Inhaltsübersicht I
Inhalts übersicht
Inhalts übersicht. I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. IV
Tabellenverzeichnis. VI
Abk ürzungsverzeichnis. VIII
1 Einleitung. 1
2 Grundlagen. 6
3 Bezugspunkte der empirischen Untersuchung. 44
4 Methodik der empirischen Untersuchung 58
5 Ergebnisse und Diskussion 64
6 Fazit. 100
Literaturverzeichnis. VI
Anhang XVI
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Inhalts übersicht. I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. IV
Tabellenverzeichnis. VI
Abk ürzungsverzeichnis. VIII
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Zielsetzung 3
1.3 Aufbau der Arbeit. 3
2 Grundlagen. 6
2.1 Charakterisierung des Untersuchungsgebiets: Das wissenschaftliche
Publikationswesen. 6
2.1.1 Akteure 6
2.1.2 Marktmechanismen und Kostenaspekte. 10
2.1.3 Marktsituation und aktuelle Entwicklungen 14
2.2 Charakterisierung des Untersuchungsgegenstands: Open Access 18
2.2.1 Definition und Begriffsabgrenzung 19
2.2.2 Erscheinungsformen. 21
2.2.3 Finanzierungsmodelle. 24
2.2.4 Potentiale 26
2.2.5 Problematik und Barrieren 29
2.2.6 Veränderung der Wertschöpfungskette durch Open Access. 35
2.3 Charakterisierung disziplinenspezifischer Differenzen im wissenschaftlichen
Publikationsverhalten. 37
2.3.1 Publikationskulturen unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche. 37
2.3.2 Implikationen für die empirische Studie. 41
3 Bezugspunkte der empirischen Untersuchung. 44
3.1 Explorative Fundierung 44
3.1.1 Aktueller Forschungsstand 44
3.1.2 Projektspezifische Vorstudie I: Fokusgruppengespräch und
Leitfadeninterviews. 46
3.1.3 Projektspezifische Vorstudie II: Experteninterviews. 47
3.2 Theoretische Fundierung: Die Theorie des geplanten Verhaltens 48
3.3 Untersuchungsdesign, Hypothesen und Forschungsfragen 54
3.3.1 Untersuchung der Akzeptanz von Open Access zur Publikation
wissenschaftlicher Information 54
Inhaltsverzeichnis III
3.3.2 Untersuchung disziplinenspezifischer Unterschiede in der Akzeptanz
von Open Access zur Publikation wissenschaftlicher Information 56
3.3.3 Untersuchung der Bewertung von Open Access im Vergleich zu
traditionellen Publikationsmedien. 56
4 Methodik der empirischen Untersuchung 58
4.1 Stichprobe und Befragungszeitraum. 58
4.2 Datenerhebung 61
4.3 Datenauswertung. 62
5 Ergebnisse und Diskussion 64
5.1 Güte der gewählten Items 64
5.2 Akzeptanz von Open Access zur Publikation wissenschaftlicher Information 65
5.2.1 Determinanten des Akzeptanzverhaltens 65
5.2.2 Hypothesenüberprüfung im Gesamtkonstrukt der TOPB 77
5.3 Disziplinenspezifische Unterschiede in der Akzeptanz von Open Access zur
Publikation wissenschaftlicher Information 82
5.4 Bewertung von Open Access im Vergleich zu traditionellen
Publikationsmedien 88
5.5 Implikationen für die Marktteilnehmer 90
6 Fazit. 100
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 100
6.2 Ausblick. 104
Literaturverzeichnis. VI
Anhang. XVI
Abbildungen XVI
Tabellen XVIII
Einladungs - und Erinnerungsschreiben. XXXIX
Online -Fragebogen. XLI
Online -Fragebogen deutsch XLI
Online -Fragebogen englisch LV
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1.3/1: Projekteinordnung
Abbildung 1.3/2: Aufbau der Arbeit
Abbildung 2.1.1/1: Content-Intermediation auf dem Markt für wissenschaftliche
Publikationen : doppelte Rolle der Wissenschaftler.
Abbildung 2.1.1/2: Das System der Wissenschaftskommunikation
Abbildung 2.1.2/1: Zahlungs- und Ressourcenströme im Vergleich
Abbildung 2.1.2/2: Öffentliche und private Finanzierung im Wissenschaftssystem.
Abbildung 2.1.3/1: Die Zeitschriftenkrise als sich selbst verstärkender
Wirkungskreislauf
Abbildung 2.2/1: Möglichkeiten der Internet-Nutzung in der wissenschaftlichen
Kommunikation
Abbildung 2.2.2/1: Erscheinungsformen von Open Access-Publikationen.
Abbildung 2.2.6/1: Veränderungen der Wertschöpfungskette und Akteure durch
Open Access.
Abbildung 3/1: Bezugspunkte der empirischen Untersuchung
Abbildung 3.2/1: Die Theorie des geplanten Verhaltens (erweitert um die Variable
des vergangenen Verhaltens)
Abbildung 3.3.1/1: Einordnung der Hypothesen in das theoretische Modell der
TOPB.
Abbildung 4.1/1: Partizipation nach Fachgebieten und berufliche Position.
Abbildung 4.2/1: Aufbau des Fragebogens.
Abbildung 5.2.1/1: Items der Verhaltensabsicht.
Abbildung 5.2.1/2: Gesamtwert der Verhaltensabsicht
Abbildung 5.2.1/3: Items der Einstellung zum Verhalten (direkte Messung)
Abbildung 5.2.1/4: Gesamtwert der Einstellung zum Verhallten (direkte Messung)
Abbildung 5.2.1/5: Items der Einstellung zum Verhalten (indirekte Messung)
Abbildung 5.2.1/6: Items der subjektiven Verhaltensnorm (direkte Messung)
Abbildung 5.2.1/7: Gesamtwert der subjektiven Verhaltensnorm (direkte Messung)
Abbildung 5.2.1/8: Items der subjektiven Verhaltensnorm (indirekte Messung)
Abbildung 5.2.1/9: Items der subjektiven Verhaltenskontrolle (direkte Messung)
Abbildung 5.2.1/10: Gesamtwert der direkten Verhaltenskontrolle (direkte
Messung )
Abbildung 5.2.1/11: Barrieren und Hindernisse bei der Publikation in Form von
Open Access.
Abbildung 5.2.1/12: Vergangenes Publikationsverhalten in Form von Open Access
Abbildung 5.2.2/1: Ergebnisse der Regressionsanalyse zur Überprüfung der
Determinanten des Akzeptanzverhaltens im Rahmen der TOPB.
Abbildung 5.2.2/2: Ergebnisse der Regressionsanalyse zur Überprüfung der
Determinanten des Akzeptanzverhaltens im Rahmen der TOPB unter
Ber ücksichtigung des vergangenen Verhaltens.
Abbildung 5.3/1: Erfahrung mit OA in der Vergangenheit: Disziplinenspezifische
Unterschiede
Abbildungsverzeichnis V
Abbildung 5.3/2: Ergebnisse der Regressionsanalyse zur Überprüfung der
Determinanten des Akzeptanzverhaltens im Rahmen der TOPB nach
Fachgebieten unter Berücksichtigung des vergangenen Verhaltens ................85 Abbildung 5.3/3: Internationalität der Fachgebiete im Vergleich..................................87 Abbildung 5.4/1: Entscheidungskriterien für die Wahl eines geeigneten
Publikationsmediums......................................................................................88 Abbildung 5.5/1: Potentiale, Barrieren und Handlungsempfehlungen für die
Akteure ..........................................................................................................91 Abbildung A/1: Wer sollte für anfallende Publikationsgebühren aufkommen? ........... XVI Abbildung A/2: Beeinträchtigung der Publikationsentscheidung durch
wahrgenommene Barrie-ren: Zustimmung zu den Einzelitems der Outcome
Evaluations .................................................................................................. XVI Abbildung A/3: Stärken und Schwächen von OA-Publikationen: Bewertung der
Entscheidungskriterien bei der Wahl eines geeigneten
Publikationsmediums im Vergleich............................................................... XVII
Tabellenverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 2.3.1/1: Charakteristika der einzelnen Wissenschaftsbereiche .......................39 Tabelle 2.3.2/1: Charakteristika der ausgewählten Wissenschaftsdisziplinen..............43 Tabelle 5.1/1: Interne Konsistenz der theoretischen Konstrukte der TOPB .................64 Tabelle 5.3/1: Indexwerte der einzelnen Konstrukte nach Fachgebieten.....................83 Tabelle 5.4/1: Disziplinenspezifische Unterschiede bei der Wahl eines geeigneten
Publikationsmediums: Rangfolge der wichtigsten Entscheidungskriterien........89 Tabelle A/1: Typische Einnahmen und Kosten von wissenschaftlichen Journals (in
Prozent der Gesamtkosten / -einnahmen)................................................... XVIII Tabelle A/2: Vor- und Nachteile von Autorengebühren ............................................. XIX Tabelle A/3: Bereitschaft wissenschaftlicher Autoren zur Zahlung von
Autorengebühren ......................................................................................... XIX Tabelle A/4: Übersicht über relevante Studien zum Thema Open Access im
wissenschaftlichen Publikationswesen........................................................... XX Tabelle A/5:Übersicht über operationalisierte Items aus der Theorie des geplanten
Verhaltens im Fragebogen ........................................................................... XXI Tabelle A/6: Positionen nach Fachgebieten ............................................................ XXII Tabelle A/7: Mittelwerte der Items des Konstrukts Verhaltensabsicht ...................... XXII Tabelle A/8: Mittelwerte der Items des Konstrukts Einstellung zum Verhalten
(direkte Messung)....................................................................................... XXIII Tabelle A/9: Mittelwerte der Items des Konstrukts Einstellung zum Verhalten
(indirekte Messung).................................................................................... XXIII Tabelle A/10: Indexwert der indirekt ermittelten Einstellung .................................... XXIII Tabelle A/11: Zusammenhang zwischen direkt und indirekt ermittelter
Einstellungskomponente: Ergebnis der bivariaten Korrelation nach PearsonXXIV Tabelle A/12: Mittelwerte der Items des Konstrukts subjektive Verhaltensnorm
(direkte Messung).......................................................................................XXIV Tabelle A/13: Mittelwerte der Items des Konstrukts subjektive Verhaltensnorm
(indirekte Messung).....................................................................................XXV Tabelle A/14: Wichtigkeit der einzelnen Bezugspersonen im Konstrukt der
subjektiven Norm (indirekte Messung) .........................................................XXV Tabelle A/15: Indexwert des Konstrukts subjektive Verhaltensnorm (indirekte
