I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis………………………………………………………………… I
Abk ürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung 1
2 Entstehung und Überlieferung des Dekalogs 2
3 Synopse der Zählungen 5
4 Die Bedeutung ausgewählter Gebote für die heutige Zeit 7
4.1 Das 4. Gebot (Elternehrgebot) 7
4.1.1 Der ursprüngliche Sinn des Gebotes 7
4.1.2 Zur heutigen Bedeutung 9
4.2 Das 6. Gebot (Ehebruchsverbot) 11
4.2.1 Der ursprüngliche Sinn des Gebotes 11
4.2.2 Zur heutigen Bedeutung 13
4.3 Das 5. Gebot (Tötungsverbot) 14
4.3.1 Der ursprüngliche Sinn des Gebotes 14
4.3.2 Zur heutigen Bedeutung 16
4.3.2.1 Die Todesstrafe 16
4.3.2.2 Die Notwehr 18
4.3.2.3 Der Krieg 18
5 Schlussbetrachtung 21
Literaturverzeichnis IV
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BRD Bundesrepublik Deutschland
DDR Deutsche Demokratische Republik
StGB Strafgesetzbuch
1
1 Einleitung
Nach der biblischen Überlieferung erhielt Mose von Gott die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai. Diese wurden ihm in Form von zwei steinernen Tafeln übergeben (Ex 31,18). Jedoch zerschmetterte Mose diese Steintafeln in einem Zornesausbruch (Ex 32,19). Er erhielt allerdings erneut von Gott die Zehn Gebote (Ex 34,1), die später in der sogenannten Bundeslade aufbewahrt wurden und fortan das Wanderheiligtum der Israeliten darstellte. 1 Diese Zehn Gebote sind dem israelischen Volk von Gott gegeben worden, um ein Leben in Freiheit und Gemeinschaft mit Gott zu ermöglichen. Dabei verkündete Gott mit den Zehn Geboten die Bedingungen für das Bundesverhältnis mit seinem Volk, welche ab diesem Augenblick auch die Basis für das gemeinschaftliche Zusammenleben des israelischen Volkes darstellen sollten. 2
Die vorliegende Hausarbeit geht der Frage nach, welche Bedeutung der Dekalog für die heutige Zeit besitzt. Dazu wird in Kapitel 2 die Entstehung und Überlieferung des Dekalogs dargestellt und eine historische Einordnung vorgenommen, um den möglichen Entstehungszeitraum des Dekalogs eingrenzen zu können. Das Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Synopse der Zählungen und verdeutlicht die unterschiedlichen Zählungen der verschiedenen Katechismen. Im 4. Kapitel wird anhand des Elternehrgebots, des Ehebruchsverbots und des Tötungsverbots die Bedeutung des Dekalogs für die heutige Zeit als Schwerpunkt erläutert. Dabei werden die ursprünglichen Intentionen der einzelnen Gebote für das alte Israel aufgezeigt und der heutigen Bedeutung gegenübergestellt und aktualisiert. Insbesondere das Tötungsverbot sowie die Vereinbarkeit des Tötungsverbotes mit der Todesstrafe, der Notwehr und dem Krieg werden explizit dargelegt.
Die hier verwendete Zählweise der ausgewählten Gebote richtet sich nach der lutherischen bzw. römisch-katholischen Zählung. Zudem sind die Bibelzitate dem Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984 entnommen.
1 Vgl. Kühn (2005), S. 14.
2 Vgl. Herr (1992), S. 11.
2
2 Entstehung und Überlieferung des Dekalogs
Die „Zehn Gebote“ tauchen im Alten Testament an zwei Stellen auf. Zum einen im 2. Buch Mose (Exodus) Kap. 20, 1-17 und zum anderen im 5. Buch Mose (Deuteronomium) Kap. 5, 6-21. 3 In der Bibel findet man die Bezeichnung „Zehn Gebote“ jedoch nicht, sondern sie werden die „zehn Worte“ genannt (Dtn 4,13;10,4). Zudem werden sie im Neuen Testament häufig mit dem Wort „Gebote“ (z.B. Mar 10,19) oder mit „das Gesetz“ (Mt 7,12) bezeichnet. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Dekalog“ in der nachbiblischen Zeit entstanden. 4 Um den Entstehungszeitraum des Dekalogs bestimmen zu können, ist eine historische Einordnung des Dekalogs sowie ein Vergleich des Alters der beiden Fassungen erforderlich.
