Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Wichtige Lebensstationen seiner politischen Karriere. 4
III. Der Weg zum Nominierungsprozess: 6
1. Der Organisationsapparat John F. Kennedys 6
2. Die Gegenkandidaten im demokratischen Lager 8
3. Die Entscheidung um die Primaries. 11
4. Die National Convention in Los Angeles (Juli 1960) 13
IV. Im Wahlkampf gegen Richard M. Nixon: 16
1. Kurzer außenpolitischer Kontext der Wahlen - Eine Herausforderung für
den neuen Präsidenten 16
2. Jugend, katholische Konfession und Persönlichkeit - Handicaps für John
F. Kennedy? 18
3. New Frontier und der Movement-Gedanke’ - Die Schwerpunktthemen im
Wahlkampf 20
4. Einsatz der neuen Medien im Wahlkampf - Die TV-Duelle vor der Wahl.
23
V. Der Ausgang der Wahl. 27
VI. Schluss: Zusammenfassung der strategischen Überlegungen. 29
Literaturverzeichnis. 32
2
I. Einleitung
Das Ziel der folgenden Arbeit soll eine Analyse des Wahlkampfes aus der Perspektive des demokratischen Kandidaten John F. Kennedy in der amerikanischen Präsidentschaftswahl von 1960 darstellen. Dabei soll, beim Nominierungsprozess angefangen bis hin zu den Fernsehduellen kurz vor dem Wahltag, auf einzelne Stationen der vierjährigen Vorbereitungszeit eingegangen werden.
Die wesentliche Fragestellung soll dabei heißen, ob John F. Kennedy auf bestimmte Strategien im Wahlkampf gesetzt hat und wenn ja, auf welche Weise diese ausdifferenziert werden konnten. Inwieweit wurden solche Taktiken und Berechnungen genutzt und inwiefern waren sie für den knappen Wahlsieg entscheidend?
Bei der Bearbeitung der Literatur und Fokussierung auf die genannten Fragestellungen wird deutlich, dass John F. Kennedy mit seinem Wahlkampfteam, das mit vielen Taktikern besetzt war, sehr wohl zahlreiche strategische Überlegungen führte, um die einzelnen Hürden auf dem Weg zum Weißen Haus zu meistern. Angefangen bei organisatorischen Strategien, welche sich in der Zusammensetzung des Wahlkampfteams offenbaren, über die breite Nutzung des neu aufkommenden Mediums Fernsehen, bis hin zur rechnungsgenauen ‚Electoral Strategy’, die durch die Benennung des Vizepräsidentschaftskandidaten Lyndon B. Johnson und die sorgsam ausgewählten Besuche und Auftritte vor allem in den nordöstlichen Staaten des Landes aufgehen konnte, - um nur einige Überlegungen zu benennenüberließ John F. Kennedy kein noch so minderwertig scheinendes Detail dem Zufall.
Natürlich muss hier auch gesagt werden, dass er durch sein großes Dollarbudget, seine unzähligen Kontakte und nicht zuletzt vor allem durch seine schillernde Persönlichkeit großes Wählerpotential mobilisieren konnte, doch wusste er mit Hilfe seiner Berater immer diese Vorteile strategisch so umzusetzen, um den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen.
3
II. Wichtige Lebensstationen seiner politischen
Karriere
Bevor der Nominierungsprozess und der anschließende Hauptwahlkampf mit verschiedenen Strategien analysiert werden, ist es zunächst wichtig, einige signifikante biografische Stationen des politischen Lebens John F. Kennedys zu benennen, um seine späteren Taktiken und Entwicklungen im Wahlkampf besser nachvollziehen zu können, denn bereits am Beginn seiner politischen Arbeit legte der Kandidat einige Grundsteine für seinen späteren Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 1960.
