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Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 4
1. Drei Ereignisse - Ein Thema 4
2. Der Zeitpunkt - Kein Zufall 5
3. Die Fragen 6
II. Die Israel-Lobby in den USA - Wer ist das? 6
1. Begriffliches 6
2. Größe 7
3. Organisationen 7
a) American Israel Public Affairs Committee (AIPA)C 8
b) Sonstige Organisationen 8
4. Zwischenergebnis 9
III. Die Israel-Lobby in den USA - Eine Lobby wie jede andere? 9
1. Begriffliches 9
2. Besonderheiten ethnischer Lobbys in den USA 10
a) Voraussetzungen 10
b) Arten 11
c) Adressaten 11
d) Instrumentarium 12
e) Legitimität 13
f) Gefahren 14
3. Rechtliche Behandlung ethnischer Lobbys 15
a) Foreign Agents Registration Act (FARA) 15
b) Lobbying Disclosure Act (LDA) 16
4. Zwischenergebnis 17
3
IV. Die Israel-Lobby in den USA - Wie kann man ihren Einfluss messen? 17
1. Allgemeines 17
2. Messung des Einflusses von Lobbyisten 18
a) Interne Faktoren 18 b) Externe Faktoren 19
3. Zwischenergebnis 20
V. Die Israel-Lobby in den USA - Wie groß ist ihr Einfluss wirklich? 20
1. Erfolge der Israel-Lobby 20
a) Selbsteinschätzung 20 b) Fremdeinschätzung 21
2. Einflusskonkurrenten 21
a) Andere jüdische Organisationen 21 b) Die Evangelikalen 22 c) Die Arabische Lobby 23
3. Gleichklang israelischer und amerikanischer Interessen 24
a) Gemeinsame Werte 24
b) Gemeinsame regionale Interessen 24
c) Gemeinsame geostrategische Interessen 25
4. Besondere Beziehungen zwischen Israel und den USA 25
a) Israel als US-Verbündeter im Kampf gegen den Kommunismus 25 b) Israel als US-Verbündeter im Kampf gegen den 26 internationalen Terrorismus
Zwischenergebnis 27 5.
VI. Zusammenfassung 27
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I. Einführung
1. Drei Ereignisse - Ein Thema
Ende 2006 hat der ehemalige amerikanische Präsident Jimmy Carter mit seinem Buch „Palestine - Peace not Apartheid“ 1 für Riesenwirbel bei der so genannten Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten gesorgt 2 . In dem Buch übt der für seine Verdienste beim Camp-David-Abkommen im Jahre 2002 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident unverblümte Kritik an der expansiven Siedlungspolitik Israels in den besetzten palästinensischen Gebieten und den darin herrschenden Lebensverhältnissen. Vor allem wirft er der „Israel-Lobby“ vor, Debatten über Amerikas Außenpolitik gegenüber Israel zu blockieren und handelte sich damit großen Ärger ein 3 .
Nur kurze Zeit zuvor, am 4. Oktober 2006, ist ein von dem polnischen Konsulat in New York geplanter Auftritt des britischen Historikers Tony Judt, wie vermutet wurde, auf Druck der Israel-Lobby kurzfristig abgesagt worden 4 . Tony Judt selbst hat die Israel-Lobby dafür verantwortlich gemacht 5 . Als ursächlich für die Aktion sieht er seine den Auffassungen der Israel-Lobby widersprechende These an, dass die Zukunft Israels und der Palästinenser nicht in einer Zweistaatenlösung zu suchen sei, die nach seiner Ansicht ohnehin nie verwirklicht werden könne, sondern in einem binationalen Staat 6 .
Den Beginn der Auseinandersetzung hatte jedoch ein Aufsatz der Politologen Stephen M. Walt und John J. Mearsheimer im März 2006 markiert 7 . Ihre Analyse gipfelte in der Behauptung, dass nicht mehr die nationalen Interessen der USA das
1 Simon & Schuster, New York, 2006.
2 Vgl. die ausführliche Zusammenstellung in: Wikipedia, Palestine - Peace not Apartheid, 08.02.2007, die alleine 12 Seiten umfasst sowie vor allem: Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America, A comprehensive collection of Jimmy Carters Errors, 22.01.2007.