Messung) ....................................................................................................XXV Tabelle A/16: Zusammenhang zwischen direkt und indirekt ermittelter subjektiver
Verhaltensnorm: Ergebnis der bivariaten Korrelation nach Pearson ............XXVI Tabelle A/17: Mittelwerte der Items des Konstrukts subjektive Verhaltenskontrolle
(direkte Messung).......................................................................................XXVI Tabelle A/18: Wahrgenommene Barrieren - Mittelwerte der Kontrollüberzeugungen
des Konstrukts subjektive Verhaltenskontrolle (indirekte Messung) ............XXVII Tabelle A/19: Wahrgenommene Barrieren - Auswirkungen auf die
Wahrscheinlichkeit, in Form von OA zu publizieren: Mittelwerte der
Einzelitems (Outcome Evaluations) ...........................................................XXVII Tabelle A/20: Zusammenhang zwischen direkt und indirekt ermittelter subjektiver
Verhaltenskontrolle: Ergebnis der bivariaten Korrelation nach Pearson.....XXVIII Tabelle A/21: Zusammenhang zwischen den direkt ermittelten Konstrukten der
TOPB:: Ergebnis der bivariaten Korrelation nach Pearson ........................XXVIII
Tabellenverzeichnis VII
Tabelle A/22: Ergebnisse der Regressionsanalyse auf Basis des Grundmodells
der TOPB (ohne Berücksichtigung des vergangenen Verhaltens) ...............XXIX Tabelle A/23: Ergebnisse der Regressionsanalyse auf Basis der TOBP unter
Berücksichtigung des vergangenen Verhaltens............................................XXX Tabelle A/24: Ergebnisse der einfaktoriellen ANOVA zur Identifikation signifikanter
Unterschiede der TOPB-Konstrukte zwischen den einzelnen Fachgebieten XXXI Tabelle A/25: Ergebnisse des Duncan's Multiple Range Tests zur Ermittlung
homogener Untergruppen bzgl. der TOPB-Konstrukte zwischen den
Fachgebieten ............................................................................................XXXII Tabelle A/26: Ergebnisse der Regressionsanalyse für das Fachgebiet NDL .........XXXIII Tabelle A/27: Ergebnisse der Regressionsanalyse für das Fachgebiet WI........... XXXIV Tabelle A/28: Ergebnisse der Regressionsanalyse für das Fachgebiet Medizin .... XXXV Tabelle A/29: Ergebnisse des Chi²-Tests zur Überprüfung des Zusammenhangs
zwischen Fachgebiet und internationaler Ausrichtung .............................. XXXVI Tabelle A/30: Ergebnisse des Chi²-Tests zur Überprüfung des Zusammenhangs
zwischen Fachgebiet und Publikationssprache ....................................... XXXVII Tabelle A/31: Mittelwerte der Wichtigkeit ausgewählter Entscheidungskriterien bei
der Wahl eines geeigneten Publikationsmediums .................................. XXXVIII
Abkürzungsverzeichnis VIII
Abkürzungsverzeichnis
ARL Association of Research Libraries
BOAI Budapest Open Access Initiative
bspw. beispielsweise
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft
DOAJ Directory of Open Access Journals
etc. et cetera
ISI Institute for Scientific Information
JCR Journal Citation Report
JISC Joint Information Systems Committee
LMU Ludwig-Maximilians-Universität
NDL Neue(re) deutsche Literatur
OA Open Access
OAI Open Archives Initiative
o. Ä. oder Ähnliches
PLoS Public Library of Science
S. Seite
SCI Scientific Citation Index
SD Standardabweichung (Standard Deviation)
SHERPA Securing a Hybrid Environment for Research Preservation and Access
SPARC The Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition
SPSS Superior Performance Software System
STM Science, Technology, Medicine
TAM Technology Acceptance Model
TOPB Theory of Planned Behavior (Theorie des geplanten Verhaltens)
Abkürzungsverzeichnis IX
TORA Theory of Reasoned Action (Theorie des vernünftigen Handelns)
WI Wirtschaftsinformatik
z.B. zum Beispiel
1 Einleitung 1
1 Einleitung
Die Entstehung und Verbreitung des Internet hat in diversen Branchen bereits nachhaltige Veränderungen in den Wertschöpfungsketten von Unternehmen herbeigeführt. Insbesondere in der Medienindustrie, deren Produkte vollständig digitalisierbar sind, werden diese Veränderungen deutlich sichtbar. Beispielhaft sei hier auf die Entwicklungen in der Musikbranche hingewiesen, die sich im Zuge der Digitalisierung großen Problemen gegenüber sieht und ihre Geschäftsmodelle und Strategien den neuen Herausforderungen anpassen muss.
So sieht sich auch die Wissenschaftskommunikation, der mit dem Internet eine vollkommen neue Plattform zur Verfügung steht, mit einem ähnlichen Wandel konfrontiert. 2 Analog zur Musikindustrie entwickeln sich auch in dieser Branche neue Organisationsstrukturen und Geschäftsmodelle, die neben rein elektronischen Publikationsmöglichkeiten auch Open Access-Initiativen beinhalten und gerade im Kontext der aktuellen Zeitschriftenkrise, steigender Journalpreise und sinkender Bibliotheksetats zunehmend diskutiert werden.
Die Grundidee solcher Open Access-Modelle besteht im freien und kostenlosen Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen über das Internet für Jedermann 3 und hebt sich damit von den im wissenschaftlichen Publikationswesen etablierten traditionellen, zumeist abonnementbasierten und damit kostenpflichtigen Publikationsmedien ab.
Obwohl das Thema Open Access (OA) bereits in den vergangenen Jahren in der wissenschaftlichen Gemeinschaft intensiv diskutiert wurde und auf diesem Feld zahlreiche Studien vorliegen, die sich sowohl mit den Chancen und Grenzen dieser Publikationsform als auch mit den allgemeinen Marktentwicklungen und beteiligten Akteuren befassen, konnte sich OA im wissenschaftlichen Publikationswesen bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht nachhaltig durchsetzen.
1 Bush (1945), S. 101.
2 Vgl. u.a. Rowlands / Nicholas / Huntington (2005), S. 481.
3 Zur Definition von Open Access vgl. Kapitel 2.2.1.
1 Einleitung 2
1.1 Problemstellung
“Authors want their work to be noticed, read and built upon.” - “Why then, when
presented with new means of increasing the level of notice taken of their work
are authors resistant to adopting it?” 4
Diese ganz zentrale Fragestellung liegt der vorliegenden Arbeit zugrunde. Denn obwohl bereits eine Reihe innovativer Publikationsalternativen existiert, sind es vor allem die Wissenschaftler als zentrale Anbieter und Nachfrager auf dem Markt für wissenschaftliche Information und Kommunikation, die die OA-Angebote bislang noch kaum nutzen. 5
Zwar belegen bisherige Studien zur Einstellung der Scientific Community gleichermaßen, dass OA seitens der Wissenschaftler überwiegend positiv beurteilt wird 6 und insbesondere der Grundgedanke des freien und ubiquitären Zugangs auf breite Zustimmung stößt, doch scheint es darüber hinaus weitere Faktoren zu geben, die die Akzeptanz und Nutzung von OA-Angeboten beeinflussen. So äußern Wissenschaftler unter anderem Bedenken bezüglich der Qualität und Langzeitarchivierungsmöglichkeiten der neuen Angebote. 7 Doch dadurch allein lässt sich die Zurückhaltung nicht erklären. Vielmehr ist auch nach Faktoren zu suchen, die in den komplexen Strukturen der Wissenschaftskommunikation selbst und in deren Rahmenbedingungen begründet liegen. Björk beschreibt die Situation in seiner Studie zu OA-Barrieren wie folgt:
“Trying to get researchers to support the move towards open access, which
most agree would be good for the advancement of science in prin-ciple, is like
trying to get people to behave in a more ecological way. While most people
recognise the need to save energy and recycle waste it takes much more than
just awareness to get them to change their habits on a large scale. It takes a
combination of measures of many different kinds, such as technical waste dis-posal infrastructure, legislation and taxation to get massive behavioural
changes underway.” 8
Was also sind die Faktoren, die die Zurückhaltung der Wissenschaftler gegenüber OA erklären? Wie können diese überwunden werden und wie müssen die entsprechenden Angebote angepasst werden, um sich zu einer von den Wissenschaftlern akzeptierten Publikationsalternative zu entwickeln?
Neben diesen Fragen ist außerdem zu klären, in wessen Hand diese Veränderungen liegen:
4 Swan / Brown (2004), S. 71.
5 Vgl. Swan (2006), S. 53.
6 Vgl. hierzu u.a. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2005) sowie Rowlands / Nicholas / Hun-
tington (2004).
7 Vgl. Rowlands / Nicholas / Huntington (2004), S. 1.
8 Björk (2004), S. 19.
1 Einleitung 3
„[…] it had become clear by the turn of the millenium, that the enthusiasm and
collaborative spirit of researchers involved in OA efforts was not, alone,
enough to offer viable competition to the traditional subscription based delivery
channels.“ 9
1.2 Zielsetzung
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, Gründe aufzudecken, warum sich das OA-Prinzip bis zum heutigen Zeitpunkt trotz einer grundsätzlich positiven Bewertung seitens der Wissenschaftler noch nicht nachhaltig durchgesetzt hat. Besonderes Gewicht liegt dabei auf der Einstellung der Wissenschaftler, da diese als Anbieter und Nachfrager auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen die zentralen Akteure darstellen. In der Annahme, dass die Haupttreiber auf diesem Markt in engem Zusammenhang mit der Einstellung und den Handlungen der Hauptakteure stehen 10 , sollen mit Hilfe einer empirischen Untersuchung Faktoren identifiziert werden, die das Veröffentlichungsverhalten der Wissenschaftler beeinflussen. Darüber hinaus soll herausgefunden werden, welche dieser Faktoren für die geringe Nutzung von OA-Publikationsmedien aus Sicht der Autoren ausschlaggebend sind. Dabei werden sowohl die Einstellung der Wissenschaftler selbst als auch die Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Kommunikationswesens berücksichtigt.
