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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Bisheriger Stand der Wissenschaft. 3
3. Allgemeine Betrachtungen zur Sprache von Politikern in deren Reden 4
4. Inwiefern ist Sprache von Politikern mit Werbesprache vergleichbar? 5
5. Rhetorische Stilmittel in politischen Reden. 6
6. Die Sprache von Politkern am Beispiel zweier Reden von Don José Luis
Rodriguez Zapatero
a) Die Rede vor dem Gipfel gegen Hunger und Armut. 7
b) Zapateros Rede zur Vorstellung des Programms „Ingenio 2010“ 10
7. Schlussbetrachtung und Fazit. 15
8. Literatur - und Quellenverzeichnis. 16
9. Anhang:
9.1 Discurso del presidente del gobierno, Don José Luis Rodríguez Zapatero,
en la cumbre contra el hambre y la pobreza
9.2 Discurso del presidente del gobierno, Don José Luis Rodríguez Zapatero,
en la presentación del programa ingenio 2010 de impulso a la investigación, el
desarrollo y la innovación
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1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit wird die Sprache von Politikern in deren Reden behandelt. Zunächst werde ich allgemeine Ideen zum Thema äußern, und im späterem Verlauf als Beispiele zwei Reden des spanischen Ministerpräsidenten Don José Luis Rodríguez de Zapatero heranziehen. Eine dieser Reden hat der Ministerpräsident am
20. September 2004 anlässlich eines internationalen Gipfels zur Bekämpfung von Armut und Hunger gehalten. Die andere Rede hat er am 23. Juni 2005 im Palacio de La Moncloa gehalten. Er stellt hierin ein Programm namens „Ingenio 2010“ vor, welches sich mit Impulsen zu Investitionen, Entwicklungen und Innovation in seinem Land beschäftigt.
2. Bisheriger Stand der Wissenschaft
Die Wissenschaft geht bislang davon aus, dass es in der Sprache der Politik und in der Sprache von Politikern primär auf die Art und Weise, wie etwas ausgedrückt wird, ankommt. 1 Wichtiger als der Inhalt sind Stilmittel und Gestik des Redners, und abgesehen davon seine Person. Hierzu werden Beispiele von Sokrates bis zur Neuzeit herangezogen. Vor allem sei in der Politik Manipulation wichtig, und zwar muss zwischen schädlicher und uneigennütziger Manipulation unterschieden werden. 2 Sinn und Zweck politischer Rhetorik kann sowohl Nutzen als auch Schaden sein - je nachdem, wie sie eingesetzt wird. Der Inhalt einer Rede tritt zugunsten der Rhetorik oftmals in den Hintergrund. Hierbei muss eine Beziehung zu den Hörern oder Zuschauern aufgebaut werden, damit diese sich angesprochen fühlen. Eine direkte Anrede wie etwa „Liebe Landsleute“ oder „Liebe Bürgerinnen und Bürger“ ist dafür sinnvoll. 3 Weiterer Stand der Wissenschaft ist, dass manche Politiker ihre Reden komplett dialogisch aufbauen, damit sich die Wähler ernstgenommen fühlen. Für den Zusammenhalt sind lobende Äußerungen über das Land wichtig, meistens in Zweier
- bis Dreierketten akkumuliert 4 . Das Ziel solcher Ketten ist ein intensiver Appell, der dann als besonders eindringlich wahrgenommen werden soll. Des weiteren geht die Wissenschaft davon aus, dass in Politikerreden antithetisch an schlechtere Zeiten erinnert wird, mit dem Sinn, dass der Fortschritt als solches erkannt und dann honoriert wird. 5 Aber mehr zu den Stilmitteln weiter unten im dafür vorgesehenem Abschnitt und bei der Analyse der beiden Reden Zapateros.
