Gliederung:
I Teil: Traiansforum
1. Prämisse 3
2. Topographie 3
a) Terrain 3
b) Vorgängerbauten 5
3. Forum Traiani 6
a) Befund und Quellenlage 6
a) Grundriß und Konzeption 6
b) Bauschmuck 10
g) Funktionen und Adressaten 17
b) Methodische Überlegungen 20
II Teil: Traianssäule
1. Funktionsanalyse 24
a) Das architektonische Setting 24
b) Das Problem der Lesbarkeit 26
a) Mittel der Lesbarkeit 30
b) Kulturelle Kompetenzen 34
c) Adressaten 35
2. Das Reliefband 38
a) Ansicht aus SW 38
b) Ansicht aus NO 40
3. Schlußbemerkungen 43
III Anhang
1. Quellen 50
a) Berichte und Inschriften 50
b) Münzen 50
2. Literaturnachweis 51
2
I. Das Traiansforum
1. Prämisse
Die Forschung ist sich heute weitgehend 1 darin einig, daß dem Traiansforum, d.h. atrium fori, Basilica Ulpia, Bibliotheken und Säule eine “einheitliche Gesamtplanung” 2 zugrunde liegt: “It thus seems inevitable to consider the complex formed by the column, libraries and basilica as an autonomous unit, whose insertion between the square and the temple was intended to meet a precise and incontrovertible need. What that need was can be clarified only by specific research, which is still mostly incomplete” 3 , formuliert Coarelli Prämisse und daraus sich ergebende Aufgabenstellung, der sich auch vorliegende Arbeit anschließt.
2. Topographie
Die Grabungsberichte über die Ausgrabungen des Forums durch die Franzosen 1812-1814 (Traianssäule und mittleres Drittel der Basilica Ulpia) mit weiteren Sondagen 1824 bzw. 1866-1867, durch die Italiener 4 zu Anfang des 20. Jhs. sowie im Zuge der Errichtung der Via dei Fori Imperiali 1928-1934 liegen nur sehr summarisch vor 5 und konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht näher überblickt werden. 1998-2000 wurde auf dem Areal des ehemaligen atrium fori erneut ausgegraben 6 .
a) Terrain Auf der südostlichen Seite der Säulenbasis ist über dem Eingang eine Inschrift angebracht, die neben den üblichen Informationen über Stifter (“Senatus populusque romanus”: “Senat und Volk von Rom”) und Empfänger (“Imp[eratori] Caesari Divi Nervae f[iglio] Nervae Traiano …”: “dem Imperator Caesar Nerva Traian, Sohn des Gottes Nerva, …”) eine weitere, in diesem Zusammenhang außergewöhnliche Infor-
1 ausgenommenAnderson, 141ff
2 Fehr, 41, Anm. 10 3 Coarelli, 4 4 G. Boni, Esplorazione del Forum Ulpium, in: Notizie Scavi.1907 5 C. Ricci - A. Colini - V. Mariani, Via dell’ Impero. 1933 6 http://www.traiano.com
3
mation enthält: “Ad declarandum quantae altitudinis / mons et locus tant[is ope]ribus sit egestus“ 7 : “Um zu zeigen, von welcher Höhe der Hügel (war), der fortgeschafft wurde für so ein herrliches Werk.” Cassius Dio 8 berichtet, der ganze Platz sei hügelig gewesen und in einer der Säule entsprechenden Höhe abgetragen worden, um das Bodenniveau des Forums zu erreichen.
Aus der Übereinstimmung dieser beiden Quellen hat sich die vorherrschende Lehrmeinung ergeben, daß sich “die Inschrift auf die umfangreichen Terrainbewegungen bei der Erbauung des Forums” beziehe, womit “die Abgrabung des Quirinalshügels gemeint sein” 9 dürfte, der den Quirinal mit dem Kapitol verband und den Durchgang zwischen Kaiserfora und Marsfeld blockierte 10 . So wurden durch das Abtragen des Hügelsattels neue Verkehrswege eröffnet, indem die Straße südlich des Forums das repräsentative Stadtzentrum nun mit dem Marsfeld verband oder die kürzeste Verbindung von diesem zum Colosseum oder zu den Traiansthermen bot, wobei die großzügige Anlage den Flaneur sicher zum Verweilen einlud.
