Ein Vergleich der Liebeskonzeption im Herzmaere Konrads von Würzburg mit der im Tristan Gottfrieds von Straßburg
von Nadine Bliedtner
Inhalt
1. Vorwort
2. Zum Begriff der Minne
3. Die Intentionen Konrads und Gottfrieds
4. Die Minneauffassung im "Herzmaere" und im "Tristan"
4.1. Zur Motivation der Minnebeziehungen
4.2. Das Verhältnis der Liebenden zueinander
4.3. Der Gegensatz von liebe und leit
4.4. Die Bedeutung des Herzen
4.5. Der religiöse Aspekt
5. Schlußbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Lexika
1. Vorwort
Diese Arbeit hat einen Vergleich der Liebeskonzeption im "Herzmaere" von Konrad von Würzburg mit der im "Tristan" von Gottfried von Straßburg zum Thema. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Minneauffassungen der beiden Autoren sollen nach einer kurzen Definition des Minnebegriffes und der Vorstellung der Intentionen Konrads und Gottfrieds anhand des ritter[s] und der frouwe guot im "Herzmaere" sowie Tristans und Isoldes im "Tristan" herausgearbeitet werden.
Vorweg einige Bemerkungen zur Stoffgeschichte und Entstehungszeit der beiden mittelalterlichen Erzählungen.
Konrads "Herzmaere" gehört zu den beliebtesten mittelhochdeutschen Maeren . Das Motiv vom ‚gegessenen Herzen′ , das hier thematisiert wird, scheint ein sehr altes zu sein und ist in Europa vermutlich um 1100 entstanden. Schriftliche Fassungen gibt es jedoch nicht vor der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts . Der hier verwendete Text des "Herzmaeres" fußt auf keiner einzelnen Handschrift, sondern ist ein künstliches Gebilde, zusammengesetzt aus verschiedenen Handschriften, die vom späten 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert datieren .
Mit seiner schriftliterarischen Bezeugung steht der Tristanstoff um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Konkurrenz zu anderen Stoffen, denn etwa gleichzeitig erschien z.B. die Artusgeschichte . Es wird angenommen, daß Gottfrieds "Tristan" um 1210/15 herum entstand. Allerdings stützt sich diese Datierung auf eine eher relative Chronologie der mittelhochdeutschen Dichtung und kann daher nur als ungefähr gesichert gelten .
2. Zum Begriff der Minne
Seit dem 19. Jahrhundert wird das mittelhochdeutsche Wort minne in der Literaturgeschichte als Terminus für die in der höfischen Dichtung vielfältig thematisierte "Liebe" gebraucht. Die Grundbedeutung des Wortes war eine positive mentale und emotionale Zuwendung, die für die Beziehung der Menschen zu Gott sowie untereinander in karitativer, freundschaftlicher, erotischer und sexueller Hinsicht verwendet wurde. Im späten Mittelalter erfuhr das Wort eine Bedeutungsverengung auf den Aspekt der Erotik und Sexualität, die schließlich zu dem heute noch gültigen Ersatz von Minne durch ‚Liebe′ geführt hat. Gattungsübergreifend erscheint die Minne mit wiederkehrenden Motiven, Denk- und Vorstellungsformen als ein komplexes Phänomen. Im Minnesang und im Roman wird die antithetische Wesensstruktur der Minne als unauflösbare Spannung von liebe und leit veranschaulicht und erörtert .
3. Die Intentionen Konrads und Gottfrieds
Im Prolog stellen beide Autoren ihre Absichten vor. Dabei beklagt Konrad, daß es auf der Welt keine reine Minne mehr gibt. Deshalb sollen sich alle, die vom "Herzmaere" Kenntnis nehmen, seine Geschichte ganzer liebe zum Vorbild nehmen . Sein Exempel will er jedoch nicht als warnend oder abschreckend verstanden haben, sondern vielmehr als Ausdruck wahrer, reiner Liebe . Auch Gottfried wird von einem vornehmen Liebespaar berichten .
[...]
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Nadine Bliedtner, 2002, Ein Vergleich der Liebeskonzeption im Herzmaere Konrads von Würzburg mit der im Tristan Gottfrieds von Straßburg, Munich, GRIN Publishing GmbH
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