Inhalt
0. Einleitung S 3
1. Syntaktische Grundlagen und Begriffe S 3
2. Die Untersuchungsmethode S 4
3. Das Prinzip Lokalität S 5
Die Lokalisator Stelle im Essiv Satz S 6
Das Essiv Verb S 8
Das Essiv Objekt S 12
Zusammenfassung S 13
4. Fazit S 14
5. Quellen S 15
2
0. Einleitung
Die russische Sprache als be - Sprache hat ein besonderes Prinzip des Ausdrucks gedanklicher
Konstruktionen beziehungsweise Zustände. Sowohl in der Literatur- als auch in der
Alltagssprache treten Sätze mit Anzeichen für dieses Ausdrucksprinzip auf. Es ist das Prinzip
der „Lokalität“ – etwas wird, als an/in einem Ort befindlich, zu einem Ort zugehörend,
ausgedrückt. Es scheint so, als ob das nichts besonderes wäre, jedoch ist dieses
„Lokalitätsprinzip“ das in der russischen Sprache mit am meisten gebräuchliche
Ausdrucksprinzip und bildet somit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber have –
Sprachen 1 . (Zum Beispiel: Er hat Gäste. [U nego gosti.}) So soll der Gegenstand dieser Arbeit dieses Phänomen der „Lokalisierung“, dessen
Erscheinungsformen und dessen inhaltlicher Aspekt sein. Drücken Lokalitäten wirklich
dieselben Verhältnisse aus, die in anderen Sprachen in weniger abstrakter Art ausgedrückt
werden, oder liegt dem sprachlichen Ausdruck der Lokalität ein vollkommen anderes Welt –
Konstrukt zugrunde? Die Fragewörter WAS und WIE bestimmen den Hauptteil der Arbeit, auf
das WARUM soll im letzten Teil eingegangen werden. Jedoch sollen zuerst Begriffe und
Grundlagen erörtert werden, mit denen in dieser Arbeit argumentiert werden soll, es soll geklärt
werden, welcher Theorien sich hier bedient wird.
1. Syntaktische Grundlagen und Begriffe
Da der Gegenstand dieser Arbeit der Satz ist, soll zuerst erklärt werden, welche Satz –
Definition zugrunde gelegt wird. Da die formal-grammatische Richtung den hier untersuchten
Satztyp als „ungrammatisch“ bezeichnet, weil in Essiv – Sätzen nicht immer ein (flektiertes)
Verb vorhanden ist 2 , soll von anderen Definitionen ausgegangen werden. In der logisch- semantischen Strömung, die schon Aristoteles vertrat, wird davon ausgegangen, dass der Satz
als Ausdruck eines logischen Urteils zu verstehen ist und dadurch untrennbar von ihm ist.
Demnach besteht der Satz aus zwei Komponenten:
a) subiectum: das, wovon etwas ausgesagt wird;
b) praedicatum: das, was (davon) ausgesagt wird.
1 Hand – Out zum Gastvortrag „Russkij jazyk i kartina mira“ von N. D. Arutjunova an der FSU Jena vom Jahr
2002
2 Panzer, B., Das Russische, München 1995, S. 232
3
Das Subjekt (subiectum) wird mittels einer Aussage darüber (praedicatum) erweitert, was als
Prädikation bezeichnet wird. Das Verb ist hierzu nicht immer notwendig 3 . Puškin – pot. Sollen jedoch Zeitverhältnisse ausgedrückt werden, kommt man nicht um ein Verb
herum. Puškin byl (!) russkij pot 4 .
Die Subjekt – Prädikat – Einteilung hängt direkt mit der Theorie der kommunikativen Richtung zusammen, welche den Satz nach Thema und Rhema unterteilt.
a) Thema: das Bekannte, Gegebene, der Ausgangs- und Anknüpfungspunkt;
b) Rhema: das Neue, mitzuteilende, das über das Thema Auszusagende.
Jedoch ist Thema nicht immer Subjekt, und Rhema nicht immer Prädikat, denn die
Expressivität des Satzes kann mittels Intonation und Satzteiltausch die Reihenfolge verändern 5 . Dieses kommunikative Satz - Modell wird, zwar unter anderen Bezeichnungen der Satzteile, jedoch in der gleichen Bedeutung, von der psychologischen Richtung vertreten. Hier ist das
psychologische Subjekt eine im Bewusstsein des Sprechenden zuerst vorhandene Vorstellungsmasse, ihr schließt sich das psychologische Prädikat an. Das psychologische
Subjekt ist das, worüber der Sprechende den Zuhörer etwas denken lassen will, das
psychologische Prädikat ist das „Etwas“, das der Zuhörer darüber denken soll 6 . Die für die vorliegende Arbeit wichtigen Begriffe sind Thema, Rhema und Subjekt, Prädikat, grammatische und morphologische Einzelheiten werden nur an relevanter Stelle
miteinbezogen. (Bei der Zerlegung des Satzes wird hier das Prädikat als Einheit von Objekt und Prädikat gesehen.)
