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Prostitution im Mittelalter

Titel: Prostitution im Mittelalter

Hausarbeit , 2005 , 17 Seiten , Note: 1,9

Autor:in: Simon Hebler (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Europa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im folgenden möchte ich die wahrhaft große Bedeutung, die der Prostitution, und der mit ihr verbundenen Institutionalisierung im Spätmittelalter zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert beigemessen wurde, darstellen. Die von „fahrenden Frauen“ ausgeübte frühstädtische Prostitution wurde durch die, seit dem 13. Jahrhundert belegte sesshafte Prostitution überwiegend ersetzt. Da sich Historiker mit der Geschichte der Prostitution im Mittelalter kaum befassten, muss ich mich in dieser Arbeit auf die wenige, mir verfügbare Literatur beschränken. Die in dieser Arbeit angeführten Beispiele konzentrieren sich überwiegend auf die südostfranzösischen Städtelandschaften Burgunds und der Provence, die Jacques Rossiaud in seinem Buch „Dame Venus“ aus zuvor unberührten Archivalien zusammengetragen hat. Jedoch lassen sich in Deutschland und dem Rest Italiens Parallelen zu den Entwicklungen in Frankreich ziehen. „Die Entwicklung der institutionalisierten Formen der Prostitution im deutschsprachigen Raum während des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, dies sei als ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung herausgestrichen, nahm den gleichen Verlauf wie in Oberitalien und Südfrankreich.“ Von diesen Informationen ausgehend versuche ich in dieser Arbeit verschiedene Formen der Prostitution darzustellen, und erkläre welche Funktionen sie in der spätmittelalterlichen Gesellschaft hatten. Wer ging ins Bordell, wer arbeitete im Bordell, warum hatte das Bordell eine wichtige gesellschaftskonstituierende Funktion in der Gemeinschaft und welche kulturellen Werte bestimmten die Mentalitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, sind Fragen, die ich zu beantworten versuche. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemein

2.1 Prostitution

2.2 Konkubinat

3. Vier Ebenen städtischer Prostitution

4. Das Dirnenhaus als Inbegriff der Sittenlosigkeit der mittelalterlichen Gesellschaft?

4.1 Sexuelle Gewalt

4.2 Wege in die Prostitution

4.3 Kunden

5. Gesellschaftliche Notwendigkeit der Prostitution

6. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Prostitution und ihre Institutionalisierung im Spätmittelalter, um deren gesellschaftliche Funktionen, die Lebensrealitäten der Prostituierten sowie die dahinterstehenden moralischen Wertvorstellungen der damaligen Gemeinschaft zu analysieren.

  • Entwicklung von der fahrenden zur sesshaften, städtischen Prostitution.
  • Strukturen und Ebenen der städtischen Prostitution, inklusive der Bedeutung von Frauenhäusern und Badehäusern.
  • Die Rolle der Prostitution als gesellschaftskonstituierendes Element zur Wahrung der Ordnung.
  • Der Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und dem Einstieg in die Prostitution.
  • Die sich wandelnde Wahrnehmung und Toleranz der Kirche und der Gesellschaft gegenüber fleischlichen Lüsten.

Auszug aus dem Buch

4. Das Dirnenhaus als Inbegriff der Sittenlosigkeit der mittelalterlichen Gesellschaft?

Betrachtet man Quellenmaterial aus der Zeit des späten Mittelalters, unter dem Gesichtspunkt des Sexualverhaltens in den Städten, so fällt einem in Gerichtsakten die ständige Präsenz von Einträgen über Gewalttätigkeiten gegen Frauen auf. Es lässt sich sagen, dass diese Zeit geprägt war von sexueller Gewalt, und das Vergewaltigungen zu alltäglich, und ständig stattfindenden Erscheinungen des Zusammenlebens in den größeren Städten gehörten.

Diese Vergewaltigungen bzw. sexuelle Gewalt wurde entgegen den Erwartungen, nicht von Fremden herumvagabundierenden Männern begangen, sondern die Masse der Beteiligten waren bekannte identifizierbare Männer aus derselben Stadt. Diese gehörten sämtlichen gesellschaftlichen Gruppen an, wurden aber in der Mehrzahl den Handwerkern und Hilfsarbeitern zugeschrieben. „Interessanterweise waren bis zu 80% dieser Vergewaltigungen kollektive Angriffe von bis zu 15 Mitgliedern starken Gruppen,..“ Diese kollektiven Übergriffe wurden zumeist von jungen unverheirateten Burschen im heiratsfähigen Alter von 18 bis 24 Jahren begangen. Die gemeinschaftlichen Vergewaltigungen bekamen den Stellenwert eines Initiationsrituals zugeschrieben. Die Gründe konnten in der Gruppendynamik, der Unvorsichtigkeit der Mädchen, oder schlichtweg in einer Form der Rache liegen.