3 Vgl. für Deutschland: Jordan Mejias, Apartheid? in FAZ v. 09.02.2007 und o.V., Jimmy Carter provoziert die Israel-Lobby in: NZZ v. 07.02.2007.
4 Vgl. zur Chronologie der Ereignisse: Judeosphere, Anatomy of a Controversy, 06.10.2006.
5 Vgl. seine Interviews in: SZ v. 24.10.2006 und in: Die Zeit v. 12.11.2006.
6 Vgl. Tony Judt, „Israel: Die Alternative“, Blätter für deutsche und internationale Politik 2003, S. 1472 (bes. S. 1477).
7 The Israel Lobby and US Foreign Policy, March 2006, auch in: London Review of Books, Vol. 28, No.
6 (March 23, 2006).
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Hauptziel amerikanischer Außenpolitik seien, sondern die maßgeblich von der Israel-Lobby beeinflusste besondere Beziehung der USA zu Israel. Dieser Artikel löste einen Sturm der Entrüstung aus 8 , der, wie in den beiden vorangegangenen Fällen, auch diese beiden Autoren unter Antisemitismusverdacht stellte.
Alle drei Ereignisse haben ein Thema, nämlich den Einfluss der jüdischen Lobby oder der Israel-Lobby auf die amerikanische Außenpolitik. Wenngleich das Thema in den Vereinigten Staaten nicht neu ist 9 , fällt doch auf, dass die zeitlichen Abstände, in denen das Thema an die Oberfläche gelangt, immer kürzer und die Intensität 10 , mit der es diskutiert wird, immer heftiger wird. Das bedeutet zugleich, dass man der Diskussion nicht mehr länger ausweichen kann.
2. Der Zeitpunkt - Kein Zufall
Die Tatsache, dass die Diskussion über den Einfluss der Israel-Lobby auf die amerikanische Außenpolitik gerade jetzt so intensiv geführt wird, ist kein Zufall. Mehrere Ereignisse wirken dabei zusammen. Zum einen die starke Betonung nationaler Interessen durch die Regierung von Präsident Bush, die Ereignisse um und nach dem 11. September 2001, die aktuelle Hoffnungslosigkeit des Nahost-Friedensprozesses und die zunehmend hoffnungslose Lage der USA im Irak mit großen Verlusten an amerikanischen Soldaten 11 .
8 Vgl. zu dieser Kontroverse nur: Wikipedia, The Israel Lobby and US Foreign Policy, 27.01.2007, sowie die Analyse von Jörg Bremer, Israel und Amerika in: FAZ v. 16.11.2006.
9 Vgl. dazu schon: Goldberg, David Howard, Foreign Policy and Ethnic Interest groups, American and Canadian Jews Lobby for Israel, 1990, S. 4, der schon damals feststellte, dass es “no lack of material” gebe.
10 Zu Recht konstatiert von Jordan Mejias, a.a.O. (Anm. 3); nicht ganz zutreffend daher die Aussage von Tony Judt in: SZ v. 24.10.2006 und Die Zeit v. 02.11.2006, dass seit 9/11 eine Atmosphäre der Angst herrsche, in der man sich scheue, Israel zu kritisieren.
11 Im Irak-Krieg waren bis Oktober 2006 mehr als 2.800 tote amerikanische Soldaten zu beklagen, vgl. Department of Defense, www.defenselink.mil., 31.10.2006, sowie Zakavia, Fareed, Rethinking Iraq: The Way Forward in: Newsweek, November 6/2006, S. 22 ff.
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All dies hat auch in den USA den Blick geschärft und Fragen danach entstehen lassen, was das Land im Nahen Osten eigentlich tut und wie und warum es dieses tut.
