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Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie

Title: Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie

Seminar Paper , 2006 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stephanie Koch (Author)

Communications - Movies and Television
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1. Einleitung

Um einen Konsens über die kontinuierlich verwendeten systemtheoretischen Begrifflichkeiten herzustellen, wird die Arbeit mit einem kurzen Überblick über Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme eröffnet, welcher quasi als theoretischer Überbau für das Nachfolgende fungieren soll.

Dieser durch mehrere Paradigmenwechsel gekennzeichnete und erkenntnistheoretisch ausgerichtete Ansatz, geht im Kern davon aus, dass die moderne Gesellschaft in soziale Teilsysteme ausdifferenziert ist. Diese bestehen nur aus Kommunikationen und nicht aus Menschen, wobei das Ganze (die Gesellschaft) nicht einfach nur die Summe seiner Teile ist. Individuen werden innerhalb dieser Theorie nur berücksichtigt als psychische Systeme (= Bewusstseine). Das Zustandekommen spezieller Kommunikationen führt zur Genese von darauf spezialisierten Teilsystemen, die wiederum durch diese Kommunikationsabfolgen erhalten werden. Die Systeme sind durch spezifische binäre Codierungen nach innen geschlossen und durch spezifische Programme nach außen offen. Soziale Systeme sind autopoietisch und funktional, weil jedes Einzelne auf einem spezifischen Kommunikationsproblem der Gesellschaft basiert, aufgrund dessen sie sich selbst (= Autopoiesis) erschaffen und innerhalb dessen sie auf sich selbst referieren, d.h. sich selbst beobachten. Im Mittelpunkt der Theorie steht die Distinktion zwischen System (dem Inkludierten) und Umwelt (dem Exkludierten). Systeme sind immer weniger komplex als ihre Umwelt. Die Komplexität reduzieren sie durch Ausdifferenzierung binärer Codierungen, innerhalb derer ihre Kommunikation ablaufen und durch die sie sich von der Umwelt abgrenzen.

Diese sehr abstrakt anmutende Einführung in das begriffliche Instrumentarium Luhmanns soll es dem Leser im späteren Teil der Arbeit erleichtern, zu verstehen, wie auch die Massenmedien als soziales System nur ein funktionaler Teilbereich der Gesellschaft sind. Auf der einen Seite können die Massenmedien die Gesellschaft durch ihre Kommunikationen beobachten, auf der anderen Seite können sie aber auch nur innerhalb ihrer Grenzen kommunizieren. Dies leitet direkt zum grundlegenden Begriff dieser Arbeit weiter: Beobachtung. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Stand des Beobachters und der Beobachtungsgegenstand

2.1 Beobachter und Massenmedium

2.2 Unterhaltung durch eine Fernsehserie

2.3 Liebe als besonders geeignetes Thema für Fernsehserien

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Massenmedium der Fernsehserie aus einer systemtheoretischen Perspektive nach Niklas Luhmann, um zu analysieren, wie Unterhaltungsangebote innerhalb der modernen Gesellschaft funktionieren und vom Zuschauer beobachtet werden. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine Fernsehserie durch fiktive Realitäten an das Wissen und die Identität des Publikums anschließt, ohne als bloßes Mittel zum Informationsgewinn zu dienen.

  • Grundlagen der Luhmannschen Systemtheorie und Beobachtungslogik
  • Die Rolle der Massenmedien als funktionales Teilsystem der Gesellschaft
  • Strukturelle Besonderheiten und Unterhaltungsfunktion von Fernsehserien
  • Bedeutung von Themen wie Liebe und persönlicher Beziehung für die Anschlussfähigkeit

Auszug aus dem Buch

2.3 Liebe als besonders geeignetes Thema für Fernsehserien

Ein häufig von Drehbuchautoren verarbeitetes Thema sind persönliche Beziehungen und insbesondere Intimbeziehungen bzw. die Liebe. Dieses Thema kann sich durch eine Menge an in der Gesellschaft vorhandenem Wissen abstützen. Kaum ein Fernsehsender, der nicht seine eigene Telenovella hat, in der eine Hauptdarstellerin ihr „Happy End“ in der Verwirklichung ihrer großen Liebe sucht. Ganz abgesehen von den sich thematisch kaum unterscheidenden „Daily Soaps“ oder den klassischen Seifenopern wie „Lindenstraße“, „Dallas“, „Denver Clan“. Liebe und deren Konflikte, so scheint es, machen eine Fernsehserie als System episodenfähig, weil sie besonders anschlussfähige Themen liefern, die sich endlos weiterspinnen lassen. Doch nicht nur das spricht für den überdurchschnittlichen Einsatz dieses Themas.