Zu den bevorzugten Gruppen von Opfern zählten unterschiedliche Typen von Frauen, die es jedoch in jedem Falle zu unterwerfen galt. „In den Städten gab es ein erhöhtes Angebot an verfügbaren Frauen: Witwen, zeitweise alleingelassene Ehefrauen, junge unverheiratete Mädchen. Nur sie verkörperten voll und ganz das weibliche Element und bildeten daher das Ziel aller männlichen Triebhaftigkeit.“ Zusammenfassend lässt sich sagen, das sich diese wehrlose Gruppe von Frauen im Alter zwischen 15 und 33 Jahren bewegt, und einem niedrigen gesellschaftlichen Milieu zuzurechen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Bedeutung der Institutionalisierung der Prostitution im Spätmittelalter und benennt die Forschungsfrage nach deren Funktion innerhalb der spätmittelalterlichen Gesellschaft.

2. Allgemein: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über den sozialen Status von Prostituierten sowie eine Definition und Abgrenzung von Prostitution und Konkubinat.

3. Vier Ebenen städtischer Prostitution: Hier werden die verschiedenen Organisationsformen, vom Dirnenhaus bis zur Badehausprostitution und privaten Anbietern, detailliert beschrieben.

4. Das Dirnenhaus als Inbegriff der Sittenlosigkeit der mittelalterlichen Gesellschaft?: Dieses Kapitel untersucht die prekäre Situation von Frauen hinsichtlich sexueller Gewalt, die Wege in die Prostitution sowie die Rolle der männlichen Kundschaft.

5. Gesellschaftliche Notwendigkeit der Prostitution: Der Text erläutert, warum die mittelalterliche Gesellschaft Prostitution als notwendiges Instrument des Gemeinwohls und zur Sicherung der sozialen Ordnung betrachtete.

6. Fazit: Das Fazit fasst den Wandel der Toleranz gegenüber der Prostitution zusammen, der mit dem 16. Jahrhundert durch soziale Ausgrenzung und moralische Verschärfung beendet wurde.

Schlüsselwörter

Prostitution, Spätmittelalter, Frauenhaus, Bordell, Konkubinat, städtische Gesellschaft, sexuelle Gewalt, institutionelle Prostitution, Moralvorstellungen, Gemeinwohl, Jacques Rossiaud, Peter Schuster, Mittelalter, soziale Ordnung, Sexualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der institutionalisierten Prostitution in den europäischen Städten während des Spätmittelalters.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation der Bordelle, den Lebenswegen von Prostituierten, den gesellschaftlichen Moralvorstellungen und der Funktion der Prostitution für die soziale Stabilität.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht, welche Funktionen die Prostitution in der mittelalterlichen Gesellschaft erfüllte und warum sie zeitweise als notwendiges Instrument für das Gemeinwohl angesehen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung historischer Quellen und Gerichtsakten, primär unter Rückgriff auf die Forschungsergebnisse von Jacques Rossiaud und Peter Schuster.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung städtischer Prostitutionsformen, die Analyse von Gewaltstrukturen gegenüber Frauen, die Hintergründe der Kundschaft sowie die moralische Einordnung des Bordellwesens.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem das Dirnenhaus, die institutionelle Prostitution, das Konkubinat, die gesellschaftliche Integration und das 15. Jahrhundert als „Jahrhundert der Bordelle“.

Warum wurde Prostitution als „gesellschaftliche Notwendigkeit“ angesehen?

Man glaubte, dass durch die kontrollierte Auslebung männlicher Triebe in den Bordellen die Ehefrauen und Mädchen geschützt und Unruhen in der Stadt vermieden werden konnten.

Welche Rolle spielten Badehäuser im spätmittelalterlichen Gewerbe?

Neben den offiziellen Dirnenhäusern fungierten Badehäuser oft als Orte informeller oder verdeckter Prostitution, wobei die historische Einordnung – ob als „Bordell“ oder bloße Badeanstalt – in der Forschung teils kontrovers diskutiert wird.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Prostitution im Mittelalter
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Europäische Ethnologie)
Veranstaltung
Alltag im Mittelalter
Note
1,9
Autor
Simon Hebler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V66519
ISBN (eBook)
9783638590938
ISBN (Buch)
9783656812999
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prostitution Mittelalter Alltag Mittelalter
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simon Hebler (Autor:in), 2005, Prostitution im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66519
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Leseprobe aus  17  Seiten
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