2. Die Untersuchungsmethode
Moderne Theorien geben oft sehr genaue und komplizierte Systeme zur Einteilung von Sätzen
nach Satzarten, diesen Systemen liegen immer bestimmte Annahmen zugrunde. Das hier Verwendete System beruht auf der Annahme, dass einer Äußerung immer ein Bezug zur
Realität (Referenz), ein kommunikativer Zweck und eine Syntaxanwendung mittels Lexik
vorangeht; ein logisch – semantischer Ansatz also 7 . Diese Theorie teilt die russischen Sätze in drei Typen auf, welche den menschlichen Gedanken Ausdruck verleihen:
3 Panzer, B., Das Russische, München 1995, S. 229 und S. 236
4 Ebenda, S. 237
5 Ebenda, S. 229 - 232
6 Ebenda, S. 229 - 230
7 Arutjunova, N. D./Širjajev, E. N., Russkoje predloženije. Bytijnyj tip: struktura i značenije. – M., Russkij jazyk
1983, S. 13
4
1) Essiv – Sätze; 2) Identitätssätze; 3) Prädikat – Sätze (mit vielzähligen Prädikat – Typen). Die Bezeichnungen verraten eigentlich schon die auffälligsten Unterschiede: In Essiv – Sätzen
wird das Gegebene (Ort, Objektklasse) als Thema vorgegeben, und darin die Existenz des Rhemas ausgedrückt. Im zweiten Typ wird zwischen Thema und Rhema eine
Identitätsbeziehung hergestellt und der dritte Satztyp versieht das Thema mit Prädikaten (das
Rhema besteht aus der dem Thema angehörigen Eigenschaft) 8 .
Im Folgenden soll anhand einiger Beispiele der Aufbau, die Funktionsweise und das Zusammenwirken der einzelnen Elemente der Essiv – Sätze erklärt werden.
3. Das Prinzip „Lokalität“
Das Prinzip „Lokalität“ in den Essiv – Sätzen des Russischen ist ein sehr verbreitetes
Phänomen, es findet in nahezu allen Bereichen des sprachlichen Ausdrucks von Gedanken Anwendung. Hierbei wird eine gedankliche Konstruktion der Welt (beziehungsweise, wie sie
angenommen wird) auf die syntaktische Ebene übertragen. Die gedankliche Welt – Konstruktion erscheint in der Psyche des Sprachproduzenten folgendermaßen:
- Ein Thema wird als bekannt vorgegeben, es ist als räumlich-konkret (Welt, Weltteil, Person, Innere Sphäre der Person, Äußeres der Person) , gedanklich-abstrakt (Produkt
menschlichen Schaffens, Ereignis, Erscheinung, Zustand) und anzahlmäßig (Objektklasse) größer zu verstehen, als das
- Rhema (Objekt), welches, als im Thema befindlich angenommen wird. Das rhematische Objekt wird als Bestandteil des Rhemas gesehen, jedoch nicht als einziger
Bestandteil. Abstrakter betrachtet ist das Rhema der Ort, an dem sich etwas befindet, und das
Rhema ist das, was sich dort befindet 9 .
V lesu jest` griby. (Im Wald gibt es Pilze.) sagt zwar aus, dass es im Wald Pilze gibt, dass der Wald
jedoch nur und überall aus Pilzen bestehen soll, wird nicht übermittelt. Es gibt also noch andere
Dinge im Wald, außer Pilzen, jedoch sind Pilze auch da 10 ! Als gegeben wird der Ort angenommen, und das neu Mitgeteilte ist ein Teil des Ortsinhalts 11 .
8 Arutjunova, N. D./Širjajev, E. N., Russkoje predloženije. Bytijnyj tip: struktura i značenije. – M., Russkij
jazyk 1983, S. 7
9 Vgl. Ebenda, S. 14 - 17
10 Vgl. Ebenda, S. 8
11 Vgl. Ebenda, S. 12
5
Quote paper:
Anton Reumann, 2004, Das Prinzip der Lokalität in den russischen Essiv-Sätzen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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