Zu der von der Öffentlichkeit sicherlich begrüßten Erleichterung und Abkürzung der Wege bemerkt Coarelli: “The traumatic elimination of a natural element of such im-portance in the ancient city’s topography could not happened without profoundly affecting the religious sensibility of the community” 11 .
Erklärt dies, warum die Plattform der Säule über eine Treppe im Inneren zugänglich war? Die Aussicht von der Plattform ‘ersetzt’, obschon etwas nach Nordost versetzt, die Aussicht, die wohl vordem von dem eliminierten Hügel aus möglich war. Unbe-antwortet bleibt dabei jedoch die Frage, für wen eigentlich diese Aussichtsmöglichkeit geschaffen wurde; da erstens die Zugangssituation mit einer Breite der Wendel-
7 CILVI 960
8 s. Cassius Dio LXVIII 16,3, zit. nach Coarelli, 4f 9 Fehr, 47, s. Anm. 68 10 nach Meneghini (s. Gesemann, 325) wird in neuesten Publikationen auch die NW-Wand des die Traianssäule umgebenden Innenhofes mit vorgelagerter Portikus rekonstruiert, was einen Durchgang vom Marsfeld über die Kaiserforen bis zum Colloseum ermöglichen würde. s. auch G. Boni, Esplorazione del Forum Ulpium, in: Notizie Scavi. 1907;
11 Coarelli, 5f: Seinen Hinweis untermauert er mit dem Argument, daß sich die Bedeutung dieses topographischen Eingriffs schon durch die bloße Nennung in der Inschrift ausdrücke, also innerhalb eines epigraphischen Kontextes, der sich ansonsten durch “an almost obsessive adherence to formulas” auszeichne. Fehr, 47, wundert sich, daß die Inschrift „erstaunlicherweise die Dakerkriege“ ignoriere, das Thema des Säulenfrieses, und ebenso die sepulkrale Funktion völlig außer Acht lasse. Erklärungsversuche von Zanker, 530ff, 542; Gauer, 25, Anm.11
4
treppe von durchgehend 0,70m 12 nur einer Person Platz bietet, und zweitens die Säule zugleich als Grabmonument 13 für Traian und seine Frau Plotina diente, kann wohl davon ausgegangen werden, daß die Möglichkeit eines Zugangs zur Plattform von vorneherein nicht für die breite Öffentlichkeit, sondern nur für eine eng umgrenzte Gruppe von Adressaten eingeplant war. Wer jedoch waren diese?
b) Vorgängerbauten
Die Basilica Ulpia wurde vermutlich an Stelle des für den Bau des Traiansforums abgetragenen atrium libertatis (bzw. der seit augusteischer Zeit mit ihm verbun-denen Bibliothek des Asinius Pollio) errichtet 14 ; das atrium libertatis, Amtssitz der Censoren, Aufbewahrungsort wichtiger Staatsdokumente, erste öffentliche Bibliothek Roms und in Ausnahmefällen auch Tagungsort des Senats, befand sich zwischen Porta Fontinalis und Forum Iulium und reichte weit in die Geschichte Roms, vermutlich bis ins Jahr 443 v. Chr. zurück 15 .