Die Liebe scheint auch als Thema für den Zuschauer besonders leicht zugänglich zu sein. Wie bereits oben erwähnt, kann der Beobachter das massenmedial Gelieferte nur verstehen, wenn er das hierfür nötige Wissen hat. Und darin liegt nun gerade die Paradoxie beim Thema Liebe. Dass sich die Idee der romantischen Liebe einerseits erst aus den Massenmedien (z.B. aus Büchern, Geschichten, Filmen etc.) bildet und andererseits durch die Bezugnahme des Zuschauers wieder als Vergleichswert angesetzt wird. Es entstehen Formvorschriften die Liebe betreffend, die ständig neu verhandelt werden müssen, auch abgelehnt oder aussortiert werden können und sich evolutionär innerhalb einer Praxis zu bewähren haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die systemtheoretischen Grundbegriffe nach Niklas Luhmann ein und skizziert das Ziel, Fernsehserien als funktionale Subsysteme der Massenmedien zu betrachten.

2. Der Stand des Beobachters und der Beobachtungsgegenstand: In diesem Kapitel werden die theoretischen Voraussetzungen erläutert, unter denen ein Beobachter Fernsehserien als eigenständige, durch binäre Codes gesteuerte Realität erfassen kann.

2.1 Beobachter und Massenmedium: Dieser Abschnitt thematisiert die Beschränkungen der Beobachtung in den Massenmedien und die technische Distanz zwischen Sender und Empfänger.

2.2 Unterhaltung durch eine Fernsehserie: Hier wird dargelegt, wie Fernsehserien als Unterhaltungsprogramme durch die Verdopplung von Realität Anschlussmöglichkeiten für den Zuschauer schaffen.

2.3 Liebe als besonders geeignetes Thema für Fernsehserien: Dieser Teil analysiert, warum das Thema Liebe aufgrund seiner hohen Anschlussfähigkeit und der gesellschaftlich verankerten Semantiken ein zentrales Element für den Episodencharakter von Serien darstellt.

4. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Rolle der Fernsehserie als Form der Unterhaltung, die nicht primär Wissen vermittelt, sondern bestehendes Wissen aktiviert.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Massenmedien, Fernsehserie, Beobachtung, Unterhaltung, Fiktion, Realität, Anschlussfähigkeit, Liebe, Intimität, Soziale Systeme, Kommunikation, Subjekt, Identifikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Fernsehserien aus der Sicht der systemtheoretischen Kommunikationstheorie von Niklas Luhmann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Systemdifferenzierung der Massenmedien, die Funktion von Unterhaltung, die Rolle der Beobachtung sowie die Bedeutung romantischer Liebe in seriellen Erzählformaten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu beschreiben, wie eine Fernsehserie als geschlossenes System funktioniert, das fiktive Realitäten erzeugt, an die Zuschauer durch ihr vorhandenes Wissen anknüpfen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird der theoretische Rahmen der Systemtheorie nach Niklas Luhmann angewandt, um Medieninhalte als selbstreferentielle Kommunikationssysteme zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit erläutert?

Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Massenmedien, der Funktionsweise der Unterhaltung sowie der spezifischen Eignung von Beziehungsthemen für das serielle Erzählen.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Systemtheorie, Massenmedien, Beobachtung, Unterhaltung und Anschlussfähigkeit beschreiben.

Warum spielt die Unterscheidung von Beobachtungen erster und zweiter Ordnung eine Rolle?

Sie ist entscheidend, um zwischen der Binnenlogik des Mediensystems (erste Ordnung) und der Interpretation durch den Zuschauer (zweite Ordnung) zu differenzieren.

Welche Bedeutung hat das Thema Liebe in diesem systemtheoretischen Kontext?

Liebe dient als hochgradig anschlussfähiges Thema, das die Zuschauer emotional bindet und es ermöglicht, komplexe Identifikationsprozesse über lange Ausstrahlungszeiträume hinweg aufrechtzuerhalten.

Wie unterscheidet sich die Serie laut Autorin vom Genre Film?

Serien bieten durch ihre längere Laufzeit und die wiederkehrenden Charaktere stabilere Anknüpfungspunkte für den Identifikationsabgleich und Wissensabgleich durch den Zuschauer.

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Details

Title
Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie
College
LMU Munich  (Institut für Kommunikationswissenschaften)
Course
Proseminar: Kommunikationstheorie
Grade
1,3
Author
Stephanie Koch (Author)
Publication Year
2006
Pages
14
Catalog Number
V66472
ISBN (eBook)
9783638590570
ISBN (Book)
9783656795940
Language
German
Tags
Fernsehserien Luhmann Unterhaltung Serie Proseminar Kommunikationstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Koch (Author), 2006, Fernsehserien und Luhmann - Ein blick auf Unterhaltung durch eine Serie , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66472
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