Inhalt
1 EINLEITUNG 3
2 HISTORISCHER ZUSAMMENHANG 4
2.1 ENTSTEHUNG DER STADT ROM BIS ZUM BEGINN VON CLAUDIUS’ HERRSCHAFT 4
3 KAISER CLAUDIUS. 6
3.1 CLAUDIUS’ HERKUNFT UND AUSSEHEN 6
3.2 SEINE EHEFRAUEN 7
3.3 CLAUDIUS’ KARRIERE. 8
4 CLAUDIUS’ ZEITGENOSSEN 9
SENECAS APOCOLOCYNTOSIS 10
5
5.1 SENECA UND SEINE BEZIEHUNG ZU CLAUDIUS. 10
5.2 INHALT DER APOCOLOCYNTOSIS. 10
5.3 BEDEUTUNG SENECAS FÜR DIE REPUTATION VON CLAUDIUS 12
TACITUS 13
6
6.1 WER WAR TACITUS? 13
6.2 BEWERTUNG SEINES WERKES - KRITIKER ÜBER TACITUS ALS HISTORIKER 13
6.3 TACITUS ÜBER CLAUDIUS 14
SUETON 16
7
7.1 PERSON UND WERKE. 16
7.2 SUETON ÜBER CLAUDIUS 17
8 CASSIUS DIO 20
9 WIRKUNGEN BIS HEUTE 21
10 LITERATUR 23
2
1 E I N L E I T U N G
„O je, ich glaube, ich habe mich beschissen“, dies waren laut Seneca die letzten Worte des Kaisers Claudius (Abb. 1), der als ein Sonderling in die Geschichte eingegangen ist. Neben Seneca haben sich auch andere Autoren über Claudius geäußert, woraufhin er in den folgenden Jahrtausenden einen negativen Leumund hatte. Doch wer entscheidet darüber, ob Claudius ein komischer Kauz war? Woher nehmen Geschichtsschreiber das Recht, ihn so zu bezeichnen? Hatte Seneca eventuell berechtigte Gründe, Claudius Derartiges in den Mund zu legen?
Die objektive Beurteilung von Personen des öffentlichen Lebens - seien es Schauspieler, Musiker oder Politiker - gestaltet sich als schwierig. Ihre „Werke“ können schön, sinnvoll und effizient sein, oder auch das Gegenteil - das ist abhängig von der subjektiven Meinung des Betrachters. Politische Reformen sind eventuell mittels „harter“ Fakten (Zahlen, Graphiken) an ihrem Erfolg messbar. Den Politiker als Person zu beurteilen, ist indes schwieriger. Von den Äußerlichkeiten kann sich mit Hilfe der Medien heutzutage jeder selbst überzeugen, aber diese sagen bekanntlich nicht alles über eine Persönlichkeit aus. Es sollten Biographien und Interviews hinzugezogen werden und im Zeitalter der Kommunikation besteht außerdem die Möglichkeit, sich im Radio, Fernsehen oder im Internet zu informieren. Da Autoren allerdings auch Subjekte sind, werden sie kaum eine objektive Beschreibung einer Person hinsichtlich ihres Charakters geben können. Demzufolge gibt es bereits bei der Darstellung von Persönlichkeiten der Gegenwart das Problem der Unzulänglichkeit.
Bei historischen Personen - Personen, die vor dem technologisierten Zeitalter lebten - ist es noch schwieriger, da oft keine Möglichkeit besteht, diese reell oder virtuell „kennen zu lernen“, bzw. zu erleben. Hierbei stellen Quellen die einzige Informationsmöglichkeit dar. Neben Urkunden, Briefen, Protokollen usw. können dies sowohl die Werke der Person selbst als auch die Werke von anderen Autoren über die jeweilige Person sein. Wie aber kann die Objektivität und Sachlichkeit der Quellen beurteilt werden?
Die Informationen, die über Kaiser Claudius vorliegen, sind vorwiegend von Autoren, die erst nach seiner Zeit lebten. Die Werke seiner direkten Zeitgenossen sind größtenteils nicht mehr erhalten, aber sie werden von nachfolgenden Schriftstellern zitiert. Drei dieser Autoren, die Claudius nicht selbst „erlebten“, sollen hier zum Vergleich dargestellt werden. Seneca, der zeitgleich und sogar am kaiserlichen Hof lebte, stellt dementsprechend in dieser Zusammenstellung eine Ausnahme dar. Wenn angenommen werden könnte, dass er daher den Kaiser am Besten kennen
3
müsste, würde sein Werk als wesentlich und wahrscheinlich auch sehr wahrheitsgemäß angesehen werden. Ob dies so ist und inwiefern er sich von den anderen Autoren unterscheidet, soll im Folgenden dargestellt werden.
Ziel dieser Arbeit soll sein, herauszufinden, warum Claudius bis heute einen Ruf als Sonderling hat. Dazu ist die Arbeit mit Quellen maßgeblich. Obwohl die Quelltexte im Original in lateinischer oder altgriechischer Sprache abgefasst sind, werden sie hier aus Verständnisgründen nur in deutscher Übersetzung zitiert. Bevor die einzelnen Autoren mit ihren Aussagen über Claudius dargestellt werden, wird ein Einblick in die historischen Hintergründe der römischen Kaiserzeit gegeben.