Auf dieser Basis können anschließend Handlungsempfehlungen für die verschiedenen Akteure auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen abgeleitet werden. Dabei stehen insbesondere solche Empfehlungen im Vordergrund, die dazu beitragen können, OA-Angebote zu verbessern, attraktiver zu gestalten und sie zu einer von den Wissenschaftlern akzeptierten Publikationsalternative zu etablieren.
1.3 Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit ist Teil eines internationalen sowie transdisziplinären Forschungsprojektes am Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München, das den Wandel der Wissenschaftskommunikation durch digitale Technologien untersucht und in dessen Rahmen bereits eine explorative Vorstudie zur Einstellung von Wissenschaftlern gegenüber OA durchgeführt wurde. 11 Parallel zur vorliegenden Arbeit entstand innerhalb desselben Projektes eine weitere Arbeit mit dem Titel OA im wissenschaftlichen
9 Björk (2004), S. 5.
10 Vgl. Wellcome Trust (2003), S. 28.
1 Einleitung 4
Publikationswesen - eine internationale Studie zur Akzeptanz unter Wissenschaftlern anhand der 'Unified Theory of Acceptance and Use of Technology' 12 , die sich derselben Problemstellung wie diese Arbeit widmet und mit deren Autor die hier beschriebene empirische Studie gemeinsam durchgeführt wurde. Die beiden Arbeiten unterscheiden sich in ihrem Untersuchungsgebiet sowie in der ihnen zugrunde liegenden theoretischen Fundierung, wie Abbildung 1.3/1 veranschaulicht.
Abbildung 1.3/1: Projekteinordnung
Die Ergebnisse der beiden Studien ergänzen sich, indem sie dieselbe Problemstellung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Gemeinsam liefern sie durch einen transdisziplinären Vergleich (Medizin, Wirtschaftsinformatik, Neue(re) Deutsche Literatur) auf der einen und einen internationalen Vergleich (Wirtschaftsinformatik Deutschland, Information Systems USA) auf der anderen Seite eine breite Grundlage für weitere Forschungsansätze.
In Kapitel 2 werden neben einer Einführung in die Grundlagen des wissenschaftlichen Publikationswesens und des Untersuchungsgegenstands OA auch disziplinenspezifische Unterschiede im Publikationsverhalten betrachtet. Anschließend werden in Kapitel 3 die explorativen und theoretischen Bezugspunkte der empirischen Untersuchung dargestellt und das Untersuchungsdesign abgeleitet. In Kapitel 4 wird die Methodik der empirischen Studie vorgestellt,
11 Vgl. hierzu Wolf (2005) sowie Kapitel 3.1 der vorliegenden Arbeit.
12 Siehe Mann (2006).
1 Einleitung 5
deren Ergebnisse in Kapitel 5 ausführlich dargestellt und erläutert werden. An dieser Stelle werden zunächst die aufgestellten Hypothesen ausgewertet, bevor in Kapitel 6 die Ergebnisse der empirischen Studie zusammengefasst sowie Handlungsempfehlungen für die Marktteilnehmer generiert werden. Abschließend werden weitere Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich von OA und Implikationen für weitere Forschungsansätze diskutiert.
Der Aufbau der Arbeit ist in Abbildung 1.3/2 übersichtlich dargestellt.
Abbildung 1.3/2: Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen 6
2 Grundlagen
2.1 Charakterisierung des Untersuchungsgebiets: Das
wissenschaftliche Publikationswesen
Um dem Leser zunächst ein grundsätzliches Verständnis des Untersuchungsgebietes zu vermitteln, wird in diesem Kapitel eine knappe Einführung in die Grundlagen des wissenschaftlichen Publikationswesens gegeben. Nach einer kurzen Vorstellung der beteiligten Akteure und deren Zusammenwirken werden grundlegende Marktzusammenhänge, Kostenaspekte und Besonderheiten aufgezeigt sowie ein Einblick in aktuelle Marktentwicklungen gegeben. Dabei wird sich in den folgenden Ausführungen allerdings auf solche Marktaspekte beschränkt, die für das Verständnis der vorliegenden Studie von Bedeutung sind, da eine umfassendere Darstellung dieses spezialisierten und äußerst komplexen Marktes den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
2.1.1 Akteure
Zunächst werden die Akteure des wissenschaftlichen Publikationswesens vorgestellt, um anschließend ihr Zusammenwirken aufzuzeigen und einen Einblick in die Aufgaben zu vermitteln, die diese auf dem Markt wahrnehmen.
Wissenschaftler als zentrale Anbieter und Nachfrager:
Als zentrale Anbieter und Nachfrager auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen nehmen die Wissenschaftler eine Sonderstellung ein, die auf anderen Märkten in dieser Art und Weise nicht zu finden ist. Sie treten sowohl in der Rolle des Produzenten (Autoren) als auch in der Rolle des Rezipienten (Leser) des auf dem Markt gehandelten Content - der wissenschaftlichen Information - auf, verfolgen in beiden Rollen allerdings mitunter unterschiedliche Ziele.
So streben wissenschaftliche Autoren in erster Linie danach, ihre Forschungsergebnisse innerhalb der Peergroup mitzuteilen, durch möglichst viele Veröffentlichungen in möglichst hochrangigen Journals Karrierefortschritte zu erzielen sowie Forschungszuschüsse und persönliches Prestige zu gewinnen. 13
Als Leser möchten Wissenschaftler auf qualitätsgeprüften Content zugreifen und aus der zunehmenden Flut wissenschaftlicher Veröffentlichungen nicht
13 Vgl. Swan / Brown (2005), S. 23 und Meier (2002), S. 78.
2 Grundlagen 7
mehr als die wichtigsten Artikel lesen. Um eine geringere Lesebelastung zu er-
reichen , wünschen sie sich daher verbesserte Informationssysteme. 14
Content - Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content- Content-
Produktion Angebot Nachfrage Intermediation Angebot Nachfrage Rezeption Produktion Angebot Nachfrage Intermediation Angebot Nachfrage Rezeption
Autor Leser Gutachter, Herausgeber, Verlag, Autor Leser Gutachter, Herausgeber, Verlag,
(Wissenschaftler) (Wissenschaftler u. A.) Druckerei, Logistik, Handel, Bibliothek (Wissenschaftler) (Wissenschaftler u. A.) Druckerei, Logistik, Handel, Bibliothek
Kapitel 2.1.1.2 Kapitel 2.1.1.2
Doppelte Rolle der Wissenschaftler als zentrale Anbieter und Nachfrager Doppelte Rolle der Wissenschaftler als zentrale Anbieter und Nachfrager
Abbildung 2.1.1/1: Content-Intermediation 15 auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen:
doppelte Rolle der Wissenschaftler 16
Abbildung 2.1.1/1 veranschaulicht die doppelte Rolle der Wissenschaftler als
Anbieter und Nachfrager auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen.
Zwischen Angebot und Nachfrage vermitteln Intermediäre, zu denen neben den
Verlagen auch Herausgeber, Gutachter, Bibliotheken, Druckereien sowie Han-
del und Logistik gehören und deren Rollen im Folgenden näher beschrieben
werden.
Verlage :
Neben den Wissenschaftlern nehmen vor allem die Verlage eine zentrale Rolle
auf dem wissenschaftlichen Publikationsmarkt ein. 17 Sie stehen untereinander
auf zwei unterschiedlichen Märkten in Konkurrenz, dem Leser- und dem Auto-
renmarkt. 18 Zu ihren Aufgaben gehören Qualitätskontrolle (Peer Review), Selek-
tion , Distribution, Archivierung und Marketing-Aktivitäten. 19 Durch die Auswahl
aus dem Angebot an wissenschaftlichen Ergebnissen anhand bestimmter Krite-
rien fungieren sie gewissermaßen als „Entscheidungsinstanz über die Inhalte
gedruckter wissenschaftlicher Kommunikation“ 20 , indem sie „durch ihre Selekti-
14 Vgl. Meier (2002), S. 78.
15 Content-Intermediation wird hier in Anlehnung an von Walter (2005) definiert als „der Handel
mit und die Vermittlung von Medieninhalten (Content) zwischen Angebot und Nachfrage auf
unvollkommenen Content-Mätkten mit dem Ziel der Reduktion von Marktimperfektionen“
16 Eigene Grafik in Anlehnung an von Walter (2005), S. 13.
17 Die folgenden Ausführungen beziehen sich vorrangig auf kommerzielle Verlage. Daneben
gibt es nicht gewinnorientierte Verleger wie Fachgesellschaften oder Universitätsverlage, de-
ren Ziele und Strukturen sich von den kommerziellen Verlegern z.T. unterscheiden.
18 Bergstrom / Bergstrom (2004), S. 2.
19 Vgl. Björk / Turk (2000), S. 3.
20 Meier (2002), 37
2 Grundlagen 8
on über den Zugang der Öffentlichkeit zu wissenschaftlichen Erkenntnissen“ 21 entscheiden.
