Gliederung
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
3. Optimale Integration aller Altersschichten
4. Potentiale älterer Arbeitnehmer
5. Kultivierung dieser Potentiale
6. Fazit
1. Einleitung
Wir erleben in den Industrieländern zurzeit einen starken demografischen Wandel. Zum einen
erreichen die Menschen im Durchschnitt ein immer höheres Lebensalter und leben somit bei
gleich bleibenden Renteneintrittsalter länger von den Rentenzahlungen. Auf der anderen
sinken die Geburtenraten, so dass zukünftig weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt
eintreten , obwohl der Bedarf nach qualifizierten Arbeitskräften weiter ansteigt. Dieses Prob-
lem wurde mittlerweile von den meisten Unternehmen erkannt. Das Thema wird sehr ernst
genommen , was sich beispielsweise darin zeigt, dass mit „Chance 2006“ im Oktober 2006
erstmals eine öffentlich zugängliche Fachtagung mit namenhaften Referenten zu diesem
Thema in Deutschland stattfand. Ein weiteres Problem ist, dass das Durchschnittsalter der
Belegschaften in Unternehmen ansteigt, während relativ wenig neue und junge Arbeitnehmer
eingestellt werden. Schon heute bildet den größten Anteil in den Belegschaften vieler Unter-
nehmen die Altersgruppe der 40-50 Jährigen. 1
In diesem Zusammenhang stehen nach einer kurzen Darstellung der theoretischen Grundlagen
zur Personalökonomie folgende Fragen im Vordergrund:
Wie lässt sich eine optimale Integration aller Altersschichten in einer Belegschaft rea-
lisieren ?
Welche Potentiale bietet die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer?
Wie können diese Potentiale in den Belegschaften kultiviert werden?
1 vgl. Astor/Jasper, 2001, 14
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2. Theoretische Grundlagen
Humankapital betrifft schulische und betriebliche Bildung. Letztere steigt mit zunehmendem Dienstalter in der Regel an. Laezar 1998 entwickelt zu diesen so genannten Senioritätslöhnen folgendes Modell, welches auf dem Kalkül der Effizienzlohntheorie aufbaut. Zu Beginn einer Karriere wird dem Arbeitnehmer ein Lohn gezahlt, welcher unter seinem persönlichen Humankapitalwert liegt. Dieser Lohn steigt mit dem Alter an, bis am Ende einer Karriere ein Lohn gezahlt wird, welcher über seinem persönlichen Humankapitalwert liegt. Dieses impliziert zusätzliche Arbeitsanreize, da die Arbeitnehmer ein Interesse daran haben, sich besonders anzustrengen, um die späteren hohen Lohnzahlungen nicht zu gefährden. 2 Weiterhin steigt nach diesem theoretischen Modell der Wert der Freizeit eines Arbeitnehmers mit seinem Dienstalter an, bis der Arbeiter das Unternehmen im Idealfall zu genau dem Zeitpunkt verlässt, wo sein persönliches Produktivitätsniveau gleich dem Wert der Freizeit ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Produktivitätsniveau eines Arbeiters im hohen Alter nach einem langen Anstieg langsam wieder abnimmt. Diese Entwicklung ist dadurch zu erklären, dass sich seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten wie beispielsweise Reaktionszeit, Auffassungsaufgabe und Geschwindigkeit usw. im hohen Alter verschlechtern. Die folgende Grafik stellt die Entwicklung des Humankapitalwertes, Lohns und Freizeitwert eines typischen Arbeitnehmers im dynamischen Verlauf dar. W bezeichnet hierbei den Humankapitalwert, W’ den Humankapitalwert eines weniger produktiven Arbeitnehmers, L den Lohn und F den Freizeitwert eines Arbeitnehmers.
2 vgl. Lazear, 1998, S. 2 ff.
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Abbildung 1: Wert, Lohn und Freizeitwert eines Arbeitnehmers im dynamischen Verlauf
Theoretisch machen Unternehmen bereits ab dem Zeitpunkt t 0 Verluste, da der Lohn des Arbeiters seinen Wert übersteigt. Allerdings würden die Unternehmen durch ein frühes Entlassen des Arbeitnehmers zum Zeitpunkt t 0 längerfristig mehr Nachteile als Vorteile erfahren. So würden sie beispielsweise ihre Reputation verlieren, indem insbesondere junge Arbeitnehmer von dieser Kündigung erfahren würden und die Anreizwirkung somit verloren ginge. Andererseits müssen besonders diejenigen Unternehmen, welche starkem Druck durch Gewerkschaften ausgesetzt sind, darauf achten, dass die Steigerung des Lohns nicht zu groß wird, da sich die Beschäftigung ansonsten nur noch lohnen könnte, wenn die Arbeitnehmer frühzeitig entlassen werden. Es bestehen für Unternehmen jedoch noch weitere Möglichkeiten, Anreize zu schaffen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise eine direkt erfolgsabhängige Entlohnung des Arbeitnehmers. 3
3 vgl. Milgrom und Roberts, 1992, S. 206; Kräkel, 1999, S. 59; Prendergast, 1999, S. 3 ff.; Irlenbusch/Sliwka,
2003, S. 6 ff.
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Arbeit zitieren:
Andre Marchand, 2006, Der demographische Wandel im Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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