Coarelli 16 leitet daraus ab, daß in der gleichen Weise, wie die Säule den Hügel ‘ersetzte’, auch die Basilica Ulpia Ersatz für den Vorgängerbau atrium libertatis bot und demgemäß auch einige seiner Funktionen übernahm: Die Funktion einer öffentlichen Bibliothek mit zwei Abteilungen, einer griechischen und einer lateinischen 17 ; sowie die Funktion des tabularium als eines Aufbewahrungsortes für Staatsdokumente, wichtige Gesetze und die Archive der Censoren 18 . Diese Sichtweise wird durch Fragmente des Severischen Marmorplans (forma urbis) gestützt, auf dem die westliche Apsis der Basilika als [LI]BERTA[TIS] bezeichnet wird, woraus Coarelli 19 schließt, daß die östliche demgemäß die Bezeichnung ATRIUM trug.
12 Florescu, 41
13 C. Dio XVIII 16,3; Eutropius VIII 5,2; Aurelius Victor Sextus, Epigramma 13; Cassiodor, Chronologia, 141 14 Anderson, 26; Richardson, 41; Coarelli 1975, 116 15 Anderson, 21ff 16 Coarelli, 6f 17 für Atrium Libertatis bezeugt bei: Isid., orig. VI 5,2; Plin., NH VII, 115; XXXV, 10; Ovid., trist. III, 1,69ff 18 Liv. XXV, 7,12 19 Coarelli, 7
5
3. Forum Traiani
a) Befund- und Quellenlage
a) Grundriß und Konzeption
Nach Richardson gelten als gesichert: die nordöstliche Kolonnade des atrium fori mit Exedra; der mittlere Teil der Basilica Ulpia mitsamt ihrer südwestlichen Apsis; die Traianssäule mitsamt der flankierenden südwestlichen Bibliothek. Daraus hat man folgende Gesamtanlage rekonstruiert: “Die gesamte Anlage besteht aus vier Teilen: dem eigentlichen Platz, atrium fori [116x95m], mit den beiden [12m] tiefen Säulenhallen und Exedren; der fünfschiffigen Basilica Ulpia [159x55m], deren Apsiden in Größe und nach der Lage die Pendants zu den Exedren der Säulenhalle bilden; der Trajanssäule mit den beiden Bibliotheksgebäuden; dem großen Tempel für den Divus Traianus. Mit der Planung und dem Bau wurde spätestens unmittelbar nach Beendigung des zweiten Dakerkrieges und nach dem Triumph 107 n.Chr. begonnen. Trajan selbst weihte Forum und Basilica bereits im Januar 112, die Säule im Mai 113 ein.” 20
Abb.1: Rom, Kaiserforen: (2) Augustusforum, (5.) Traiansforum. Die fetten Linien kennzeichnen den archäologischen Bestand, alle weiteren Bestandteile sind hypothetisch ergänzt, insbesondere der hier im Nordwesten des Traiansforums rekonstruierte Tempelbezirk (ebenfalls 5.). aus: Nünnerich-Asmus, 97, Abb. 75a
20 Zanker, 504
6
Aus Funden von monumentalen Säulen- und Kapitellfragmenten, einer Dedikationsinschrift 21 sowie zeitgenössischen Quellen 22 hat man auf den erst später von Hadrian errichteten Tempel des Divus Traianus und der Diva Plotina geschlossen, dessen Grundriß und Lage aber “auch auf den neuesten Forumplänen völlig hypothetisch” 23 rekonstruiert wurde.
Neueste Ausgrabungen 24 haben Zweifel daran aufkommen lassen, ob sich der bislang einmütig nordwestlich der Basilica Ulpia vermutete Tempel des Traian und der Plotina wirklich dort befunden hat: “Jenseits der Basilica Ulpia fand sich nämlichunmittelbar bis an die Platzanlage heran - ausschließlich Wohnbebauung des 2. Jhs. n.Chr., die eine Rekonstruktion des Tempels an dieser Stelle unmöglich macht” 25 . Deshalb aber eine andere Gesamtausrichtung der Platzanlage anzunehmen, ist eher unwahrscheinlich.