1 Siehe hierzu: Wolfgang Grilz: „Die Sprache der Politik und ihre Vermittlung am Beispiel von Klestils Fernsehansprache vor der EU - Abstimmung vom 10. Juni 1994“, nachzulesen in: Bernhard Kettemann, Rudolf de Cillia und Isabel Landsiedler: „Sprache und Politik - Verbal - Werkstattgespräche, Band 3“, erschienen 1998 im Peter Lang - Verlag, Frankfurt am Main, S. 209 ff
2 ebenda, S. 212 f
3 ebenda, S. 216
4 ebenda, S. 217
5 ebenda, Seite 215
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3. Allgemeine Betrachtungen zur Sprache von Politikern in deren Reden
Politiker sind ständig mit dem Problem konfrontiert, dass die Wählerinnen und Wähler gern wüssten, warum sie denn ausgerechnet die/den eine/n Politiker/in wählen sollen und nicht eine der vielen anderen Parteien. Das gilt insbesondere in heißen Wahlkampfphasen, aber auch generell. Vergleichbar mit der kommerziellen Werbung müssen Politiker sich selbst daher im bestmöglichem Licht darstellen. Manchmal reicht es dazu aus, einfach aufzuzeigen, was die jeweils andere politische Seite falsch macht, günstiger ist es jedoch klarzumachen, was denn die Vorzüge des Programms des jeweiligen Redners sind. Ähnlich der kommerziellen Werbung, muss auch bei politischen Ansprachen unterschieden werden zwischen low - involvement -Werbung und high - involvement - Werbung. 6
Im ersten Fall geht es um nur flüchtige Kenntnisnahme. Das bedeutet: Vorrang haben visuelle Effekte, so dass man die Werbung als vorbeifahrender Autofahrer wahrnimmt. Ein Plakat, auf dem man einen Spitzenpolitiker sieht, oder einen bestimmten Aspekt des Parteiprogramms, meist kurz und bündig zu einem Slogan zusammengefasst, ist hierfür sinnvoll und kommt daher oft zum Einsatz.
Da low - involvement - Werbung von ständiger Wiederholung lebt, muss, handelt es sich um ein Plakat, dieses möglichst oft hintereinander zu sehen sein, z.B. an jedem Laternenpfahl einer Stadt.
Bei high - involvement - Werbung wird im Gegensatz dazu vorausgesetzt, dass die Zielgruppe ein höheres Interesse hat. Wichtig ist daher, dass der Inhalt entweder sachlich ist oder zumindest so erscheint.
High - involvement - Werbung muss als argumentativ wahrgenommen werden, um zu wirken. Oft wird auf Grund eines vorausgesetzten subjektiven Interesses an den Verstand appelliert, um das Gefühl hervorzurufen, das beworbene Produkt (hier: das beworbene Parteiprogramm) entspreche einem Bedürfnis des Zuhörers. Bei diesem Typ von Werbung kommt daher, handelt es sich um kommerzielle Werbung, ein längerer Fließtext zum Einsatz. Und genau um einen solchen handelt es sich auch bei Reden von Politikern, die, um an die Macht zu kommen oder daran zu bleiben, möglichst vielen Personen klar machen müssen, warum ihr Programm das Beste ist. Vor allem dann, wenn ein Politiker vor Publikum redet, von dem er nicht unbedingt weiß, dass es ihm wohlgesonnen gegenüber steht, muss er möglichst argumentativ und taktisch vorgehen, um die Leute von sich zu überzeugen, oder aber zumindest so tun, als argumentiere er. Das kann vor allem bei extremen Parteien in Polemik ausarten, oder aber, es werden scheinbare Zusammenhänge hergestellt, die nicht wirklich solche sind. Zum Beispiel findet man bei rechtsextremen Parteien oft die Behauptung, durch Abschiebung aller Ausländer ließen sich Probleme der Sozialkassen vollständig lösen. So warben die Republikaner etwa im Landtagswahlkampf 2006 in Rheinland - Pfalz mit dem Slogan „Sozialstaat retten, Zuwanderung stoppen!“ 7 Hierdurch wird suggeriert, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Zu-wanderung und Sozialpolitik in jeder Hinsicht gebe.
6 Die Unterscheidung stammt aus der eigenen Mitschrift zur Lehrveranstaltung „Textlinguistik am Beispiel spanischer Texte“ unter Leitung von Frau Dr. Gisela Schneider, Sitzung vom 24. Januar 2006
7 Quelle: Ein Wahlwerbeplakat der Republikaner anlässlich des Landtagswahlkampfes 2006 in Rheinland- Pfalz
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4. Inwiefern ist Sprache von Politikern mit Werbesprache vergleichbar?