Für die Wissenschaftler führt eine angenommene Publikation bei einem renommierten Verlag zu einem Reputationsgewinn. Ähnliches gilt auch für das Editorial Board der verschiedenen Verlagspublikationen, das ebenso wie die Wissenschaftler für seine Arbeit im Rahmen des Peer Review-Prozesses in der Regel keine finanzielle Gegenleistung vom Verlag erhält:
„We were brought up in the tradition of accepting the publisher as a guarantor
of quality. In reality the quality is provided by us, the researchers, by means of
the peer review process organized by us, for us. But we still need the publisher
for its trademark.” 22
Die besondere Stellung der Verlage wird deutlich, wenn man sich ihre zentrale, nahezu monopolartige Marktposition vor Augen führt:
„Die Angebotsposition der Verlage ist einzigartig: Der Käufer hat den Preis zu
akzeptieren, den das Journal für sein erworbenes Recht auf Abdruck fordert,
ihm steht keine Alternative zur Verfügung. Da sich wissenschaftliche Zeitschrif-ten in der Regel an eine atomistisch kleine Gruppe von Spezialisten wenden,
ist ein Titel nicht beliebig substituierbar und damit kaum mit sonst üblichen Re-
gulierungsmechanismen steuerbar. Diese Situation gibt den Zeitschriftenanbie-tern die Möglichkeit, ein monopolartiges Preisdiktat einzuführen, dem die Kun-den nicht ausweichen können.“ 23
Zu den Marktstrategien der kommerziellen Verleger gehören neben der Versorgung der Forscher und Autoren mit den besten qualitätsgesicherten Publikationen unter anderem die Verdrängung kleinerer Konkurrenten vom Markt durch Big Deals 24 , Reputationsanreize sowohl für Wissenschaftler als auch für Editoren, Übernahmen von oder Zusammenschlüsse mit Wettbewerbern sowie damit häufig einhergehende empfindliche Preiserhöhungen. 25
Im Zuge der Digitalisierung rückt allerdings auch die Rolle der Verlage in ein neues Licht. Während sie bislang noch einen eindeutigen Mehrwert durch Schriftsetzung, Druck und Distribution geleistet haben, sind die Wissenschaftler
21 Meier (2002), S. 37.
22 Kzysztof (2001), S. 26.
23 Meier (2002), S. 40-41.
24 Big Deal bezeichnet das Verlagskonzept eines gebündelten Zeitschriftenangebots, für das
die Abonnenten eine Lizenz erwerben. Der Bündelpreis an Zeitschriften liegt unter dem Ge-samtpreis der einzelnen Zeitschriften und der Lizenzpreis wird für einen bestimmten Zeit-
raum ohne Preiserhöhungen garantiert. Auf diese Weise sind die Abonnenten verpflichtet,
auch die kleineren und weniger attraktiven Publikationen des anbietenden Verlags zu bezie-
hen, da sie im Bündel enthalten sind. Dadurch wird es insbesondere kleineren Anbietern er-schwert, mit Nischenpublikationen auf den Markt zu stoßen. Der Big Deal ist ein gängiges
Verlagskonzept der großen, marktführenden Verlagshäuser wie beispielsweise Elsevier. Vgl.
Wellcome Trust (2003), S. 6.
25 Vgl. Wellcome Trust (2003), S. 28.
2 Grundlagen 9
inzwischen selbst in der Lage, ihre Forschungsergebnisse in einem geeigneten Format über das Internet zu verbreiten. 26 So ist anzunehmen, dass sich für die Verlage langfristig eine Veränderung in der Wertschöpfungskette ergeben wird, in deren Folge Aspekte wie Qualitätssicherung und Reputationswirkung stärker in den Fokus der Verlagsaktivitäten rücken, während sich bisherige Aktivitäten wie Druck und Distribution auf andere Akteure verlagern könnten. 27
Bibliotheken:
Die Bibliotheken nehmen als Käufer und Distributoren ebenfalls eine Doppelrolle ein. Im Gegensatz zu den Verlagen handeln sie jedoch „nicht primär nach ökonomischen Gesichtspunkten, sondern verfolgen das staatlich geförderte Ziel des Aufbaus eines Wissensspeichers“ 28 , da die Kosten für die Bibliotheken zum größten Teil von öffentlicher Hand getragen werden. 29 Die Bibliothekskunden erwarten die Bereitstellung der wissenschaftlichen Publikationen über die Bibliothek. Der Abonnementpreis ist für sie dabei nebensächlich, da er nicht an die Kunden weitergegeben wird, sondern sich lediglich in der Zahl der verfügbaren Publikationen niederschlägt. 30 Zu den Aufgaben der Bibliotheken zählen die Erschließung und Archivierung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die sie den Wissenschaftlern innerhalb des ihnen vorgegebenen Budgets möglichst einfach und umfassend zur Verfügung stellen sollen.
Sonstige Akteure:
Zu den übrigen Akteuren gehören die zumeist ehrenamtlich arbeitenden Editoren, die für den Peer Review-Prozess zur Verfügung stehen und sich durch ihre Tätigkeit neben einem Reputationsgewinn außerdem einen Einfluss auf die Publikationsmöglichkeiten auf ihrem Fachgebiet erhoffen. 31 Daneben spielen die verschiedenen Forschungseinrichtungen eine Rolle, deren Ziel in der Förderung und Verbreitung von Forschungsergebnissen liegt 32 , sowie die unterschiedlichen Fördergesellschaften, die diese Ziele zumeist finanziell unterstützen.
Auch wenn im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht detailliert auf die Aufgaben und Funktionen aller Marktteilnehmer eingegangen werden kann, so soll die Abbildung 2.1.1/2 dem Leser dennoch eine grundsätzliche Einordnung der
26 Vgl. Björk / Turk (2000), S. 2-3.
27 Vgl. hierzu auch Kapitel 2.2.6.
28 Meier (2002), S. 40.
29 Diese Betrachtung bezieht sich auf staatlich finanzierte Bibliotheken, die Situation an Privat-
universitäten verhält sich mitunter anders, da diese einen Kompromiss zwischen Wissens-
speicher und Wirtschaftlichkeit finden müssen.
30 Vgl. Meier (2002), S. 40.
31 Vgl. Meier (2002), S. 38.
2 Grundlagen 10
Akteure in das Gesamtsystem der Wissenschaftskommunikation ermöglichen, innerhalb dessen die drei mittleren Gruppen die Hauptwertschöpfungskette der Kreation, Produktion und Distribution bilden und das im Rahmen der für den Markt relevanten Regelungen und Rahmenbedingungen abläuft sowie von einer unterstützenden Infrastruktur untermauert wird. 33
Abbildung 2.1.1/2: Das System der Wissenschaftskommunikation 34
2.1.2 Marktmechanismen und Kostenaspekte
Der Markt für wissenschaftliche Publikationen als „zentrales Steuerungsinstrument des wissenschaftlichen Informationszuwachses in Form eines ökonomischen Filters“ 35 lässt sich in zwei divergente Märkte gliedern, den Markt für wissenschaftliche Inhalte auf der Produktionsseite sowie den Zeitschriftenmarkt auf der Absatzseite. Auf dem Inhaltemarkt gehen Verlage mit Autoren, Herausgebern und Gutachtern Verträge ein, „die dem Ziel […] nach gutverkäuflichen und innovativen Produkten nachkommen“ 36 . Auf dem Zeitschriftenmarkt geht es um
32 Vgl. Wellcome Trust (2003), S. 28.
33 Vgl. Houghton (2002), S. 4 und Kiley / Terry (2006), S. 1.
34 In Anlehnung an Houghton (2000), S. 12.
35 Meier (2002), S. 35.
36 Meier (2002), S. 35.
2 Grundlagen 11
Vertrieb und Distribution der erstellten Inhalte. Hier „wird das ehrenamtlich erstellte, wissenschaftliche Informationsgut zur Ware, für die wissenschaftliche Leser direkt oder über ihre Bibliotheken bezahlen müssen“ 37 . 38
Die Content-Bereitstellung auf dem Inhaltemarkt ist wesentlich vom Reputationsmechanismus und anderen Anreizsystemen auf dem Markt für wissenschaftliche Kommunikation geprägt, in deren Folge die Wissenschaftler klare Publikationspräferenzen und -muster aufweisen und die teilweise im Widerspruch zum eigentlichen Ziel der wissenschaftlichen Kommunikation - der weiten Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen - stehen:
„There are important, and in some ways highly negative, institutional incentives
underpinning the creation of scholarly content. Promotion, tenure and funding
allocations in universities and research institutions are often linked to publica-
tion in a few, leading, refereed journals. Scholarly communication and wide-
spread dissemination of scholarship, on the one hand; and publishing in a few
key refereed journals for the purpose of funding, promotion and tenure, on the
other are different and increasingly divergent, if not conflicting goals.” 39
Dieser Gesichtspunkt ist in der vorliegenden Studie von besonderer Bedeutung, da die Wissenschaftler offensichtlich nicht nur im Sinne der Wissensverbreitung handeln, sondern ganz bestimmten Marktmechanismen unterliegen, die wesentlichen Einfluss auf ihre Publikationsentscheidung haben. So sieht auch Björk im akademischen Anreizsystem ein mögliches Hindernis für neue, innovative Publikationsmodelle:
„The behaviour of academics as they choose to which journals and confer-
ences they submit their papers is conditioned, to a very high degree, by the
academic reward system. In most universities, publishing in the leading estab-lished journals in one's field is highly rewarded. Often, the systems are quite
explicit and include shortlists of journals, numerical weighting schemes etc.
Prestige counts much more than wide and rapid dissemination, and easy ac-
cess.” 40
Die Produktionsseite des Zeitschriftenmarktes zeichnet sich durch hohe First-Copy-Costs 41 sowie Marketing- und Distributionskosten auf der einen, und geringe - bei digitalen Angebotsformen sogar gegen null tendierende - Reproduktions- und Distributionskosten auf der anderen Seite aus. 42 Der wissenschaftliche Publikationsmarkt funktioniert bislang fast ausschließlich nach dem Reader-Pays-Modell, obwohl sich im Zuge der Digitalisierung und der damit einherge-
37 Meier(2002), S: 39.
38 Vgl Meier (2002), S. 35 u. S. 39.
39 Houghton (2002), S. 7.
40 Björk (2004), S. 15.
41 Fixkosten zur Erstellung des ersten Exemplars.
2 Grundlagen 12
henden Verbreitung von elektronischen Publikationen mit dem Author-Pays- Modellein neues Kostenmodell auf dem Markt entwickelt hat, dem die Wissenschaftler allerdings bislang noch mit Skepsis gegenüberstehen. 43 Während im Reader-Pays-Modell die Leser bzw. Bibliotheken für den Bezug der Publikationen aufkommen müssen 44 , sieht das Author-Pays-Modell Autorengebühren für kosten- sowie barrierefrei zugängliche Publikationen vor. Dieses Modell wird im Zusammenhang mit OA-Geschäftsmodellen zunehmend diskutiert und in Kapitel 2.2.3 dieser Arbeit näher beschrieben.