Der im Jahre 1917 in Boston/Massachusetts geborene Kennedy begann bereits im Alter von neunzehn Jahren ein Studium der Politik-, Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Universität Harvard. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst bei der Marine und wurde als Führer eines Patrouillen-Torpedobootes eingesetzt. Im August 1943, als sein Boot zerstört wurde, rettete er zwei Verletzten das Leben und brachte sie auf einer Insel in Sicherheit. Die New York Times machte daraus auf ihrer Titelseite eine große Heldengeschichte und Kennedy kam so zu großem Ruhm. 1
Nach dem Krieg bewarb er sich um einen Abgeordnetenplatz im Repräsentantenhaus für Massachusetts. Hier begann nun seine echte politische Karriere und er konnte bald durch seine engagierte Arbeit Aufsehen erregen. Dies ermöglichte ihm in 1952 die Kandidatur zum Senator von Massachusetts. Bereits zu dieser Zeit betrieb er mit ausgeklügelten Strategien, der Unterstützung seiner Familie und viel Charme einen Wahlkampf, der sich vor allem durch optimale Planung auszeichnete.
1 Vgl. Etges, Andreas: John F. Kennedy, München 2003, 19f.
4
Durch die Einstellung Theodore Sorensens als wichtigstem Mitarbeiter erzielte er auch im Senat große politische Erfolge 2 , wodurch er sich nach nur drei Jahren gegen Symington und Kefauver durchsetzen konnte und zum demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten unter Stevenson nominiert wurde.
Nach der Wahlniederlage gegen Eisenhower/Nixon startete Kennedy schon seine Vorbereitungen für eine Präsidentschaftskandidatur für die nächste Wahl. Seit seiner Kandidatur für den Senat leitete sein Bruder Robert bereits den JFK-Organisationsapparat.
2 Vgl. Ebd., 31.
5
III. Der Weg zum Nominierungsprozess:
1. Der Organisationsapparat John F. Kennedys
Schon von Beginn an seiner Nominierungsbemühungen war für John F. Kennedy klar, dass er ein Wahlkampfteam benötigte, das ihm bei seiner Kandidatur hilfreich zur Seite stehen sollte. Das ist noch keine Besonderheit, denn jeder Präsidentschaftsbewerber kann seine Kandidatur unmöglich alleine organisieren. Doch liegt bei John F. Kennedy ein mühsam aufgebauter Organisationsapparat vor, der mit bisher da Gewesenem nicht zu vergleichen ist. Da er bereits in der Wahl von 1956 als Vizepräsidentschaftskandidat antrat und auch in dieser Zeit schon über einige Gehilfen verfügte, konnte er aus seinen Fehlern von damals lernen und bei dieser Wahl sein Team nach anderen Strategien zusammenstellen.
Neben seinem Bruder Robert Kennedy, den man sicher als Kopf der Wahlkampfmaschinerie bezeichnen kann, stand ihm eine fünfzehnköpfige Arbeitsgruppe aus zwar qualitativ hochwertigen Wahlhelfern zur Verfügung, die er sorgsam ausgewählt hatte, doch war keiner von ihnen jemals in ein ähnliches Projekt involviert. 3 Sie trafen sich zum ersten Mal in Palm Beach / Florida, um im April 1959 genaue Aufgabengebiete und Funktionen festzulegen. 4
An dieser Stelle sollen nur einige der wichtigsten Mitglieder kurz angegeben werden. Zum einen ist da Kenneth O’Donnell, ein Schulfreund von Robert Kennedy, der als Taktiker im Wahlkampf wirkte. Ihm müssen zentrale Strategien, wie beispielsweise die Auswahl der Wahlkampfauftritte sowie die bestmöglichste Schulung der Persönlichkeit John F. Kennedys zugesprochen werden. Sein Synergypartner, Lawrence O’Brien, der als Organisator fungierte, lenkte als Ideengeber und Koordinator Kennedys Tagespläne und Termine. In der Kontaktaufnahme zu Martin Luther Kings Ehefrau, mit der Kennedy kurz vor der Wahl die so wichtige Unterstützung der schwarzen Wählerschaft verbuchen konnte, spielte O’Brien eine gewichtige Rolle.