2 H I S T O R I S C H E R Z U S A M M E N H A N G
2.1 Entstehung der Stadt Rom bis zum Beginn von Claudius’ Herrschaft
Der römischen Mythologie zufolge wurden die Zwillinge Romulus und
Remus ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt. (Abb. 2) Am 21. April 753 v. Chr. gründete Romulus die Stadt Rom und war der erste von sieben folgenden Königen, die die Stadt regierten. Ab ca. 510 bis 27 v. Chr. war Rom eine Republik, wobei das adlige Patriziat das tonangebende Geschlecht darstellte, während die Plebejer als freie, aber rechtlose Bürger den anderen Stand bildeten. 1
Nach mehreren Bürgerkriegen regierte Gaius Iulius Caesar diktatorisch und wurde wegen seiner Machtstellung von republikanischen Senatoren in den Iden des März, also am 15. März, des Jahres 44 v. Chr. ermordet. Um seine Nachfolge entbrannte erneut ein Bürgerkrieg: Sowohl sein Großneffe Gaius Octavius, den er adoptiert und testamentarisch zum Nachfolger bestimmt hatte, als auch Marcus Antonius wollten das Erbe Caesars antreten. Zunächst schlossen sich Antonius und Octavius mit Marcus Aemilius Lepidus zusammen und bildeten gemeinsam ein vom Senat gebilligtes Triumvirat. Zur Verstärkung dieses Bündnisses heiratete Antonius die Schwester von Octavius, Octavia. Dieser Zusammenschluss zerbrach aber letztlich wieder und Octavius besiegte am 2. September 31 v. Chr. endgültig Marcus Antonius und ging als Kaiser Augustus hervor. 2
Mit dem neuen Kaiser wurde die Staatsform der Republik wieder abgeschafft. Dies geschah inoffiziell, denn er „überspielte .. die Realität der neuen Staatsform, die nicht länger Senat und Volk
1 Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005 © 1993-2004, Microsoft Corporation: Stichwort: Rom.
2 Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2005 © 1993-2004, Microsoft Corporation: Stichworte: Gaius Octavius und Marcus Antonius.
4
von Rom, sondern ihn selbst als alleinige Quelle und einzigen Träger der Herrschaft kannte; Rom war Monarchie geworden.“ 3 Diese neue Staatsform zeichnete sich durch die Herrschaft des princeps aus.
In den Quellen werden neben dem Begriff des princeps außerdem häufig die Begriffe Imperator, Caesar und Augustus zur Beschreibung der Kaiser verwendet. Eine Begriffserklärung soll zur Abgrenzung den näheren Ausführungen zum Prinzipat voranstehen:
„Mit imperator bezeichneten die antiken Historiker gerne den Herrscher in seiner Funktion als Feldherr … Gaius Iulius Caesar hatte seinen Namen an Octavian [Zur Abgrenzung von seinem Vater Gaius Octavius wurde Octavius in der Literatur oft auch als Octavian bezeichnet - Anm. d. Verf.] … vererbt … Den religiösen Ehrennamen Augustus [der Erhabene - Anm. d. Verf.] hatte Octavian 27 v. Chr. erhalten, um die das menschliche Maß übersteigende Bedeutung seiner Person für jeden sichtbar zu dokumentieren.“ 4
Die Begriffe wurden dementsprechend im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteils des Kaisertitels. Der Prinzipat - der Erste - war der Bürger, der eine herausragende Stellung im Staat ausübte. 5 Grundsätzlich wurde die Herrschaftsform des Prinzipats von Kaiser Augustus geschaffen, wobei der Grundstein bereits von Caesar gelegt wurde. Sowohl Augustus als auch Tiberius entwickelten das Konzept weiter. 6 Dieses ermöglichte es, durch die Erhaltung der republikanischen Institutionen die Alleinherrschaft des Kaisers zu verschleiern. Augustus tat dies, indem er bei seinem Amtsantritt alle Sondergewalt an den Senat zurück gab, sich die Kompetenzen aber allmählich wieder holte. 7 Deswegen kann letztlich gesagt werden, „daß [sic!] die Summe der sich im princeps vereinigen legalen Gewalten nahe an Totalität grenzt.“ 8
Kaiser Augustus hat schließlich die lange währenden Bürgerkriege befriedet, das Römische Reich erlebte unter ihm eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Augustus’ Nachfolge trat sein Stiefsohn Tiberius an und diesem folgte der erst 25 - jährige Caligula 9 auf den Thron. Caligula war ein Neffe von Claudius. 10 Nach dem Mord an diesem wurde Claudius 41 n. Chr. gewissermaßen durch Zufall zum Kaiser ernannt. Er regierte bis zu seinem Tod am 13. Oktober 54 n. Chr..