Das Buch Exodus beschreibt, wie sich Gott am Sinai nach dem Auszug aus Ägypten dem Volk zum ersten Mal offenbart und ihm einen exklusiven Bund anbietet (Ex 19) und daraufhin den Dekalog kundgibt (Ex 20). In diesem historischen Kontext scheint die Entstehung des Dekalogs eindeutig zu sein. Dies wird jedoch in der Bibelwissenschaft aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, da sich der Dekalog nicht an nomadische Flüchtlinge richtet, sondern an Bauern, die Haus und Hof, Sklaven, Vieh und weiteres Eigentum besitzen. Folglich kann der Dekalog nicht in dieser Zeit entstanden sein. 5 Zudem standen die Zehn Gebote ursprünglich nicht an dieser Stelle im Buch Exodus. Bei einer Betrachtung von Ex 19,25 und Ex 20,1 fällt auf, dass hier der richtige Anschluss fehlt. Liest man außerdem Ex 19,16 und anschließend sofort Ex 20,18-21 lässt sich erkennen, dass diese Stücke sehr gut zusammenpassen. Folglich kann man daraus schließen, dass hier ursprünglich mindestens drei selbstständige Stücke gewesen sein müssen, die später von einem „Redakteur“ zusammengefügt worden sind. Diese sind zum einen die Geschichte von der Gotteserscheinung unter Blitz und Donner (Ex 19,14-16; 20,18-21) sowie von der Prozession des Volkes zum Sinai (Ex 19,17-25) und zum anderen der Text des Dekalogs. 6
3 Vgl. Kühn (2005), S. 12.
4 Vgl. Werwath (1998), S. 24.
5 Vgl. Klinghardt (2004), S. 60.
6 Vgl. Pesch (1976), S. 135.
3
Hingegen ist das 5. Kapitel des Buches Deuteronomium nicht aus Stücken zusammengefasst und lässt sich verständlich lesen. Hier hält Mose eine große Rede an das Volk und „zitiert“ darin die Zehn Gebote als ein Gesetz, das durch Gott gegeben wurde. Dabei erinnert er das Volk an den Bund, den Gott mit dem Volk am Berg Sinai geschlossen hat. Hier wurde anscheinend nicht nachbearbeitet und somit ist davon auszugehen, dass die Zehn Gebote von Anfang an im Deuteronomium an dieser Stelle gestanden haben. Da jedoch das Volk lediglich an die Sinaigeschichte erinnert wird, ist Ex 19,14-20,21 als bekannt vorauszusetzen. 7
Wurde bislang die Ex-Fassung als die ältere Textform angesehen, so zeigen sich in der heutigen Zeit andere Ansichten, welche die Ex-Fassung als eine Überarbeitung der Dtn-Fassung betrachten. Diese soll nachträglich in das ältere Ex-Buch eingefügt worden sein. Als Zeitpunkt der Einfügung wird die Endredaktion des Pentateuch angeführt, da der Endredakteur dem Dekalog ein angemessenes Gewicht verleihen wollte und dieser nicht erst im letzten Buch erwähnt werden sollte. 8
Nichtsdestotrotz scheint das Buch Deuteronomium doch jünger zu sein, da hier das neunte und zehnte Gebot, hinsichtlich der Stellung der Frau, verbessert wird. Somit handelt es sich hier um eine „reifere“ Fassung der Gebote. Hingegen ist die Begründung des Sabbatgebotes mit dem Hinweis auf die Schöpfung im Buch Exodus als jünger zu betrachten, da im Deuteronomium die Begründung unter Hinweis auf die Befreiung aus Ägypten gegeben wird. Infolgedessen ist zwischen einer „Urform“ des Dekalogs im Buch Exodus und einer „Endform“ zu unterschieden. Zeitlich zwischen beiden Fassungen ist die Textform im Buch Deuteronomium einzuordnen. 9
Eine mögliche Datierung des Dekalogs lässt sich unter der Berücksichtigung der Aussagen des Propheten Hosea gegen Ende des 8. Jahrhunderts vornehmen. Hier findet sich eine Zusammenstellung von Vergehen, die einem Teil der Verbote des Dekalogs sehr ähnlich ist, sich jedoch in Formulierung und Form deutlich unterscheidet: „Verfluchen, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen haben überhandgenommen, und eine Blutschuld kommt nach der anderen“ (Hos 4,2). Hosea hätte sicher den Dekalog zitiert, um seiner Anklage mehr Gewicht zu verleihen, wenn dieser bereits existiert
7 Vgl. Kühn (2005), S. 13; Pesch (1976), S. 135.
8 Vgl. Weber (1991), S. 36.
9 Vgl. Pesch (1976), S. 135f.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Patrick Domagalski, 2006, Die Bedeutung des Dekalogs in der heutigen Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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