Gliederung
Gliederung 2
I Einleitung 3
II Die Biographische Situation Schillers und die politischen und
sozialen Rahmenbedingungen zur Zeit der Entstehung der Briefe 4
III Der ursprüngliche Gedanke Schillers: Der ästhetische Staat als
Vorstufe eines Vernunftstaates 6
IV Die Reproduktion des Politischen Ziels ins Ästhetische die
Erziehung zum sittlichen Mensch 10
V Die Wiederaufnahme der Politik mit neuem Ziel 13
VI Der Vergleich mit dem Verhältnis zum Staat im ältesten
Systemprogramm des deutschen Idealismus 15
VII Schluss 17
Literaturnachweis 19
2
I. Einleitung
Die Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen- ein Werk, mit hohem sprachlichem Anspruch, welches eine sehr vielseitige Diskussionsgrundlage bietet. So gibt es bereits eine Vielzahl verschiedener Diskurse, die Betrachtungen von Problemstellungen liefern. Man findet in der Literatur unzählige Perspektiven auf die Ästhetik Schillers. Texte, die das Werk unter dem Gesichtspunkt der Anthropologie, Staats- oder Gesellschaftstheorie, der Erziehung oder der Geschichts-, Natur- und Moralphilosophie betrachten.
Diese Arbeit wird den Versuch unternehmen, herauszufiltern, welche Rolle die Politik in der Thematik des Ästhetischen spielt. Dabei wird es vorerst um die Rahmenbedingungen gehen, welche Schiller vermutlich dazu veranlasst haben, eine solche Schrift zu verfassen. Folgend werden, gegliedert in drei Unterpunkte, im ungefähren Entsprechungsverhältnis zum Aufbau der Briefe, die inhaltlichen Aspekte thematisiert, welche den Bezug des Politischen zum Ästhetischen im Verlauf der Abhandlung verdeutlichen. Vergleichsweise wird im V. Punkt das ‚älteste Systemprogramm’ des deutschen Idealismus herangezogen, um die einheitliche Verdrossenheit über die Krise der Zeit, aber auch die ähnliche Herangehensweise zur Konstruktion eines Ausweges zu veranschaulichen. Schließlich soll zusammenfassend auf den Punkt gebracht werden, welche bzw. ob die Politik überhaupt eine Rolle im Ästhetischen spielt, oder ob man die Fragestellung nicht eher dahingehend umwandeln müsste, welche Rolle die Ästhetik in der Politik spielen soll.
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II. Die Biographische Situation Schillers und die politischen und sozialen Rahmenbedingungen zur
Zeit der Entstehung der Briefe
Im Alter von 32 Jahren erkrankte Schiller im Jahr 1791 so schwer, dass Gerüchte seines unmittelbar bevorstehenden Todes umhergingen. Zwar erholte er sich bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad leicht, doch es war ihm nicht möglich seine Lehrtätigkeit in Jena wieder aufzunehmen. Daraus resultierten große finanzielle Nöte. Als der Herzog Friedrich Christian von Schleswig- Holstein- Augustenburg und der Graf Ernst Heinrich Schimmelmann davon erfuhren, stifteten sie dem verehrten Dichter ein dreijähriges Stipendium in Höhe von 3000 Talern. Nun konnte sich Schiller auf drei Jahre unbeschwert dem Lesen, Denken und Schreiben widmen. Vor allem das Studium Kants und dessen Ästhetik wurden ein langwieriges Unterfangen.
Im Jahr 1792 bekam Schiller von der französischen Nationalversammlung die französische Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen. Ein Jahr später begann er mehrere ästhetische Schriften, wie „Über Anmut und Würde“, „Über das Erhabene“ und die Briefe an den Augustenburger Prinzen, aus denen sich dann die Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen entwickelten, zu verfassen. In den folgenden Jahren machte er Bekanntschaft mit bedeutenden Philosophen wie Schlegel, Fichte, Herder und Hölderlin und begann die Freundschaft mit Goethe.
