1 Einleitung 2
2 Systemische Beratung. 3
2.1 Definition: Beratung 3
2.2 Definition: Systemische Beratung. 3
2.3 Historischer Hintergrund: Systemische Beratung - Narrative Therapie 4
2.4 Systemisches Verständnis von Problemen 6
2.5 Die Bedeutung der Sprache in der Therapie und die Rolle des Therapeuten 7
3 Sozialer Konstruktionismus - KENNETH J. GERGEN 9
3.1 Konstruktionismus und Konstruktivismus 9
3.2 Einführung in die Gedanken KENNETH J. GERGENs. 10
3.3 Objektivität und Wahrheit im Verständnis des sozialen Konstruktionismus 10
3.4 Narratives Paradigma. 11
4 EPSTON / WHITE : Der narrative Ansatz in der Familientherapie 13
4.1 Einführung 13
4.2 Externalisierung. 13
4.3 Einmalige Ereignisfolgen 16
4.4 Transformation von Erzählungen 17
4.5 Das geschriebene Wort in der Therapie. 19
4.6 „Monster zähmen“ - Narrativer Ansatz zum Umgang mit Kinderängsten 21
5 Schluss. 23
6 Literaturverzeichnis 25
1 Einleitung
Die Idee für das Thema dieser Arbeit hat sich über eine längere Phase hinweg entwickelt. Die Wurzeln liegen vermutlich schon in meiner Kindheit und der Begeisterung für die Übermittlung von Werten und Lehren in Fabeln. Es fasziniert mich, was Sprache im Grunde schon seit Jahrhunderten beim Menschen bewirken kann. Geweckt wurde mein Interesse dann erneut beim Lesen des Buches: „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ von JORGE BUCAY, in dem eine Therapie beschrieben wird, die nur aus dem Erzählen von Geschichten voller Lebensweisheiten besteht. Im Seminar „Systemische Konzepte in der Beratung“ stellte Marc Weinhardt in der ersten Sitzung im Rahmen des Seminarplans kurz die in Australien und Neuseeland entstandene narrative Therapie vor, woraufhin ich mich sofort mit Begeisterung dem Thema widmete.
Zu Beginn der Arbeit wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung dieser Therapieform gegeben und es finden sich einige Definitionen und Erklärungen, die für das Verständnis der Arbeit und die Heranführung an das Thema wichtig sind. Anschließend folgt eine Einführung in den sozialen Konstruktionismus nach KENNETH J. GERGEN, der sich mit der Frage beschäftigt, wie Menschen im Austausch miteinander „Wirklichkeit“ erzeugen, die dann im Rahmen therapeutischer Prozesse im Sinne einer geringeren Belastung oder eines größeren Entwicklungsrahmens für den Klienten auch umgestaltet werden kann.
Für die narrative Therapie ist dieser Gedanke unverzichtbar, denn wenn Realität durch Sprache konstruierbar ist, lassen sich Probleme aus einem anderen als dem gewohnten Blickwinkel betrachten und können dadurch an negativer Bedeutung verlieren. DAVID EPSTON und MICHAEL WHITE, die beiden Hauptvertreter der narrativen Therapie, greifen diese Idee auf. In ihrer Therapieform lassen sich Ängste, die sie metaphorisch als „Monster“ bezeichnen, mit Sprache „bändigen“. In der Ausführung dieses Ansatzes, finden sich einige Beispiele aus der Praxis - auch bezogen auf die Arbeit mit Kindern, die der Verdeutlichung und Anschauung dienen.
Da die Sprache in dieser Arbeit eine Schlüsselstellung einnimmt, erlaube ich mir gelegentlich Sprichwörter und Aphorismen als besonders intensive Form des Ausdrucks von Gedanken einzufügen. Ferner möchte ich anmerken, dass mit der in der Arbeit verwendeten männlichen Form der Bezeichnung von Personen stets sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht gemeint ist.
2
2 Systemische Beratung
2.1 Definition: Beratung
Der Begriff Beratung wird von verschiedenen Autoren sehr unterschiedlich aufgefasst. FROMMANN/SCHRAMM/THIERSCH begreifen Beratung sehr allgemein als Hilfestellung im Leben, zum Beispiel im Alltagsgeschehen der Familie, in der Freundschaft, im Beruf aber auch im Umgang mit professionellen Beratern. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Variationen von Sorgfalt, Verbindlichkeit, Intensität und Absicht (vgl. 1976: 715). Der Beratungsprozess wird hier als wechselseitig beschrieben: „Beratung geschieht ebenso durch das, was der eine dem anderen erzählt, wie dadurch, wie er reagiert, zuhört, nachfragt, weghört“ (ebd.). KÖNIG/VOLMER betonen im Taschenbuch der Pädagogik, dass sich die sozialpädagogische Beratung als eine zentrale Interaktionsform immer mehr ausweitet, da durch die zunehmende Komplexität in unserer Gesellschaft es dem Einzelnen und der Gruppe immer schwerer fällt, Situationen zu durchschauen und Auswege zu finden. Also wird auch hier die Beratung als Hilfestellung gesehen, die Ratsuchenden vor allem Unterstützung bei schwierigen Entscheidungen bietet, ohne dabei die Eigenverantwortung des Betroffenen zu begrenzen (vgl. 1996: 122). HORNSTEIN geht in seiner Definition von Beratung besonders auf den Aspekt der Freiwilligkeit ein. „Das Grundmuster einer Beratungssituation besteht darin, dass jemand, der ein Problem hat und damit nicht zu Rande kommt, bereit und willens ist, sich von einem anderen bezüglich dieses Problems in einem Gespräch helfen zu lassen, dabei kann dieser ‚jemand’ auch eine Gruppe sein“ (1977: 37). Die Begriffe „Beratung“ und „Therapie“ dürfen in dem Kontext dieser Arbeit als Synonym verstanden werden, wie es auch in der Fachliteratur durchaus üblich ist (vgl. SCHLIPPE/SCHWEITZER 1996: 15).
