TENDENZEN DER PHANTASTISCHEN JUGENDLITERATUR DER 80ER UND 90ER JAHRE
Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt für Sekundarstufe I und II
dem staatlichen Prüfungsamt Dortmund
vorgelegt von
Rothmaier, Heidrun
Siegen, Oktober 1996
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung ... 1
2. Die verstärkte Nachfrage nach phantastischer Kinder- und
Jugendliteratur ab 1979 ... 2
2.1. Das Verhältnis von phantastischer und realistischer
Jugendliteratur nach 1945 ... 3
2.2. Die Ursachen für die Beliebtheit der phantastischen Kinder- und
Jugendliteratur zu Beginn der 80er Jahre ... 8
2.3. Exkurs: Die Erzählstrukturen von Michael Endes "Die unendliche
Geschichte" ... 13
3. Theorien der Phantastik ... 16
3.1. Die "klassischen" Theorien ... 16
3.2. Die Phantastikforschung in den 80er und 90er Jahren ... 21
3.2.1. R. Jehmlich ... 23
3.2.2. D. Grenz ... 24
3.2.3. W. Freund ... 26
3.2.4. F. F. Marzin ... 28
3.2.5. R. Tabbert ... 31
3.2.6. F. Rottensteiner ... 32
3.2.7. A.C. Baumgärtner/ H. Pleticha ... 35
3.2.8. K.-E. Maier ... 37
3.2.9. H. Heidtmann ... 38
3.2.10. G. Haas ... 40
3.2.11. F. Hetmann ... 42
3.2.12. H.W. Pesch ... 45
3.2.13. L. Frankenstein ... 47
3.2.14. W. Meißner ... 50
3.2.15. A. Hölder ... 55
3.3. Zusammenfassende Einordnung der Theorien der 80er und 90er Jahre ... 57
4. Tendenzen der phantastischen Jugendliteratur anhand von
Beispielen....59
Paul Maar: Lippels Traum (1984)
Käthe Recheis: Der weiße Wolf (1985)
Dieter Kühn: Es fliegt ein Pferd ins Abendland (1994)
Frederik Hetmann, Harald Tondern: Die Rache der Raben (1995)
4.1. Auswahl von theoretischen Aspekten für die Untersuchung der
Beispiele ... 59
4.2. Erzählstrukturen phantastischer Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre ... 61
4.2.1. Die realistische Ebene ... 61
4.2.2 .Der Übergang von der realistischen zur phantastischen Ebene ... 66
4.2.3. Die phantastische Ebene ... 74
4.2.4. Die Rückkehr in die realistische Ebene ... 94
4.3. Zusammenfassung: Ausdifferenzierungen phantastischer Jugendliteratur
der 80er und 90er Jahre ... 102
4.4. Ergebnis: Ausdifferenzierungen in bezug auf Kaminskis These von
"Nachfolgern Endes" ... 105
4.4.1. Die realistische Ebene ... 105
4.4.2. Der Übergang zur phantastischen Ebene ... 106
4.4.3. Die phantastische Ebene ... 107
4.4.4. Die Rückkehr in die realistische Ebene ... 108
4.4.5. Wertung: "Nachfolger Endes" ? ... 109
5. Schluß ... 111
6. Anhang:
Tabelle 1 ... 113
Tabelle 2 ... 115
7. Literaturverzeichnis ... 116
1. EINLEITUNG
Um Tendenzen der phantastischen Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre zu bestimmen, sind sowohl literaturgeschichtliche als auch theoretische und praktische Aspekte zu berücksichtigen.
Im Anfangsteil dieser Arbeit wird zunächst ein Rückblick auf die Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur der letzten Jahrzehnte vorgenommen. Dabei stößt man auf die von Literaturtheoretikern aufgestellte These, daß Michael Endes Jugendbuch "Die unendliche Geschichte", das 1979 erschienen ist, die phantastische Jugendliteratur der folgenden Jahre beeinflußt hat.
Bezeichnend für dieses phantastische Jugendbuch sind vor allem die Erzählstrukturen, in denen Phantastisches und Realistisches verknüpft wird.
Aus den Literaturtheorien der 80er und 90er Jahre lassen sich Hinweise über die Erzählstrukturen und Definitionen der Phantastik erkennen.