Besonderheiten des Marktes:
Grundsätzlich weist der Markt für wissenschaftliche Publikationen durchaus Parallelen mit dem kommerziellen Publikationswesen auf, da beide mit der „Verteilung von Information an möglichst viele Abnehmer“ 45 dasselbe Hauptziel verfolgen und sich dazu derselben Mechanismen bedienen. Doch bei genauerem Hinsehen lassen sich einige Merkmale des wissenschaftlichen Publikationswesens erkennen, in denen es sich deutlich vom kommerziellen unterscheidet. Auffällig sind in erster Linie sicherlich die Zahlungsströme, die in Abbildung 2.1.2/1 im Vergleich zum traditionellen Publikationswesen dargestellt sind.
Abbildung 2.1.2/1: Zahlungs- und Ressourcenströme im Vergleich 46
Während der Zahlungsstrom im kommerziellen Publikationswesen grundsätzlich entgegengesetzt zum Güterstrom verläuft, so entfällt im wissenschaftlichen Publikationswesen auf der ersten Produktionsstufe der Zahlungsstrom entweder vollständig oder er verläuft in Form von Autorengebühren genau in umge-
42 Fürdie genaue Zusammensetzung der Kosten und Einnahmen traditioneller Journals siehe
Tabelle A/1 im Anhang.
43 Vgl. u.a. Rowlands / Nicholas / Huntington (2004).
44 Genau genommen müsste es „Library-Pays-Modell“ heißen, da in erster Linie die Bibliothe-
ken für die Kosten der Zeitschriftenabonnements aufkommen müssen.
45 Schneider (2004), S. 3.
46 Eigene Abbildung in Anlehnung an Bergstrom / Bergstrom (2004), S. 1.
2 Grundlagen 13
kehrter Richtung vom Autor zum Verlag. Ein Grund hierfür liegt sicherlich in den bereits oben angesprochenen Anreizstrukturen und den daraus resultierenden Publikationszielen:
„In academic institutions, a scholar’s tenure, promotion, salary, and reputation
depend critically on publishing in prestigious journals and having her work
widely cited. Thus authors are willing to supply their papers for free, or even
pay to have them published in the most prestigious journal that will accept
them.“ 47
Eine weitere Marktbesonderheit besteht darin, dass sich das wissenschaftliche Publikationswesen im Gegensatz zu anderen Märkten ganz massiv auf freiwillige, unbezahlte Leistungen stützt, wie die der Autoren, Editoren und Gutachter. Auch differieren die Preise für qualitativ vergleichbare Verlagspublikationen aufgrund der außerordentlichen Marktstellung kommerzieller Verlage unvergleichlich stark. Durch einen garantierten Abnehmermarkt entfällt das unternehmerische Risiko weitestgehend, denn die Bibliotheken sind im Interesse ihrer Kunden daran interessiert, eine bestimmte Zeitschrift nur vollständig und über einen längeren Zeitraum zu beziehen. Der Erwerb einzelner Zeitschriftenausgaben ist nicht üblich und entspricht auch nicht dem Prinzip der umfassenden Erschließung und Archivierung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Anstatt von einem Abnehmermarkt spricht Schneider in Bezug auf die Marktmacht der Verleger etwas überspitzt von einem „Abhängigenmarkt“, auf dem der Lieferant mangels Alternativen prinzipiell jeden beliebig hohen Preis einfordern kann. 48
Charakteristisch ist zudem die Existenz des Peer Review, in dem Harnad eine Art „invisible hand of journal literature“ 49 sieht und der als Korrekturmechanismus „das Ausufern von irrelevanten Publikationen wirkungsvoll eindämmt“ 50 . So durchlaufen wissenschaftliche Beiträge zunächst einen Auswahl- und Qualitätssicherungsprozess, bevor sie angenommen und veröffentlicht werden. Dieses Begutachtungsverfahren ein zentraler Bestandteil des wissenschaftlichen Publikationswesens und spielt daher auch in Bezug auf OA eine wesentliche Rolle.
Ein weiterer Abgrenzungspunkt vom kommerziellen Publikationswesen besteht darin, dass die Autoren wissenschaftlicher Veröffentlichungen als Angestellte einer Hochschule in der Regel ein festes Gehalt beziehen und ihre Publikationen in erster Linie zur Sicherung von Karriere und Reputation dienen 51 anstatt unmittelbar zum Erhalt eines Einkommens.
47 Bergstrom / Bergstrom (2004), S. 1.
48 Vgl. Schneider (2004), S. 3 u. Krzysztof (2001), S. 25.
49 Harnad (1998), S. 1.
50 Schneider (2004), S. 3.
51 Vgl. Schneider (2004), S. 3.
2 Grundlagen 14
Nicht zuletzt ist dieser Markt auch geprägt von einem außergewöhnlichen Paradoxon. Denn obwohl die Forschung der Wissenschaftler an öffentlichen Universitäten aus staatlichen Mitteln finanziert wird, muss der Staat die Ergebnisse eben dieser Forschung, die über die Verlage an die Bibliotheken verkauft werden, ein zweites Mal erwerben, da auch die Bibliotheksbudgets von öffentlicher Hand getragen werden. Diese Imperfektion des Marktes ließe sich wohl nur durch eine grundsätzliche Neuverteilung der finanziellen Ressourcen im Wissenschaftssystem aufheben 52 , dessen Strukturen allerdings äußerst starr und nur schwer veränderbar sind. Einen möglichen Ansatz für einen Ausweg aus diesem Dilemma wollen OA-Angebote bieten, in deren Fall der kostenpflichtige Erwerb der Forschungsergebnisse über Abonnements entfallen würde.
Abbildung 2.1.2/2: Öffentliche und private Finanzierung im Wissenschaftssystem 53
Abbildung 2.1.2/2 veranschaulicht die Finanzierungsstruktur des heutigen Wissenschaftssystems und verdeutlicht die Ausnahmestellung der Verleger in diesem fast ausschließlich von öffentlicher Hand getragenen System.
2.1.3 Marktsituation und aktuelle Entwicklungen
Die Marktentwicklungen der vergangenen Jahre sind insbesondere gekennzeichnet von Konzentrationsprozessen im wissenschaftlichen Verlagswesen 54 ,
52 Vgl. Meier (2002), S. 194.
53 Quelle: Neumann (2006), S. 328.
54 Vgl. Glückler (2005), S. 17.
2 Grundlagen 15
die mit Preissteigerungen durch die Verlage bei gleichzeitig sinkenden bzw. stagnierenden Bibliotheksetats einhergehen. Diese beiden Entwicklungen resultieren in einer „Krise der wissenschaftlichen Informationsversorgung“ 55 , kurz „Zeitschriftenkrise“ 56 , die „als Teufelskreis verstanden werden [kann], in dem sich […] steigende Zeitschriftenpreise und hohe Gewinnvorgaben seitens der Verlage einerseits und Abbestellungen von Zeitschriften bei vorgegebenen Bibliotheksetats andererseits gegenseitig verstärken“ 57 . Abbildung 2.1.3/1 veranschaulicht dieses Phänomen und verdeutlicht den Selbstverstärkungsmechanismus der genannten Faktoren.
Abbildung 2.1.3/1: Die Zeitschriftenkrise als sich selbst verstärkender Wirkungskreislauf 58
Je stärker die Verlage die Subskriptionspreise für ihre Publikationen erhöhen, desto mehr Abonnements müssen von den Bibliotheken abbestellt werden, deren Budgets vorgegeben sind und weitgehend stagnieren. Je mehr Abonnements die Bibliotheken abbestellen, desto mehr müssen die Verlage wiederum die Preise der noch verbleibenden Abonnements anheben, um die vorgegebenen Umsatzziele erreichen zu können. 59 Diese „Preisspirale“ 60 wirkt sich negativ auf den gesamten Publikationsprozess aus und zeigt einmal mehr die besonde-
55 Glückler(2005), S. 18.
56 Der Begriff „Zeitschriftenkrise“ ist zwar die allgemein gebräuchliche Kurzbezeichnung, jedoch
weiter gefasst als die Bezeichnung „Krise der wissenschaftlichen Informationsversorgung“,
die im Gegensatz zu „Zeitschriftenkrise“ den Gegenstand des wissenschaftlichen Publikati-
onswesens klar eingrenzt. Der Begriff „Zeitschriftenkrise“ meint darüber hinaus auch die Kri-se im kommerziellen Publikationswesen, das sich ähnlichen Problemen gegenübersieht wie
die das wissenschaftliche Publikationswesen. Dennoch gibt es aufgrund der unterschiedli-
chen Markmechanismen auch hier Unterschiede. Wenn im Folgenden der Begriff „Zeitschrif-tenkrise“ genutzt wird, so geschieht das in Bezug auf die Krise des wissenschaftlichen Publi-kationswesens, da der Begriff auch hier üblich ist.
57 Neumann (2006), S. 321-322.
58 Quelle: Neumann (2006), S. 322.
59 Vgl. Neumann (2006), S. 322.
60 Glückler (2005), S. 18.
2 Grundlagen 16
re Marktstellung der Verlage auf dem Markt für wissenschaftliche Publikationen auf:
„Solch eine Logik kann sich nur ein Monopolist leisten. Wird die Nachfrage klei-ner, erhöht er einfach den Preis seines Produkts. Im normalen Wirtschaftsle-
ben wäre es genau umgekehrt. Aber Wissen ist eben keine Ware wie jede an-dere.“ 61
Zwar rechtfertigen die Verlage ihre Preissteigerungen mit Umfangserweiterungen, steigenden Kosten des Peer Review-Prozesses sowie mit den hohen Investitionen, die sie seit Mitte der neunziger Jahre in den Aufbau elektronischer Publikationssysteme getätigt haben, doch könnte der Anstieg der Produktionskosten seitens der Verlage bereits durch weniger als die Hälfte der zu beobachtenden Preissteigerungen kompensiert werden. 62 Das zeigt sich schon in den häufig deutlichen Preisunterschieden zwischen Publikationen wissenschaftlicher Gesellschaften und solchen kommerzieller Verlage, die trotz vergleichbarer Produktionskosten zustande kommen und die Rechtfertigung der überpro-portionalen Preiserhöhungen durch kommerzielle Verlage allein durch steigende Produktionskosten fraglich erscheinen lassen.