2.2 Definition: Systemische Beratung
Eine Definition für die systemische Beratung zu formulieren bereitet einige Schwierigkeiten, denn es handelt sich hierbei um eine relativ junge Disziplin, die aus vielen verschiedenen Schulen erwachsen ist, sich ständig weiterentwickelt und verändert. Auch in den Lehrbüchern lässt sich keine eindeutige Definition finden, daher soll der Versuch hier eine Definition zu geben nur als vager Umriss eines sehr komplexen Denkansatzes verstanden werden.
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Die systemische Beratung basiert auf einer ganzheitlichen Sichtweise, die zu vermeiden versucht, sich in Details einer Angelegenheit zu verlieren und stattdessen eher den Gesamtkontext betrachtet. Meist nehmen an der Therapie die Konfliktpartner des Ratsuchenden teil, so zum Beispiel die Familie, da die systemische Sichtweise immer auch das Umfeld und die Zusammenhänge eines Problems beachtet. Dadurch wird ermöglicht, komplexe Erscheinungen besser zu begreifen und viele verschiedene Sichtweisen aufzuzeigen. Der Mensch wird in diesem Verständnis von Beratung als autonomes Wesen verstanden, der nicht von außen steuerbar ist und als „Experte seiner selbst“ gilt, denn niemand kennt ihn besser als er sich selbst. Bedeutend an der systemischen Vorgehensweise ist, die Autonomie zu wahren und auch bei der Problembewältigung lediglich die vorhandenen kognitiven sowie interaktiven Ressourcen des Ratsuchenden zu aktivieren, nicht aber fremde, normative oder objektivierende Muster mit einfließen zu lassen. Das fundamentale Handwerkszeug der systemischen Beratung ist der öffnende Dialog, der weitere, mögliche Sichtweisen auf die eingebrachte Problemlage „eröffnet“ und bei dem Therapeuten Respekt, Unvoreingenommenheit, Interesse und Wertschätzung der bisherigen Lebensstrategien des Klienten voraussetzt. Ziel der systemischen Therapie ist es, einen sozialen Kontext herzustellen, in dem die gewünschte Veränderung Platz findet. Die Aufgabe des Therapeuten ist es, die Möglichkeiten aller Beteiligten wahrzunehmen und diese zu erweitern. Die Veränderung sollte durch den Klienten selber vorgenommen und nicht von außen, also durch den Berater forciert werden.
Die Methoden der systemischen Beratung sind mannigfaltig, es gibt verschiedene Team-Techniken, Rituale und Vorgehensweisen wie das zirkuläre Fragen und viele andere mehr, in dieser Arbeit werden jedoch nur die narrativen Methoden weiter erläutert (vgl. hierzu insgesamt SCHLIPPE/SCHWEITZER 1996: passim; WENZEL 2003: www.systemische-beratung.de ; ROTTHAUS 2005: http://www.dgsf.org/themen/ was-heisst-systemisch).
2.3 Historischer Hintergrund: Systemische Beratung - Narrative Therapie
Die Entstehung der systemischen Therapie ist eher als ein Prozess zu betrachten, dessen Wurzeln bis in die Anfänge der Psychotherapiegeschichte reichen. Erst in den 1950er Jahren wandten sich die ersten Therapeuten unabhängig voneinander der Arbeit mit Familien zu (vgl. SCHLIPPE/SCHWEITZER 1996: 17).
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Auslöser hierfür war die Resignation über die hohe Rückfallquote bei anderen Therapieformen. Zunehmend deutlicher sah man, in wie hohem Maße die Familie in die Problematik eines erkrankten Menschen eingebunden sind. So kam es dazu, dass viele Therapeuten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf die Familien ihrer Patienten richteten und nicht nur auf das Individuum selbst (vgl. ROTTHAUS 2005: http://www.dgsf.org/themen/was-heisst-systemisch/historisches.html/view).