Im Januar 1795 erschien dann das erste Stück der `Horen`, welchem bis zum Juni des Jahres noch fünf folgen sollten. Auf ein halbes Jahr verteilt wurden also die 27 ästhetischen Briefe veröffentlicht, welche Schiller, wie er selbst schrieb, „für das beste, was ich in meinem Leben gemacht habe" 1 hielt.
1 Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen,
Stuttgart 2002, S. 209.
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Trotzdem wendete er sich von 1797 an dem Ästhetischen und der Philosophie größtenteils ab und widmete sich von da an wieder vorwiegend Dramen, Balladen und Gedichten.
Die politischen Umstände dieser Zeit sind vor allem durch die Französische Revolution gekennzeichnet. Das Zeitalter der Aufklärung entfaltete ein Idealbild des Menschen, der anstatt dem Glaube an Autorität, die Herrschaft der Vernunft in den Vordergrund stellte. Dementsprechend dachte man sich eine Gesellschaftsform, in der Toleranz, Freiheit und Menschenwürde herrschen. Es war die Zeit, in der in Europa das aufstrebende Bürgertum bestrebt war, die Fesseln der alten Adelsgesellschaft abzuschütteln. Als aber die Revolution, welche Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf ihre Fahne schrieb, in Terror gipfelte, zeigte sich, wie schwach diese Ideale gegenüber der zerstörenden Triebnatur des Menschen waren.
Schiller, der diese Vorgänge mit großer Anteilnahme verfolgte, versetzten diese Brutalität und ein solcher Ausgang so unter Schock, dass er es für dringend nötig hielt, eine neue Gesellschaftsordnung, auf jedoch anderem Wege, zu konzipieren.
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III. Der ursprüngliche Gedanke Schillers: Der ästhetische Staat als Vorstufe eines Vernunftstaates
Kurz gesagt ist Schillers Ideal ein Staat, der die Entwicklung aller seiner Bürger fördert und so wenig wie möglich in die Freiheit der Individuen eingreift. 2 Doch ist die entscheidende Frage, wie er einen solchen realisiert sehen möchte. In den Ästhetischen Briefen versucht er anfänglich genau dafür ein Programm darzulegen.
Zunächst muss man aber klarstellen, dass Schillers Briefe angesichts des blutigen Endes der Revolution als ein Programm der Vermeidung von
Revolution zu verstehen sind, trotzdem deren Ziele, jedoch auf anderem Wege, verwirklicht werden sollen. Fragte Schiller doch selbst noch in einem Brief an den Augustenburger Prinzen: „Ist es nicht wenigstens außer der Zeit, sich um die Bedürfnisse der ästhetischen Welt zu bekümmern, wo die Angelegenheiten der politischen ein so viel näheres Interesse darbieten?“ 3 Die Antwort lautete aber gleich, dass in seiner Gegenwart weder Staat noch Gesellschaft irgendwelche Anzeichen für eine politische Erneuerung bieten und so eine ästhetische Bildung zur Zeit notwendiger sei, als eine politischen Erziehung. „Dass die Revolution in das Stadium des Terrors eingetreten ist, mache es notwendig, die politische durch ästhetische Theorie zu ergänzen“. 4 Man muss also, „um jenes politische Problem in der Erfahrung zu lösen, durch das ästhetische den Weg nehmen“ 5 . Er bleibt aber trotzdem bei der Zustimmung der Idee der Revolution- der Errichtung eines Vernunftstaates. Aber nicht nur der Ausgang der Französischen Revolution wird kritisiert, auch die im allgemeinen herrschende Entfremdung der Menschen untereinander:
2 Elizabeth M. Wilkinson, Schillers Ästhetische Erziehung des Menschen. Eine Einführung, München 1977.
3 Schiller, Ästhetische Erziehung, S.133.
4 Joachim Hubert, Ästhetik und Gemeinsinn. Untersuchungen zur philosophischen Ästhetik Bd.4, Bochum 1995.
5 Schiller, Ästhetische Erziehung, S. 11.
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Claudia Zimmermann, 2004, Die Rolle der Politik in Schillers "Ästhetischen Briefen über die Erziehung des Menschen", Munich, GRIN Publishing GmbH
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