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Zivilisation und Hygiene

Titel: Zivilisation und Hygiene

Seminararbeit , 2005 , 15 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Timm Gehrmann (Autor:in)

Soziologie - Kultur, Technik, Völker
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der in allen Medien omnipräsenten Reklame muß man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass in einer Zeit, in der der Mensch sich nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sieht von wilden Tieren gefressen zu werden, kleinste Bakterien und Mikroben die größten Feinde des Menschen sind, und es deshalb gilt diese unter Zuhilfenahme der im Fernsehen angebotenen Sprays, Tücher und Putzmitteln zu vernichten. Neben den die Menschen verfolgenden Mikroben und Bakterien gelten auch menschliche Gerüche in der modernen zivilisierten Gesellschaft als nicht tragbar weshalb die ebenfalls, neben der Putz- und Reinigungsmittelindustrie, sehr große Branche der Kosmetik- und Körperpflegehersteller ihre ständig wachsende Produktpalette der Öffentlichkeit vorstellen. Neben Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten etc. geben die Menschen in den entwickelten Ländern auch noch für Wasch- und Spülmittel unheimliche Summen aus1.

Im Prozeß der Zivilisation haben sich im Rahmen der Verfeinerung der Sitten und Umgangsformen sowie der Affektreduktion in maßgeblicher Weise die Tischmanieren, Reinigungs- und Körperpflegegewohnheiten sowie das verrichten von Geschäften in eine Richtung verändert, die wir heute aus medizinischer Sicht als hygienischer bezeichnen, als dass was zuvor der Fall war. Aus verschiedenen Zeitdokumenten geht hervor, dass dabei zwischen prophylaktischen Maßnahmen, die der Verhütung von Krankheiten wie insbesondere Pest und Cholera, sowie zwischen Veränderungen dieser Gewohnheiten, die alleine der Unterstreichung der eigenen gesellschaftlichen Position dienen sollen, unterschieden werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich versuchen neben den Ursachen die zu solchen „hygienisierten“ Verhaltensweisen führten auch die Fortführung dieses zivilisatorischen Prozesses in die heutige Zeit zu verfolgen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II.1 Die Verfeinerung der Tischmanieren

II.2 Körperpflege

II.3 Gesundheitsprävention durch Hygiene

III Hygienisierung der Lebenswelt

IV Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Hygiene- und Sauberkeitsstandards im Kontext des Zivilisationsprozesses. Dabei wird analysiert, wie sich aus äußeren Zwängen und gesellschaftlicher Kontrolle über die Jahrhunderte hinweg individuelle Verhaltensmuster und ein heute internalisierter Selbstzwang zur Reinlichkeit entwickelt haben.

  • Wandel der Tischmanieren als Ausdruck zivilisatorischer Verfeinerung
  • Die historische Rolle der Körperpflege und ihr Wandel zwischen Mittelalter und Moderne
  • Die Bedeutung staatlicher Interventionen und Infrastruktur (Kanalisation, Gesundheitsbehörden)
  • Wechselwirkung zwischen technischem Fortschritt und sozialen Kontrollmechanismen
  • Einfluss von Seuchen wie Pest und Cholera auf die hygienische Entwicklung

Auszug aus dem Buch

II.2 Die Körperpflege

Sauberkeit und Reinlichkeit sind im Laufe der Zeit zu immer größerer Bedeutung gekommen. Unsaubere Menschen findet man heute nur noch in ganz tiefen sozialen Milieus (meistens in der Gestalt von Bettlern). Reinlichkeit ist dabei kein Gesprächsthema, es sei denn jemand fällt durch besondere Unsauberkeit, ja selbst nur durch Ungepflegtheit auf. Man hat sauber zu sein und damit ist Sauberkeit eine grundlegende Verhaltensanforderung unserer Gesellschaft. Demnach ist der Anspruch auf Sauberkeit, den die Bürger in hochentwickelten Gesellschaften aneinander stellen, mittlerweile so tief verwurzelt, daß es sich bei dem den meisten Menschen innewohnenden Bedürfnis nach Sauberkeit um einen, aus Fremdzwang und sozialer Kontrolle entstandenen, Selbstzwang handelt. Das es sich hierbei, wenn auch nicht um einen bei allen Menschen gleichermaßen ausgeprägten, Selbstzwang handelt wird deutlich, in dem Bedürfnis sich auch dann zu waschen, wenn man sozialer Kontrolle entzogen ist. Dabei ist diese Affektlage, über die die Menschen in zivilisierten westlichen Industrienationen verfügen, nur ein Punkt auf der Zivilisationskurve des Waschens und Badens, die nicht immer ganz geradlinig verlaufen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die heutige Omnipräsenz von Sauberkeitsidealen und formuliert die Fragestellung zur Genese dieser hygienisierten Verhaltensweisen innerhalb des Zivilisationsprozesses.