3 Vgl. White, Thomas H.: The Making of the President 1960, New York 1961, 50. 4 Vgl. Ebd., 53.
6
Als Kennedys engster Berater muss Theodore C. Sorensen angeführt werden, der als brillanter Redenschreiber seinen Teil zum Wahlerfolg beitrug. Indem er Kennedys Rhetorik verbesserte und ihm half, seine intellektuelle Persönlichkeit weiter auszubauen, war er für den demokratischen Kandidaten unverzichtbar. Kennedys Schwager, Stephen Smith, spielte ebenso eine signifikante Rolle, denn er regelte als Office Manager und Logistiker die Finanzen und Transfers im gesamten Wahlkampf. Außerdem verstand er es, Tausende freiwilliger Helfer zu mobilisieren.
Sehr auffällig ist bei dieser Zusammensetzung des Teams der hohe Anteil direkter oder indirekter Verwandter des Kandidaten. Neben seinem Vater Joseph Kennedy, der zahlreiche Kontakte zu wichtigen Schlüsselfiguren der amerikanischen Gesellschaft herstellte, arbeiten Bruder Robert Kennedy und Schwager Stephen Smith im Wahlkampfmanagement. Auch sein jüngerer Bruder Edward Kennedy wurde stets zu wichtigen Aufgaben herangezogen. Von nicht wenigen Wahlanalysten wird diese organisatorische Strategie, möglichst viele aus dem Kennedy-Clan und dessen enger Bekannter aktiv in den Wahlkampf mit einzubeziehen als genialer Schachzug Kennedys gesehen, der damit von absoluter Loyalität seiner Mitarbeiter ausgehen konnte. Als eine der ersten Handlungen und Beschlüsse des Organisationsteams wurden im Sommer 1959 in allen fünfzig amerikanischen Staaten Kennedy-Organisationen gegründet, die später in Kennedy-Johnson Organisationen umbenannt wurden. 5 Um dies zu ermöglichen, war man auf die Vorarbeit John F. Kennedys angewiesen, denn er hatte seit der Wahlschlappe 1956 alle Staaten bereist und die nötigen Kontakte hergestellt. Weil es aber anfangs immer wieder zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den
Organisationskomitees und Kennedys Mitarbeitern gekommen war, setzte man bald darauf Koordinatoren ein, die zwischen lokaler und nationaler Ebene vermittelten. So konnte das Wahlkampfteam anhaltend mit aktuellen Informationen aus allen Staaten versorgt werden, um auf diese Weise besser planen zu können und über neueste Entwicklungen in Kenntnis gesetzt zu werden.
5 Vgl. Ebd., 137.
7
Hier muss noch erwähnt werden, dass im Wahlkampf 1960 die größte Zahl engagierter freiwilliger Helfer (‚Volunteers’) verbucht werden konnte. Allein auf demokratischer Seite setzten sich ca. zwei Millionen Menschen für John F. Kennedy ein, um auf lokaler Ebene den Wahlkampf voranzutreiben. 6 Auch dies ist Teil des Organisationsapparates, der für John F. Kennedy unverzichtbar gewesen ist.
2. Die Gegenkandidaten im demokratischen Lager
Um sich im Nominierungsprozess innerhalb des demokratischen Lagers durchzusetzen, musste John F. Kennedy seine Konkurrenten politisch übertreffen. Zu den wichtigsten Mitbewerbern gehören der Präsidentschafts-kandidat aus dem Jahre 1956 sowie die drei wichtigen Senatoren Humphrey, Symington und Johnson. Im Folgenden sollen diese vorgestellt werden und anhand ihrer Stärken und Schwächen mit Kennedy verglichen werden. Welche Ziele und Strategien verfolgten sie, um dem Weißen Haus näher zu kommen? Welchen Teil der demokratischen Wählerschaft konnten sie gewinnen? Inwiefern hatten sie zwischenzeitlichen Erfolg und warum scheiterte ihre Nominierung im Endeffekt?