Ich werde dieser Kontroverse im folgenden dadurch ausweichen, daß ich mich nur mit der noch zu Traians Lebzeiten errichteten Anlage auseinandersetze. Denn durch die Hinzufügung eines Tempels und die damit verbundene Apotheose des vergöttlichten Traian kann die in der vorherigen Bauphase angelegte Konzeption ja nur verstärkt oder ergänzt, aber nicht mehr irgendwie ‘umgedreht’ worden sein. Das heißt: Was für die Anlage ohne Tempel gilt, gilt für die Anlage mit Tempel erst recht 26 .
Auch ohne Tempel stellt die zu Traians Lebzeiten errichtete Anlage mit einer Länge von ca. 220m und einer Breite von ca. 160m “die größte Platzanlage” dar und “bedeckt fast soviel Raum wie die übrigen Kaiserfora zusammen” 27 . Im Grundriß lehnt sich das Traiansforum an die früheren, benachbarten Kaiserfora an, insbesondere an das Augustusforum, dessen in die Portiken eingelassene Exedren denen des Traiansforums bis in die Maße entsprechen 28 . An die Stelle der sonst üblichen Göttertempel aber tritt beim Traiansforum an der Stirnseite die querliegende Basilica Ulpia.
Hinsichtlich dieser Abweichung des Grundrisses der Anlage von denen der anderen
21 CIL. VI 966 = 31215
22 Gellius, Noctes XI, 17,1; SHA., Hadr. 19,9 23 Zanker, 537f 24 R. Meneghini, RM 105, 127ff. 1998; E. La Rocca, RM 105, 149ff. 1998 25 Köb, S. 301 26 ebenso Rodenwaldt, 339 27 Zanker, 504 28 Richardson, 176
7
Fora hat G. Rodenwaldt, gefolgt von Zanker und Fehr, darauf hingewiesen, daß sich die bauliche Konzeption des Traiansforums eng an die seit neronischer Zeit übliche Lagerarchitektur anschließe: “Es ist eine in ein Rechteck eingeschriebene, streng axiale Anlage mit der Aufeinanderfolge von Propylon, Hof und einer Basilika, die mit den beiden chorartigen, von Lehner überzeugend als Fahnenheiligtümern gedeuteten Räumen eine Querachse bildet.” 29 Diese Deutung wird von der durch Quellen 30 verbürgten Tatsache gestützt, daß der Baumeister des Forums, Apollodor von Damaskus, Traian zuvor auf dem Feldzug gegen die Daker begleitet und dabei auch militärische Anlagen errichtet hat. Die von ihm bekannten Schriften bezeugten “lebhafte militärische Interessen” 31 .
29 Rodenwaldt, 338
30 Cassius Dio, LXIX 4,1 31 Rodenwaldt, 339; s. EEA. I, 477
8
Den Vergleich weiterführend weisen Zanker und Fehr darauf hin, daß 1.) die Lage der Basilica Ulpia genau der Lage der Legions-Basilika entspreche 32 ; 2.) die Traianssäule “genau an der Stelle des Fahnenheiligtums der Principia” 33 stehe, also an Stelle des Aufbewahrungsraumes für die Feldzeichen (aedes) 34 ; 3.) die Bibliotheken “sich etwa an Stelle der Legionsarchive” 35 befinden. Fehr hat allerdings einschränkend hinzugefügt , daß die enge Verwandtschaft der Grundrißkonzeption der Forumsanlage mit dem Typus des Hauptgebäudes eines Legionslagers (principia) nur schwerlich über einen “begrenzten Betrachterkreis [hin-
aus] verständlich und nachvollziehbar” 36 gewesen sein kann. Dem ‘gewöhnlichen’, d.h. zivilen und nicht mit militärischen Leitungsfunktionen betrauten Besucher des Forums wird diese Übereinstimmung beim Durchgehen der verschiedenen Forumstrakte kaum bewußt geworden sein, zumal das hier verwendete Bauschema der principia relativ neu und überdies nicht in allen Provinzen dasselbe war 37 . Man kann also davon ausgehen, daß für den größten Teil der römischen Stadtbevölkerung kaum ersichtlich war, Traian habe hier “mitten in der Stadt eine Art von steinernem Heerlager aufschlagen lassen” 38 .