II.1 Die Verfeinerung der Tischmanieren: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Verhaltensweisen bei Tisch – etwa der Gebrauch von Messer und Gabel – weniger aus rationalen, als aus gesellschaftlichen Distinktionsbedürfnissen und sich wandelnden Affektlagen entstanden sind.

II.2 Körperpflege: Der Autor beschreibt den Wandel von der mittelalterlichen Badehauskultur hin zur modernen, durch sozialen Druck und Selbstzwang geprägten Körperpflege im Zuge der industriellen Entwicklung.

II.3 Gesundheitsprävention durch Hygiene: Hier wird die Rolle von Seuchen wie Pest und Cholera als treibende Kraft für staatliche Eingriffe und die Etablierung erster Gesundheitsbehörden analysiert.

III Hygienisierung der Lebenswelt: Dieses Kapitel verknüpft die moderne Medizin und den Verwaltungsstaat mit der Herausbildung von Sauberkeit als notwendigem Bestandteil der sozialen Interaktion in hochkomplexen Gesellschaften.

IV Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die heutige Hygienisierung das Resultat aus technischem Fortschritt, der Herausbildung von Gewaltmonopolen und einem langfristigen Prozess der Verinnerlichung sozialer Zwänge ist.

Schlüsselwörter

Zivilisationsprozess, Hygiene, Körperpflege, Selbstzwang, Affektreduktion, Tischmanieren, Pest, Cholera, staatliche Fürsorge, soziale Kontrolle, Industriegesellschaft, Gesundheitsprävention, Interdependenz, Reinlichkeit, Distinktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen und soziologischen Entwicklung des Hygiene- und Sauberkeitsbegriffs im abendländischen Zivilisationsprozess.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Wandel von Tischmanieren, die Geschichte der Körperpflege, der Einfluss von Epidemien auf staatliche Maßnahmen sowie die Entstehung eines internalisierten Sauberkeitszwangs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Ursachen für die heutigen hygienischen Verhaltensweisen aufzuzeigen und den zivilisatorischen Prozess nachzuvollziehen, der zur modernen Auffassung von Sauberkeit führte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor nutzt die Zivilisationstheorie, primär gestützt auf Norbert Elias und ergänzende sozialwissenschaftliche Literatur zur Stadthygiene und Gesundheitssoziologie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Verfeinerung von Tischsitten, die Entwicklung der Körperhygiene sowie die staatliche Implementierung von Hygienestandards zur Krankheitsprävention.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Zivilisationsprozess, Selbstzwang, soziale Kontrolle, Hygiene und Interdependenzgeflechte charakterisiert.

Inwiefern beeinflussten Epidemien wie die Pest die Hygiene?

Die Pest wirkte paradox: Einerseits führte sie zu zivilisatorischen Rückschritten (Angst vor Wasser), andererseits forcierte sie die Gründung erster Gesundheitsbehörden und langfristig staatliche Hygienevorschriften.

Welche Rolle spielt der moderne Verwaltungsstaat bei der heutigen Hygiene?

Der Staat agiert als Kontrollinstanz, die durch technologische Überwachung und gesetzliche Standards (wie Kanalisation oder Trinkwasserreinigung) den sicheren Konsum und das Zusammenleben in Großstädten erst ermöglicht.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zivilisation und Hygiene
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Elias Theorie der Zivilisation und der kapitalistischen Entwicklung
Note
1,3
Autor
Timm Gehrmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V68984
ISBN (eBook)
9783638595179
ISBN (Buch)
9783638768498
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zivilisation Hygiene Elias Theorie Zivilisation Entwicklung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Timm Gehrmann (Autor:in), 2005, Zivilisation und Hygiene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68984
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Leseprobe aus  15  Seiten
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