Als erster offizieller Kandidat präsentierte sich Hubert Humphrey, Senator von Minnesota. Bereits im Herbst 1959 stellte er seine Ambitionen für den Wahlkampf in Aussicht. Für ihn war diese Kampagne die letzte Chance, endlich auf nationaler politischer Ebene Fuß zu fassen, denn bereits in den Jahren 1952 und 1956 verfolgte er das Ziel, als Präsidentschaftskandidat bzw. als Vizepräsidentschaftskandidat ins Rennen zu gehen. 7 Seine zentrale Strategie, die sich vorwiegend an ‚Labor Unions’ und ‚Farmer’ richtete, legte er als erfolgreicher Kommunalpolitiker darauf an, bestechende Ergebnisse in den Primaries zu erringen. Nur so konnte er auf sich aufmerksam machen und sein Defizit des niedrigen Bekanntheitsgrades aufbessern. Auffällig sind seine vielen Ähnlichkeiten zu John F. Kennedy, wie beispielsweise seine markante Persönlichkeit, die im Mittelpunkt stand, oder sein Ehrgeiz.
6 Vgl. Ebd., 26f. 7 Vgl. Ebd., 29.
8
Sein engster Mitarbeiter James Rowe kommentierte Humphreys Kampagne einmal mit den Worten: „In politics, […] your strategy is never based on choice— it is forced on you.“ 8 Humphrey scheiterte mit seiner Kandidatur gegen Kennedy im Kampf um die Mehrheit im West Virginia Primary, die in Kapitel III.3 näher erläutert wird.
Kennedys zweiter Mitbewerber war Senator Stuart Symington aus Missouri. Da man ihn von Beginn an als Kompromisskandidat handelte, weil er die meisten Positionen hinter sich vereinen konnte, wurden ihm nur geringe Chancen für eine Nominierung zugesprochen, zumal er wenig Markantes an sich hatte. 9 Symingtons Vorteile lagen klar in seiner Erfahrung durch die Tätigkeit im Senat und als privater Geschäftsmann sowie in seiner sehr liberalen Ausrichtung. Weiterhin erhielt er prominente Unterstützung im Wahlkampf, wie zum Bespiel vom ehemaligen Präsidenten Harry Truman. Sein Manko war, ähnlich wie bei Humphrey, sein mangelnder Bekanntheitsgrad über die Grenzen Missouris hinweg. Zwar war er auf lokaler Ebene politisch erfolgreich, doch mangelte es ihm an politischem Einfluss auf nationalem Parkett.
Der texanische Kandidat Lyndon B. Johnson verfügte dagegen über den nötigen nationalpolitischen Einfluss, denn in seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Senate Majority Leader war er den meisten im Land bekannt und konnte mit großer politischer Erfahrung glänzen. Daher wählte er auch als eine seiner Wahlkampfstrategien, sich im Senat Geltung zu verschaffen, um so eine breite Wählerschaft zu gewinnen. 10 Als Kandidat des ‚New Deal’ aus den dreißiger Jahren führte er eine traditionelle ‚Old Southern Campaign’, zumal im Süden des Landes über ein Viertel des demokratischen Wählerpotentials beheimatet ist. Aufgrund mangelnden Zuspruchs in den nördlichen Industriestaaten musste er seine Kandidatur noch vor der National Convention beenden, doch holte ihn
8 Ebd., 33.
9 Vgl. David, Paul T.: The Presidential Nominations, in: Ders. (Ed.): The Presidential Elections and Transition 1960-1961, Washington, D.C. 1961, 6. 10 Vgl. White, Thomas H.: The Making of the President 1960, 131.
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Tobias Kollmann, 2004, John F. Kennedy und die Wahl zum amerikanischen Präsidenten von 1960, München, GRIN Verlag GmbH
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