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Sprache in den Bildungssystemen Afrikas

Titel: Sprache in den Bildungssystemen Afrikas

Seminararbeit , 2005 , 24 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christof Mauersberger (Autor:in)

Politik - Thema: Entwicklungspolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Unterrichtssprachen in afrikanischen Schulsystemen und untersucht die Folgen der fast ausschließlichen Verwendung der Kolonialsprachen in den Bildungssystemen.
Die Wahl der Unterrichtssprache ist eine Machtfrage. Sie entscheidet, wer in einer Gesellschaft Zugang zu Wissen erhält und damit, wie die Macht im Staat (um)verteilt wird. Die zentrale These dieser Arbeit sieht die verbreitete Verwendung der europäischen Kolonialsprachen als Unterrichtssprache in den Bildungssystemen Afrikas als fatal für die Bildungschancen afrikanischer Schüler und damit auch für die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Länder.
An die Erläuterung der (negativen) Folgen der Vergangenheit und einer fortgesetzten Sprachpolitik, die afrikanische Sprachen ignoriert oder gar unterdrückt, schließt sich die Untersuchung der Alternative an: Die Verwendung afrikanischer Sprachen im Unterricht. Es wird gezeigt, dass die Wahl der Unterrichtssprache entscheidend ist für die Entwicklung und den Lernerfolg des einzelnen Schülers. Bedenken wie zu hohe Kosten oder ein gegenläufiger Wille der Betroffenen werden ebenfalls diskutiert, bevor auf die Interessen und die Macht der internationalen Gebergemeinschaft eingegangen wird. Vor einem Fazit wird noch die Sprachpolitik in verschiedenen Ländern des Kontinents in Theorie und Praxis betrachtet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache und Sprachpolitik in Kultur, Gesellschaft und Politik

2.1. Kulturelle und soziale Bedeutung

2.2. Politische und demokratietheoretische Bedeutung

3. Kolonialsprachen in afrikanischen Schulen

3.1. Koloniale Geschichte

3.2. Folgen

4. Muttersprache als Unterrichtssprache

4.1. Rechtliche Grundlagen und Vereinbarungen

4.2. Lernerfolge bei muttersprachlichem Unterricht

4.3. Kostenaspekte

4.4. Nachfrage der Eltern nach „Weltsprachen“

4.5. Die Gebergemeinschaft

5. Sprachpolitik in Bildungssystemen afrikanischer Staaten

5.1. Sprachpolitik in Tansania

5.2. Sprachpolitik in der Republik Südafrika

5.3. Projekte und Erfahrungen in weiteren Staaten

6. Sprache und Bildung im „Entwicklungsprozess“

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die zentrale These, dass die verbreitete Verwendung europäischer Kolonialsprachen als Unterrichtssprache in afrikanischen Bildungssystemen fatale Auswirkungen auf die Bildungschancen afrikanischer Schüler und die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Länder hat. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Rolle die Wahl der Unterrichtssprache für das Erreichen der „Education for All“-Ziele spielt.

  • Kulturelle und politische Bedeutung von Sprache und Sprachpolitik
  • Historische Prägung der Bildungssysteme durch das koloniale Erbe
  • Lernerfolge und pädagogische Auswirkungen von muttersprachlichem Unterricht
  • Rolle internationaler Geberorganisationen bei der Festlegung von Sprachpolitiken

Auszug aus dem Buch

3.1. Koloniale Geschichte

Die Bildungssysteme Afrikas sind stark durch das koloniale Erbe geprägt. Gemeinsam ist allen Staaten südlich der Sahara das niedrigere Ansehen ihrer Sprachen im Verhältnis zu den europäischen. Ursache dafür sind hauptsächlich die Sprachpolitiken der ehemaligen Kolonialherren, die von einem absoluten Verbot der Nutzung der Landessprachen in offiziellen Domänen über „gütige“ Vernachlässigung bis hin zur Tolerierung reichten. Unabhängig davon war jedoch stets klar, welche die Sprache des Prestiges ist (vgl. Bamgbose 1999: 13). Lokale Sprachen wurden oft bewusst degradiert, um die Unterwerfung aufrecht zu erhalten. „The domination of a people’s language by the languages of the colonising nations was crucial to the domination of the mental universe of the colonised“(Ngugi 1986: 16). Sprache spielt für den kenianischen Autor im Prozess der „Kolonialisierung des Verstandes” eine zentrale Rolle.