Die beschriebene Preisentwicklung schlägt sich insbesondere in einem drastischen Rückgang an Einzelabonnements nieder, den die Verlage durch erhöhte Subskriptionspreise für institutionelle Abonnenten wie Bibliotheken aufzufangen versuchen. So stehen die Bibliotheken doppelt unter Druck, indem sie sich einerseits den steigenden Abonnementpreisen gegenüber sehen und andererseits einer verstärkten Nutzung durch diejenigen Kunden, die ihre Einzelabonnements kündigen mussten und somit verstärkt auf die Informationsversorgung durch die Bibliotheken angewiesen sind. Die Zeitschriftenkrise wird häufig auch als „library problem“ 63 bezeichnet, da die Bibliotheken immer größere Probleme haben, im Rahmen ihrer Budgets dem Informationsversorgungsauftrag in angemessenem Umfang nachzukommen. 64 Die beschriebene Krise geht allerdings weit über die Bibliotheken hinaus und betrifft vielmehr das Grundprinzip und die Basis aller wissenschaftlichen Forschung:
„[Es] wird das eigentliche Ziel wissenschaftlichen Veröffentlichens unterlaufen,
denn für jeden Artikel, für seine Autoren und Autorinnen und für deren For-
schungseinrichtungen geht ein großer Teil des potenziellen Impacts verloren,
der sich im Falle der Veröffentlichung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften
nicht in Honoraren und Verkaufszahlen ausdrückt, sondern der darin besteht,
dass diese von anderen Forschern und Forscherinnen rezipiert und zitiert wer-
61 Glückler(2005), S. 18.
62 Vgl. Meier (2002), S. 31-33.
63 ARL / AAU (1998), S. 1.
64 Vgl. Andermann (2003), S. 637.
2 Grundlagen 17
den, um die eigene Forschung auf den bestehenden Wissensbeständen auf-
bauen zu können.“ 65
Die im Zuge der Digitalisierung entstandenen neuen Technologien und damit verbundenen alternativen Publikationsmöglichkeiten haben bislang keine entscheidende Verbesserung der Situation im wissenschaftlichen Publikationswesen erwirken können. Allein durch die Umstellung auf vermeintlich billiger produzierbare (kostenpflichtige) elektronische Zeitschriftenausgaben ließ sich die Zeitschriftenkrise bis heute nicht überwinden, denn die ursprünglich antizipierten Preissenkungen durch geringere Produktionskosten seitens der Verlage sind bislang weitestgehend ausgeblieben. 66 Vielmehr bieten die meisten kommerziellen Verlage ihre Online-Ausgaben inzwischen parallel zur Printausgabe (und nicht anstatt dieser) an, wodurch Kosten nicht eingespart werden, sondern zusätzlich entstehen.
Die oben beschriebene „Störung der Balance zwischen den Akteuren der traditionellen Wertschöpfungskette“ 67 verdeutlicht die Dringlichkeit der Suche „nach neuen Perspektiven für die Produktion, Distribution und Archivierung wissenschaftlicher Information“ 68 , um den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen auch zukünftig angemessen sicherstellen zu können. Allerdings sind bei den großen Verlagen „bisher keine neuen Geschäftsmodelle erkennbar, die dem Innovationspotential der Internettechnologie gerecht werden“ 69 . Bislang sind es überwiegend die kleineren Verlage, die „durch den Einsatz neuer Produktions-und Verbreitungstechnologien zur Neugestaltung des Publikationsprozesses beitragen und damit die Probleme klären helfen wollen“ 70 . Diese bemühen sich einerseits um neue Kooperationsformen zur Produktion und Distribution wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie andererseits um die „Herausgabe von Zeitschriften als Konkurrenzprodukte zu überteuerten Zeitschriften, um Einfluss auf die Preisentwicklung zu nehmen“ 71 .
An dieser Stelle setzt auch die OA-Bewegung an. Zwar ist „aus makroökonomischer Perspektive noch offen, wie genau die Open-Access-Bewegung das wissenschaftliche Publikationswesen verändern wird“ 72 , doch sind auch hier zunächst Konkurrenzprodukte zu überteuerten Verlagsangeboten denkbar. Als
65 Mruck / Gradmann / Mey (2004), S. 5 in Anlehnung an Harnad (2003).
66 Vgl. Neumann (2006), S. 322.
67 Glückler (2005), S. 17.
68 Glückler (2005), S. 17.
69 Glückler (2005), S. 23.
70 Glückler (2005), S. 23.
71 Glückler (2005), S. 8.
72 Neumann (2006), S. 323.
2 Grundlagen 18
äußerstes Extrem der OA-Initiative taucht auch immer wieder die Forderung nach „100 Prozent OA“ auf, die insbesondere von Stevan Harnad vertreten wird 73 , doch zunächst muss sich diese Publikationsalternative als solche erst einmal etablieren, bevor solch weit reichende Forderungen laut werden können.
Das folgende Kapitel charakterisiert zunächst die Grundidee der OA-Angebote, ihre Erscheinungstypen und Finanzierungsmodelle sowie mit ihnen verbundene Chancen und Probleme, bevor ein Ausblick auf mögliche Veränderungen in der Wertschöpfungskette durch OA gegeben wird.
2.2 Charakterisierung des Untersuchungsgegenstands: Open
Access
Die Forderung nach OA geht als Reaktion auf die oben beschriebenen Marktentwicklungen und dem damit einhergehenden zunehmend eingeschränkten Zugang zu wissenschaftlicher Information 74 hervor und wird durch die neue Technologie des Internet ermöglicht. Die Budapest Open Access Initiative (BOAI) beschreibt die Ziele sowie die durch das Internet entstehenden Möglichkeiten von OA wie folgt:
“An old tradition and a new technology have converged to make possible an
unprecedented public good. The old tradition is the willingness of scientists and
scholars to publish the fruits of their research in scholarly journals without
payment, for the sake of inquiry and knowledge. The new technology is the
internet. The public good they make possible is the world-wide electronic dis-
tribution of the peer-reviewed journal literature and completely free and unre-
stricted access to it by all scientists, scholars, teachers, students, and other cu-
rious minds. Removing access barriers to this literature will accelerate re-search, enrich education, share the learning of the rich with the poor and the
poor with the rich, make this literature as useful as it can be, and lay the foun-
dation for uniting humanity in a common intellectual conversation and quest for
knowledge.” 75
Das Internet tritt also als technologischer Treiber für die Entwicklung von OA-Angeboten auf, wobei es in seiner Vielfalt an Anwendungen und Funktionen in der wissenschaftlichen Kommunikation auf unterschiedliche Weisen zur Anwendung kommen kann. So kann die Internettechnologie zur interpersonalen Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern, zum öffentlichen Diskurs sowie zu der im Fokus der OA-Initiative stehenden Distribution wissenschaftlicher In-formation genutzt werden - sowohl im Bereich der Forschung als auch zum Zwecke der Veröffentlichung, wie in Abbildung 2.2/1 dargestellt.
73 Vgl. Neumann (2006), S. 323.
74 Vgl. Armbruster (2005), S. 3.
75 BOAI (2002).
2 Grundlagen 19
Abbildung 2.2/1: Möglichkeiten der Internet-Nutzung in der wissenschaftlichen Kommunikation 76
Hier wird einmal mehr die doppelte Rolle der Wissenschaftler als Leser (Forschung) und Autor (Veröffentlichung) deutlich. Die hier vorliegende Arbeit setzt sich zwar mit dieser doppelten Rolle der Wissenschaftler auseinander, die durchgeführte empirische Studie konzentriert sich aufgrund des zugrunde liegenden Forschungsdesigns allerdings auf die Autorenperspektive und klammert die Leserperspektive weitestgehend aus.
Zunächst sollen an dieser Stelle der Begriff OA definiert und seine Kernelemente identifiziert werden, um eine einheitliches Begriffsverständnis als Grundlage für die nachfolgenden Kapitel sowie für die durchgeführte empirische Studie zu liefern.
2.2.1 Definition und Begriffsabgrenzung
Zum Begriff „Open Access“ existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, nicht zuletzt deshalb, da sich das OA-Konzept erst in einer vergleichsweise frühen Entwicklungsphase befindet. Dennoch gibt es einige Kerndokumente, die aufeinander aufbauen und eine gemeinsame Begriffsdefinition bilden. 77 Die wichtigsten dieser Dokumente werden im Folgenden dargelegt und anhand ihrer Definitionen die Kernelemente des OA-Prinzips identifiziert. 78
76 Eigene Grafik in Anlehnung an Eisend (2002), S. 310.
77 Vgl. Bailey (2006), S. 1 in Anlehnung an Suber (2006).
78 Für eine detaillierte Beschreibung der gängigen OA-Definitionen siehe u.a. Bailey (2006).
2 Grundlagen 20
Die Grundlage aller OA-Definitionen bildet die Budapest Open Access Initiative, die aus einem vom Open Society Institute im Dezember 2001 veranstalteten Treffen mit dem Ziel einer internationalen Verbesserung des Online-Zugangs zu Zeitschriftenliteratur 79 hervorging und die bis heute einflussreichste OA-Definition liefert: 80
„The literature that should be freely accessible online is that which scholars
give to the world without expectation of payment […] By ‘open access’ to this
literature, we mean its free availability on the public internet, permitting any us-ers to read, download, copy, distribute, print, search, or link to the full texts of
these articles, crawl them for indexing, pass them as data to software, or use
them for any other lawful purpose, without financial, legal, or technical barriers
other than those inseparable from gaining access to the internet itself. The only
constraint on reproduction and distribution, and the only role for copyright in
this domain, should be to give authors control over the integrity of their work
and the right to be properly acknowledged and cited.” 81
Die Kernelemente von OA lassen sich demnach zusammenfassen als freier Zugang zu wissenschaftlicher Information in Form digitaler, unentgeltlich bereitgestellter Veröffentlichungen über das Internet. 82
Die wichtigsten Erweiterungen zur Definition der BOAI liefern das Bethesda Statement on Open Access Publishing sowie die von führenden Wissenschaftlern unterzeichnete Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities aus dem Jahr 2003. Beide spezifizieren die genauen Rechte, die die Nutzer von Open Access-Publikationen erhalten sollen, und fordern darüber hinaus die Ablage in einem geeigneten Online-Speicher. Peter Suber, ein aktiver Vertreter der OA-Bewegung, fasst diese drei zentralen Definitionen als „BBB-Definition“ zusammen und weist den Wegfall von Kosten- sowie Zugangsbarrieren als die Kernelemente aller Open Access-Publikationen aus: 83
“Open-access […] literature is digital, online, free of charge, and free of
most copyright and licensing restrictions.” 84
Auf diese Zusammenfassung der drei elementaren OA-Definitionen baut auch die vorliegende Arbeit auf, wobei der Leser immer im Auge behalten sollte, dass
79 Vgl. Glückler (2005), S. 28.
80 Vgl. Bailey (2006), S. 1.
81 BOAI (2002); diese Definition umfasst sowohl qualitätsgeprüfte Veröffentlichungen in wissen-
schaftlichen Journals als auch sämtliche nicht qualitätsgeprüften Preprints.