Trunk wirft in seinem Aufsatz Fehr angesichts der Betonung der Parallelen zur Militärarchitektur eine “unzulässige Verengung der Sichtweise” vor. Er schreibt: “Das architektonische Konzept der Basilica Ulpia ist vielmehr in einem viel allgemeineren Sinne ‘ein Kind seiner Zeit’, die Intention, den Besucher mit dem Grundriß der Anlage an ein Militärlager zu erinnern, kann den Planern der Anlage jedoch nicht unterstellt werden!” Meines Erachtens liegt eine verengte Sichtweise auf Seiten Trunks vor, da er nicht beachtet, daß es den ‚Besucher an sich’ gar nicht gibt, und daß die Konzipienten mittels ein- und derselben Anlage durchaus verschiedene Bedürfnisse verschiedener Adressatengruppen im Blick gehabt haben dürften. Es kam ja nicht darauf an, daß sowohl der stadtrömische Zivilist wie auch der Zenturio einer Provinzarmee, der vielleicht das Forum aus eigener Anschauung von seiner Dienstzeit bei der Prätorianerkohorte her kannte, zu einer vollständig übereinstimmenden Anschauung der vorliegenden Grundrißkonzeption gelangten; es ging ja nur darum, daß
32 Zanker, 506
33 Zanker, 506; Fehr, 44f 34 Fehr, 44 35 Zanker, 506 36 Fehr, 48ff; ebenso Zanker, 506 37 s. Rodenwaldt, 338 38 Zanker, 506
9
beide, aus durchaus unterschiedlichen Blickwinkeln, dazu ‘Ja’ sagen konnten 39 . Zudem konnte es trotz des “nicht eindeutig militärischen Raumkonzeptes des Trai-ansforums” 40 auch dem militärfernsten stadtrömischen Besucher aufgrund der bildlichen Ausstattung des Forums nicht entgangen sein, daß sich hier alles um Denkmal und Ehrung einer militärischen Leistung drehte.
b) Bauschmuck
Der nicht ausgegrabene monumentale Eingangsbogen ist auf Münzen 41 mit der Legende FORUM TRAIANI dargestellt. Darauf kann man zu beiden Seiten des Eingangs je zwei Statuen in Nischen sehen, bei denen es sich - laut Zanker 42 - nach dem Standmotiv zu urteilen um gefesselte Daker handelt. Über Tor und Nischen ist in der Mitte ein Gespann mit sechs Pferden erkennbar. Weiter sind links und rechts des Gespanns je zwei Figuren erkennbar, die je ein tropaion in die Mitte nehmen. “Der Blick des auf den Platz tretenden Besuchers muß zuerst auf den in atrii medio errichteten Equus Traiani gefallen sein. Es war ein besonders prunkvolles Reiterdenkmal.” 43 Münzabbildungen überliefern mindestens zwei Varianten, wie das Standbild ausgesehen haben könnte: Auf einem Münzbild erscheint Traian als “Reiter auf ruhig schreitendem Pferd mit Tunika und Paludamentum angetan. In der rechten Hand hält er eine Lanze, deren Spitze im Boden steckt. Mit der linken Hand hält er dagegen eine Victoriastatuette” 44 . Ein anderes Münzbild hingegen zeigt, wie er mit erhobener Lanze auf eine fliehende oder niederstürzende Figur zugaloppiert 45 . Gab das Standbild nun einen die Feinde niederreitenden dominator invictus wieder oder einen gemäßigt einherschreitenden, in zivile Kleidung gehüllten restitutor pacis nach Art der späteren Reiterstatue des Marc Aurel auf dem Kapitol? Da das erst neuerdings aufgedeckte Fundament 46 des Sockels (ca. 3,76m x 7,54m) auf ein ungefähr doppelt bis dreifach so großes Standbild (Höhe ohne Sockel 8-12m) als die Reiterstatue des Marc Aurel schließen läßt, rekonstruiert man aus statischen Gründen die
39 zur ‚semantischen Offenheit’ vgl. insbes. Fehr 2004.
