdarstellung benachbarte Silben als Konstituenten zusammengefasst; sie bilden Füße. Jeder Fuß besteht aus einer betonten Silbe, auch Kopf des Fußes genannt, und benachbarten unbetonten Silben bis zum nächsten Fuß. Für unser Beispiel ergibt sich damit folgende Fußstruktur:
Fw Fs
σs
A
Arbeit zitieren:
Dorothee Müller, 2006, Der Wortakzent, München, GRIN Verlag GmbH
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