Grundsätzlich wurde bereits erwähnt, dass Politiker von sich überzeugen müssen, um als Wahlmöglichkeit wahr - und ernstgenommen zu werden. Die Frage stellt sich aber, wie die Sprache von Politikern hierzu konzipiert wird: Handelt es sich um Alltagssprache? Um Umgangssprache? Um Regionalsprache?
Je größer das Publikum ist, umso schwieriger wird es für einen Politiker, die passende und richtige Sprache zu finden, da das Publikum dann stärker durchmischt wird. Es ist also ein Unterschied, ob Edmund Stoiber nur in Bayern redet, und dort auf die Belange der bayrischen Landespolitik eingeht, oder ob er sich, wie 2002 geschehen, als Kanzlerkandidat bewirbt und sich dann vor der ganzen Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland profilieren muss, weil z.B. in der Berliner Innenstadt andere Probleme herrschen, als es in einem kleinem Dorf in Südbayern der Fall ist. Wenn Stoiber sich also als bayrischer Ministerpräsident um eine Wiederwahl bemüht, ist es inhaltlich und sprachlich eher angebracht, so zu reden, dass die bayrische Bevölkerung sich vertreten fühlt. Bewirbt er sich hingegen als Kanzlerkandidat, muss er so reden, dass möglichst weite Teile der ganzen Bundesbevölkerung in ihm den Richtigen sehen, und nicht nur die Bayern - und das ist deutlich schwieriger. Als zusätzliches Problem ergibt sich, dass ein gestochenes Hochdeutsch zuweilen abgehoben bis distanziert wirken kann. So zeigten Wahlumfragen und Wählerbefragungen in Rheinland - Pfalz, dass der erfolglose CDU - Kandidat Böhr unter anderem deshalb gescheitert ist, weil er zwar gebildet ist, aber als abgehoben empfunden wird - bei Ministerpräsident Beck hatten viele Wählerinnen und Wähler eher den Eindruck, einen Politiker zu wählen, der bürgernah ist und zu den Rheinland - Pfälzern dazugehört. Ein Grund dafür ist neben seiner einfacher verständlichen Sprache auch seine Art, so sieht man Beck z.B. immer bei den Wahlen der Weinköniginnen - das strahlt ein hohes Interesse seinerseits an den Bürgern aus. Ebenfalls zeigt Beck sich am Fußball interessiert, so war z.B. im Landtagswahlkampf 2001 in einer halbseitigen Werbeanzeige im „Trierischem Volksfreund“ ein Spieler des 1. FC Kaiserslautern zu sehen, der sich klar für Beck positionierte, mit der Begründung, ohne ihn könne man in Kaiserslautern kein Spiel anpfeifen 8 . Auch mit einem solchem Verhalten zeigt ein Politiker Bürgernähe - um nur zwei Beispiele zu nennen. Vor der rheinland - pfälzischen Landtagswahl 2006 hat der Südwestrundfunk die vier Spitzenkandidaten von SPD, CDU, FDP und Bündnis 90 / Die Grünen zu einer „Elefantenrunde“ geladen, und unter anderem Rededuelle zwischen Ministerpräsident Beck und Herausforderer Böhr bzw. FDP - Kandidat Bauckhage und Grünen - Spitzenkandidatin Thomas abgehalten. Im Anschluss daran wurden Erstwähler befragt, welche Noten sie den jeweiligen Kandidaten für Ihren Auftritt geben, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf den Ton. Das Ergebnis dieser Kurzbefragung: Besser bewertet wurden jeweils diejenigen Kandidaten, die in einfachen und klaren Sätzen ihre Meinung wiedergegeben hatten, diese möglichst mit Zahlen und Fakten untermauert und mit ihrem Gegenüber in einem fairem und tolerantem Ton diskutiert hatten. 9 Es empfiehlt sich daher also für die Werbesprache von Politikern, sich verständlich für die Wähler auszudrücken,
8 Die Anzeige erschien in der Ausgabe vom 22. März 2001 unter dem Titel „Menschen für Kurt Beck“. Der zitierte Spieler heißt Everson „Ratinho“ Rodrigues. Leider war es trotz Anfragen sowohl beim „Volksfreund“ als auch bei der SPD nicht mehr möglich, die Seitenzahl herauszubekommen.