3 Kierdorf, Wilhelm: Claudius, 41-54, in: Clauss, Manfred (Hrsg.): Die römischen Kaiser: 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 1997: S. 67-76, hier S. 8-9. 4 Kierdorf, S. 7-9.
5 Vgl. Kierdorf, S. 9.
6 Vgl. Mommsen, Theodor: Römische Kaisergeschichte - nach den Vorlesungs-Mitschriften von Sebastian und Paul Hensel 1882/86, Demandt, Barbara & Alexander (Hrsg.), München 1992: S. 91.
7 Vgl. Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: von Augustus bis zu Konstantin, München 4 2002: S. 87.
8 Mommsen, S. 98.
9 Caligula war sein Spitzname, er bedeutet Soldatenstiefelchen. Sein richtiger Name lautet Gaius Iulius Caesar Germanicus.
10 Es kann im Rahmen dieser Arbeit darauf verzichtet werden, näher auf die Herrschaft der beiden Kaiser einzugehen.
5
3 K A I S E R C L A U D I U S
3.1 Claudius’ Herkunft und Aussehen
Claudius’ vollständiger Name lautet Tiberius Claudius Drusus Germanicus. Er ist ein Urenkel von Gaius Iulius Caesar. Wie bereits erwähnt, heiratete Octavia, die Schwester von Kaiser Augustus, Marcus Antonius. Sie hatten zwei Kinder: Antonia Minor und Antonia Major. Augustus’ dritte Ehefrau Livia hatte ebenfalls zwei Kinder: Drusus und den späteren Kaiser Tiberius. Ersterer heiratete Antonia Minor, sie hatten drei Kinder: Livilla, Germanicus und Claudius. (s. Abb. 3) Claudius wurde am 1. August 10 v. Chr. in Lyon geboren. Sein Vater starb bereits ein Jahr nach seiner Geburt. Da Claudius in seiner frühen Kindheit eine schwere Krankheit hatte, litt er wegen der folgenden Gehirnschäden fortan an körperlichen Behinderungen: er humpelte und stotterte. Wissenschaftler sind sich über diese Krankheit nicht einig, als Ursache für seine Behinderungen werden entweder spastische Paralyse, Kinderlähmung, Hirnhautentzündung, multiple Sklerose oder angeborene Gehirnerweichung vermutet. Womöglich wurden sie aber auch durch eine frühe Geburt hervorgerufen. 11
Eine über diese Fakten hinaus gehende objektive Darstellung von Claudius’ Charakter und seinem Aussehen ist aus den bereits erwähnten Gründen nicht möglich. Die Quellen sind sich außerdem bezüglich seines Aussehens und dem Maß seiner Behinderungen nicht einig. Wie die einzelnen Autoren ihn betrachten, wird noch zu erörtern sein.
11 Vgl. http://www.imperiumromanum.com/personen/kaiser/claudius_01.htm, eingesehen am 30. April 2006.
6
Arbeit zitieren:
Susan Waldow, 2006, "Vae me, puto, concacavi me" - Kaiser Claudius im Urteil der Zeitgenossen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Leben des Claudius vor seinem Herrschaftsantritt
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 17 Seiten
Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Gerontologische ...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Ausarbeitung, 31 Seiten
Planung, Durchführung und Auswertung von zwei Schulstunden am Beispiel...
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Der römische Senat unter den Kaisern Claudius und Nero
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Magie und Hexenwesen im Mittelalter
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Examensarbeit, 62 Seiten
Die Westfront im Ersten Weltkrieg: Auswirkungen des Fronteinsatzes auf...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die Definition von Eigennamen im Spannungsfeld innersprachlich- funkti...
Hausarbeit, 34 Seiten
Kankaken und Identitäten - ein kurzer Überblick über Feridun Zaimoglus...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Unterweltfahrt in Heinrich von Veldekes "Eneasroman"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Augustus in seiner Selbstdarstellung und bei Tacitus
Vergleich zwischen dem Monumen...
Klassische Philologie - Latinistik - Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Der Regierungsantritt des Kaisers Claudius
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 19 Seiten
Der Minnetrank in Gottfrieds Tristan. Positionen zur Genese der Minne
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 24 Seiten
Frauen im antiken Griechenland - Sparta und Athen - Ein Vergleich
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Theorie der Konversations-Implikaturen nach H. Paul Grice - Vom Sa...
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Oktobristen und die konstitutionelle Monarchie 1905-1907
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 15 Seiten
"Allein in der Wildnis" - Eine Analyse des Abenteuerromans v...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 34 Seiten
Susan Waldow hat den Text "Vae me, puto, concacavi me" - Kaiser Claudius im Urteil der Zeitgenossen veröffentlicht
Susan Waldow hat einen neuen Text hochgeladen
Peter Hille im Urteil seiner Zeitgenossen und Kritiker
Rezeptionszeugnisse Peter Hill...
Cornelia Ilbrig
»Die sünde, der sich der tiuvel schamet in der helle«. Homosexualität ...
Lev M. Thoma, Sven Limbeck
Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter
Der südliche Ostseeraum von de...
Oliver Auge
0 Kommentare