Anders als beispielsweise bei der Psychoanalyse lässt sich die systemische Therapie also nicht auf einen Begründer zurückführen. Die ersten Bewegungen zu einer neuen Sichtweise gingen von Gregory Bateson und den Kollegen Haley, Weakland und Frey in Palo Alto aus. Sie entdecken den Zusammenhang zwischen der Schizophrenie einer Patientin und ihrem Umfeld.
Daraufhin entwickelten sie Kategorien, um die Eigenschaften von Beziehungen, dynamische Prozesse und die wechselseitige Abhängigkeit innerhalb von System-Umwelt-Beziehungen zu erfassen. Immer mehr vertrat man die Ansicht, dass es erfolgsversprechender ist, ein Interaktionssystem zu therapieren als einen Menschen allein, da die Kommunikation in einem System leichter zu beobachten ist, als die Gedanken- und Gefühlswelten innerhalb eines Menschen und so umfassend die Ursachen möglicher Störungen erkannt werden können. Der Therapeut versucht also nun eher von einem externen Standpunkt aus das System zu beleuchten statt ausschließlich Veränderung innerhalb eines Individuums hervorzurufen.
Mara Selvini Palazzoli, Boscolo, Checchin und Prata bildeten eine Arbeitsgruppe aus der das so genannte „Mailländer Modell“ entstand. Die Leitlinien und Grundprinzipien dieses Modells bestimmen heute die bereits beschriebene Grundhaltung der systemischen Theorie.
Besonders zeichnend ist das Setting dieses Therapiemodells. Anfangs arbeiten zwei Therapeuten mit der Familie, zwei weitere beobachten den Prozess durch einen Einwegspiegel. Zwischen den beiden Teilteams besteht reger Kontakt während der Sitzungen. Gegen Ende der Sitzungen bespricht sich das Beraterteam in einem Nebenraum um den Ratsuchenden anschließend Feedback zu geben (vgl. hierzu insgesamt SCHLIPPE/SCHWEITZER 1996: 18-33; ROTTHAUS 2005:
http://www.dgsf.org/themen/was-heisst-systemisch/historisches.html/view). Die narrative Therapie ist in das Feld der systemischen Therapie einzuordnen und wurzelt historisch in der so genannten „konstruktivistischen Wende“ dieser Therapieform. Sie hat viele Ähnlichkeiten mit den grundlegenden Prämissen klientenzentrierter Beratung. Von einem eigenständigen Paradigma narrativer
5
Therapie lässt sich etwa ab Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts sprechen. GERGEN bezeichnet das 1990 entstandene Werk von EPSTON / WHITE als „bahnbrechend“ im narrativen Bereich (vgl. SCHLIPPE/SCHWEITZER 1996: 39-42, 79; GERGEN 2002: 215).
2.4 Systemisches Verständnis von Problemen
Das Alltagsverständnis von dem Begriff „Problem“ ist sehr weitläufig, darum ist es sinnvoll, zunächst einmal zu beschreiben, was in der systemischen Therapie mit diesem Begriff gemeint ist. SCHLIPPE/SCHWEITZER definieren wie folgt: „Ein Problem ist etwas, das von jemandem einerseits als unerwünschter und veränderungsbedürftiger Zustand angesehen wird, andererseits aber auch als prinzipiell veränderbar“ (1996: 103). Befindet sich ein Mensch in einer Situation, die ihn unzufrieden macht, er willens ist eine Umgestaltung vorzunehmen und auch weiß, dass es grundsätzlich möglich ist das Störende zu verändern, liegt ein Problem im Sinne dieses Therapieansatzes vor.
Auf diese Prämissen der vorangegangenen Definition gehen die Autoren näher ein und leiten hieraus einige ihrer Lösungswege ab. So nehmen sie an: Wird eine Gegebenheit von mehreren Menschen als ein „Zustand“ beschrieben, gewinnt sie durch die vermehrte Aufmerksamkeit an Bedeutung. Dadurch wird diese Gegebenheit solange aufrechterhalten und wiederum als „unveränderter Zustand“ beschrieben, bis sie sich letztlich zu einem Problem verhärtet (vgl. ebd.). Für eine solche Entwicklung sind immer auch Beobachter notwendig, die die Situation wahrnehmen und ihr eine Bedeutung zuschreiben. Auch die beiden Begriffe „unerwünscht“ und „veränderungsbedürftig“ sind dabei von großer Bedeutung, denn um als Problem zu gelten, muss ein „Zustand“ vorerst von mindestens einer Person mit diesen Attributen bezeichnet werden. Darüber hinaus muss den Autoren nach ein Zustand von einigen „am Problemprozess beteiligten Personen“ (ebd.) als „veränderbar“ aufgefasst werden, um überhaupt veränderbar zu sein.
Die analytische Aufspaltung des Problembegriffs ist hilfreich, denn im Beratungsprozess ist es wichtig, die genaue Entstehung eines Problems nachvollziehen zu können (vgl. ebd.). Viele systemische Berater gehen von einem „problemdeterminierten System“ aus. Das bedeutet, dass ein System, welches
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Arbeit zitieren:
Daniela Becker, 2006, Narrative Beratung und Therapie im Kontext systemischer Ansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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