9 Die Sendung wurde am Donnerstag, dem 23. März 2006 zwischen 20.15 und 21.45 Uhr im Südwest - Fernse- hen übertragen. Sie lief unter dem Titel: „Die Wahl bei uns: Spitzenkandidaten im Endspurt“.
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da die Wähler wissen wollen, was sie für ihre Stimme für ein Programm zu erwarten haben. Bei einer solchen Sendung handelt es sich um ein Mittelding zwischen lowinvolvement - und high - involvement - Werbung, da die Politiker jeweils nur begrenzte Redezeiten hatten und somit gehalten waren, sich kurz und präzise zu fassen, aber gleichzeitig mussten sie in ihrer kurzen Redezeit soviel Fakten wie möglich auf den Tisch packen.
5. Rhetorische Stilmittel in politischen Reden
Zu diesem Thema ist zunächst festzuhalten, dass Politiker zu einem gewissem Anteil subjektiv argumentieren. Es ist z.B. vom politischem Lager abhängig, ob im Zusammenhang von Ostdeutschland früher von der DDR oder der „DDR“ (in Anführungszeichen) oder der „sogenannten DDR“ die Rede war. Leinfellner kommt zu dem Schluss 10 , dass vor allem konservative Politiker eher zu den letzten beiden Varianten tendierten. Weiter stellt Leinfellner fest, dass Politiker je nach ihrer Funktion über ein - und dieselbe Tatsache verschiedenartige Äußerungen machen können, mit dem Ziel, die Bevölkerung zu beruhigen und ein Problem zu vertuschen. Leinfellner illustriert das am folgendem Beispiel: Wenn der objektive Tatbestand der ist, dass ein Stück Uranmetall im Meer versunken ist, dann können Politiker in diesem Zusammenhang euphemistisch und graduell abschwächend sagen: „Ein nicht explosiver, ungefährlicher Teil der Bombe ist versunken“, was dann einen partiellen Irrtum bzw. einen Euphemismus darstellt. Ebenso gut kann es sein, dass ein Politiker in diesem Zusammenhang behauptet, es sei gar nichts versunken. Das ist dann ein totaler Irrtum oder platt gesagt: eine Lüge. 11 Wenige Seiten später kommt Leinfellner zu der Erkenntnis, dass Politiker den Bürger auch gern nur vage und ungenau informieren 12 , was man im Zusammenhang mit Werbesprache als face - working bezeichnet, denn das gute Gesicht muss ja gewahrt bleiben, weil man sonst bei der nächsten Wahl keine Chance mehr hat.
Ein weiterer Aspekt des face - workings besteht in metaphorischer Redensart. So hat der frühere bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß zur Ostpolitik der Bundesrepublik gemeint: „Wir sind nicht bereit, uns bei dem waghalsigem Ritt über das sumpfige Gelände ostpolitscher Abenteuer als Geleitschutz missbrauchen zu lassen.“ 13 Gemeint war, er sei nicht mit der Ostpolitik des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt einverstanden und wolle diese nicht mittragen. Durch seine metaphorische Darstellung kam diese Haltung zwar blumig, aber dennoch unmissverständlich und eindeutig an. Solche vagen Ausdrücke können auch euphemistische Wirkung haben, so wie es zur NS - Zeit oft der Fall war. Man denke nur an Begriffe wie „Endlösung der Judenfrage“ - gemeint war Massenmord. Oder an den Begriff „ethnische Säuberung“, der oftmals ähnliches beschreibt. Politische Euphemismen, die in Frankreich des öfteren verwendet werden, beziehen sich auf Entlassungen von Ministern. Es ist dann nicht etwa die Rede davon, dass sie „entlassen“ oder „abgesetzt“ seien, sondern man sagt dann, sie seien „part en congé“, was eigentlich bedeutet, dass sie sich in Urlaub befinden - also wörtlich übersetzt ein Grund zur Freude. 14 Ein weiteres
10 Siehe hierzu: Dr. Elisabeth Leinfellner: „Der Euphemismus der politischen Sprache“, erschienen 1971 bei Duncker & Humblot in Berlin, Seite 32
11 ebd., Seite 39
12 ebd., Seite 48
13 Spiegel vom 6. Juli 1970, Seite 20
14 ebd., Seite 84
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Stilmittel in der Sprache von Politikern besteht im Einsatz von Fremdwörtern, die einen mehrdeutigen und ebenfalls vagen Effekt haben. Wenn z.B. im Zusammenhang mit einer Räumungsaktion von einer „Evakuierung“ die Rede ist, dann hat das dieselbe Denotation wie wenn man von „Räumen“ redet - es wirkt allerdings eindrucksvoller. Im Zusammenhang von einer Hinrichtung von „liquidieren“ zu reden, wirkt weniger abstoßend, weil „liquid“ im chemischen Sinne „flüssig“ meint und man daher nicht direkt an eine Tötung denkt.