82 Darüber hinaus nennt die BOAI eine Vielzahl von erlaubten Verwertungsarten der bereitge-
stellten Information (”permitting any users to read, download, copy, distribute, print, search,
or link to the full texts of these articles, crawl them for indexing, pass them as data to soft-
ware, or use them for any other lawful purpose”) und schlägt mit der Selbstarchivierung und
mit OA-Journals zwei Strategien zur Realisierung des OA-Prinzips vor. Für den genauen
Wortlaut siehe BOAI (2002).
83 Vgl. Suber (2004).
2 Grundlagen 21
OA eine Zugangsform zu wissenschaftlicher Information ist und als solche weder ein eigenes Geschäftsmodell 85 , noch eine Lizenz oder den Inhalt von Publikationen darstellt. 86 An dieser Stelle sei zur Klarstellung auch darauf hingewiesen, dass OA-Publikationen nicht mit bloßen elektronischen Veröffentlichungen gleichzusetzen sind. So stellen beide zwar wissenschaftliche Information in digitaler Form über das Internet zur Verfügung, doch unterscheiden sich OA-Publikationen von erstgenannten in der Bedingung des kosten- und barrierefreien Zugangs ganz wesentlich.
2.2.2 Erscheinungsformen
OA-Publikationen umfassen grundsätzlich zwei unterschiedliche Erscheinungsweisen, die Veröffentlichung von Artikeln in OA-Zeitschriften 87 sowie deren Selbstarchivierung in Form von Preprints oder Postprints. 88 Abbildung 2.2.2/1 zeigt eine entsprechende Übersicht.
Abbildung 2.2.2/1: Erscheinungsformen von Open Access-Publikationen 89
Open Access-Zeitschriftenartikel:
OA-Zeitschriften sind digitale sowie frei zugängliche wissenschaftliche Publikationen, die sich gewöhnlich der gleichen Qualitätsprüfungsmechanismen bedienen wie traditionelle wissenschaftliche Zeitschriften 90 und Lizenzen wie bei-
84 Suber(2006); Hervorhebungen durch die Autorin.
85 Vielmehr gibt es unterschiedlichste Geschäftsmodelle, die mit dem OA-Prinzip vereinbar sind.
86 Vgl. Suber (2006).
87 Darüber hinaus sind auch Open Access-Monographien, -Bücher etc. denkbar.
88 Vgl. u.a. Swan / Needham / Probets / Muir / O’Brien / Oppnheim / Hardy / Rowland (2005), S.
2; Mugabushaka / Fournier (2005), S. 3; BOAI (2002).
89 Eigene Grafik in Anlehnung an Mugabushaka / Fournier (2005), S. 3.
90 In den meisten Fällen wird der Peer Review-Prozess durchlaufen.
2 Grundlagen 22
spielsweise Creative Commons 91 nutzen. Gewöhnlich verbleibt das Copyright der Artikel beim Autor. 92 Veröffentlichungen in solchen Journals werden demnach definiert als „qualitätsgeprüfte wissenschaftliche Zeitschriftenbeiträge, die in speziellen Journals im Internet für alle Leser entgeltfrei zugänglich sind” 93 . Das Directory of Open Access Journals, das von der Universität Lund herausgegeben wird, verzeichnet derzeit 2.346 OA-Journals mit 105.724 Artikeln. 94
Anbieter von OA-Zeitschriften umfassen sowohl reine OA-Verlage, die allein zu diesem Zweck gegründet wurden und ausschließlich OA-Publikationen herausgeben 95 , als auch traditionelle Verlage 96 , die OA-Publikationen zusätzlich zu ihren konventionellen Veröffentlichungen anbieten. Daneben existiert noch eine Reihe „nicht-taditioneller“ Herausgeber, wie beispielsweise Institute, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken oder Fachverbände, die im Zuge der Digitalisierung in die Lage versetzt wurden, selbstständig Artikel zu veröffentlichen. 97
Selbstarchivierung:
Die zweite Form der Veröffentlichung von OA-Artikeln, die explizit in der BOAI genannt wird 98 , ist die Selbstarchivierung. Sie umfasst sowohl Preprints als auch Postprints, die gemeinsam als e-Prints bezeichnet werden, d.h. als „digitale Kopien wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die online zur Verfügung gestellt werden, um den Zugang zu diesen Veröffentlichungen zu verbessern. 99 Selbstarchivierte Artikel können wahlweise auf persönlichen oder institutionellen Webseiten oder in einem fachspezifischen OA-Archiv 100 zur Verfügung gestellt werden. 101
91 Creative Commons ist eine weltweit agierende Non-Profit-Organisation, die Autoren und anderen Urhebern kreativer Werke hilft, ihre Schöpfungen digital zu verbreiten und das Ziel
verfolgt, einen Fundus allgemein zugänglicher Inhalte im Internet zu schaffen. Der Urheber
kann frei zwischen unterschiedlichen Lizenzen wählen, mit denen er sein Werk belegen will.
Für weiterführende Informationen zu Creative Commons und den einzelnen Lizenzen siehe
Creative Commons (2006) unter http://de.creativecommons.org/ und Wikipedia (2006c).
92 Vgl. Bailey (2006), S. 11.
93 Mugabushaka / Fournier (2005), S. 3; diese Definition schließt neben Veröffentlichungen in
ausgewiesenen Open Access-Journals unter dem Stichwort Open Choice auch solche Ver-
öffentlichungen ein, die in traditionellen (kostenpflichtigen) Journals gegen eine Autorenge-
bühr entgeltfrei zugänglich gemacht werden. Vgl. hierzu OECD (2005), S. 57 u. Hess / Rau-
scher (2006), S. 14-15.
94 DOAJ (2006): siehe www.doaj.org (Stand 2006-08-22).
95 z.B. BioMed Central, PLoS.
96 z.B. Springer.
97 Vgl. Bailey (2006), S. 11-13.
98 Vgl. BOAI (2002).
99 Vgl. Swan / Needham / Probets / Muir / O’Brien / Oppnheim / Hardy / Rowland (2005), S. 2.
100 z.B. arXiv (http://arxiv.org/) oder Cogprints (http://cogprints.org/).
101 Vgl. Swan / Brown (2005), S. 26.
2 Grundlagen 23
Elektronische Preprints sind Vorabversionen von Artikeln, die (noch) keinerlei Qualitätsprüfung durchlaufen haben, gewöhnlich aber anschließend bei einem Journal zur Publikation eingereicht werden. 102 Sie werden meist auf Autorenwebseiten verfügbar gemacht, um Forschungsergebnisse frühzeitig zu kommunizieren, da der anschließende Peer Review mitunter sehr zeitintensiv ist.
Elektronische Postprints sind im Gegensatz zu Preprints bereits qualitätsgeprüfte „konventionelle Publikationen, die von den Verlagen zusätzlich für eine entgeltfreie Veröffentlichung im Internet freigegeben wurden“ 103 und stellen somit „sekundäre Publikationen“ 104 bereits veröffentlichter Beiträge dar. Postprints von Artikeln sind dann möglich, wenn das Copyright entweder beim Autor selbst liegt oder wenn der Verlag, bei dem die eigentliche Veröffentlichung erschienen ist, die Selbstarchivierung von Artikeln in seinen Richtlinien ausdrücklich gestattet. 105 Verbreitet ist in diesem Zusammenhang auch das so genannte Delayed Open Access, das die Veröffentlichung von Postprints erst nach einem vom Verlag bestimmten Zeitraum vorsieht, während dessen eine Publikation zunächst nur für Abonnenten zugänglich ist. 106
Bislang werden die Möglichkeiten der Selbstarchivierung seitens der Wissenschaftler wesentlich stärker genutzt als die Publikation reiner OA-Zeitschriftenartikel. Gerade in Bezug auf Letztere zeichnet sich eine komplementäre Nutzung des Internet zur Verbreitung der wissenschaftlichen Information ab, denn die meisten Artikel, die über ein OA-Veröffentlichungsmedium verfügbar gemacht werden, erscheinen zusätzlich in konventionellen Publikationsmedien oder werden anschließend bei sochen eingereicht. 107
Nach Harnad stellen Veröffentlichungen in OA-Zeitschriften (Gold Road) sowie die Selbstarchivierung von Artikeln (Green Road) zwei unterschiedliche Wege zur vollständigen Realisation des OA-Prinzips dar. Anhand der Verlagsrichtlinien unterscheidet Harnad zusätzlich zwischen solchen Verlagen bzw. Zeitschriften, die nur das Archivieren von Preprints (pale green) erlauben, und solchen, die außerdem das Archivieren von Postprints (full green) gestatten. 108 Die unterschiedlichen Farben sind dabei nicht als eigenständige Ansätze, sondern
102 Vgl. Bailey (2006), S. 7 u. Bailey (2005), S. XVII.
103 Mugabushaka / Fournier (2005), S. 3.
104 Mugabushaka / Fournier (2005), S. 3.
105 Eine Übersicht über die Veröffentlichungsrichtlinien bzgl. Selbstarchivierung bietet die
SHERPA/RoMEO-Liste unter http://www.sherpa.ac.uk/romeo.php; SHERPA (2006).