Diese aus der Theorie gewonnenen Aspekte sollen an einigen phantastischen Jugendbüchern der 80er und 90er Jahre überprüft werden. Da eine Betrachtung der gesamten phantastischen Kinder- und Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen würde, werden beispielhaft vier phantastische Jugendbücher der 80er und 90er Jahre verglichen.
Dabei soll deutlich werden, wie weit die in der Literaturtheorie aufgestellte These zutrifft, daß Michael Endes "Die unendliche Geschichte" die phantastische Kinder- und Jugendliteratur der Jahre nach 1979 beeinflußt hat und wie weit sich hinsichtlich der Erzählstrukturen neue Ausdifferenzierungen der phantastischen Jugendliteratur entwickelt haben.
2. DIE VERSTÄRKTE NACHFRAGE NACH PHANTASTISCHER KINDER- UND JUGENDLITERATUR AB 1979
In theoretischen Texten über die Kinder- und Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre findet sich der Hinweis auf Michael Ende, der mit seinem Jugendbuch "Die unendliche Geschichte" (1979) die phantastische Jugendliteratur der folgenden Jahre beeinflußt haben soll.
Winfred Kaminski beschreibt diese Entwicklung folgendermaßen:
Waren die beginnenden 70er Jahre noch durch den Wettbewerb dieser beiden Strömungen, der sozialrealistischen und der psychologisch-phantastischen, bestimmt, so hat sich gegen Ende des Jahrzehnts - vor allem seit M. Endes durchschlagendem Erfolg "Die unendliche Geschichte" (1979) - Fantasy als das Genre durchsetzen können und vielfache Nachahmer gefunden. [...] Zu den Nachfolgern Endes gehören im Feld deutschsprachiger Fantasy: Hans Christian Kirsch "Madru oder der große Wald" (1984), Käthe Recheis "Der weiße Wolf" (1983), Friedrich Kabermann "Moira" (1981), W.u.E. Hohlbein "Märchenmond" (1983), Christine Nöstlinger "Hugo, das Kind in den besten Jahren" (1984), Paul Maar "Lippels Traum" (1983) u.v.a.m.
Somit hat nach Kaminski Michael Endes "Die unendliche Geschichte" den entscheidenden Anstoß für den Fantasy - "Boom" gegeben.
Trotz dieser plötzlichen Begeisterung für die Fantasy gab es in den 80er Jahren noch andere Literatur; die "kritischen Stimmen" äußerten sich weiterhin in der Jugendliteratur . Doch Kirchhoff betont: "Dennoch findet kein genereller Umschlag der kinderliterarischen Kehrtwendung statt" und weist darauf hin, daß unter den jugendlichen Lesern der 80er Jahre die problemorientierten Bücher hinter den anderen zurückstehen .
Ein Rückblick auf die Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur der letzten Jahrzehnte zeigt, welche Rolle die phantastische Jugendliteratur im Verhältnis zur realistischen Jugendliteratur bis zur literarischen Kehrtwendung um 1979 gespielt hat. Dabei weist die literaturgeschichtliche Entwicklung auf Ursachen hin, die zur verstärkten Nachfrage nach phantastischer Jugendliteratur geführt haben.
2.1. DAS VERHÄLTNIS VON PHANTASTISCHER UND REALISTISCHER JUGENDLITERATUR NACH 1945
In den Nachkriegsjahren ab 1945 fanden sich neben "rührselig religiös gefärbten Texten" sowohl "Schmutz- und Schundhefte" als auch "Wiederauflagen der Klassiker" wie zum Beispiel Karl May . Was man jedoch vermißt, ist eine Annäherung an die Wirklichkeit. Die Probleme der Wirklichkeit wie Arbeitslosigkeit, das Schicksal der Inhaftierten der Konzentrationslager fehlten in der Kinder- und Jugendliteratur . Grundsätzlich bestand eine "Skepsis gegen das Lesen" , und es wurde zum "Schund- und Schmutzkampf" aufgerufen. Vorwiegend wurde demnach in der Kinder- und Jugendliteratur versucht, die nationalsozialistische Vergangenheit zu verdrängen.
[...]
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Heidrun Launicke (geb. Rothmaier), 1996, Tendenzen der phantastischen Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre, Munich, GRIN Publishing GmbH
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