6. Die Sprache von Politkern am Beispiel zweier Reden von Don José Luis Rodriguez Zapatero
Im folgendem werde ich die Sprache des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero in seinen beiden in der Einleitung dieser Hausarbeit genannten Reden analysieren.
a) Die Rede vor dem Gipfel gegen Hunger und Armut
Eine der beiden Reden hat Zapatero anlässlich eines von der UNO organisierten Gipfeltreffens mehrerer Staats - und Regierungschefs gegen Armut und Hunger gehalten. 15 Einem Internetbericht zufolge 16 waren bei dem Gipfeltreffen neben den Regierungschefs auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Thema Hunger und Welternährung befassen, zugegen. Für Zapatero bedeutet das, dass er so reden muss, dass Menschen, die das Problem aus völlig unterschiedlichen Perspektiven sehen, sich gleichermaßen angesprochen fühlen - denn ob man als Regierungschef in der Verpflichtung ist, ein solches Ziel einzuhalten, und sich gleichzeitig alle anderen politischen Felder bearbeiten muss, oder ob man sich in einer Nichtregierungsorganisation auf ein bestimmtes Thema begrenzt und Forderungen an Politiker stellt, sind zwei völlig verschiedene Sichtweisen. Andererseits sind sich, zumindest theoretisch, Politiker aller Länder und Richtungen einig, dass etwas zum Problem Hunger geschehen muss. Wenn sich jemand trauen würde, offen zu sagen, dass ihm dieses Problem egal sei, oder gar, dass er es gut fände, dass täglich Menschen vor allem in den Drittweltstaaten verhungern, wäre er direkt als menschenverachtend und nicht mehr wählbar verschrien.
In seiner Rede beginnt Zapatero mit einer Einleitung, in der er zunächst die anderen anwesenden Regierungschefs begrüßt und einige von ihnen sogar namentlich anspricht. Unmittelbar darauf personifiziert er fünf Länder, indem er sagt, dass diese einen Hilfeschrei in Richtung der Menschheit loslassen (Z. 9). Zunächst hält er das Problem sehr allgemein, indem er nicht genau mitteilt, wie lange es die Menschheit schon begleitet (ebenfalls Z. 9. Aber wahrscheinlich weiß das auch niemand genauer). Bei seiner Bemerkung, über eine Milliarde Menschen lebe in „extremer Armut“, ist zunächst unklar, ob es sich bei dieser Zahl um eine Schätzung, eine Hyperbel oder eine symbolische Zahl, die einfach soviel heißen soll wie „sehr viele Menschen“
15 Die Rede ist einsehbar auf der Homepage der brasilianischen Regierung unter www.mre.gov.br/espanhol/politica_externa/temas/acfp/discurso_del_presidente_del_gobierno.doc (Internetzugriff am 25. März 2006) und befindet sich im Anhang. Im Folgendem beziehe ich mich auf die Zeilennummerierung dieser Fassung.
16 Der Bericht stammt von http://www.iaahp.net/intern_en.html (Internetzugriff am 28.März 2006)
Arbeit zitieren:
Philipp Jakobs, 2006, Sprache von Politikern, München, GRIN Verlag GmbH
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