3. Die Fragen
Das Thema hat viele Aspekte, u. a. soziologische, politologische, juristische, staatstheoretische und ethnologische und provoziert viele Fragen, von denen nachfolgend nur die wichtigsten behandelt werden sollen. Was versteht man überhaupt unter der jüdischen Lobby oder der Israel-Lobby? 12 Ist die Israel-Lobby eine Lobby wie jede andere oder eine besondere Lobby? 13 Wie kann man den Einfluss einer Lobby messen und kann man ihn überhaupt messen? 14 Und schließlich: wie groß ist der Einfluss der Israel-Lobby auf die amerikanische Außenpolitik wirklich? 15
II. Die Israel-Lobby in den USA - Wer ist das?
1. Begriffliches
Ist die Israel-Lobby für die einen eine der einflussreichsten Lobbyistengruppen weltweit 16 , so ist sie für die anderen lediglich ein Mythos 17 . Einer der Einwände gegen die Analyse von Mearsheimer ist daher auch die mangelnde Präzision 18 des Begriffs „jüdische Lobby“ gewesen. Dieser Begriff wird zu Recht als vage 19 und irreführend angesehen, nicht zuletzt deswegen, weil ein Großteil der Mitglieder dieser Lobby nicht jüdisch ist. Insofern ist der Begriff Israel-Lobby geeigneter, auch weil er das Ziel der Lobby korrekter wiedergibt. Problematisch kann insofern sein, dass die Israel-Lobby vorgibt, für die Juden generell zu sprechen 20 . Dies ist jedoch,
12 Dazu unten II.
13 Dazu unten III.
14 Dazu unten IV.
15 Dazu unten V:
16 Vgl. dazu nur: Mearsheimer, a.a.O. (Anm. 7).
17 Vgl. Prashad, Vijay, The Myth of the „Jewish lobby“ in: Frontline v. 27.09. - 10.10.2003.
18 Vgl. in diesem Sinne nur: Verbeeten, David, How important is the Israel Lobby? in: Middle East Quarterly 4/2006, S. 37 und Simes, Dimitri K., Unrealists in: The National Interest, Summer 2006, S. 5 ff.
19 Vgl. Bard, Mitchell, The Israeli and Arab Lobbys in: Jewish Virtual Library, 2007.
20 Auch AIPAC spricht nicht für alle Juden, sondern höchstens für die „mythische American Jewish Comunity“, vgl. in diesem Sinne Prashad, a.a.O. (Anm. 17).
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worauf Tony Judt zu Recht hingewiesen hat 21 , auf die Tatsache zurückzuführen, dass Israel der einzige demokratische Staat ist, der seine Bürger auf Grund ethnischreligiöser Kriterien klassifiziert, was wiederum eng mit der Entstehung Israels und der Schoah verknüpft ist.
2. Größe
Weltweit gibt es 13 Millionen Juden. 22 In den USA leben 5,2 Millionen 23 , das sind ca. 2 Prozent der amerikanischen Bevölkerung. Die meisten von ihnen, nämlich rd. zwei Millionen, leben in New York, nach Tel Aviv die Stadt mit dem zweitgrößten jüdischen Bevölkerungsanteil 24 . Große Gemeinden jüdischer Einwohner gibt es auch in Los Angeles, in Südost-Florida, Philadelphia, Chicago, Boston, San Francisco und Washington. Beachtliche jüdische Bevölkerungsanteile gibt es darüber hinaus in Baltimore, Detroit, Cleveland und Atlanta.
Die reine Größe des jüdischen Bevölkerungsanteils in den USA lässt somit noch keine Rückschlüsse auf den Einfluss der Israel-Lobby auf die amerikanische Politik zu. 25 Im Gegenteil ließe ein Anteil von nur zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung der USA eher auf einen schwachen, denn auf einen starken politischen Einfluss schließen.
3. Organisationen
Es gibt zahlreiche jüdische Organisationen in den USA 26 , von denen jedoch einige besonders herausragen. Dazu gehört an allererster Stelle das American Israel Public Affairs Committee.
21 A.a.O. (Anm. 6), S. 1478 mit dem Hinweis, dass „die amerikanischen Apologeten Israels (dies) geschickt zu nutzen (verstehen)“.
22 Vgl. Singer, David/Grossman, Lawrence (Hrsg.), American Jewish Yearbook, The Annual Record of Jewish Civilization, Vol. 105 (2005), S. 87 ff.
23 ebenda, S. 106.
24 ebenda. S. 121.
25 In diesem Sinne auch: Prashad, a.a.O. (Anm. 17), S. 2.
26 Einen Überblick dazu gibt das American Jewish Yearbook, a.a.O. (Anm. 22), S. 541 ff.
Arbeit zitieren:
Simone Köbel, 2007, Der Einfluss der 'Israel-Lobby' auf die Außenpolitik der USA, München, GRIN Verlag GmbH
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