Die Gewehrkugeln, zuständig für die physische Unterdrückung, wurden von der Sprache als Mittel zur spirituellen und intellektuellen Unterdrückung begleitet (vgl. Ngugi 1986: 9). Kinder haben in der Schule gelernt, die eigenen Sprachen mit geringerem Status, Erniedrigung, Strafen, wenig Intelligenz oder Dummheit zu assoziieren (vgl. Ngugi 1986: 18). Die Degradierung der Landessprachen gerade auch in den Schulen war also Folge einer bewussten Politik. In den französischen Kolonien wurde von Anfang an größter Wert auf die Kolonialsprache gelegt, sie galt als Bildung an sich. Der britische Staat überließ die Schulen zunächst Missionen, die die Landessprachen in den Mittelpunkt stellten, später übernahm der britische Staat die Bildung und legte meist Englisch als Unterrichtssprache fest (vgl. Brock-Utne 2000a: 144). Das gesamte koloniale Bildungssystem, so Julius Nyerere, der erste Präsident des unabhängigen Tansanias, war dabei darauf angelegt, den Interessen der Kolonialherren und der europäischen „Mutterländer“ zu dienen (vgl. Sahle 2002: 93f).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel „Bildung für Alle“ und postuliert, dass die Verwendung von Kolonialsprachen als Unterrichtssprache Bildungschancen in Afrika nachhaltig behindert.

2. Sprache und Sprachpolitik in Kultur, Gesellschaft und Politik: Dieses Kapitel erläutert die kulturelle, soziale und machtpolitische Bedeutung von Sprache und begründet, warum Multilingualität ein wertvolles Gut für Gesellschaften ist.

3. Kolonialsprachen in afrikanischen Schulen: Es wird die historische Genese der Sprachverdrängung während der Kolonialzeit untersucht und dargelegt, wie dies als Instrument zur mentalen Unterwerfung genutzt wurde.

4. Muttersprache als Unterrichtssprache: Hier werden rechtliche Rahmenbedingungen sowie pädagogische Erkenntnisse über bessere Lernerfolge bei muttersprachlichem Unterricht diskutiert und Bedenken zu Kosten und Geberinteressen kritisch hinterfragt.

5. Sprachpolitik in Bildungssystemen afrikanischer Staaten: Anhand konkreter Länderbeispiele wie Tansania und Südafrika wird die Diskrepanz zwischen theoretischen Ansätzen für Multilingualität und der praktischen Umsetzung aufgezeigt.

6. Sprache und Bildung im „Entwicklungsprozess“: Dieses Kapitel betrachtet die Förderung afrikanischer Sprachen als essenzielles Mittel zur wirtschaftlichen, sozialen und intellektuellen Befreiung und Entwicklung des Kontinents.

7. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass eine fremde Unterrichtssprache das größte Hindernis für den Lernerfolg darstellt und fordert eine staatliche Sprachpolitik, die lokale Sprachen in Schulen integriert.

Schlüsselwörter

Sprachpolitik, Bildungssysteme, Afrika, Kolonialsprachen, Muttersprache, Unterrichtssprache, Lernerfolg, Postkolonialismus, Bildung für Alle, Sprachliche Vielfalt, Entwicklungszusammenarbeit, Mentale Dekolonialisierung, Multilingualität, Soziale Gerechtigkeit, Sprachbarriere.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Problematik der Verwendung europäischer Kolonialsprachen als Unterrichtsmedium in afrikanischen Schulen und deren negative Auswirkungen auf Bildungschancen und Entwicklung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische koloniale Prägung, pädagogische Vorteile muttersprachlichen Unterrichts, machtpolitische Aspekte von Sprache sowie die Rolle internationaler Geber.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Wahl der Unterrichtssprache eine entscheidende Voraussetzung für das Gelingen der „Education for All“-Ziele in Afrika ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und bildungsökonomische Analyse, gestützt durch Dokumente internationaler Organisationen und linguistische Studien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Historie des kolonialen Erbes, den Lernerfolgen durch Muttersprachen, Kostenbetrachtungen sowie praktischen Beispielen aus verschiedenen afrikanischen Staaten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachpolitik, Kolonialsprachen, Muttersprachlicher Unterricht, Bildungschancen und Dekolonialisierung.

Warum wird Tansania als Beispiel hervorgehoben?

Tansania wird betrachtet, weil es das einzige Land war, das nach der Unabhängigkeit konsequent Kiswahili zur Amtssprache erhob, wobei später eine Rückkehr zu kolonialen Sprachmustern stattfand.

Welche Rolle spielen internationale Organisationen wie die Weltbank?

Die Weltbank wird als ambivalent beschrieben; sie erkennt Vorteile von Muttersprachen offiziell an, setzt jedoch durch ihre Konditionen bei Krediten oft die Stärkung europäischer Sprachen durch.

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Details

Titel
Sprache in den Bildungssystemen Afrikas
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Talk & Action - Bildungspolitik im internationalen Vergleich
Note
1,0
Autor
Christof Mauersberger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V66917
ISBN (eBook)
9783638592857
ISBN (Buch)
9783638688772
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache Bildungssystemen Afrikas Talk Action Bildungspolitik Vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christof Mauersberger (Autor:in), 2005, Sprache in den Bildungssystemen Afrikas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66917
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Leseprobe aus  24  Seiten
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