106 Vgl. OECD (2005), S. 57.
107 Vgl. Eisend (2002), S. 314.
108 Vgl. Harnad Harnad / Brody / Vallières / Carr / Hitchcock / Gingras / Oppenheim / Stamerjo-
hanns / Hilf (2004), S. 310 u. Harnad (2006), S. 3.
2 Grundlagen 24
vielmehr als Entwicklungsphasen in der OA-Bewegung anzusehen: „The two roads […] will merge to create a mature Open Access landscape.“ 109
Bemerkenswert ist sicherlich, dass bislang erst etwa 10 bis 20 Prozent aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen selbstarchiviert werden 110 , obwohl nach Harnad bereits 79 Prozent der Journals 111 ihren Autoren „grünes Licht“ für die Selbstarchivierung ihrer Artikel gegeben haben. 112
Wenn in den anschließenden Kapiteln von OA gesprochen wird, so ist dabei immer das Grundprinzip des freien Zugangs zu wissenschaftlicher Information gemeint, das beiden beschriebenen Wegen gleichermaßen zugrunde liegt - es sei denn, es wird explizit auf einen der beiden Wege verwiesen.
2.2.3 Finanzierungsmodelle
Zur Finanzierung von OA-Angeboten verfolgen die Anbieter unterschiedliche Finanzierungsstrategien, von denen das Modell der Autorengebühren im Folgenden kurz erläutert werden soll. Gewöhnlich werden allerdings verschiedene Finanzierungsmodelle miteinander kombiniert. Sie schließen sich also nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich im Idealfall.
Autorengebühren:
Diejenige Finanzierungsmöglichkeit, die im Zusammenhang mit OA am intensivsten diskutiert wird, stellen sicherlich die Autorengebühren dar und die mit ihnen verbundene Umstellung von einem Reader Pays- auf ein Author Pays- Finanzierungsmodell 113 :
„The most controversial [business model] is the one involving author charges
[…] since this reverses the role of a publisher from a seller of a commodity to
consumers to a provider of services to authors. Getting individual researchers
to pay sums in the order of 500-1500 Euro for publication might be very difficult
unless a journal already is regarded as a top-level journal in its field.” 114
Durch Veröffentlichungsgebühren für jedes angenommene Manuskript sollen nach diesem Modell die traditionellen Subskriptionskosten ersetzt werden. 115
109 Guédon (2004), S. 315.
110 Vgl. Harnad (2006), S. 3.
111 Nach Harnad sind 68% der Journals bereits “full green” und 25% “pale green”. Insgesamt
sind es nach SHERPA (2006) 79 Prozent der Verlage, die Selbstarchivierung in zumindest
einer der beiden Formen erlauben.
112 Vgl. Harnad (2006), S. 3.
113 Ein detaillierter Überblick über Vor- und Nachteile von Autorengebühren kann Tabelle A/2 im
Anhang entnommen werden.
114 Vgl. Björk (2004), S. 12.
115 Vgl. Glückler (2005), S. 49.
2 Grundlagen 25
Einige OA-Journals erlassen aber solchen Autoren die anfallenden Gebühren, die nicht in der Lage sind, diese aufzubringen. 116 Soll die Zahlungsverpflichtung nicht vollständig beim jeweiligen Autor belassen werden, so können Autorengebühren auf unterschiedliche Weisen refinanziert werden. Eine Refinanzierung der Autorengebühren empfiehlt sich gerade in der aktuellen Entwicklungsphase von OA-Journals, da es für einen erfolgreichen Markteintritt eines neuen Journals erforderlich ist, möglichst viele hochkarätige Autoren zu gewinnen.
Die Einstellung der Wissenschaftler gegenüber Autorengebühren ist bereits in diversen Studien untersucht worden und ist auch für die vorliegende Studie von Bedeutung. 117 Generell sind wissenschaftliche Autoren der Meinung, dass sie die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse nicht aus eigener Tasche bezahlen sollten. Daher ist die Zahlungsbereitschaft der Autoren vergleichsweise gering, wobei sich in den einzelnen Disziplinen gravierende Unterschiede erkennen lassen. 118 In den Augen der Autoren sollten anfallende Publikationsgebühren in erster Linie von Fördergesellschaften, ihren Institutionen oder den Bibliotheken getragen werden. 119
Sonstige Finanzierungsmodelle:
Sonstige Finanzierungsmodelle von OA-Publikationen umfassen institutionelle Trägerschaften 120 , Trägerschaften durch Fachgesellschaften, Querfinanzierung durch Angebote weiterer Produkte oder Dienstleistungen 121 sowie Finanzierung durch Werbung 122 oder Spenden. 123 Auf diese kann an dieser Stelle allerdings nicht im Detail eingegangen werden, um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen.
116 Vgl. Glückler (2005), S. 51 u. Bailey (2006), S. 12.
117 Vgl. u.a. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2005), Swan / Brown (2004), Schroter / Tite /
Smith (2005), Waltham (2006), Rowlands / Nicholas (2006).
118 Im Gegensatz zu anderen Fachbereichen zeigen Lebenswissenschaftler eine wesentlich
höhere Zahlungsbereitschaft. Am geringsten ist die Zahlungsbereitschaft bei den Geistes-und Sozialwissenschaftlern ausgeprägt. Vgl. hierzu Tabelle A/ im Anhang.
119 Vgl. Swan / Brown (2004), S. 1. Siehe hierzu auch Abbildung A/1 im Anhang.
120 Hier tragen die jeweiligen Institutionen (Universitätsverlage, Bibliotheken, etc.) nicht nur die
Publikationskosten, sondern sind auch unmittelbar für Organisation und Betrieb des Journals
verantwortlich.
121 Denkbar sind Printversionen, CD-ROMs, Portalangebote etc.
122 Diese Finanzierungsmöglichkeit gestaltet sich mitunter schwierig im Hinblick auf die zu wah-
rende Unabhängigkeit eines Journals. Andererseits zeichnet sich wissenschaftliche Fach-
journals aufgrund ihrer zumeist sehr homogenen Lesergruppe durch ein vergleichsweise ho-
hes Vermarktungspotential aus.
123 Vgl. Neumann (2006), S. 329-332. Auf diese Quelle sei auch für weitere Informationen und
detaillierte Ausführungen zu den jeweiligen Finanzierungsmodellen hingewiesen.
2 Grundlagen 26
2.2.4 Potentiale
Das OA-Prinzip birgt eine Reihe von Potentialen, das wissenschaftliche Publikationswesen nachhaltig verändern zu können. Einige Vorteile von OA sind auf den ersten Blick erkennbar, während andere erst bei näherer Betrachtung deutlich werden. In diesem Kapitel werden die wichtigsten Potentiale von OA sowie strategische Vorteile gegenüber konventionellen Publikationsmethoden dargelegt und jeweils kurz erläutert. Gleichzeitig wird darauf eingegangen, wie diese Vorteile von den wissenschaftlichen Autoren bislang beurteilt werden und welche Rolle sie für ihre Entscheidung spielen, in Form von OA zu publizieren. Diese Einschätzungen stützen sich auf vorangegangene Studien, die die Einstellung von Wissenschaftlern gegenüber OA untersucht haben. In der vorliegenden Studie wird anschließend untersucht, wie die Potentiale von Open Access seitens der Wissenschaftler bewertet werden.
Größere Leserschaft durch ubiquitären Zugang:
Das größte Potential von OA-Publikationen liegt in seinem Veröffentlichungsprinzip und seinem Kerngedanken des freien Zugangs zu wissenschaftlicher Information begründet. Nicht nur Wissenschaftler, sondern jeder Interessierte kann jederzeit und überall auf sämtliche wissenschaftliche OA-Publikationen zugreifen, sofern er über einen Internetanschluss verfügt.
Insbesondere für kleine, finanziell schwächere Forschungsinstitute sowie für Wissenschaftler in Entwicklungsländern, die sich den teuren Zugang zu kostenpflichtigen Publikationen nicht leisten können, bietet OA neue Chancen für den Zugang zu wissenschaftlicher Information 124 und damit eine potentielle Steigerung der Leserschaft wissenschaftlicher Publikationen weltweit. So wird OA auch das Potential zugeschrieben, einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung des Digital Divide 125 leisten zu können, indem ärmere Länder nicht mehr vom Zugang zu Forschungsergebnissen ausgeschlossen werden können. 126 Denkbar ist auch, dass durch die größere Leserschaft und die uneingeschränkte Zugangsmöglichkeit zu wissenschaftlichen Erkenntnissen langfristig die Innovationsrate des globalen Wissenschaftssystems gesteigert werden kann. 127
124 Vgl. Bergstrom / Bergstrom (2004), S. 5 sowie Glückler (2005).
125 Unter Digital Divide wird die digitale Wissenskluft insbesondere zwischen ärmeren und rei-
cheren Ländern verstanden, die sich auf die Hypothese der wachsenden Wissenskluft von
Tichenor, Donohue und Olien aus dem Jahr 1970 stützt und eine Spaltung zwischen Perso-
nen mit und ohne Zugang zu digitalen Informations- und Kommunikationsmedien prognosti-
ziert. Für eine genaue Definition des Digital Divide vgl. Wikipedia (2006a) u. (2006b).
126 OA kann zwar im Sinne des Digital Divide keinen Beitrag für Personen ohne Internetzugang
leisten, doch kann es die Situation für Personen mit Internetzugang, aber ohne die finanziel-len Mittel für den Zugang zu kostenpflichtiger wissenschaftlicher Information verbessern.
127 Vgl. Neumann (2006), S. 325.
Arbeit zitieren:
M. A. Jenni Schmalenbach, 2006, Open Access im wissenschaftlichen Publikationswesen - eine transdisziplinäre Studie zur Akzeptanz anhand der Theorie des geplanten Verhaltens, München, GRIN Verlag GmbH
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