40 Trunk, 290 41 Zanker, 505, Abb. 7 42 Zanker, 506f 43 Zanker, 508 u. 505, Abb. 8 u. 9 44 Bergemann, 166 45 Zanker, 505, Abb. 8 u. 9 46 s. La Rocca, E.: Il Foro di Traiano in base alle piu recenti ricerche, in: González, J. (Hrsg.): Trajano emperador de Roma. Kolloquium Sevilla 1998. 2000
10
letztere Form 47 . Des weiteren wurden seit der Renaissance auf dem Forum mehrere überlebensgroße Statuen und Statuenfragmente von bärtigen Männern in Hosen, mit langem Rock und Mantel gefunden, die mit gesenktem Kopf und gekreuzten Armen wohl als Gefangene dastehen 48 .
“Auf der Modellrekonstruktion Gismondis dienen die Daker als Gebälkträger 49 . Diese Verwendung entspricht den Karyatiden des Augustusforums 50 . Der Sinnbezug ist derselbe wie dort: Als Besiegte müssen sie Knechtsdienste verrichten” 51 . Außerdem werden dieser Figurengruppe acht Statuen des Konstantinsbogens zuge-ordnet, die wohl im frühen 4. Jh. vom Traiansforum dorthin verbracht wurden 52 . Des weiteren sind Fragmente zweier Relieffriese erhalten, auf denen als “Löwengreifen” 53 gedeutete Mischwesen “von geflügelten, aus Akanthusblättern aufsteigenden Knaben getränkt werden” 54 - ein Motiv, das auch auf den Brustpanzern traianischer und augusteischer Panzerstatuen auftaucht 55 . Nach Simon und Niemeyer 56 sei “der Greif als Tier der Nemesis zum Symbol für die Macht des Imperium Romanum” geworden; “Widerstand gegen Rom war nach der geläufigen Staatsideologie superbia, das debellare superbos vordringliche Aufgabe der Principes. Die befriedeten Greifen am Trajansforum zeigen den Erfolg der kaiserlichen Waffen, die ‘Befriedung’ der niedergeworfenen Daker an” 57 . Diese Friese sollen sich am Gebälk der Innenseite der Eingangswand befunden haben 58 .
Auch vier fast drei Meter hohe Reliefplatten aus dem Konstantinsbogen sowie weitere Fragmente in verschiedenen Museen, die zusammen eine Länge von 28-
47 neuesteRekonstruktion: http://www.traiano.com/inglese/testi_html/giornale.htm 48 Zanker, 507ff, Abb. 11-18 49 wahrscheinlich alternierend mit imagines clipeatae, die verdiente Mitfeldherrn Trajans im Dakerkrieg dargestellt haben könnten; die Modellrekonstruktionen scheinen jedoch problematisch, „da nur wenige Reste dieser Imagines gefunden worden sind“ (Zanker, 512, Abb. 19 u. 20).
50 s. Vitruv 1,1,5 51 Zanker, 512, fährt fort: „Aber während die klassischen Koren auf dem Forum Augustum in allgemeinster Weise die besiegten Völkerschaften symbolisieren, treten die Unterworfenen hier konkret wie im Triumphzug auf.“ 52 Zanker, 511f, Hölscher, Abb. 3 53 E. Simon, 769ff, in: Latomus 21 (1962) 54 Zanker, 513, Abb. 21-23 55 z.Bsp. Ostia, Museo Ostiense Inv. 23; Cambridge (Mass.), Fogg Art Museum. 56 Niemeyer, H.G.: Studien zur statuarischen Darstellung der römischen Kaiser, Nr. 50 57 Zanker, 513 58 Zanker, 513
11
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Martin Eckert, 2005, Das Militär als Zivilisationsmacht: Die Traianssäule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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